Die erste arabische Kriegsmarine

🇳🇱 640 eroberten die Araber die römische Provinz Ägypten, aber 646 wurde Alexandrien schon wieder durch eine römische Flotte zurückerobert. Die blieb nicht so lange, aber Mu‘āwiya, der kompetente Gouverneur von Syrien, der später Kalif wurde, erkannte plötzlich, wie leicht das neue arabische Reich vom Meer aus angegriffen werden konnte. Er überzeugte seinen etwas passiven Großonkel, den Kalifen ‘Uthmān, von der Notwendigkeit eine Flotte aufzubauen. Er bekam die Erlaubnis und zwang unzählige Schiffbauer in Syrien und Ägypten sich an die Arbeit zu machen. Nach drei Jahren lag eine Flotte von nicht weniger als 1700 Kriegsschiffen vor der syrischen Küste: „Man sah vor lauter Masten das Meer nicht mehr.“
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Jetzt sollte die Flotte natürlich ausprobiert werden. Im Frühling 649 brachte man 12.000 Soldaten an Bord und ein Teil der Flotte fuhr für einen Überfall auf die noch römische Insel Zypern aus. Die dortigen Bewohner ließen die Soldaten ungehindert von Bord gehen, weil sie meinten, es seien Römer. Man konnte sich offensichtlich nicht vorstellen, dass es so etwas wie eine arabische Flotte geben konnte. Die Truppen konnten einfach in die Hauptstadt Constantia (griechisch Σαλαμίνα, Salamina; unweit vom heutigen Famagusta) einmarschieren, die sie besetzten und plünderten. Sehr große Mengen Gold und Silber und eine große Zahl von Sklaven und Sklavinnen wurden erbeutet. So wurden die Kosten des Flottenbaus weitgehend wettgemacht.
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Ein Hadith erzählt, dass eine Frau namens Umm Haram gerne als Soldat mit ihrem Mann mitgehen wollte, auf dieser Expedition gegen Zypern. Man ließ sie mitgehen, aber sie fiel nach der Rückkehr in Syrien von ihrem Reittier, starb und wurde somit Märtyrerin. Zu ihrem Gedächtnis baute man 1816 eine Moschee bei ihrem Grab auf Zypern. Vor Ort meinte man wohl, sie sei auf Zypern umgekommen.

[…] von Anas ibn Mālik, von seiner Tante Umm Harām bint Milhān: Der Prophet schlief eines Tages in meiner Nähe und als er aufwachte, lächelte er. Ich fragte ihn, warum er lachte. Er antwortete: [Im Traum] sind mir Menschen aus meiner Gemeinde gezeigt worden, reitend auf dem grünen Meer  wie Könige auf ihren Thronen. Sie sagte: Bete zu Gott, dass er mich zu einer von ihnen macht! Darauf bat der Prophet für sie und schlief wieder ein; dasselbe geschah noch einmal. Er sagte: Du bist eine der Ersten.
[Und in der Tat,] sie ging an der Seite ihres Gatten ‘Ubāda ibn as-Sāmit mit auf den Raubzug, als die Muslime mit Mu‘āwiya zum ersten Mal das Meer befuhren. Als sie von dem Raubzug heimkehrten und in Syrien wieder an Land gingen, wurde ihr ein Tier zum Reiten gebracht, aber es warf sie ab und daran starb sie.1

Das Fahren und Plündern verlief sehr angenehm. Mu‘āwiya nahm darauf Kurs auf Konstantinopel, aber seine Flotte wurde von den Römern vertrieben. Dann lieber nach Arwad, eine kleine Insel vor der syrischen Küste, die er aber wegen ihrer sehr starken Befestigungsanlagen nicht einnehmen konnte. Inzwischen wurde es Winter und die Flotte kehrte nach Syrien zurück, aber im Frühling 650 eroberte Mu‘āwiyas Flotte Arwad und schleifte die Festungen. Dann wurde Zypern noch mal überfallen, wo diesmal römische Soldaten lagerten. Diese spornten die Bewohner an durchzuhalten, aber beim Anblick der arabischen Flotte ergriffen die die Flucht und versuchten überall sich zu verstecken. Vergebens: Die Araber „zupften sie aus den Rissen im Boden wie Eier, die in einem Nest zurückgelassen waren.“ Abermals wurden große Mengen Edelmetall erbeutet und nicht weniger als 50.000 Sklaven—wenn diese Zahl nicht übertrieben ist. Constantia hat sich nie davon erholt.
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Die Schiffbauer und die Seeleute waren alle christliche Kopten und Syrer; die Soldaten waren Araber. Die Syrer wie auch die Ägypter waren seit Jahrhunderten mit dem Meer vertraut. Obwohl die Schifffahrt im Koran ein nicht unwichtiges Thema ist, scheuten die Muslime in Syrien sich aber vor dem Meer. Dass die Matrosen und Ruderer Christen waren, erwies sich noch 716 als ein Nachteil. Als die Flotte Konstantinopel angreifen wollte, aber beim heutigen Rumeli Hisarı am Bosporus überwintern musste, liefen viele von ihnen zu den Römern über, weil ihnen jetzt einfiel, dass sie Christen waren und deshalb eigentlich zum Römerreich gehörten.

Fortsetzung folgt

BIBLIOGRAFIE
– Robert G. Hoyland, In God’s Path: The Arab Conquests and the Creation of an Islamic Empire, Oxford 2015, S. 90–3.
– Hugh Kennedy, The Great Arab Conquests. How the Spread of Islam Changed the World We Live In, London 2007, Kap.. 10.

ANMERKUNG
1. Bukhārī, Djihād 8, var. Djihād 3, 17:

حَدَّثَنَا عَبْدُ اللَّهِ بْنُ يُوسُفَ قَالَ حَدَّثَنِي اللَّيْثُ حَدَّثَنَا يَحْيَى عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ يَحْيَى بْنِ حَبَّانَ عَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ عَنْ خَالَتِهِ أُمِّ حَرَامٍ بِنْتِ مِلْحَانَ قَالَتْ نَامَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَوْمًا قَرِيبًا مِنِّي ثُمَّ اسْتَيْقَظَ يَتَبَسَّمُ فَقُلْتُ مَا أَضْحَكَكَ قَالَ أُنَاسٌ مِنْ أُمَّتِي عُرِضُوا عَلَيَّ يَرْكَبُونَ هَذَا الْبَحْرَ الْأَخْضَرَ كَالْمُلُوكِ عَلَى الْأَسِرَّةِ قَالَتْ فَادْعُ اللَّهَ أَنْ يَجْعَلَنِي مِنْهُمْ فَدَعَا لَهَا ثُمَّ نَامَ الثَّانِيَةَ فَفَعَلَ مِثْلَهَا فَقَالَتْ مِثْلَ قَوْلِهَا فَأَجَابَهَا مِثْلَهَا فَقَالَتْ ادْعُ اللَّهَ أَنْ يَجْعَلَنِي مِنْهُمْ فَقَالَ أَنْتِ مِنْ الْأَوَّلِينَ فَخَرَجَتْ مَعَ زَوْجِهَا عُبَادَةَ بْنِ الصَّامِتِ غَازِيًا أَوَّلَ مَا رَكِبَ الْمُسْلِمُونَ الْبَحْرَ مَعَ مُعَاوِيَةَ فَلَمَّا انْصَرَفُوا مِنْ غَزْوِهِمْ قَافِلِينَ فَنَزَلُوا الشَّأْمَ فَقُرِّبَتْ إِلَيْهَا دَابَّةٌ لِتَرْكَبَهَا فَصَرَعَتْهَا فَمَاتَتْ.

