Arabien anno 650: starke Frauen, schwache Männer

In der vorslamischen arabischen Poesie von ca. 550 n. Chr. wird in der Einführung (nasīb) der längeren Gedichte oft kurz an einer Frau erinnert. Der Dichter denkt zurück an seine herrliche Zeit mit einer Layla, Salmā oder Hind und bewirkt somit bei sich und seinen Hörern eine wehmütige und empfindliche Stimmung. Die dauert aber nur einige Zeilen. Seine Kameraden oder Reisegefährten sagen ihm, er soll sich ermannen: es gibt ja noch mehr Frauen und jetzt steht Anderes an: reisen, jagen, kämpfen, dem eigenen Stamm Ruhm bringen und anderen Schande zufügen; ein Stammesoberhaupt oder einen König loben—oder nicht zuletzt sich selbst loben. Von diesen anderen Anliegen handelt dann der Rest des Gedichts. Eine Frau kann darin noch auf zwei Manieren vorkommen: erstens als Lustobjekt, wenn der Dichter sich mit seiner Potenz brüstet, zweitens als meckernde „Hausfrau“, die den Mann kritisiert, weil er sein Besitz an Wien oder Spiel vergeudet, oder die traditionellen Tugenden der Großzügigkeit und Gastfreundschaft so weit durchführt, dass für Frau und Kinder wenig mehr übrig bleibt.
Eine Frau war in der alten Welt nicht viel wert. Sie hatte wenige Rechte und Sicherheiten, sie konnte entführt, vermietet, ausgeliehen und vererbt werden. Und sexuell belästigt werden natürlich auch — oder wie soll man sonst nennen, was der berühmt-berüchtigte Dichter Imru al-Qais tat, als er in das Zelt einer jungen Mutter eindrang, die gerade ihrem Säugling die eine Brust gab, während er sich ungebeten auf die andere stürzte? Aus nicht-poetischen Quellen wissen wir, dass es eine Art Ehen gab, in der ein Vater oder Vormund eine Frau nahezu vermietete. Und in Hadithen lesen wir, dass Damen abends im Dunkel gut eingepackt in Grüppchen ausgingen für den Stuhlgang, weil es bei Tageslicht und für eine Frau allein nicht sicher war.
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Hundert Jahre später, ab ca. 640, werden noch immer lange Gedichte in alter Stil komponiert, aber es entstanden auch separate Liebesgedichte (ghazal). Darin tritt die Frau oft als Gefühlskaltes Wesen auf, das einen hoffnungslos verliebten Mann zappeln lässt und ihm Gunstbeweise verspricht, die sie nie verleihen wird. Sie versucht ihn mit Pfeilen aus ihren Augen zu „töten“; sie tut, als sei sie sehr verliebt in ihn und wirft ihm inzwischen vor, dass er andere Frauen ansieht. Der Mann dagegen leidet und seufzt und klagt, versucht sich zu rechtfertigen und bettelt um eine Gunst, wie klein auch immer. In der noch etwas späteren Poesie ist er sogar krank und ausgemergelt vor Liebe; der Arzt—der die Geliebte ist—will ihm nicht helfen und der Liebestod steht bevor.
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Was war passiert, wie kam es zu diesem ganz anderen Ton in der Dichtung? Wie wurden Frauen so triumphierend und Männer so quengelig? „Das kam durch den Islam,“ wird manch einer sagen. Das ist aber zu unsorgfältig ausgedruckt, denn was war der Islam schon zu dieser Zeit? Der war noch lange nicht auskristallisiert; den Koran als Buch gab es noch nicht und etwas wie Scharia war auch noch nicht in Sichtweite. Besser spricht man für diese frühe Periode von „der koranischen Bewegung“. Aber die Rechtsregeln, die etwas später im Koran niedergelegt wurden, waren offensichtlich schon im Umlauf und blieben nicht ohne Wirkung. In der Tat haben diese bekanntlich die Position der freien arabischen Frau verbessert. Sie konnte nicht mehr gegen ihren Willen verheiratet werden. Es wurden Reglungen getroffen in Bezug auf Brautgeld, Verstoßung und ihr Lebensunterhalt danach. Sie konnte keinen Teil einer Erbschaft mehr bilden, sondern sie konnte selbst erben, wenn auch weniger als ein Mann. Als Zeuge vor Gericht war sie etwas wert, wenn auch nicht so viel wie ein Mann. Das alles verstärkte ihre Position.
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Aber auch das Männerleben war nicht länger wie gehabt. Anno 650 waren die Araber schon zwanzig Jahre dabei, die halbe Welt zu erobern. Das hatte zu schnellem und drastischem sozialen Wandel geführt. Die arabischen Stämme kämpften nicht länger gegen einander, sondern zusammen gegen andere. Vieh stehlen war nicht länger angesagt. Schimpfen auf den Stamm nebenan war jetzt unerwünscht, genau so wie Lobhudelei auf die Tugenden des eigenen Stammes. Die Mobilität nahm stark zu: viele Araber landeten in entlegenen Gebieten, von denen ihre Väter und Großväter noch nie gehört hatten. In den Armeen hatten sie Kameraden aus Stämmen, die früher vielleicht ihre Feinde gewesen waren. Mit dem Rauben, Vergewaltigen oder anderweitig schlecht behandeln von Frauen war es auch vorbei. Macho-Verhalten konnte natürlich in den Armeen, die die Außenwelt eroberten, noch in vollen Zügen gelebt werden, aber auf der arabischen Halbinsel erheblich weniger.
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Für Männer sowohl als Frauen galt, dass sie Individuen wurden, nicht länger namenlose Teile eines Stammes blieben. Das ermöglichte auch persönliche Liebesbeziehungen. Der vorislamische Empfehlung an einen Mann, der an eine Geliebte zurückdachte: „Vergiss sie, es gibt noch so viele andere Frauen,” war nicht länger relevant: er wollte die Eine.
Die Position der Frau verbesserte sich also nicht nur durch die koranischen Regeln, sondern auch, indem die Position des Mannes schwächer wurde. Was immer seine Männlichkeit ausgemacht hatte: kollektive Bravour und Macho-Verhalten als Mitglied unter dem Schutz seines Stammes, waren jetzt vorbei und das führte zu einem Gefühl der Erschütterung—zu dem Gefühl, kein Mann mehr zu sein. Männer, die in weiter Ferne als Soldat aktiv waren, spürten das nicht, aber diejenige, die in Arabien zurückgeblieben waren oder nach einem Feldzug dorthin zurückkehrten, fanden ihre vertraute Welt nicht mehr wieder.
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In diesem Bluch habe ich mal ein Gedicht von ‘Umar ibn abī Rabī‘a von ca. 700 präsentiert, in dem eine Frau ihr Spielchen spielt mit einem eher einfältigen Mann. Renate →Jacobi hat Gedichte von Abū Dhu’aib und dessen Umfeld studiert, einem Dichter aus dem zentralarabischen Stamm Hudhail, der ca. 640 wirkte. Darin werden die neuen Verhältnisse noch viel deutlicher; besonders im anonymen Gedicht „O Zelt von Dahmā’, das ich meide“:

١. يَا بَيْتَ دَهْمَاءَ الَّذِي أَتَجَنَّبُ * ذَهَبَ الشَّبَابُ وَحُبُّهَا لاَ يَذْهَبُ
٢. مَا لِي أَحِنُّ إذَا جِمَالُكِ قُرِّبَتْ * وَأَصُدُّ عَنْكِ وَأَنْتِ مِنِّي أَقْرَبُ
٣. للهِ دَرُّكِ هَلْ لَدَيْكِ مُعَوَّلٌ * لِـمُكَلَّفٍ أَمْ هَلْ لِوُدِّكِ مَطْلَبُ
٤. تَدْعُو الحَمَامَة شَجْوَهَا فَتَهِيجُنِي * وَيَرُوحُ عَازِبُ شَوْقِيَ الْـمُتَأَؤِبُ
٥. وَأَرَى البِلاَدَ إذَا سَكَنْتِ بِغَيْرِهَا * جَدْبًا وَإنْ كَانَتْ تُطَلُّ وَتُخْصِبُ
٦. وَيَحُلُّ أَهْلِي بِالـمَكَانِ فَلاَ أَرَى * طَرْفِي لِغََيْرِكِ مَرَةً يَتَقَلَّبُ
٧. وَأُصَانِعُ الوَاشِينَ فِيكِ تَجَمُلاً * وَهُمُ عَلَيَّ ذَوُو ضَغَائِنَ دُؤَّبُ
٨. وَتَهِيجُ سَارِيَةُ الرِّيَاحِ مِنْ أَرْضِكُمْ * فَأَرَى الجَنَابَ لَهَا يُحَلُّ وَيُجْنَبُ
٩. وَأَرَى الْعَدُوَّ يُحِبُّكُمْ فَأُحِبُّهُ * إنْ كَانَ يُنْسَبُ مِنْكِ أَوْ لاَ يُنْسَبُ

→Jacobis Übersetzung finden Sie zusammen mit einer ausführlicher Analyse in ihrem Artikel zu Abū Dhu’aib, S. 242–46.
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Der Bruch mit der alten Zeit ist in diesem Gedicht deutlich sichtbar. Die Dichterpersona kann und will seine Geliebte nicht vergessen. Anders als frühere Dichter hat er kein Interesse an andere Frauen: „Wenn mein Stamm an einem Ort lagert, so geschieht es nie, dass meine Blicke sich zu anderen Frauen wenden.“ Er ist nur auf die eine fixiert: „Ein Land, in dem du nicht bist, erscheint mir öde und verdorrt….“ Immer wieder sehnt er sich nach ihr: „Jede Abend kehrt meine Sehnsucht, wie eine fern weidende Herde, heim.“
Aber er fühlt sich ihr gegenüber sehr unsicher: „Kann ein Liebender auf dich vertrauen, hat seine Liebe bei dir eine Aussicht?“ Sogar mit einer leichten Brise aus ihrer Richtung würde er sich schon zufrieden geben. Der Kontrast mit dem Frauenraub und der Zudringlichkeit von früher könnte größer nicht sein.
Er zeigt ihr großes Respekt, dringt nicht frech in ihr Zelt ein, im Gegenteil: „O Zelt der Dahmā’, das ich meide …,“ nämlich um den guten Ruf der Dame zu schützen. Den Verleumdern bietet er keinen Halt: „Ich schmeichle den Verleumdern und halte mich zum Schein von dir fern…,“—mit anderen Worten: Er wendet sich ab und tut als wäre er gar nicht in sie verliebt — ebenfalls zu ihrem Schutz.
Die letzte Zeile ist die unglaublichste von allen: „Und wenn mein Feind dich liebt, so liebe ich ihn, ob er nun zu deinem Stamm gehört oder nicht.“ Die Feindschaft zwischen den Stämmen ist aufgehoben!
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Was änderte sich nun wirklich in der arabischen Gesellschaft? Natürlich war es nicht so, dass fortan mehr Frauen in führenden Positionen zu finden waren. Die vorindustrielle Antike ging einfach weiter und die körperliche Überlegenheit des Mannes blieb weiterhin bestimmend. Die Unsicherheit verschwand, als die neue Gesellschaft sich einmal eingependelt hatte. Auf Dauer bildeten sich neue Stammesverbände, jeder selbstverständlich mit einer eigenen fiktiven Vergangenheit. Der Einblick in diese frühe Periode der Umgestaltung bleibt aber einzigartig. Es gibt nur ganz wenige Geschichtsquellen, die ohne religiöse Färbung zeigen was damals in den Menschen vorging; die Poesie darf deshalb nicht vernachlässigt werden.
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Die Motivik dieser arabischen Liebespoesie hat sich übrigens verselbständigt und noch Jahrhunderte überlebt: im Arabischen bis ins 20. Jahrhundert (sogar bei Umm Kulthūm), aber auch im Persischen und Türkischen; in Europa bei den Troubadours und in dem Liedschatz Frankreichs und Italiens bis tief ins achtzehnte Jahrhundert. Die sog. „höfische Liebe“ stammt nicht aus der griechisch-römischen Antike, sondern aus dem arabischen 7. Jahrhundert.

BIBLIOGRAFIE
– Renate Jacobi, „Die Anfänge der arabischen Ġazalpoesie: Abū Ḏu’aib al-Huḏalī,“ in Der Islam 61 (1984), 218–250. Online hier; über Ihre UB möglicherweise kostenlos herunterzuladen.
– Thomas Bauer, Liebe und Liebesdichtung in der arabischen Welt des 9. und 10. Jahrhunderts, Wiesbaden 1998, 44–46.

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Grammatik Klassisch-Arabisch 2.1

🇳🇱 Leser meines Beitrags zur klassisch-arabischen Grammatik werden es gesehen haben: die neueste umfassende Syntax des klassischen Arabisch datiert auf 1921. Alter Kram also, mit dem man sich nicht mehr beschäftigen muss? Sogar die Arbeit an einer Syntax des modernen Hocharabisch scheint zum Erliegen gekommen zu sein; um so mehr natürlich die an der klassischen Sprache.

Aber den Wunsch alte arabische Texte zu lesen gibt es in kleinem Kreis noch immer, wenn auch die meisten Leser sich auf religiöse Texte beschränken. Ob Sie es mir glauben oder nicht: Textverständnis erfordert Kenntnis der Grammatik.

Zum Glück haben jetzt einige Arabisten die Initiative ergriffen mit modernen Mitteln die Syntax der älteren Sprache wieder besser zugänglich zu machen. Eine vorläufige Webseite finden Sie hier. Demnächst wird daraus eine Online-Zeitschrift entstehen. Der Gründer, Frank Weigelt, sagt dazu: „Die Seite soll später als Online-Zeitschrift aufgebaut sein, so dass die einzelnen Beiträge als Zeitschriftenartikel zählen und ordentlich zitiert werden können. Die Zeitschrift wird lanciert, wenn der methodische Rahmen feststeht.“

Derselbe Frank Weigelt hat jetzt ein Buch geschrieben: „Einführung in die arabische Grammatiktradition“. Hier gibt es einen kleinen Auszug: https://uib.academia.edu/FrankWeigelt. Dazu noch Folgendes von seiner Hand:
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„Ein wichtiges Thema, wie man meinen sollte, aber die meisten Arabisten, Studierende wie Kollegen  werden sagen: „Was interessiert mich die Grammatik? Außerdem lerne ich nicht nach der arabischen Methode.“ Dem muß man entgegnen: Die traditionelle arabische Sprachideologie hat die Art, wie wir an der Uni arabisch lernen stark beeinflußt, ohne daß es jemand wirklich weiß. Es geht dabei nicht nur um die Art, die Grammatik zu beschreiben, sondern um die ganze Herangehensweise an die Sprache. Die meisten denken: Die arabischen  Grammatiker und Lexikographen haben so viel über ihre Sprach geforscht, da werden sie schon das Wichtigste herausgefunden haben, falls ich mal etwas wissen muß, schlage ich bei ihnen nach. Die Spezialisten unter uns wissen natürlich, daß das so einfach nicht geht – und ich denke, das Wissen um die Methodik der arabischen Gelehrten sollte in der Arabistik Gemeingut werden. Damit man deren Werke mit Gewinn und kritischem Abstand nutzen kann. Und weil die Grammatiktradition ein ganz wesentlicher Teil der arabischen Kultur ist: Alle arabischen Schulkinder verbringen Jahre ihres Lebens damit, sich die Regeln der alten Grammatiker einzupauken.
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Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und erklärt die Entwicklung und Bedeutung der arabischen Grammatiktradition in ihrem historischen Zusammenhang. Ihr Verständnis ist auch heute noch der Schlüssel, wenn man mit einem einheimischen arabischen Gelehrten über sprachliche Fragen sprechen will. Sie bestimmt bis zum heutigen Tag die Einstellung der Araber zu ihrer Muttersprache.
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Das Einleitungskapitel gibt einen Überblick über die arabische Sprachgeschichte und erörtert die Frage, was eigentlich klassisches Arabisch (und was fusha und was Hocharabisch) ist. Dann werden die grundlegenden Funktionsprinzipien der traditionellen arabischen Grammatiktheorie erklärt und die grammatische Wissenschaft ihn ihren gesellschaftlichen und religiösen Zusammenhang eingebettet. Ein eigenes Kapitel nimmt die „westliche“ Herangehensweise unter die Lupe und stellt die entscheidenden Unterschiede zu den arabischen Grammatikern heraus. Es versucht einen Einblick in den derzeitigen Stand der arabischen Sprachwissenschaft in Deutschland zu geben, Lücken aufzuzeigen und Hinweise für weitere Studien zu geben. In allen Kapiteln werden ausführliche Hinweise auf grundlegende und weiterführende Literatur gegeben, so daß das Buch besonders von Studierenden mit Gewinn benutzt werden kann.
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Es schließt mit der Forderung nach einer Modernisierung von Terminologie und Methodik und nach gründlicher sprachwissenschaftlicher Ausbildung der Studierenden. Nur so kann unsere Kenntnis des klassischen Arabisch, die immer noch lückenhaft ist, Fortschritte machen.“

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Ali Mubarak und der Trickle-Down-Effekt