Diakritische Zeichen: Muʿawiya, ʿUṯmān, Umm Ḥarām bint Milḥān, ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit, al-Buḫārī

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Wie leicht wird man Scharia-Regeln los?

🇳🇱 In islamischen Umgebungen gab es von alters her relativ wenige Abbildungen von Menschen oder Tieren, und Standbilder noch weniger. Es gibt nämlich eine Anzahl Hadithe, in denen das Anfertigen solcher Bilder verboten oder zumindest die potentiellen Produzenten stark entmutigt werden. Seit dem Vordringen der Fotografie im Nahen Osten, also ab ca. 1860, wollte jeder fotografiert werden und das Verbot kippte. Fotos seien ja nichts anderes als Spiegelbilder, kopfüber projiziert auf der Rückseite eines Kästchens, so dachte man auf einmal darüber, und auch Standbilder könnten nicht schaden, so lange sie nur nicht angebetet würden. Und welcher Zeitgenosse würde das wollen, außer den komischen Christen mit ihren Ikonen und Heiligenbildern?
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Nur noch Reste des Verbots sind übrig geblieben: keine Abbildungen des Propheten oder dessen Gefährten, keine Fotos an Orten, an denen das Gebet verrichtet wird.
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Heutzutage gibt es im Nahen Osten eine Kunstszene genau wie bei uns mit allem was dazu gehört: Maler und Bildhauer, Grafiker, Fotografen, Museen, Galerien, Ausstellungen, Auktionen und kunsthistorische Ausbildungen, Graffiti und Installationen. Anfangs brachte diese Kunst nicht viel Bedeutendes hervor, aber neuerdings hat sie gehörig an Qualität aufgeholt.
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Die Verführungen von Film und Fernsehen waren natürlich auch unwiderstehlich. Muftis erklärten das alles bei näherer Betrachtung für erlaubt. Die ersten Kinos datieren bereits von ca. 1900 und heutzutage sind die Schüssel auf den Dächern nicht mehr wegzudenken.
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Nur in ganz strengen Umgebungen, wie bei den Wahhabiten und ihrem bewaffneten Arm Daesh („Islamischer Staat“), bei den Taliban und in traurigen Gebieten in Ost-Afrika werden die vermeintlichen(?) Gebote noch zum Großteil befolgt. Obwohl man natürlich nie weiß, ob dort nicht vielleicht doch nach dem Abendgebet blonde Mädels auf westlichen Pornoseiten angeschaut werden. Auch diese Verführung ist für viele unwiderstehlich.
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Aber auch in Saudi-Arabien kippen manchmal die Regeln. Es war im Königreich zum Beispiel verboten, in der Öffentlichkeit Fotos zu machen. Als die Regierung 2006 beschloss, den Tourismus zu fördern, verschwand auch dieser Verbot ohne viel Aufhebens ( → Naef, Bilder 121–2).
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In Saudi-Arabien müssen reisende Frauen von männlichen Verwandten begleitet werden. Aber Flugbegleiterinnen müssen das nicht, wohl aus praktischen Gründen. Ein ganz frommer Mann, der das anstößig fand und lauthals protestierte, wurde aus einem Flugzeug entfernt und abgeführt. Ein königsnaher Mufti erklärte danach, dass die Begleiterinnen im Flugzeug nicht begleitet werden müssten, aber durchaus am Flughafen von männlichen Verwandten abgeholt werden sollten. Dazu hier.
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Iran produzierte von alters her beträchtliche Mengen Kaviar, die dem Land Millionen einbrachten. Der schiitischen Jurisprudenz zufolge war der Stör aber ḥarām, weil er keine Schuppen hat. Der Handel damit war demzufolge auch verboten, aber es wurden immer Wege gefunden, das Verbot zu umgehen. Im zweiten Jahr nach der islamischen Revolution wurden die Regeln verschärft und daher kam der Handel mit diesem im dekadenten Westen so begehrten Produkt zum Erliegen. Das führte aber zu finanziellen Einbußen. Schriftgelehrte und Biologen wurden konsultiert und siehe da: man entdeckte doch etwas Schuppenähnliches am Unterleib des Störs, der deshalb bei näherer Betrachtung durchaus erlaubt schien. Im vierten Jahr nach der Revolution, 1983, fand Khomeini persönlich die Zeit eine Fatwa abzufassen, die den Stör und seinen Kaviar für erlaubt erklärte. Wenn Sie Lust haben auf eine komplizierte, talmudisch anmutende Diskussion über die Zulässigkeit von Fischen mit oder ohne Schuppen, lesen Sie → Chihabi. Aber wir verstehen auch so, dass es vor allem die vielen zu verdienenden Dollars waren, die den Stör ḥalāl machten.
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Kurzum: Wenn Muslimen danach ist, eine Scharia-Regel abzuschaffen, gelingt ihnen das schon; oft sogar in ziemlich unkomplizierter Weise.

BIBLIOGRAFIE:
– H.E. Chihabi, „How Caviar Turned Out to Be Halal,“ in Gastronomica, The Journal of Critical Food Studies, 7:2. Online hier.
– Sylvia Naef, Bilder und Bilderverbot im Islam, München 2007, oder das französische Original: Y a-t-il une «question de l’image» en Islam?, Paris 2004.

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Dürfen Frauen in die Moschee gehen?

🇳🇱 Jemand wies daraufhin, dass der Prophet Mohammed Frauen zwar erlaubte in die Moschee zu gehen, aber doch lieber sah, dass sie zu Hause blieben. Das untermauerte er mit dem Verweis auf nur einen Hadith (unten Nr. 7).
Ich habe geantwortet, dass es auch andere Hadithe gibt und dass man nie nur einen Hadith zitieren soll. Erst wenn man alle Hadithe zu einem gewissen Thema zusammengestellt hat, sieht man, worum es sich in den Texten handelt. Das wird aber oft ein unerreichbares Ideal bleiben, denn ein Thema wie dieses gründlich zu erforschen würde einen erfahrenen Forscher — und wo gibt es die noch?— zwei Monate kosten und andere noch viel mehr. Ich kann das jetzt nicht machen, deshalb bleibe ich an der Oberfläche. Auf die Schnelle habe ich in den wichtigsten Sammlungen, den sog. Neun Büchern, 22 Hadithe zu dieser Frage gesammelt. Es gibt ohne Zweifel viele mehr, aber diese 22 geben doch einen Eindruck—der sich wieder ändern könnte, wenn etwa Texte aus den älteren „nicht-kanonischen“ Sammlungen herangezogen würden, wie z.B. die des ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī. Die Texte brauchen noch nähere Analyse; manche sind richtig raffiniert! Es wäre mal an der Zeit, dass die Hadithliteratur, die jeder angeblich so wichtig findet, gründlich analysiert wird, anstatt dass man immer wieder mit einem willkürlichen Zitat kommt. Aber wer wird dieses Studium unternehmen?

Ein Nichtmuslim muss nicht glauben, dass alle diese 22 Hadithe wirklich auf Mohammed zurückgehen. Zum Glück, denn sonst hätte der Prophet schon ganz viele Meinungen zum Thema gehabt. Was solche Texte zeigen ist, dass der Besuch der Frauen in der Moschee offensichtlich irgendwo, irgendwann ein Diskussionsthema war. Klar ist auch, dass in diesen Texten der Prophet als Befürworter dargestellt wird und dass der Widerstand vor allem vom Kalifen ‘Umar und dessen Nachkommen ausging (Hadith 4–6, 13). Das ist oft der Fall in dieser Literatur. Aber auch (Ibn) ‘Umars Widerstand ist nicht historisch belegt. „‘Umar“ steht für die Rechtsschule von Medina, die erheblich strenger war als die Schulen im Irak, woher die meisten Hadithe stammen. Siehe dazu ‘Umar und der Prophet.