🇳🇱 Wer Arabisch aus dem 19. Jahrhundert lesen mag, landet irgendwann bei ‘Alī Pāshā Mubārak (1823–1893). Dieser vielseitig talentierter Ägypter hätte ursprünglich Imam oder Ähnliches werden sollen, aber er rang sich durch zu einem militärischen Ingenieurstudium, studierte darauf fünf Jahre in Frankreich, war im Aufbau und in der Organisation des Unterrichts in seinem Land tätig und hatte einige Male ein Ministeramt inne. Sein Name ist u.a. verbunden mit der Gründung der Nationalbibliothek und der pädagogischen Hochschule (Dār al-‘ulūm), beide in Kairo, und mit zahllosen öffentlichen Bauaufträgen, wie dem Wiederaufbau des Staudammes bei al-Qanāṭir al-Khairīya nördlich von Kairo. Neben seinen öffentlichen Ämtern fand er noch Zeit dicke Bücher zu schreiben. (Biblio-, Bio- und Autobiografie folgen später.)
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Heute ein übersetztes Fragment aus seinem ‘Alam ad-Dīn, das 1882 erschien und 1486 Seiten und 125 Kapitel zählt. Oder vielmehr „Gespräche“ (musāmarāt), denn es werden Dialoge geführt, die allerdings sehr hölzern sind. Das Werk hat einige Züge eines Romans: es gibt Personen und so etwas wie eine Handlung:
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‘Alam al-Dīn, ein Absolvent der religiösen Azhar-Universität in Kairo, der im Buch meist „der Scheich“ genannt wird, hat große Mühe über die Runden zu kommen und seine Familie zu ernähren. Das Angebot eines namenlos bleibenden englischen Orientalisten ist deshalb sehr willkommen: der Scheich darf diesen Khawwāga (d.h. ein europäischer Herr) als Führer und Dolmetscher in Ägypten begleiten. Später geht er auch mit nach Europa und er nimmt sogar seinen Sohn mit, der sich zweimal in ein französisches Mädchen verliebt. In Frankreich gesellt sich ein gewisser Ya‘qūb zu ihnen: ein ägyptischer Matrose, der dort schon länger wohnt und ihnen als Führer und Gesprächspartner dient.
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Aber die Handlung bleibt dünn, hat kein Ende und wird ständig durch informative Einschübe unterbrochen, die der Autor nützlich findet, über Sachen wie die Eisenbahn, die Korkeiche, den Holzwurm und noch vieles mehr. Wenn man diese Teile überspringt, bleibt kein sehr dickes Buch übrig. Allgemeiner Tenor: Man darf mit Ausländern verkehren und besonders mit Orientalisten, die auf Grund ihrer Kenntnisse schon fast Muslime sind; man darf auch Sachen aus Europa übernehmen. Offensichtlich ist, wie viel Europa dem alten Ägypten verdankt und wie leicht Europäer sich zum Islam bekehren würden, wenn sie bloß den Koran und den Islam kennen würden. Eheschließungen zwischen ägyptischen Männern und europäischen Frauen sind im Prinzip möglich. Frauen sollen auch zur Schule gehen, damit sie angenehme Gesprächspartner für ihre Männer sein können.
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Im 101. Kapitel lässt Mubārak seine Personen ein wenig über den Unterschied zwischen reich und arm und den trickle-down-Effekt1 sinnieren. Obwohl er von zu Hause aus nicht sehr vermögend war, wird er später in seinem Leben so viele Besitztümer erworben haben, dass seine Gedankengänge wie von selbst die eines Reichen sind.
Ein Fragment wie das folgende ist an sich nicht übermäßig interessant. Nur wenn man miteinbezieht, wo und wann es geschrieben ist, und dazu noch andere Texte aus der Zeit liest, wird es sinnvoll, ihm Aufmerksamkeit zu schenken, zum Beispiel im Vergleich mit dem eher zum Sozialismus neigenden Fāris al-Shidyāq in Sāq ‘alā sāq (1855). Hier folgt die Übersetzung:

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„„„Der Scheich sagte: „Immer wenn ich durch Paris laufe, verwundert es mich, wie groß es ist, wie viele Einwohner es hat und wie sie Tag und Nacht auf den Beinen sind.“ Der Scheich litt unter seinem Aufenthalt in der Stadt, wegen des vielen Verkehrs, den er ständig sah, und der Geräusche von Mensch und Tier, die er ständig hörte. Denn die Kutschen fahren an und ab, Tag und Nacht, und ihre Räder rattern, indem sie gegen die Steine stoßen, mit denen die Straßen belegt sind. Die Fenster der Häuser und Gebäude klappern im Wind und wenn sie auf und zu gehen. Betrunkene und Nachtschwärmer und dazu noch der Verkehr bringen Unruhe, verwirren den Geist und stören die Konzentration.
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Er sagte zu Ya‘qūb: „Wohnten wir doch außerhalb, das wäre angenehmer und gesünder.“ Ya‘qūb antwortete: „Der Scheich hat Recht, denn auch der Khawwāga leidet unter dem Wohnen in dieser Stadt, aber dass er hier eine Unterkunft gesucht hat, ist, weil sie nah an seiner Arbeit und seinen Freunden ist. Er hat mir eine Wohnung beschrieben, die geräumiger ist als diese, die auf einen Park sieht und etwas abseits von der Straße liegt; wenn der Khawwāga wüsste, wie sehr ihr zu leiden habt, würde er sofort dorthin umziehen.“ Darauf pries der Scheich sie beide und sagte: „Paris ist eine der prachtvollsten Städte der Welt, weil es Kunstwerke, schöne Sachen, Kostbarkeiten und Kuriositäten enthält und die Menschen so wohlhabend sind und die Gebäude so schön, aber ich denke, dass das Leben der Armen hier elend ist, weil so viele Menschen dicht aufeinander wohnen.“
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Ya‘qūb sagte: „Vielleicht haben die Armen es in Paris besser als irgendwo sonst. Denn so wie die Reichen sich sehr anstrengen um viel Gewinn zu erzielen, so haben auch die Armen ihre Manieren ihr Brot zu verdienen und ihren Vergnügungen nachzugehen, je nach ihrer Situation. Die Armen entsprechen in jeder Stadt ja immer den Reichen. Je größer die Stadt wird und je reicher die Reichen, desto mehr nehmen auch die Existenzmöglichkeiten der Armen zu, denn indem sie überall Stellen haben und Dienste leisten, können sie mehrere Sachen zu gleicher Zeit verfolgen, was man nur sieht, wenn man gut darauf Acht gibt. Ein Hausmeister zum Beispiel beschränkt sich nicht auf seinen Job; nein, man sieht auch, wie er und seine Familienmitglieder noch dazuverdienen. Denn der Mann repariert auch Schuhe und Sandalen, die Frau näht Kleider, die Tochter singt und studiert Gesang und der Sohn zerreibt Zutaten von Farbstoffen. Und wenn man darauf achtet, kann man in den Straßen arme Leute sehen, die auf dem Boden und im Schlamm altes Eisen und Nägel einsammeln, und Männer und Kinder, die die Pferde der Menschen striegeln, und noch andere, die den Hunden das Haar scheren oder Streichhölzer, Bonbons und Getränke für Kinder verkaufen. Es gibt Lumpenhändler und Kräuterverkäufer und Leute, die Blätter mit Nachrichten oder den Spielplänen der Theater anbieten. Alle diese Tätigkeiten sind auf den ersten Blick von wenig Nutzen, aber oft genug bringen arme Leute es dadurch zu Grundbesitz und Vermögen, so dass sie zu den höheren Ständen gerechnet werden, und ich glaube, auch Sie haben abends diese Leute gesehen, die das Papier und die Knochen wegräumen, die man auf die Straße geworfen hat?“ „Ja,“ sagte der Scheich und Ya‘qūb fuhr fort: „Das sind Sachen, von denen viele leben und mit denen sie das Brot für ihre Familien verdienen. Und dann gibt es noch ganze Gruppen, die leben von Schmeichelei, Schwindel, Spionage, Betrug und dergleichen, wie man das in Großstädten vorfindet.“
Der Sohn des Scheichs sagte: „In Kairo gibt es viele Leute, die Zigarettenstummel sammeln, den Tabak herausholen und davon neue Zigaretten drehen um sie auf der Straße zu verkaufen und vom Ertrag zu leben. Andere sammeln Glasscherben und verkaufen sie an die Hersteller von Armbändern für arme Frauen, und so weiter.“
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Darauf sagte der Sheikh: „Gott—gelobt und gepriesen sei er—hat es seinen Knechten leicht gemacht, auf allerlei Arten Lebensunterhalt zu finden. Er ist wirklich der Ernährer (razzāq) und er hat für jedes Geschöpf seine Art des Broterwerbs gemacht. … .’ ”””

ANMERKUNG
1. Trickle-down-Effekt: Die Annahme, dass der Reichtum der Reichen nach und nach durch deren Konsum und Investitionen in die unteren Schichten der Gesellschaft durchsickern würde. Normalverdiener und arme Menschen wissen längst, dass dem nicht so ist.

BIBLIOGRAFIE
– ‘Alī Bāshā Mubārak, ‘Alam al-Dīn, 4 Bde., Alexandrien 1882.
– Andrea Geier, Von den Pharaonen zu den Khediven. Ägyptische Geschichte nach den Ḫiṭaṭ des ‘Alī Mubārak, Frankfurt am Main 1998.
– Rotraud Wieland, Das Bild der Europäer in der modernen arabischen Erzähl- und Theaterliteratur, Beirut 1980, 48–72 und Index unter ‘Alī Mubārak.

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Ibn Khaldun bei Timur Lenk

🇳🇱 Ibn Khaldūn (Tunis 1332–Kairo 1406) ist einer der berühmtesten Araber der Welt. Er war ein Rechtsgelehrter der malikitischen Schule, aber seinen Ruhm verdankte er einem großen Geschichtswerk über Nordafrika, dem Kitāb al-‘Ibar, oder besser gesagt der Einführung dazu: der Muqaddima. Warum das Buch so berühmt geworden ist, erzähle ich gerne ein anderes Mal.
Er hat aber auch eine Autobiografie hinterlassen, eine Seltenheit in der damaligen Zeit. Die ist nicht mit modernen Werken der Gattung zu vergleichen. Der Verfasser bleibt an der Oberflache, bietet keinerlei Selbstkritik, aber dafür durchaus Eigenlob. Er gibt einen schönen Überblick über seinen Lebenslauf, über seine vielen Arbeitgeber allenthalben in Nordafrika und ab 1382 in Ägypten, über Menschen, die er kannte und über seine Funktionen als Richter, Hochschullehrer oder Berater; außerdem zitiert er ganze Ansprachen, die er gehalten hat. Es ist eine wichtige historische Quelle, aber in seine Seele lässt er den Leser nur selten blicken. Als er auf dem Weg nach Mekka in Ägypten eintraf, geschah es, dass ihm ein Amt angeboten wurde, so dass er dort blieb. Er setzte alles daran seine Familie aus Tunis herüberkommen zu lassen; als diese endlich unterwegs war, sank das Schiff in einem Sturm vor der Reede Alexandriens. Zu dieser Tragödie, die ihn sehr berührt haben muss, schrieb er nur zwei Zeilen: „Das Schiff ging unter mit Mann und Maus; groß war mein Schmerz und ich geriet ganz in Verwirrung. Der Sultan enthob mich meines Amtes und bot mir eine Ruhezeit an, so dass ich mich der Wissenschaft widmen konnte, sowohl im Unterricht wie in meiner Schreibarbeit.“1 Erst erheblich später trat er wieder eine Professur im malikitischen Recht an.