Ich gehe vorläufig davon aus, dass diese Diskussion ca. 720–750 stattgefunden hat, obwohl ich das nicht beweisen kann (s. Hadithe datieren).

Der Hadith, in dem der Prophet Frauen erlaubte in die Moschee zu gehen, war offensichtlich überall fest etabliert. Gegner konnten den Text nicht wegschaffen, aber sie versuchten ihren Standpunkt durchzusetzen indem sie an den Texten herumbastelten und einschränkende Phrasen hinzufügten. Auch das passiert oft in der Welt des Hadith; ein gründliches Studium würde das ans Tageslicht bringen.

Was würde gegen die Anwesenheit von Frauen in der Moschee sprechen? Sie könnten störend oder verführend wirken oder Männer in einer unwürdigen Position sehen. Die Frauen beten ja hinter den Männern—wenn sie aufblicken haben sie die Aussicht auf eine ganze Reihe Männergesäße. Dies könnte unerwünschte Situationen mit sich bringen (Hadith 20). Deshalb sollten sie das Gebet etwas früher verlassen—oder etwas später aufblicken.

Verwandte Themen, die man dazu noch untersuchen könnte: Der abendliche Toilettengang der Frauen. Die Frau als Ablenkung vom Gebet.

In den 22 Hadithen erkenne ich die folgenden Motive:
– Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen (Variante: wenn ihr Mann einverstanden ist).
– Sie dürfen, aber es ist besser, dass sie zu Hause bleiben.
– Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht oder nur bedingt.
– Sie dürfen, aber ohne Schmuck und vornehme Kleidung.
– Sie dürfen, aber nur abends/nachts. [Im Dunkel stören oder verführen sie ja niemand.]
– Selbstverständlich dürfen Frauen in die Moschee; sie sind einfach da.
– Frauen sind in der Moschee, aber sie sollen sich nach dem Gebet früher zurückziehen [um Begegnungen mit Männern vorzubeugen].

Hier folgen die Hadithtexte erst in Übersetzung, danach im ursprünglichen Arabisch.

Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen
1. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”
2. Der Prophet hat gesagt: “Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten in die Moscheen zu gehen, gebt ihnen die!”
3. Der Prophet hat gesagt: “Wenn die Frau von einem von euch um Erlaubnis bittet [in die Moschee zu gehen], verbietet es ihr nicht!”

4. ‘Abdallāh ibn ‘Umar: Ich habe den Propheten sagen hören: “Verbietet euren Frauen nicht, in die Moschee zu gehen, wenn sie euch um Erlaubnis bitten!”
‘Abdallāh [ibn ‘Umar]s Sohn Bilāl sagte: Bei Gott, aber sicher verbieten wir ihnen das! Darauf lief sein Vater zu ihm hin und schimpfte ihn so furchtbar aus, wie ich es von ihm noch nie gehört hatte, und er sagte: Ich überliefere dir etwas vom Propheten und dann sagst du: Bei Gott, wir verbieten ihnen das!
5=13. Ibn ʿUmar: Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie zum Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
6. Eine der Frauen ‘Umars beteiligte sich am Morgengebet und am Abendgebet in der Gemeinde in der Moschee. Jemand fragte sie: Warum gehst du aus? Du weißt doch, dass ‘Umar das nicht gern hat und dass er eifersüchtig ist?
– Und was würde ihn daran hindern es mir zu verbieten?
– Was ihn daran hindert, ist der Hadith des Propheten: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”

Sie dürfen in die Moschee gehen, aber zu Hause bleiben ist besser.
7. Der Prophet hat gesagt: „Verbietet euren Frauen nicht in die Moscheen zu gehen, aber zu Hause bleiben ist besser für sie.“

Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht.
8. Der Prophet befahl uns [an Feiertagen] heiratsfähige Mädchen, die in Absonderung leben, [in  die Moschee] gehen zu lassen. Und er befahl menstruierende Frauen von dem Gebetsplatz der Muslime fernzuhalten.
9. Uns  wurde befohlen an Feiertagen [in die Moschee] zu gehen: die Frauen, die in Absonderung gehalten werden, und die Jungfrauen. Menstruierende Frauen gehen nach den anderen Menschen und sprechen den takbīr zusammen mit den anderen Menschen.

Sie dürfen, aber nicht aufgedonnert
10. Hätte der Prophet gewusst, wie die Frauen heutzutage herumlaufen, so hätte er ihnen verboten in die Moschee zu gehen, wie dies auch den Frauen der Israeliten verboten war. (Ich fragte ‘Amra: War es denen denn verboten? Ja, sagte sie.)
11. “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen, aber lasst sie unparfümiert gehen!” Aisha sagte: Hätte der Prophet gesehen, wie sie heutzutage sind, hätte er es ihnen verboten.
12. Der Prophet saß einmal in der Moschee, als eine Frau aus Muzaina in einem Prachtgewand hereinparadierte. Da sagte der Prophet: “Menschen, verbietet euren Frauen Prachtgewänder zu tragen und damit in der Moschee zu prunken!  Denn die Israeliten wurden erst verflucht, als ihre Frauen anfingen Prachtgewänder zu tragen und damit in den Moscheen zu prunken.”

Sie dürfen abends/nachts
13=5. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie als Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
14. Der Prophet hat gesagt: „Erlaubt den Frauen nachts in die Moscheen zu gehen.“
15. Der Prophet hat gesagt: „Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten nachts in die Moschee zu gehen, gebt ihnen die!“
16. Wenn der Prophet das Morgengebet verrichtete, gingen die Frauen weg, in ihre Wollgewänder gehüllt, unkenntlich im Dunkeln.
17. Der Prophet wartete im ersten Drittel der Nacht, als ‘Umar ihm zurief: Die Frauen und Kinder sind schlafen gegangen. Da kam der Prophet heraus und sagte: “Niemand in der Welt wartet darauf außer euch.” (Zu der Zeit wurde nur in Medina das Gebet verrichtet und man tat das im ersten Drittel der Nacht, zwischen dem Augenblick, als das Abendrot verschwand, bis zu einem Drittel der Nacht.)
18. Der Prophet verrichtete das frühe Morgengebet als es noch dunkel war; dann gingen die Frauen der Gläubigen weg, unkenntlich im Dunkeln (Variante: ohne einander zu erkennen).

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee
19. Der Prophet hat gesagt: Wenn ich das Gebet lang machen will, aber dann das Weinen eines kleinen Kindes höre, dann leiere ich es schnell herunter, weil ich die Mutter ungern stören möchte.
20. Ich habe Männer gesehen, die sich ihr Lendentuch um den Hals geknüpft hatten wie kleine Jungen, weil ihr Lendentuch zu knapp war, und so hinter dem Propheten das Gebet verrichteten. Jemand sagte: „Frauen! Ihr sollt eure Köpfe nicht heben, bevor die Männer es tun!“

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee, aber sie sollen früher weggehen
21. Der Prophet war gewohnt, wenn er den taslīm sprach, ein wenig zu zögern. Man war der Meinung, das geschehe um die Frauen vor den Männern weggehen zu lassen.
22. Als der Prophet den taslīm sprach, standen die Frauen auf, wenn er diesen beendete, während er noch ein wenig an seinem Platz, blieb bevor er selber aufstand. Wir meinen, aber Gott weiß es am Besten, dass das geschah, damit die Frauen weggingen, bevor die Männer sie überholen würden.
23. Zur Zeit des Propheten standen die Frauen auf, wenn sie mit dem festgelegten taslīm fertig waren, während der Prophet und diejenigen, die mit ihm das Gebet verrichteten, noch ein wenig blieben. Und wenn der Prophet aufstand, standen auch die anderen Männer auf.