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Timurs Reich

Als Ibn Khaldūn auf die Siebzig zuging und sich aus allen seinen Ämtern zurückgezogen hatte, erlebte er noch etwas Besonderes. Die Mongolen waren nämlich in Syrien eingefallen, dessen Süden zu Ägypten gehörte, während der nordöstliche Teil vom kriegslüsternen und grausamen mongolischen Herrscher Tīmūr Lenk (1336–1405) beherrscht wurde.Die Mongolen fielen manchmal in Südsyrien ein; dann musste der Sultan militärisch aktiv werden. Ibn Taimiyya hatte schon vor einem Jahrhundert beklagt, dass die Sultane mit dem Dschihad gegen die Mongolen zu lasch waren, und auch als Tīmūr Aleppo bedrohte, unternahm Kairo anfangs nichts. Erst als Aleppo tatsächlich zerstört wurde und Tīmūr nach Damaskus vorstieß, wurde eine Armee aufgestellt. Sultan Faradsch (reg. 1399–1405) führte sie an und machte sich im November 1400 mit zahllosen Emiren und Soldaten auf den Weg. Wie gewohnt nahm er auch die Führer der vier Rechtsschulen mit. Ibn Khaldūn hatte lange die malikitische Rechtsschule in Kairo geleitet, aber war nicht mehr im Amt. Man bestand jedoch darauf, dass er mitkam; vielleicht weil er schon mal mit einem früheren Sultan in Syrien gewesen war. Als die Truppen sich aber Damaskus näherten, kam dem Sultan zu Ohren, dass zu Hause ein Komplott gegen ihn geschmiedet wurde. Er trat eilends den Rückweg an um es niederzuschlagen, wobei er viele Soldaten und die Rechtsgelehrten zurückließ.
Diese Situation war heikel für Ibn Khaldūn und seine Kollegen, aber vor allem für Damaskus, das jetzt nicht länger zu verteidigen war. Es wollte sich ergeben und sich loskaufen von Plünderung und Zerstörung, wie es damals üblich war. Tīmūr bot an die Stadt zu verschonen; einen neuen Statthalter hielt er auch schon bereit. Ibn Khaldūn konnte jetzt für die Damaszener eine Rolle als Ratgeber und als Diplomat im Kontakt mit Tīmūr spielen. Auch über diese Episode kann man einiges in der Autobiografie lesen.
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Vielleicht bauscht Ibn Khaldūn hier seine eigene Rolle etwas auf. „Richter Burhān ad-Dīn erzählte mir, dass er [= Tīmūr] nach mir und auch danach, ob ich mit den ägyptischen Truppen abgereist oder noch in der Stadt sei, gefragt hatte.“3 Einer anderen Quelle zufolge war es eher ein Zufall, dass er bei Tīmūr landete. Wie auch immer, eines Tages wurde der betagte Gelehrte in einem Korb über die Stadtmauer heruntergelassen und von Tīmūrs Männern abgeholt.
Der Empfang im mongolischen Lager war freundlich, das Gespräch fand mit Hilfe eines Dolmetschers statt. Wie immer trug Ibn Khaldūn maghrebinische Kleidung und ließ sich vorstellen als maghrebinischer, maliktischer Rechtsgelehrter, wodurch er vielleicht betonen wollte, dass er nicht zu Ägypten gehörte, das ja Tīmūrs Feind war. Der Herrscher befragte ihn gleich weiter über den Maghreb und wollte alles wissen, über die Lage bestimmter Orte wie Tanger und Ceuta. Mit einer kurzen mündlichen Beschreibung gab er sich nicht zufrieden; er verlangte einen ausführlichen Bericht über ganz Nordwestafrika. Hier wird uns noch mal ein Einblick in die Seele des Gelehrten vergönnt: ‘Die Angst hatte mich gepackt, wegen der Katastrophe, die dem shafi‘itischen Oberrichter Sadr al-Dīn al-Munāwī widerfahren war. Die Verfolger der ägyptischen Armee hatten ihn in Shahqab verhaftet und mitgenommen. Er wurde bei ihnen gefangen gehalten und es wurde ein Lösegeld verlangt, was mich beängstigte …“4
Kein Wunder also, dass er sich sofort ans Schreiben setzte: Es wurden zwölf Hefte (240 Seiten) voller geographischer und historischer Informationen zu Nordwestafrika, wie Tīmūr sie haben wollte. Als es fertig war, wurde es ins Mongolische übersetzt.
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Fügsam lieferte der Gelehrte also die Informationen; des Weiteren versuchte er seine Angst durch Schmeichelei zu bändigen: „Gott stehe Ihnen bei: Seit dreißig oder vierzig Jahren habe ich mich danach gesehnt, Ihnen zu begegnen, […] weil Sie der Sultan des Universums und der Herrscher der Welt sind; ich glaube nicht, das von Adam bis heute ein Herrscher aufgestanden ist wie Sie!“6 Und dies, so betonte er, sage er nicht von ungefähr, denn als Gelehrter sei er sehr wohl im Stande seine Größe mit der von persischen und römischen Kaisern oder mit der von Alexander dem Großen und Nebukadnezar zu vergleichen, und Tīmūr sei bestimmt der größte. Dem fiel auf einmal ein, dass er mütterlicherseits mit Nebukadnezar verwandt sei, was Ibn Khaldūn dem Dolmetscher gegenüber spontan bejahte: „Noch ein Grund, weshalb ich mich sehnte, ihn zu treffen.“7 Ein anderer triftiger Grund um sich nach Tīmūr zu sehnen war, so Ibn Khaldūn, dass Astrologen die Erscheinung eines mächtigen Herrschers vorhergesagt hatten. Zwar wurde dies meist mit einem ganz anderen Herrscher in Verbindung gebracht, aber Ibn Khaldūn nahm sich die Freiheit diese Weissagung auf Tīmūr anzuwenden.
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Schmeicheln und schleimen gehörte damals einfach zum Leben. Ibn Khaldūn, der oft genug in Ungnade gefallen war, wird es bei seinen Brotherren getan haben wie jeder anderer auch, und jetzt setzte er vor Angst noch einen darauf.
War er ein Verräter, kollaborierte er mit dem Feind, indem er ihm die strategisch wichtige Information über Nordafrika zur Verfügung stellte? In der Tat. Aber konnte er anders, in der heiklen Lage in der er sich befand, mutterseelenallein und wohl wissend, wie salopp Tīmūr mit Menschenleben umging? Für ihn würde ja niemand Lösegeld bezahlen.
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Nach fünfunddreißig Tagen konnte Ibn Khaldūn sich am 10. Januar 1401 losreißen und ungehindert nach Kairo zurückkehren—zuvor hatte er freilich noch die Einnahme und Plünderung von Damaskus durch die Mongolen erlebt. Seine Scham über den Bericht, den er geschrieben hatte, überwand er zu Hause, indem er dem Sultan von Marokko ein Gegenstück sandte: einen Bericht über Tīmūr und die Mongolen.
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Offensichtlich hegte Tīmūr Sympathie für Ibn Khaldūn. Eines Tages wollte er ein Maultier von ihm kaufen. Ibn Khaldūn antwortete: „Menschen wie wir verkaufen einander doch kein Maultier?“ und schenkte es ihm—was sonst hätte er machen können? Später bekam er aber den Geldwert für das Tier durch eine Zwischenperson ausgehändigt, was sehr korrekt war, aber über das Verhältnis zwischen beiden Männern zu denken gibt: War es doch herzlich? Ibn Khaldūn gab sich Mühe diese Geldsendung gegenüber seinem Sultan zu verantworten; er wollte ja in Ägypten nicht durch seinen Kontakt mit Tīmūr kompromittiert werden.8

ANMERKUNGEN
1. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 320: فعصف بهم الرياح وغرق المركب بمن فيه وما فيه وذهب الموجرد والمولود فعظم الأسف واختلط الفكر. وأعفاني السلطان من هذه الوظيفة وأراحني وفرغت لشأني من الاشتغال بالعلم تدريبًا وتأليفًا.
2. Auf Englisch auch bekannt als Tamerlane. Man könnte ihn besser Tamerlame nennen, denn lenk ist Persisch für lahm. Sein rechtes Bein konnte er kaum gebrauchen; über längere Strecken wurde er getragen oder ritt er zu Pferd. Den Sowjetärzten zufolge, die 1941 seine Überreste untersuchten, litt er an Knochentuberkulose. Tīmūr selbst behauptete, es sei die Folge eines Pfeilschusses in sein Knie.
3. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 403: وأخبرني القاضي برهان الدين أنه سأل عني وهل سافرت مع عساكر مصر أو أقمت بالمدينة. Ibn ‘Arabšāh @
4. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 405–6: وقد غلبني الوجل بما وقع من نكبة قاضي القضاة الشافعية صدر الدين المناوي أسره التابعون لعسكر مصر بشحقب وردوه فحبس عندهم في طلب الفدية منه فأصابنا من ذلك وجل
5. Der arabische Text ist nicht erhalten. Es scheint noch eine osmanisch-türkische Übersetzung in Handschrift zu existieren.
6. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 407: أيدك الله لي اليوم ثلاثون أو أربعون سنة أتمنى لقاءك […] انك سلطان العالم وملك الدنيا وما أعتقد أنه ظهر في الخليقة مند آدم لهذا العهد ملك مثلك
7. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 408: وهذا مما يجعلني على تمني لقاءه
8. Ibn Ḫaldūn, Ta‘rīf 412, 414.

BIBLIOGRAFIE
–  ‘Abd-ar-Raḥmān Ibn-Ḫaldūn: Kitāb al-‘Ibar wa-dīwān al-mubtada’ wal-ḫabar fī ayyām al-‘arab wal-‘aǧam wal-barbar wa-man ‘āṣarahum min ḏawī as-sulṭān al-akbar, Erstausgabe von Étienne Quatremère, Prolégomènes d’Ebn-Khaldoun, texte arabe publié d’après les manuscrits de la Bibliothèque Impériale, 3 Bde., Paris 1858. Ausg. Ibrāhīm Šabbūḥ, 14 Bde., Tūnis 2006-2013. Andere Ausgabe: Beirut 2000-2001, auch online. [Dies ist das Hauptwerk, das aber auch die Muqaddima und eine Kurzfassung der Autobiographie (at-Ta‘rīf) enthält.]
– Ibn Ḫaldūn, Die Muqaddima, Betrachtungen zur Weltgeschichte. Übertragen und mit einer Einführung von Alma Giese unter Mitwirkung von Wolfhart Heinrichs, München 2011. Englisch: The Muqaddimah. An Introduction to History, Übers. Franz Rosenthal, 3 Bde., New York 1958, 1986, auch online.
– Ibn Ḫaldūn, at-Ta‘rīf bi-ibn Ḫaldūn wa-riḥlatihi ġarban wa-šarqan, Hg. Muḥammad ibn Tāwīt al-Tanǧī, Kairo 1951, 2003. Französische Übersetzung: Le Voyage d’Occident et d’Orient, Übers. Abdesselam Cheddadi, Paris 1980, 1995. [Die Autobiographie]

Sekundär:
– M. Talbi, Ibn Khaldūn, in EI2.
– Walter J. Fischel, Ibn Khaldūn and Tamerlane, Berkeley/Los Angeles 1952.

Diakritische Zeichen: Ibn Ḫaldūn, Faraǧ, Ṣadr al-Dīn, Šaḥqab

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Abd al-Malik als Gründer des Islams

🇳🇱 Am Anfang des Islams stehen der Prophet Mohammed und der Koran. Aber was für ein Islam war das? Der Koran wurde erst im Lauf des 7. Jahrhundert zum Buch und stand als solches nur Wenigen zur Verfügung. Die Sunna—also die überlieferte Handlungsweise—des Propheten wurde erst später ausgearbeitet; im 7. Jahrhundert war die wichtigste Sunna die der jeweiligen Kalifen. Die Scharia gab es auch noch nicht. Gab es schon Muslime? Man nannte sich meist „Gläubige“ (mu’minūn) und das Wort Islam als Religionsbezeichnung war noch nicht geläufig.
Der Islam war einfach noch nicht voll herausgebildet. Er brauchte Gestaltung und dazu hat der Umayyadenkalif ‘Abd al-Malik (reg. 685–705) vieles beigetragen—so viel sogar, dass man ihn als Gründer oder Zweitgründer des Islams auffassen kann.

  • Ein Umayyadenkalif als Gründer des Islams? Mancher Muslim wird das wütend bestreiten: die Umayyaden waren doch Mörder, Säufer, Usurpatoren und noch vieles mehr! Mag sein, aber ‘Abd al-Malik hat einen Islam gegründet und ihn der Öffentlichkeit präsentiert. Dass sein Islam abwich von dem Islamentwurf späterer Schriftgelehrten, dafür konnte er nichts.

Als ‘Abd al-Malik antrat, hatte er mit vielen Feinden zu kämpfen. Er hatte von seinem Vater zwar ein riesiges Reich geerbt, das ganz Persien und halb Ostrom umfasste, aber das Reich war marode. Der Ostteil wollte nie spuren und es war von Damaskus aus schwierig, ihn zu regieren, Schiiten und Kharidschiten rebellierten und anfangs musste der Herrscher noch ein anderes Kalifat vernichten: das von ‘Abdallāh ibn az-Zubair (reg. 680–992). Dieser residierte in Mekka; sein kompetenter Bruder Mus‘ab herrschte über große Teile des Iraks und Irans, während den Umayyaden manchmal nicht viel mehr blieb als Syrien und ihre Hauptstadt Damaskus. ‘Abdallāh und seinen Bruder zu vernichten gelang ‘Abd al-Malik 692: Beide wurden getötet, der Bürgerkrieg war beendet. Der Kalif muss erschrocken gewesen sein über die Kluft, die sich zwischen Syrien und Arabien aufgetan hatte. Jetzt kam es darauf an, die Einheit wiederherzustellen.

Geschichtsschreibung
Der nach dem Krieg wiedervereinte Staat brauchte eine allgemein akzeptierte Ideologie und einen Gründungsmythos, in dem Arabien eine Hauptrolle spielen sollte. Dazu war ‘Urwa ibn az-Zubair (643–712) sehr von Nutzen. Als ‘Abd al-Malik dessen Brüder ‘Abdallāh und Mus‘ab hatte töten lassen, eilte der viel jüngere ‘Urwa nach Damaskus um seine Haut zu retten und dem Umayyadenkalifen die Treue zu geloben. Das war ein gewagter Schritt, aber er war erfolgreich. Der Kalif, der bereits aus strategischen Gründen eine Staatstrauer für Mus‘ab ausgerufen hatte, verzichtete auf die Hinrichtung ‘Urwas und entschied, ihn lieber zu benutzen. ʿUrwa war der Intellektuelle der Familie, der nie militärisch aktiv gewesen war, sondern sich in Medina in Ruhe dem Studium der Hadith-Ü
berlieferungen, des Rechts und der Prophetenbiographie (sīra) gewidmet hatte. Der Kalif ließ ihn nach Medina zurückkehren und bat ihn, die wahre Geschichte des Islams für ihn niederzuschreiben.

Das tat ‘Urwa: Er schrieb ein ganze Reihe „Briefe“ (rasā’il) an den Kalifen und später noch an dessen Sohn al-Walīd. Diese Texte sind äußerst wichtig, denn sie enthalten den Kern der Prophetenbiographie und der frühen Geschichte der „koranischen Bewegung“—die seit ‘Abd al-Malik „Islam“ heißt. Spätere Autoren greifen fast alle auf ‘Urwas Texte zurück. Die sind kurz gefasst, denn fantastische Erzählungen mochte ‘Abd al-Malik nicht.
‘Urwa war nicht nur ein Sohn des vornehmen Prophetengefährten az-Zubair, sondern auch der Asmā’, der Tochter des ersten Kalifen Abū Bakr. Die Prophetenwitwe Aischa war seine Tante. Somit gehörte er väter- und mütterlicherseits zum frühen Verdienstadel. Seine Schriften „atmen Arabien“ und nehmen stark Partei für Abū Bakr und dessen Familie.
Vor ‘Abd al-Malik drohte die früheste „koranische Bewegung“ auseinanderzudriften. In Syrien war die Atmosphäre noch sehr römisch, man verkehrte mit Christen und das heilige Jerusalem war eine formidable Anwesenheit. Im Irak, der persisch beeinflussten Brutstätte des Widerstands gegen Damaskus, entstand gerade die Schia; hier ertönten auch die ersten Rufe nach der Sunna des Propheten und wuchs die Hadith-Literatur heran. ‘Abdallah ibn az-Zubair und seine Brüder fokussierten sich voll auf Arabien und profilierten sich als die treuesten Hüter des Gewohnheitsrechts von Mekka und Medina. Als solche wären sie vielleicht am ehesten zum Kalifat berechtigt gewesen. Durch ‘Urwas Werk wurde dem Erbe Arabiens und des frühen Verdienstadels wenigstens wieder der zentrale Platz in der offiziellen Ideologie gewährt.

Felsendom
Als der Bürgerkrieg noch wütete, ließ ‘Abd al-Malik auf dem ehemaligen Tempelberg in Jerusalem den Felsendom bauen, der 692 fertig wurde. In der Mitte befindet sich ein großer Felsbrocken, um den Pilger ihre Runden drehen konnten, wie in Mekka auch. Dabei sahen sie dann Inschriften, in denen einige deutliche Ansagen den Triumph des Islams verkünden, etwa: „Die Religion bei Gott ist der Islam.“ (Koran 3:19)
Warum hat der Kalif den Felsendom bauen lassen? Naheliegend ist, das Gebäude als Ansage an die Christen zu interpretieren. Christen bildeten ja den Großteil der Bevölkerung des Westreichs, und für sie war Jerusalem mit seiner alten Grabeskirche ein zentraler Ort. In der Kirche wurde das Heilige Kreuz aufbewahrt, das Kaiser Heraclius erst 630 in die Kirche zurückgebracht hatte, nachdem es von den Persern geraubt worden war. Der Felsendom war ein frischer Neubau, herausfordernd durch seine Lage und Schönheit und durch die Inschriften darauf und darin. Aus einer der Inschriften—Koran 4:171—wird klar, was über Jesus zu denken sei:

  • Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist [nur] der Gesandte Gottes und dessen Wort, das er der Maria entboten hat, und ein Geist von ihm. Glaubt denn an Gott und seine Gesandten und sagt nicht: „Drei“! Hört damit auf, das ist besser für euch. Gott ist [nur] ein [einziger] Gott, gelobt sei er! Dass er ein Kind haben würde!