TEXTE UND BELEGSTELLEN DER HADITHE

1.  حدثنا محمد بن عبد الله بن نمير حدثنا أبي وابن إدريس قالا حدثنا عبيد الله عن نافع عن ابن عمر أن رسول الله ص قال لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Muslim, Salāt 136
2. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا ابن نمير ثنا حنظلة سمعت سالما يقول سمعت ابن عمر يقول سمعت رسول الله ص يقول: إذا استأذنكم نساؤكم الى المساجد فأذنوا لهن. Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
3. حدثنا مسدد حدثنا يزيد بن زريع عن معمر عن الزهري عن سالم بن عبد الله عن أبيه عن النبي ص إذا استأذنت امرأة أحدكم فلا يمنعها. Bukhārī, Ādhān 166 = ± Muslim, Salāt 134
4. حدثني حرملة بن يحيى أخبرنا ابن وهب أخبرني يونس عن ابن شهاب قال أخبرني سالم بن عبد الله أن عبد الله بن عمر قال سمعت رسول الله ص يقول لا تمنعوا نساءكم المساجد إذا استأذنكم إليها قال فقال بلال بن عبد الله والله لنمنعهن قال فأقبل عليه عبد الله فسبه سبا سيئا ما سمعته سبه مثله قط وقال أخبرك عن رسول الله ص وتقول والله لنمنعهن. Muslim, Salāt 135
5. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن.  Muslim, Salāt 138, = ± 139; ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
6. حدثنا يوسف بن موسى حدثنا أبو أسامة حدثنا عبيد الله بن عمر عن نافع عن ابن عمر قال كانت امرأة لعمر تشهد صلاة الصبح والعشاء في الجماعة في المسجد فقيل لها لم تخرجين وقد تعلمين أن عمر يكره ذلك ويغار قالت وما يمنعه أن ينهاني قال يمنعه قول رسول الله ص لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Bukhārī, Djum‘a 13 
7.  حدثنا عثمان بن أبي شيبة حدثنا يزيد بن هارون أخبرنا العوام بن حوشب حدثني حبيب بن أبي ثابت عن ابن عمر قال: قال رسول الله ص لا تمنعوا نساءكم المساجد وبيوتهن خير لهن. Abū Dāwūd, Salāt 52
8.  حدثني إبو الربيع الزهراني حدثنا حماد حدثنا أيوب عن محمد عن أم عطية قالت: أُمرنا (تعني النبي ص) أن نخرج في العيدين العواتق وذوات الخدور وإمرالحيض أن يعتزلن مصلى المسلمين. , Muslim, ‘Īdain 10
9. حدثنا يحيى بن يحيى أخبرنا أبو خيثمة عن عاصم الأحول عن حفصة بنت سيرين عن أم عطية قالت كنا نؤمر بالخروج في العيدين والمخبأة والبكر قالت الحيض يخرجن فيكن خلف الناس يكبرن مع الناس. Muslim, ‘Īdayn 11
10.  حدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة عن عائشة ر قالت لو أدرك رسول الله ص ما أحدث النساء لمنعهن كما منعت نساء بني إسرائيل قلت لعمرة أومنعن قالت نعم. Bukhārī, Ādhān 163d = Muslim, Salāt 144
11. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا الحكم ثنا عبد الرحمن بن أبي الرجال فقال أبي يذكره عن أمه عن عائشة عن النبي ص قال: لا تمنعوا إماء الله مساجد الله وليخرجن تفلات. قالت: عائشة: ولو رأى حالهن اليوم منعهن.  Ahmad ibn Hanbal, Musnad vi, 69–70
12. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة وعلي بن محمد قالا حدثنا عبيد الله بن موسى عن موسى بن عبيدة عن داود بن مدرك عن عروة بن الزبير عن عائشة قالت بينما رسول الله ص جالس في المسجد إذ دخلت امرأة من مزينة ترفل في زينة لها في المسجد فقال النبي ص يا أيها الناس انهوا نساءكم عن لبس الزينة والتبختر في المسجد فإن بني إسرائيل لم يلعنوا حتى لبس نساؤهم الزينة وتبخترن في المساجد. Ibn Mādja, Fitan 19
13. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن. Muslim, Salāt 138, ± 139; = ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
14. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا شبابة حدثنا ورقاء عن عمرو بن دينار عن مجاهد عن ابن عمر عن النبي ص قال ائذنوا للنساء بالليل إلى المساجد. Bukhārī, Djum‘a 13
15.  حدثنا عبيد الله بن موسى عن حنظلة عن سالم بن عبد الله عن ابن عمر ر عن النبي ص قال إذا استأذنكم نساؤكم بالليل إلى المسجد فأذنوا لهن. Bukhārī, Ādhān 162b, Muslim, Ṣalāt 137
16. حدثنا عبد الله بن مسلمة عن مالك ح وحدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة بنت عبد الرحمن عن عائشة قالت: إن كان رسول الله ص ليصلي الصبح فينصرف النساء متلفعات بمروطهن ما يعرفن من الغلس. Bukhārī, Ādhān 163b
17.  حدثنا أبو اليمان قال أخبرنا شعيب عن الزهري قال أخبرني عروة بن الزبير عن عائشة رضي الله عنها قالت أعتم رسول الله ص بالعتمة حتى ناداه عمر نام النساء والصبيان فخرج النبي صلى الله عليه وسلم فقال ما ينتظرها أحد غيركم من أهل الأرض ولا يصلى يومئذ إلا بالمدينة وكانوا يصلون العتمة فيما بين أن يغيب الشفق إلى ثلث الليل الأول. Bukhārī, Ādhān 162a
18.  حدثنا يحيى بن موسى حدثنا سعيد بن منصور حدثنا فليح عن عبد الرحمن بن القاسم عن أبيه عن عائشة ر أن رسول الله ص كان يصلي الصبح بغلس فينصرفن نساء المؤمنين لا يعرفن من الغلس أو لا يعرف بعضهن بعضا. Bukhārī, Ādhān 165
19. حدثنا محمد بن مسكين قال حدثنا بشر بن بكر أخبرنا الأوزاعي حدثني يحيى بن أبي كثير عن عبد الله بن أبي قتادة الأنصاري عن أبيه قال قال رسول الله ص إني لأقوم إلى الصلاة وأنا أريد أن أطول فيها فأسمع بكاء الصبي فأتجوز في صلاتي كراهية أن أشق على أمه. Bukhārī, Ādhān 163c
20. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة حدثنا وكيع عن سفيان عن أبي حازم عن سهل بن سعد قال لقد رأيت الرجال عاقدي أزرهم في أعناقهم مثل الصبيان من ضيق الأزر خلف النبي ص فقال قائل يا معشر النساء لا ترفعن رءوسكن حتى يرفع الرجال. Muslim, Salāt 133
21.  حدثنا محمد بن يحيى ومحمد بن رافع قالا حدثنا عبد الرزاق أخبرنا معمر عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة قالت كان رسول الله ص إذا سلم مكث قليلا وكانوا يرون أن ذلك كيما ينفذ النساء قبل الرجال. Abū Dāwūd, Salāt 196
22.  حدثنا يحيى بن قزعة قال حدثنا إبراهيم بن سعد عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة ر قالت كان رسول الله ص إذا سلم قام النساء حين يقضي تسليمه ويمكث هو في مقامه يسيرا قبل أن يقوم قال نرى والله أعلم أن ذلك كان لكي ينصرف النساء قبل أن يدركهن أحد من الرجال. Bukhārī, Ādhān 164a, 166b
23. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا عثمان بن عمر أخبرنا يونس عن الزهري قال حدثتني هند بنت الحارث أن أم سلمة زوج النبي ص أخبرتها أن النساء في عهد رسول الله ص كن إذا سلمن من المكتوبة قمن وثبت رسول الله ص ومن صلى من الرجال ما شاء الله فإذا قام رسول الله ص قام الرجال. Bukhārī, Ādhān 163a