Jahrhunderten christlichen Gezänks über die Natur Christi sollte mit diesem und anderen Korantexten ein Ende gesetzt werden. Auch Mohammed wird in den Inschriften erwähnt; das war zuvor kaum je in der Öffentlichkeit getan worden.

‘Abd al-Malik hatte große Verdienste um das Reich. Er hat die Einheit wiederhergestellt, innere Feinde klein gehalten und den Kaiser in Konstantinopel in die Schranken gewiesen. Er hat Verwaltungsreformen und eine Münzreform durchgeführt, wobei er aus dem römischen solidus ausstieg—d.h. aus dem Euro der damaligen Zeit. Arabisch hat er zur Amtssprache gemacht. Das alles waren sehr wichtige Errungenschaften, aber nachhaltiger waren seine Förderung einer islamischen Identität und sein Anstoß zu einer islamischen Geschichtsschreibung.

Mit dem Abschied vom Christentum wurde der arabische Islam geboren. Allmählich verschwand immer mehr von dem jüdischen und christlichen Material (den isrā’īlīyāt), das anfangs die „Erzählungen“ und Genealogien, die Korankommentare und die Prophetenbiographie gefüllt hatte; es wurde eine deutliche „Entbibelung“ durchgeführt. Mekka, die Ka‘ba und Medina standen fortan im Mittelpunkt. Und der Prophet Muhammad wurde immer wichtiger, bis im achten Jahrhundert seine Sunna die der Kalifen verdrängte.

BIBLIOGRAFIE
– A. Görke und G. Schoeler, Die ältesten Berichte über das Leben Muḥammads. Das Korpus ‘Urwa ibn az-Zubair, Princeton 2008.  [‘Urwas Texte in deutscher Übersetzung gesammelt und analysiert]
– Chase Robinson, Abd al-Malik, Oxford 2005.

Diakritische Zeichen: ʿAbd al-Malik, Muṣʿab, ʿAbdallāh, ʿUrwa, ʿĀʾiša

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Wie sah Mohammed aus?

Mohammed und Gabriel, Iran, 14. Jahrhundert

🇳🇱 Wie Mohammed aussah, weiß niemand; es gibt ja keine zeitgenössischen Abbildungen von ihm (s. dazu hier.) Es gibt aber zahlreiche Beschreibungen von seinem Aussehen. Die frühesten datieren von ca. dreiviertel Jahrhundert nach dem Tod des Propheten; die meisten sind jünger.
Die Anzahl alter Texte zu diesem Thema  ist viel zu groß für einen kurzen Artikel. Deshalb werde ich hier nur die Hadithe in den Ṭabaqāt von Ibn Sa‘d (784–845) und die im Ṣaḥīḥ des Muslim ibn Hadjdjādj (gest. 875) auswerten, mit noch einigen losen anderen Texten aus Sīra und Hadith
 dazu. Die wichtigsten Quellen dürften damit berücksichtigt sein.
Mir geht es nicht darum, die „korrekte“ Überlieferung ausfindig zu machen oder die endgültige Beschreibung des Propheten zu erstellen; das wäre ja ohnehin unmöglich. Ich versuche nur zu verstehen, was die Verfasser dazu gebracht hat, ihn so zu beschreiben, wie sie es tun, und ich sehe in ihren Texten einige Tendenzen. In anderen Fällen bleibt unklar, was sie mit ihren Beschreibungen vorhatten.

1. Mohammed sah beeindruckend und schön aus
Weil Mohammed für seine Anhänger der wichtigste Mensch überhaupt war, dem das höchste Lob gebührte, liegt es nahe, dass man ihn als sehr gut aussehend, gar schön beschrieben hat. Sein Aussehen war einzigartig; verschiedene Gefährten bezeugen, dass sie weder vor ihm noch nach ihm jemanden wie ihn gesehen haben.1 Er war eine stattliche, ehrwürdige Erscheinung.2 Die ihm zugeschriebenen körperlichen Eigenschaften liegen zum Teil im übernatürlichen Bereich. Der Prophet soll strahlend, leuchtend ausgesehen haben. Er wird auch „weiß“, abyaḍ genannt. Das kann einfach die Hautfarbe bezeichnen, auf die ich weiter unten noch eingehen werde, aber an manchen Stellen ist durchaus das strahlende Weiß einer ganz besonderen Erscheinung gemeint. Man muss es aber nicht unbedingt wörtlich nehmen; solche Adjektive können auch stehen für „nobel, fehlerlos, untadelig“.3 Er war noch glänzender als ein Schwert, vielmehr wie die Sonne oder der Mond;4 sein Gesicht glänzte wie der Mond in einer Vollmondnacht.5 Er hatte eine weiße Blesse auf der Stirn, wie auch sein Vater eine hatte, als er zu Āmina ging um ihn zu zeugen; hier darf man an das präexistente „Licht Mohammeds“ (nūr Muḥammad) denken.6 Sein Nacken war wie eine silberne Kanne, bzw. wie der Nacken eines silbernen Standbildes.7
Sein Körpergeruch war äußerst angenehm. Wie einer sagte: „Ich habe keinen Moschus oder Amber gerochen, der wohlriechender war als er.“8 Auch sein Schweiß soll wohlriechend und segensreich gewesen sein; die Prophetengattin Umm Sulaim fing ihn auf und mischte ihn in ihr Parfüm.9 Der Schweiß auf seinem Gesicht war wie Perlen.10

Andere, oder oft genug auch dieselben Hadithe beschreiben körperliche Eigenschaften des Propheten, die zwar sehr lobenswert, aber auch bei anderen Menschen nicht selten sind. Ich gehe davon aus, dass die folgenden Beschreibungen Lob beabsichtigten:
Er war breitschultrig,11 hatte eine breite Brust,12 dicke Knochengelenke, starke Schultern,13 lange bzw. große Arme und Beine,14 große bzw. kräftige Füße, schlanke Fersen,15 große bzw. kräftige Hände und Finger,16 aber: „Ich habe nie etwas berührt, sei es Brokat oder Seide oder was auch immer, das sanfter war als die Handfläche des Propheten“17—was vielleicht darauf hinweist, dass er nicht körperlich arbeiten musste.
Sein Kopf war groß,18 sein Gesicht sehr schön.19 Er hatte einen breiten bzw. einen schönen Mund;20 die Wangen waren glatt.21 Seine Augen werden als groß und als schwarz bezeichnet;22 das Weiße im Auge hatte etwas Rötliches;23 die Augenbrauen waren zusammengewachsen;24 die Wimpern waren lang.25 Er hatte vollkommene Ohren.26
Das Kopfhaar soll tiefschwarz bzw. dicht gewesen sein;27 der Bart schön, dicht, sehr schwarz.28
Er lief energisch. „Ich habe nie jemanden gesehen,“ sagte ein Gefährte, „der schneller lief als der Prophet, als würde die Erde für ihn zusammengefaltet. Wir mussten uns anstrengen [um mitzuhalten], aber das war ihm egal.“ Und: „Wenn er mit Anderen lief, war er ihnen weit voraus.“29

Es drängt sich ein Bild von einem stark gebauten, bulligen Mann auf; so hatte man ihn wohl gern. Jemand könnte meinen, die Schlankheit der Fersen passt nicht so gut zu den großen Füßen, der schnelle Gang nicht zu dem schweren Körperbau. Aber alle diese Hadithe sind Ansammlungen von kleinen Elementen, die untereinander leicht auswechselbar sind und nie zu einem zusammenhängenden Bild führen. Unten wird das noch deutlicher werden.
Dass ein Hadith berichtet, Mohammed habe mal einen Ringkampf gegen den stärksten Mann seines Stammes gewonnen, sagt nichts aus. Das ist eine Wundergeschichte; sie will sagen: Ohne Gottes Hilfe hätte er den Gegener nie besiegen können.

2. Nicht dies und nicht das: ein Mann der Mitte
Er war von mittlerer Körperlänge,30 nicht lang und nicht kurz,31 nicht dick und nicht mager,32 nicht mattweiß und nicht rötlich (ādam),33 weder kraushaarig noch glatthaarig.34 Hier kommt ein alter arabisch Lehrsatz zur Anwendung: Die Mitte oder der Mittlere ist immer das Beste.35

3. Er sah besser aus als die anderen Propheten
Der Prophet wird zitiert mit Beschreibungen der früheren Propheten, die er während seiner Himmelfahrt gesehen haveb soll. In einer der Varianten des Hadiths heißt es: „Ich sah ‘Īsā, Mūsā und Ibrāhīm. ʿĪsā ist kraushaarig, rötlich (aḥmar) und hat eine breite Brust. Mūsā ist rotbräunlich (ādam), beleibt und hat glattes Haar, als gehörte er zum Zuṭṭ-Volk.“„Und Ibrāḥīm?“ fragten sie. Er sagte: „Schaut auf euren Gefährten, den Gesandten Gottes, [dann wisst ihr es].“36. Einer anderen Fassung zufolge war Mūsā jedoch rotbräunlich, hochgewachsen, mit einer Hakennase, als gehörte er zum Stamm Shanū’a.37 Oder ähnlich, aber mit den Ergänzungen: „dürr, mit gekräuselten Haaren“.38 An derselben Stelle heißt es, dass ‘Īsā „rötlich war, weder kurz noch lang, dass er Sommersprossen und glattes Haar hatte und aussah, als wäre er gerade aus dem Bad gekommen; man würde meinen, sein Haar tropfe vor Wasser, was aber nicht so war.“
Das vermeintliche Aussehen Mohammeds wird theologisch instrumentalisiert. Moses und Jesus waren mit ihren markanten Merkmalen im Aussehen keine „Männer der Mitte” wie Mohammed. Wie Sommersprossen und Hakennasen bewertet wurden, weiß ich nicht; ich vermute, dass sie als weniger schön galten. Auf jeden Fall sah Mohammed besser aus als die Propheten der Juden und Christen. Aber von Abraham sagt er: „Nie habe ich einen Mann gesehen, der mir ähnlicher war.“
Übrigens gibt es auch Beschreibungen von der Schönheit gewisser Propheten, die nicht mit Mohammed in Konkurrenz standen. Namentlich Hārūn soll besonders gut ausgesehen haben, und natürlich Yūsuf, in den Zulaika vernarrt war.37

4. Mohammed sah ganz normal aus
Er war ja ein Mensch wie alle anderen, wie auch der Koran betont. Hier folgen Beschreibungen von körperlichen Eigenschaften des Propheten, die offensichtlich nicht als Lob gemeint waren. Es kann aber auch sein, dass ich nicht verstanden habe, wie man diese Eigenschaften damals angesehen hat. Zusammengewachsene Augenbrauen oder ein Bauch werden in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten sehr verschieden bewertet und das dürfte auch bei anderen Eigenschaften der Fall sein.
Wie oben schon erläutert steht Mohammeds Hautfarbe „weiß“, abyaḍ, oft für „strahlend, nobel, fehlerlos, untadelig“. Aber oft genug wird das Wort auch für die eigentliche Hautfarbe benutzt, die dann meistens eine rötliche Beimischung hat.39 Die Hautfarbe des Propheten wird auch braun, asmar, genannt, oder braun, zu weiß tendierend.40 Oder er war weder hellhäutig noch dunkel; s. oben unter 2.
Seine Hüften und Achseln, sichtbar beim Gebet, werden weiß genannt. Man wollte wohl auf die ursprüngliche, natürliche Hautfarbe hinweisen.41 Gesicht, Arme und Beine werden ja durch die Sonne gebräunt gewesen sein.

Dass der Prophet tiefschwarzes, dichtes Kopfhaar hatte, habe ich als Lob aufgefasst. Die Haarlänge und der Scheitel sind aber schwierig zu beurteilen; überdies können sie variabel gewesen sein. Einem Text zufolge war er glatthaarig,42 aber viel mehr Texte betonen, dass er als „Mann der Mitte“ weder kraushaarig noch glatthaarig war. s. oben. Sein Haar reichte bis zur Hälfte der Ohren oder bis zu seinen Ohrläppchen, oder es endete halbwegs zwischen den Ohren und Schultern oder es reichte bis zu seinen Schultern.43 Er ließ seine Stirnlocken herabhängen und scheitelte den Rest (?).44 Die Fragen, ob der Prophet beim Altern grau- oder weißhaarig wurde, und ob er seine Kopfhaare und Barthaare färbte, hat eine Flut von Texten generiert, die ich hier nicht berücksichtige, weil sie bereits erforscht worden sind (→ Juynboll).
Am Körper soll der Prophet kaum behaart gewesen sein.45 Oder doch: Die Unterarme und die Brust waren behaart, bzw. auch seine Schultern.46 Er hatte eine Haarlinie von der Brust bis an den Nabel (masruba). Diese Behaarung war fein bzw. lang.47

Mohammeds schnellen Gang habe ich schon erwähnt, weil ich den als eine positive Eigenschaft deute. Seine Gangart war das nicht; die war vielmehr etwas merkwürdig. Die Überlieferung schwankt stark: Wenn er lief, beugte er sich vornüber.48 Wenn er lief beugte er sich vornüber, als liefe er bergauf.49 Wenn er lief, war es, als ginge er bergab.50 Wenn er lief beugte er sich (Var.: ein wenig) vornüber, als liefe er bergab.51 Wenn er lief (oder: Wenn er aufstand), war sein Schritt unfest, als liefe er bergab.52 Wenn er sich umdrehte, drehte er sich ganz um.53 Er wandte sich ganz nach vorn und ganz nach hinten.54  Keine klare Vorstellung habe ich bei diesem Text: „Der Prophet setzte seinen linken Fuß so auf, dass man sehen konnte, dass die Außenseite schwarz war (?).55

War Mohammed dick? In der Erzählung von der Schlacht bei Uḥud muss jemand dem Propheten beim Besteigen eines Felsen behilflich sein, von dem aus er die Schlacht beobachten will, „weil er beleibt war und überdies zwei Panzerhemden übereinander trug; als er versuchte hochzukommen, gelang ihm das nicht.“56 Umm Hāni’, die Tante des Propheten, bei der er zur Zeit seiner Himmelfahrt nächtigte, beobachtete Falten an seinem Bauch: „Ich packte einen Teil seines Oberkleides, so dass sein Bauch sichtbar wurde: [wie] ein gefaltetes koptisches Tuch.“57 War das ein Zeichen für Korpulenz oder betraf es vielleicht die Narben der „Spaltung des Bauchs“ (shaqq al-baṭn) durch zwei Engel, die kurz vor der Himmelfahrt stattgefunden haben soll? Falten will auch eine gewisse Umm Hilāl gesehen haben: „Immer wenn ich den Bauch des Propheten sah, musste ich an übereinandergefaltete Blätter denken.“58
Die Aussage in einem Hadith, in dem der Prophet von sich selbst sagt „Ich bin dick“, kann man vernachhlässigen, weil er als Basis einer Schariaregel dienen soll; s. unten.
Wie auch immer: Die etwaige Korpulenz des Propheten sollte man nicht nach modernen Maßstäben bewerten. Der Bauch konnte ein Statussymbol gewesen sein, ein Nachweis, dass man reichlich zu essen hatte. Einen Sixpack hatte ja jeder.

5. Ein besonderes Merkmal
Ein merkwürdiges Merkmal am Körper des Propheten war das Siegel oder der Stempel des Prophetentums (ḫātam an-nubuwwa oder an-nabīyīn).59 Das war eine Geschwulst auf seinem Rücken oder zwischen seinen Schultern, so groß wie ein Taubenei, dem Rest seines Körpers ähnlich60—farblich oder in der Konsistenz?—oder alternativ: wie der Knopf eines Brautzeltes,61 oder wie ein Stück Kamelkot,62 wie ein Apfel63 oder wie ein Haarbüschel,64 oder faustgroß mit Muttermalen wie Warzen oben darauf65—die Texte variieren. Mehrere Gefährten des Propheten sollen das Siegel gesehen oder betastet haben.66 Der Vorschlag einiger Gefährten—alle angeblich medizinisch bewandert— die Geschwulst zu behandeln bzw. auszuschneiden, wird vom Propheten abgelehnt: Der beste Arzt sei Gott, der sie erschaffen hat.67
Wie kam man auf den Ausdruck ḫātam an-nubuwwa? Es ist unmöglich nicht an Koran 33:40 zu denken, wo die Rede ist von ḫātam an-nabiyīn, „das Siegel der Propheten“. Man hat sich natürlich gefragt was das bedeuten sollte; dabei dürfte das Wort ḫātam nicht allen Hörern vertraut gewesen sein. Ein Teil der Exegeten hat dabei offensichtlich an etwas Körperliches gedacht, und siehe da: Das Siegel nahm Gestalt an.

6. Vorlagen für Schariaregeln
Gewisse Beschreibungen von Mohammeds Körper dienten (auch) als Vorlage für Verhaltensregeln.
– Was ist zu tun wenn ein Imam dick ist und seine Bewegungen beim Gebet langsam sind? Die Gläubigen möchten das Ritual vielleicht schneller zu Ende bringen als er. Ein Hadith, in dem man den Propheten sagen lässt: „Ich bin dick“ (baṭuntu) war jedoch Vorlage für eine Shariaregel: Wenn der Imam langsam ist, sollen die Gläubigen bei den Bewegungen im Gebet seinem Tempo folgen und nicht schneller sein als er.68
– Träger gewisser Frisuren können sich die Haarlänge des Propheten vorgestellt haben um die eigene zu empfehlen.
– Soll oder darf man sich die Haare oder den Bart färben? Es gibt Hadithe, denen zufolge der Prophet sie färbte, mit Henna, Safran und Indischgelb (wars) und somit eine sunna etablierte (→ Juynboll).
– Was macht man mit einer Geschwulst; etwa auf- oder ausschneiden? Nein, unbehandelt lassen; der Prophet war selbst Vorbild. Man kann die Texte, in denen der Prophet seine Geschwulst nicht verarzten lassen wollte, auch als „prophetische Heilkunde“ (ṭibb an-nabī) lesen.

Es ist manchmal schwierig festzustellen, wann eine Eigenschaft normal, gewöhnlich, oder lobenswert war. Ein glänzendes Gesicht und breite Schultern kann man ohne Weiteres als positiv auffassen, aber eine merkwürdige Gangart? Und was bedeutet es z.B., dass er sich nur ganz umwandte? Hatte er einen steifen Nacken oder ein Rückenleiden, so dass er seinen Kopf nicht drehen konnte? Oder ist es ein Lob, weil er sich seinen Gesprächspartnern voll und ganz zuwandte? Oder hat es noch einen anderen Hintergrund?