Diakritische Zeichen: aṣ-Ṣanʿānī, ṣalāt, Aḥmad ibn Ḥanbal, al-Buḫārī, Āḏān, Ǧumʿa, Ibn Māǧa

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Unfähige Propheten

Einer Erzählung zufolge, die Mohammeds erstes Offenbarungserlebnis  schildert, hatte der Prophet sich auf den Berg Hirā’ zurückgezogen, als der Engel Gibrīl (Gabriel) zu ihm kam:

  • Der Prophet selbst erzählte dazu: Während ich schlief, kam Gibrīl zu mir mit einer Brokatdecke, auf der Schriftzeichen standen. Er sagte: „Lies!“ Ich sagte: „Ich kann nicht lesen (mā aqra’u).“ Darauf drückte er mit der Decke meinen Hals so kräftig zu, dass ich dachte, es wäre der Tod. Dann ließ er mich los [und sagte: „Lies!“ Ich antwortete: „Ich kann nicht lesen.“ Darauf drückte er abermals so kräftig, dass ich dachte, es wäre der Tod. Dann ließ er mich los] und sagte wieder: „Lies!“ Ich sagte: „Was soll ich lesen? (mā dhā aqra’u)“ und das sagte ich nur um ihn los zu werden, aus Angst, dass er es noch mal tun würde. Da sagte er: Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, der erschuf,—erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! denn dein Herr ist der Allgütige, der (den Menschen) lehrte durch die Feder, den Menschen lehrte, was er nicht wusste. [Koran 96:1–5] Dies rezitierte ich; dann ließ er mich los und ging weg. Als ich aufwachte war es, als wäre es in mein Herz geschrieben.
    Nun gab es kein Geschöpf, das mir verhasster war als Dichter und Besessene; ich konnte sie einfach nicht riechen. Und ich dachte: „O wehe, dieser Nichtswürdige“—er meinte sich selbst—„ist ein Dichter oder Besessener. Aber das werden die Quraisch nie von mir sagen! Ich werde hoch auf den Berg steigen und mich herunterstürzen und töten, dann habe ich Ruhe.“ In der Absicht machte ich mich also auf den Weg, aber als ich mitten auf dem Berg war, hörte ich eine Stimme vom Himmel: „Mohammed! Du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gibrīl.“ Ich schaute hoch zum Himmel und siehe da, es war Gibrīl in der Gestalt eines Mannes, der mit seinen Füßen neben einander am Horizont stand. Wieder sagte er: „Mohammed! Du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gibrīl.“ Ich sah ihn weiter an und das brachte mich von meinem Vorhaben ab; ich ging weder vorwärts noch rückwärts. Da wollte ich meinen Blick von ihm abwenden, aber in welche Richtung ich auch schaute, überall sah ich ihn wieder so stehen. Dort blieb ich so lange, ohne einen Schritt vorwärts oder Rückwärts zu tun, dass Khadīdja schon ihre Boten sandte um nach mir zu suchen; sie kamen bis oberhalb von Mekka, während ich noch am selben Ort stand. Dann verließ er mich.1

Diese Erzählung beschreibt das, was christliche Theologen eine Berufungsvision nennen. Von verschiedenen Propheten wird im Alten Testament erzählt, wie sie anfangs meinen der Aufgabe, die Gott ihnen auferlegen will, nicht gewachsen zu sein.
Moses wird beauftragt sein Volk aus Ägypten ins Land Kanaan zu führen. Er hat einige Ausreden und bringt zum Schluss vor: „Ach Herr! Ich bin kein redegewandter Mann […] denn unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge.“ (2. Mose 4:10).

Jesaja sieht eine Ehrfurcht gebietende Vision des Herrn, umgeben von zwei Seraphim. Er ruft aus: „Wehe mir, ich bin verloren! Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich …“ (Jesaja 6:5).
Jeremia sagt bei seiner Berufung: „Ach Herr, Herr, ich verstehe nicht zu reden; denn ich bin zu jung“ (Jeremia 1:6).
Hesechiel erschrickt gewaltig und fällt beim Anblick einer überwältigenden Vision auf sein Angesicht (Hesechiel 1–3).

Die Propheten haben Recht. Natürlich sind sie nicht im Stande ihre Aufgabe ohne Weiteres zu erfüllen. Aber Gott macht sie bereit und stärkt sie dazu, gibt ihnen seine Worte ein, worauf es dann gelingt. Jesajas unreine Lippen werden mit einer glühenden Kohle vom Altar gereinigt; dann ist er bereit zu prophezeihen. Hesechiel wird von Gott „emporgehoben“; er hat schon eine Schriftrolle zu essen bekommen, „süß wie Honig,“ und ihm wird die nötige Härte verliehen; Mohammed bekommt die Schrift buchstäblich fast in seinen Hals gepresst. Sowohl Hesechiel (Hes. 3:14–15) als auch Mohammed sind nach der Berufungsvision schwer angeschlagen.
Nur der biblische Prophet Jona sagt nicht, dass er kein Prophet sein kann; er weigert sich einfach. Sein Auftrag ist es in die große Stadt Ninive im Irak zu gehen, aber er nimmt ein Schiff in eine andere Richtung—das ist ein anderer Fall. Mohammed passt in die Reihe der anderen Propheten, die sich zunächst unfähig fühlen.

Ich musste etwas nachdenken über die Wörter mā aqra’u in der Erzählung über Mohammeds Berufung, oben übersetzt als: „Ich kann nicht lesen“— wobei wohlgemerkt in der alten Zeit lesen immer bedeutete: laut lesen, rezitieren.
mā aqra’u word manchmal aufgefasst als: „Was werde/soll ich lesen?“, aber naheliegender wäre in dem Fall mā dhā aqra’u, was etwas später kommt. Der Kontrast zwischen zweimal mā aqra’u und einmal mā dhā aqra’u ist beabsichtigt.
mā aqra’u ist in allerlei Varianten des modernen(!) gesprochenen Arabisch ein neutrales: „Ich lese nicht/werde nicht lesen“. In der Schriftsprache war und ist das aber lā aqra’u.
+ Imperfekt. Nach W. Fischer, Grammatik des klassischen Arabisch, Wiesbaden 21987, § 321 „bestreitet mit Impf. den Vorgang oder dessen Möglichkeit: [… ] mā yarāka, ‘er sieht dich gar nicht, kann dich nicht sehen’.“ Die anderen Grammatiken des klassischen Arabisch haben zu diesem Punkt nichts mitzuteilen.

Auf Grund dieses Paragraphen bei Fischer und der obigen biblischen Vorbilder habe ich in der Erzählung über das erste Offenbarungserlebnis die Übersetzung: „Ich kann nicht lesen“ gewählt.

ANMERKUNGEN

1. At-Tabarī, [Ta’rīkh al-rusul wal-mulūk] Annales, hrsg. M.J. de Goeje et al., 14 Bde., Leiden 1879–1901, i, 1150:

قال رسول الله ص: فجاءني [جبريل] وأنا نائم بنمط من ديباج فيه كتاب ، فقال: اقرأ، فقلت: ما أقرأ. فغتني حتى ظننت أنه الموت، ثم أرسلني فقال: اقرأ، فقلت: [ما أقرأ ؟ قال : فغتني به حتى ظننت أنه الموت، ثم أرسلني، فقال: اقرأ، قلت:] ماذا أقرأ؟ ما أقول ذلك إلا افتداء منه أن يعود إلي بمثل ما صنع بي، قال:(اقرأ باسم ربك الذي خلق) ألى قوله (علم الإنسان ما لم يعلم.) قال: فقرأته. قال: ثم انتهى ثم انصرف عني وهببت من نومي ، وكأنما كتبت في قلبي كتابا. قال: ولم يكن من خلق الله أحد أبغض إلي من شاعر أو مجنون، كنت لا أطيق أن أنظر إليهما، قال: قلت إن الأبعد – يعني نفسه – لشاعر أو مجنون، لا تحدث بها عني قريش أبدًا. لأعمدنّ إلى حالق من الجبل فلأطرحنّ نفسي منه فلأقتلنّها فلأستريحنّ.) قال: فخرجت أريد ذلك حتى إذا كنت في وسط من الجبل سمعت صوتا من السماء يقول : يا محمد، أنت رسول الله وأنا جبرئيل. قال: فرفعت رأسي إلى السماء ، فإذا جبريل في صورة رجل صاف قدميه في أفق السماء يقول: يا محمد، أنت رسول الله وأنا جبرئيل. قال: فوقفت أنظر إليهِ فما أتقدم وما أتأخر، وجعلت أصرف وجهي عنه في آفاق السماء فلا أنظر في ناحية منها إلا رأيته كذلك ، فما زلت واقفا ما أتقدم أمامي ولا أرجع ورائي حتى بعثت خديجة رسلها في طلبي ، ختى بلغوا أعلى مكة ورجعوا إليها وأنا واقف في مكاني؛ ثم انصرف عني.

Der häufiger gelesene Ibn Hishām hat die Teile zum Selbstmordvorhaben aus der Vorlage von Ibn Ishāq gestrichen; deshalb zitiere ich hier die Fassung von at-Tabarī, die den ursprünglichen Wortlaut erhalten hat. Dafür hat Ibn Hishām dreimal den Auftrag: „Lies!“ Das zweite Mal habe ich hier zwischen Klammern hinzugefügt. Dreimal ein Auftrag und zweimal eine Weigerung ist klassisch; das gibt es z.B. auch in der Erzählung von der Berufung des Mönchs Cædmon bei Beda Venerabilis.

Diakritische Zeichen: Ḥirāʾ, Ǧibrīl, Quraiš, aṭṬabarī, taʾrīḫ, Hišām, Isḥāq

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Gott erpressen

In einer Erzählung der Prophetenbiografie versucht Mohammed Gott zu erpressen. In der Schlacht bei Badr sieht es eine Weile für Mohammed und seine Kämpfer ganz schlecht aus. Gott hatte Hilfe versprochen, aber diese lässt auf sich warten und der Feind droht die Schlacht für sich zu entscheiden. Darauf betet der Prophet zu Gott und sagte unter anderem: „O Gott, wenn dieser Trupp heute verloren geht, wirst du nicht mehr angebetet!“ Sein Gefährte Abū Bakr findet, dass das zu weit geht und sagt: „Prophet, belästige deinen Herrn nicht ständig mit deinem Gebet! Gott wird bestimmt schon erfüllen, was er versprochen hat.“ Und so geschieht es auch, denn „darauf schlief der Prophet kurz ein und als er aufwachte, sagte er: ,Sei frohen Mutes, Abū Bakr, denn Gottes Hilfe ist gekommen! Hier ist Gabriel und er führt ein Pferd am Zügel mit, das Staub auf seinen Vorderzähnen hat.”’ 1
Hat Gott sich von seinem Gesandten erpressen lassen oder war die Hilfe ohnehin schon unterwegs? Wir wissen es nicht.

Im Dies iræ, einer mittelalterlichen Hymne über das Jüngste Gericht, die noch bis 1971 fester Bestandteil der katholischen Requiem-Messe war, wird Jesus unter Druck gesetzt: Recordare Iesu pie quod sum causa tuæ viæ, ne me perdas illa die …: „Denke daran, lieber Jesus, dass ich der Grund Deines Lebens bin; richte mich an dem Tag nicht zu Grunde!“ Mit anderen Worten: vergib mir meine Sünden und schick mich nicht in die Hölle, denn ohne arme Sünder wie mich hätte es Dich nicht einmal gegeben! Und lass die Mühe Deines Kreuzestodes nicht umsonst gewesen sein: tantus labor non sit cassus.

Ich gehe davon aus, dass diese Art von Erpressung in allen drei westlichen Religionen vorkommt. Bestimmt ist Gott auch in den Diskussionsrunden der Talmudrabbiner gehörig herangenommen worden. Ich werde nicht extra suchen, denn dann findet man nichts, aber ich lasse diesen Beitrag offen für Beispiele, auf die ich irgendwann stoße. Wenn Sie, lieber Leser, eines zur Hand haben oder finden, melden Sie sich bitte.

ANMERKUNG
1. Ibn Ishāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, Hrsg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 444; Übersetzung A. Guillaume, The Life of Muhammad, Oxford 1955, 300.

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Wikipedia — Bamberger Islam-Enzyklopädie

Die Wikipedia ist im Allgemeinen nicht als wissenschaftliches Nachschlagewerk zu betrachten. Bei islamischen Themen gibt es große Qualitätsunterschiede. Manche Artikel sind hervorragend, andere sind unwissenschaftlich, sektiererisch oder missionierend.

Nun hat Prof. Patrick Franke in Bamberg eine Initiative namens Bamberger Islam-Enzyklopädie gestartet. Es geht ihm darum „ein neues umfassendes islambezogenes Nachschlagewerk in deutscher Sprache aufzubauen, das einerseits die Qualitätskriterien einer Fachenzyklopädie erfüllt, andererseits aber in die populäre Online-Enzyklopädie Wikipedia integriert ist und die einzigartigen technischen Möglichkeiten dieses Mediums nutzt.“

Zun Auftakt hat er seine eigenen Wikipedia-Artikel darin untergebracht, zweihundert an der Zahl. Er hofft, dass viele Fachkollegen ihm in dieser Initiative folgen werden.

Diese Islam-Enzyklopädie empfehle ich Ihnen sehr gerne. Sie finden dort also Wikipedia-Artikel, deren wissenschaftlicher Standard garantiert ist.

Dem neuen Projekt wünsche ich ein gutes Gelingen.

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Der Mutalammisbrief: ein arabischer Uriasbrief

Al-Mutalammis war ein arabischer Dichter, der am Hof des christlichen Könings ‘Amr ibn Hind (reg. 554–69) im irakischen al-Hīra verkehrte. Auch sein Neffe Tarafa ibn ‘Abd war dort. Der war als Dichter viel wichtiger und wurde richtig berühmt, während Mutalammis nur ein kleines Œuvre hatte, das auch noch zum Großteil von seiner traumatischen Erfahrung mit König ‘Amr und dem sog. Mutalammisbrief (sahīfat al-Mutalammis) handelte.

Hofdichter hatten damals die Aufgabe, in Lobgedichten den Fürsten und dessen Stamm zu besingen und dessen Feinde oder andere minderwertige Personen oder Stämme in Schmähgedichten kleinzumachen. Manchmal lief das aber etwas anders: Wenn ein Dichter zum Beispiel schlechte Laune hatte, einen Kater hatte, sich überschätzte, in Ungnade fiel oder wenn der Fürst mit den Zuwendungen sehr zögerlich war, dann wurde auch schon mal ein Schmähgedicht auf den gütigen Herrn selbst gedichtet. Die Dichter nutzten ihre Meinungsfreiheit maximal aus und schimpften, was das Zeug hielt.
So dichtete Mutalammis zum Beispiel (den Artikel al- bei seinem Namen lasse ich weiterhin weg):

Ein König, der mit seiner eigenen Mutter und derer Dienerschaft Verkehr hat. [Vom vielen Ficken] ist er schlaff in seine Gelenken und sein Schwanz ist [dünn geworden] wie ein Kohlstift.

An der Tür lädt er jeden Bittsteller ein, aber wenn er mit ihm allein ist, legt der Mann los wie eine Bestie.1

In Grobheit steht diese Tirade den modernen sozialen Medien in nichts nach. Aber bei den alten Dichtern reimte es und war das Metrum in Ordnung.

Der König war not amused und beschloss sich der beiden Dichter zu entledigen, indem er sie weit weg schickte. Vielleicht waren sie in al-Hīra zu populär um sie vor Ort zu eliminieren? Er sandte sie zum persischen Statthalter in Bahrain, für den er ihnen je einen versiegelten Brief mitgab, gegen dessen Vorlage ihnen allerlei Geschenke zu Teil werden sollten.

Er, [Mutalammis], verkehrte am Hofe des ‘Amr ibn Hind, des Königs von al-Hīra, er und Tarafa ibn al-‘Abd, und beide verfassten sie Schmähgedichte auf ihn. Der König schrieb für sie je einen Brief an den [persischen] Statthalter zu Bahrain. Er ließ ihnen gegenüber durchblicken, dass er darin befohlen habee, ihnen Zuwendungen zu geben, aber in Wirklichkeit befahl er sie umzubringen.
Sie machten sich auf, und als sie in Nadjaf angekommen waren, trafen sie am Wegrand einen alten Mann, der gleichzeitig urinierte, ein Stück Brot aß und die Läuse aus seinen Kleidern entfernte und totschlug. Mutalammis sagte: „So einen blöden alten Kerl habe ich noch nie gesehen.“ „Wieso?’“ fragte der Alte, „Ich entferne etwas Hässliches, führe etwas Gutes herein und ich töte einen Feind. Viel dümmer ist jemand, der sein eigenes Todesurteil mit sich herumträgt.“ Wegen dieser Worte beschlich Mutalammis der Zweifel. Es kam ein junger Mann aus al-Hīra vorbei und ihn fragte Mutalammis: „Kannst du lesen, Junge?“ „Ja,“ antwortete der, worauf er das Siegel verbrach und dem Jungen den Brief überreichte. Darin stand: „Wenn Mutalammis zu dir kommt, hacke ihm seine Hände und Füße ab und beerdige ihn lebendig!“ Darauf sagte er zu Tarafa: „Gib ihm auch deinen Brief zu lesen; bei Gott, darin steht bestimmt dasselbe.“ Aber Tarafa sagte: „Nein, mir wagt er so etwas nicht anzutun.“
Mutalammis warf seinen Brief in den Fluss mit den Worten: „Hiermit werfe ich auch mein Haus weg,“ und er zog nach Syrien. Aber Tarafa zog weiter nach Bahrain [und wurde umgebracht].
So wurde der „Mutalammisbrief“ sprichwörtlich.2

Merkwürdig ist, dass Mutalammis und Tarafa in der Erzählung offenbar nicht lesen konnten, während sie das von irgendeinem Jungen auf der Straße durchaus erwarteten. Gingen die Erzähler davon aus, dass die Briefe auf Pahlawi oder vielleicht Aramäisch geschrieben waren? Aber al-Hīra war doch eben ein arabisches Königreich—und konnte dort ein beliebiger Straßenjunge wirklich eine fremde Amtssprache lesen?

Bei uns heißt ein Brief, der seinem Überbringer Unheil bringt, ein Uriasbrief, nach der biblischen Erzāhlung von König David und Batseba (2 Samuel 11). David sah von seinem Dach aus, wie die schöne Batseba sich wusch und er fühlte sich zu ihr angezogen. Ihr Mann Urias diente als Soldat in seinem Heer. Er war ein Hethiter: ein Ausländer also, aber gut integriert (2 Sam. 11:11). Das eine führte zum anderen: Batseba wurde schwanger vom König; ihr Mann witterte Unheil und wollte nicht mehr zu ihr zurück. Darauf verspürte der König das Bedürfnis Urias aus dem Weg zu räumen, damit er die Frau heiraten konnte. Er sandte Urias zum Oberbefehlshaber Joab, mit einem Brief, in dem Letzterem befohlen wurde Urias bei einer Schlacht ganz vorne aufzustellen, so dass er fallen musste. So geschah es und so hatte David den Weg frei gemacht für seine Ehe mit der Witwe—selbstverständlich nach einer angemessenen Trauerperiode.

Wenn Sie noch klassisch gebildet sind, denken Sie vielleicht auch an den bellerophontischen Brief. Bellerophon wurde nämlich von Proteus zu König Iobates von Lykien gesandt mit dem versiegelten Auftrag, ihn zu töten. Aber darauf hatte der König keine Lust und er schickte den jungen Mann lieber weg, mit der Aufgabe das feuerspeiende Ungeheuer Chimära zu töten, in der Hoffnung, dies würde ihm nicht gelingen. Es kam aber anders als geplant, denn es gelang Bellerophon durchaus, das Ungeheuer zu vernichten.

Und sonst erinnern Sie sich vielleicht daran, was in Tim und Struppi den beiden Detektiven Schultze und Schulze in der chinesischen Stadt Hukou wiederfährt. Sie haben ein Empfehlungsschreiben für den örtlichen Polizeikomissar, das sie aber verlieren und das von Tims Freund Tschang durch einen Brief ersetzt wird, indem auf Chinesisch zu lesen steht: „Sollten Sie nicht bemerkt haben, dass wir zwei Verrückte sind, so ist dies der offizielle Beweis.“ Der Komissar lacht laut und lässt sie vor die Tür setzen.3

Ein Uriasbrief muss also gut versiegelt oder in einer Fremdsprache abgefasst sein—oder beides.

Wahrscheinlich wimmelt es in der Weltliteratur von Mutalammis-, Urias-, oder Bellerophonbriefen. Der Name Uriasbrief passt wohl am besten, denn die dazugehörige Geschichte ist die älteste. Das Buch Samuel datiert ja aus dem 5. oder 6. Jahrhundert vor Christus. Oder gab es noch eine altägyptische oder babylonische Vorlage?

 

EXKURS ZU URIAS
Keinen Uriasbrief, aber schon einige Parallelen zu Urias sieht David Powers4 in den Erzählungen über Zaid, den der Prophet Mohammed zunächst adoptiert hatte und, der auch nach seiner späteren „Entsohnung“ eine sehr hohe Position in der frühen Elite innehatte.
Die Parallele besteht darin: Urias war ein Soldat aus dem Ausland, Zaid war ursprünglich als Sklavenjunge aus Nord-Arabien gekommen. David begehrte die Frau seines Soldaten; Mohammed begehrte die Ex-Frau seines (Ex-)Sohnes. David schrieb den Brief, der Urias‘ Tod auf dem Schlachtfeld zu Folge hatte; Mohammed stellte seinen Heerführer Zaid in die erste Reihe, in einer Schlacht, die unweigerlich verloren werden musste, so dass er in der Tat umkam. Aber die Übereinstimmung ist doch nicht sehr groß. Im Fall Zaid gibt es keinen Uriasbrief und Zaid hatte mit der Frau keine Beziehungen mehr, als Mohammed Lust auf sie bekam; in diesem Punkt ist Koran 33:37 unzweideutig.
 Was an Urias-Ählichem überbleibt, ist der fast gewollte oder zumindest vorhergesehene Tod Zaids als erster Heerführer in der Schlacht bei Mu’ta, unweit vom Toten Meer. Diese Schlacht ist ungemein fiktiv. Dreitausend Muslime sollen dort einer Übermacht von hunderttausend Römern, geführt vom Kaiser Heraklius persönlich, und dazu noch hunderttausend Verbündeten gegenübergestanden haben. Kein Wunder also, dass Mohammeds Streitkräfte die Schlacht verloren. An seiner Seite sollen insgesamt nur acht oder neun Mann gefallen sein, darunter aber drei Heerführer, was doch wohl recht merkwürdig ist. Der Tod dieser drei (Zaid, Dja‘far ibn abī Tālib und ‘Abdallāh ibn Rawāha) soll von Mohammed vorhergesehen oder gar vorgesehen gewesen sein:

„Im Monat Djumādā al-ūlā des Jahres 8 [629] sandte der Prophet eine Armee nach Mu’ta, unter dem Kommando des Zaid ibn Hāritha. Wenn Zaid fallen würde, so sollte die Befehlsgewalt an Dja‘far ibn abī Tālib übergehen; wenn auch dieser fallen würde, sollte ‘Abdallāh ibn Rawāha die Heerführung übernehmen.“5

Als die Schlacht dann wütete, saß Mohammed einer Erzählung zufolge in der Moschee in Medina und sah alles vor seinem geistigen Auge genau so geschehen, wie er vorhergesagt hatte.6 Als alle drei Heerführer gefallen waren, übernahm der später so berühmte Khālid ibn al-Walīd das Kommando.

Es ist natürlich nicht so, dass Mohammed selbst seine Generäle in kürzester Zeit in den Tod gejagt hätte; das taten die Erzähler sehr viel später. Als die frühe islamische Geschichte konstriert wurde, so ab 692, waren gewisse Personen offensichtlich unerwünscht und mussten aus der Geschichte entfernt werden, ungefähr so, wie in der Sowjetunion bestimmte Personen von Fotos wegretuschiert wurden. Die angebliche Schlacht bei Mu’ta konnte dienen um mit ihnen aufzuräumen. Zaid musste tot sein, noch bevor Mohammed starb. Nicht wegen einer Frauengeschichte, sondern weil er als (Ex-)Sohn bei der Nachfolge des Propheten hätte im Wege sein können. Das hat also wenig mit Urias zu tun. Aber Powers bietet immer alle biblische Parallelen in den sira-Erzählungen an und das ist lobenswert, denn sehr viel in der sira hat einen biblischen Bezug.

ANMERKUNGEN
1. K. Vollers, Die Gedichte des Mutalammis, Arabisch und Deutsch, Leipzig 1903, 38/13, 14; kāmil, –dī. Poesie poetisch übersetzen kann ich nicht, aber so bekommen Sie einen Eindruck.

مَلِكٌ يُلاَعِبُ أُمَّهُ وَقَطِينَهَا * رِخْوُ المَفَاصِلِ أَيْرُهُ كَالمِرْوَدِ
بالبابِ يَطْلُبُ كُلَّ طَالِبِ حَاجَةِ * فَإذَا خَلَا فَالمَرْءُ غَيْرُ مُسَدَّدِ

2. Ibn Qutaiba, as-Shi‘r was-shu‘arā’, Hg. Ahmad Muhammad Shākir, 2 Bde. Kairo 1966, i, 181–2.

وكان ينادم عمرو بن هند ملك الحيرة، هو وطرفة بن عبد فهجواه، فكتب لهما إلى عامله بالبحرين كتابين، أوهمهما أنه أمر لهما فيهما بالجوائز، وكتب اليه يأمره بقتلهما. فخرجا حتى إذا كانا بالنجف، إذا هما بشيخ على يسار الطريق، يُحدِث ويأكل من خبر في يده، ويتناول القمل من ثيابه فيقصعه. فقال المتلمس: ما رأيت كاليوم شيخًا أحمق. فقال الشيخ: وما رأيتَ من حمقي؟ أُخرج خبيثاً وأْدخل طيباً وأقتل عدواً، أحمق مني والله من حامل حتفه بيده. فاستراب المتلمس يقوله، وطلع عليه غلام من أهل الحيرة، فقال له المتلمس: أتقرأ يا غلام؟ قال: نعم. ففكّ صحيفته ودفعها إليه، فإذا فيها: أما بعد، فإذا أتاك المتلمس فاقطعْ يديه ورجليه وادْفنه جيَّا. فقال لطرفة: ادفع إليه صحيفتك يقرأها، ففيها والله ما في صحيفتي. فقال طرفة“ كَلاّ، لم يكن ليجترئ عليَّ. فقذف المتلمس يصحيفته في نهر الحيرة وقال: قدفت به البيت، وأخذ نحو الشأم. وأخذ طرفة نخو البحرين.
فضُرب المثل بصحيفة المتلمس.

3. Hergé, Tim und Struppi. Der blaue Lotos, Carlsen, 1997, S. 46–47@@.
4. David S. Powers, Zayd, Philadelphia 2014, s. Subject Index unter Uriah the Hittite.
5. Ibn Ishāq (704–767): Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, uitg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 791:

بعث رسول الله ص بعثة الى مؤتة في جمادى الأولى سنة ثمان واستعمل عبيهم زيد بن حارثة وقال: إذا أصيب زيد فجعفر بن إبي طالب على الناس، فإن أصيب جعفر فعبد الله بن رواحة على الناس.

6. al-Wāqidi, Kitāb al-Maghāzī, hg. Marsden Jones,  London (OUP) 1966, ii, 761–2: Während der Schlacht bei Mu’ta saß der Prophet auf dem Kanzel [in Medina]. In einer Vision wurde für ih der Abstand zwischen ihm und Syrien überbrückt, so dass er das Schlachtfeld sehen konnte. Er sagte: Zaid ibn Ḥāritha nahm die Fahne; dann kam der Teufel zu ihm und versuchte ihm das Weiterleben in dieser Welt schmackhaft und den Tod verhasst zu machen. Zaid sagte: ,Jetzt wo der Glaube sich in den Herzen der Muslime gefestigt hat, willst du mir das Leben in dieser Welt schmackhaft machen?‘ und er rannte vorwärts bis er den Märtyrertod gefunden hatte. Der Prophet betete für ihn mit den Worten: „Ich bete für ihn um Vergebung; er ist rennend in das Paradies eingegangen.“
(Das Verhalten und die „letzten Worte“ seines Vertreters Dja‘far ibn abī Ṭālib sollen übrigens identisch gewesen sein.)

لما التقى الناس بمؤتة جلس رسول الله ص على المنبر وكُشف له ما بينه وبين الشأم، فهو ينظر الى مُعتركهم. فقال رسول الله ص: أحذ الراية زيد بن حارثة، فجاءه الشيطان فحببّب اليه الحياة وكرّه اليه الموت وحبّب اليه الدنيا. فقال: آلآن حين استحكم الإيمان في قلوب المؤمنين تُحبّب اليّ الدنيا. فمضى قُدُمًا حتى استشهد. قصلّى عليه رسول الله ص وقال: أستغفر له، فقد دخل الجنة وهو يسعى.

Diakritische Zeichen: al-Ḥīra, Ṭarafa ibn ʿAbd, ṣaḥīfat al-Mutalammis, Baḥrain, Naǧaf, Ǧaʿfar ibn abī Ṭālib, ʿAbdallāh ibn Rawāḥa, aš-Šiʿr wa’š-šuʿarā’, Aḥmad Muḥammad Šākir

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