Bei vielleicht der Hälfte der Texte ist hinter der Beschreibung eine Absicht verborgen, die die reine Beschreibung übersteigt; bei der anderen Hälfte ist nicht festzustellen, welchem Zweck sie gedient haben könnten. Man könnte fast meinen, er lägen Erinnerungen an reale körperliche Eigenschaften des Propheten vor. Das kann aber auch nicht sein, dafür sind die beschriebenen Eigenschaften untereinander zu widersprüchlich. Lief er nun schnell oder unsicher? Quasi nach oben oder nach unten? Läuft ein bulliger Mann überhaupt schnell? Passen schlanke Fersen zu großen Füßen? Und angenommen, der Prophet hatte wirklich eine Geschwulst auf seinem Rücken, hätte man sich das jahrzehntelang weitererzählt?

Wissenschaft?
Jemand sagte zu mir: Das ist Wissenschaft, was du hier machst, warum schickst du es nicht an eine Fachzeitschrift?
Nein, es ist keine Wissenschaft, sondern ein Aufsatz, eine Sondierung, eine Vorübung. Wissenschaft wäre: „alle“ relevanten Hadithe—in Anführungszeichen, weil man sie nie alle findet—zu sammeln, lexikalisch zu studieren, Isnadanalysen und Datierungsversuche anzustellen und wo möglich die Entwicklung und den „Sitz im Leben“ der Thematik zu untersuchen. Das würde mindestens drei Monate dauern.
Solche Wissenschaft wird aber in diesem Fachgebiet nicht länger betrieben. Die Zeit ist nicht danach. Hadithe, obwohl nach der Meinung aller eine sehr wichtige Literaturgattung, werden weiterhin nicht studiert.

ANMERKUNGEN
IS = Ibn Sa‘d, Ṭabaqāt, Band i, 410–36. Ich erwähne die Seite und die Nummer des Hadith, die allerdings im Text nicht angezeigt wird.
Muslim = Muslim, Ṣaḥīḥ, Buch Faḍāʾil.
IH = Ibn Hišām, Sīra.
1. لم أر (قبله ولا) بعده مثله HI 266; Muslim 91, 92; IS 410:2; 411:1–3; 412:1–2; 414:2, 4, 6; 415:1–4; 418:6.
2. فخم مفخم IS 422.
3. أبلج IS 411:2; أبيض Muslim 98, 99; IS 417:4; 418:1, 5; 419:7; أزهر IS 410:3; 413:2; 419:7; 422; أبيض شديد الوضح IS 411:2; له نور تعلوه IS 422;  أنور المتجرَّد IS 422.
4. أوجهه مثل السيف؟ فقال جابر: مثل الشمس والقمر مستدير IS 416:2, 5; 419:3.
5. يتلؤلأ وجهه تلألؤ القمر ليلة البدر IS 422.
6 أغرّ IS 411:2. Zu Mohammeds Vater IH 101.
7. كأن عرقه إبريق فضة IS 410:2; كأن عنقه جيد دمية في صفاء الفضة IS 422.
8. ولا شممت مسكة ولا عنبرة ما أطيب من ريحه IS 413:2, 3; 414:3; ريح عرقه أطيب من المسك الأذفر IS 410:2.
9. Muslim 83, 84.
10. كأن عرقه في وجهه اللؤلؤ IS 410:2; 411:2; 412:1.
11. بعيد ما بين المنكبين Muslim 91, 92; IS 412:2; 414:5; 415:2; 416:3–4; 422; جليل الكتد IH 266; IS 411:3.
12. رحب الصدر IS 415:2; عريض الصدر IS 422.
13. ضخم الكراديس IS 411:1; 422; عظيم الكراديس IS 412:2; جليل المُشاش IH 266; IS 411:3; عظيم المناكب IS 412:1; ضخم المنكبين IS 415:2; 415:5.
14. سبج الساعدين IS 414:5; عظيم الساعدين IS 415:2; ضحم السافين IS 415:2 .
15. صخم القدمين IS 414:2, 4; IH 266; IS 410:2, 3; 411:1–3; 412:1, 2; 415:2; 422; شثن الأطراف IS 415:5; منهوس العقبين Muslim 97; IS 416:1.
16. ضخم الكفين IS 414:4; شثن الكف، الكفين IH 266; IS 410:2, 3; 411:1–3; 412:1, 2; 415:2; 422; شثن الأطراف IS 415:5; شثن الأصابع IS 418:3, 6.
17. وما مسست ديباجة ولا حريرة ولا شيئا قط ألين من كف رسول الله IS 413:2, 3.
18. ضحم الرأس IS 411:1; ضخم الهامة ;412:2 IS 410:3; 411:2.
19. حسن الوجه IS 414:4; 418:5; 420:4, أحسن الرجال وجها; Muslim 93, 98; مليح الوجه IS 417:4; 418:1; جميل دوائر الوجه IS 417:1.
20. ضليع الفم Muslim 97; IS 415:2; 416:1; حسن الفم IS 412:2; 415:2; حسن المضحك IS 417:1
21. سهل الخد IS 410:2.
22. عظيم العينين  IS 410:3; أدعج العينين IH 266; IS 410:2; 411:3; 415:5; أكحل العينين IS 417:1; أسود الحدقة IS 412:1.
23. أشكل العين Muslim 97; dem Herausgeber Fuʾād ʿAbd al-Bāqī zufolge ist diese Eigenschaft lobenswert; مشرب العينين حمرة IS 410:3;  في عينيه حمرة  IS 412:2.
24. مقرون الحاجبين IS 412:2; dies wurde wohl positiv bewertet.
25. أهدب الأشفار IH 266; IS 410:3; 411:2–3; 412:1–2; 414:5–6; 415:2, 3, 5.
26. تام الأذنين Muslim 97; IS 412:2; 415:2.
27. أسوده IS 412:2;  شديد سواد الشعر IS 418:3; فما أنسى شدة … سواد شعره IS 419:1; عظيمة الجمة Muslim 91; ذا وفرة IS 410:2; 422.
28. حسن اللحية IS 412:2; 415:2; 418:3; كث اللحية IS 410:2, 3; 422; شديد سواد الرأس واللحية IS 418:3; قد ملأت لحيته ما لدن هذه الى هذه، وأشار الى صدغيه ختى كادت ملأت نحره IS 417:1.
29. إذا مشى مشى مجتمعا ليس فيه كسل IS 417:3; وما رأيت أحدا أسرع في مشيه من رسول الله كأنما الأرض تطوى له إنه تجهد أنقسنا وإنه لغير مكترث IS 415:1, 4; إذا جاء مع القوم غمرهم IS 411:2; إذا مشى هرول الناس وراءه IS 418:6; يمشي ويمشون IS 419:1.
30. مقصَّد Muslim 99; IS 417:4;  في الرجال أطول منه وفي الرجال أقصر منه IS 413:1: 415:4; 419:1; مربوع ، رَبعة IH 266; IS 411:3; 413:1; 415:2; 416:3; 418:5.
31. ليس بالطويل ولا بالقصير، لا طويل ولا قصير IS 410:2; 411:1, 3; 412:1–2; 413:1; 414:3, 415:2; 416:4, 418:3, 6.
32. FEHLT NOCH@
33. ليس بالأبيض الأمهق ولا بالآدم IS 413:1; 418:3.
34. ليس بالجعد القَطط ولا بالسبط، ليس بالجعد ولا السبط Muslim 94; IH 266; IS 411:3; 412:2; 413:1; 418:3, 6.
35. خيرهم أوسطهم، خير الأمور أوسطها , so z.B. in Kommentaren zu Koran 68:28 und in Hadithen, z.B Buḫārī, Manāqib 24, und Buḫārī, Faḍāʾil al-Aṣḥāb 5 أوسط العرب.
36. IS 417:2. Die Zuṭṭ sind ein Roma-Volk in Oman.
37. IH 270.
38. IH 266.
39. أبيض مشرب حمرة IH 266; IS 410:2; 411:1,3; 412:1, 2; IS 415:5; IS 418:3, 6;
40. أسمر IS 414:1; أسمر الى البياض IS 417:1.
41. بياض إبطيه IS 420:7; 421:1–4,6; أبيض الكشحين IS 414:6; 415:3; 421:6.470. سبط الشعر IS 410:2.
42. سبط الشعر IS 410:2.
43. الى أنصاف أذنيه Muslim 96 ; يبلغ شعره شحمة أذنيه Muslim 91; IS 416:3; بين أذنبه وعاتقه Muslim 94; يجاوز شعره شحمة أذنيه IS 422; كان يضرب شعره منكبيه Muslim 92, 95.
44. سدل  ناصيته ثم فرق بعد Muslim 90.
45. أحرد IH 266; IS 411:3; ليس في بطنه ولا صرده شعر غير [المسربة] ه IS 410:2.
46. أشعر الذراعين والصدر IS 415:5. EINE STELLE FEHLT NOCH@
47. ذا مسربة IS 411:3; 415:5; في صدره مسربة  IS 412:1; له شعر من لبته الى سرته يجري كالخط/كالقضيب IS 410:2; 422; دقيق المسربة IH 266; IS 410:2; طويل المسربة IS 411:1; 412:2.
48. إذا مشى تكفّأ IS 413:2; فيه جنأ IS 412:2
49. إذا مشى تكفّأ كأنما يمشي في صعد IS 410:3; 412:1; 415:5.
50. إذا مشى كأنما ينحدر من صبب  IS 410:2; 411:2, 3.
51. إذا مشى تكفّأ (تكفّؤًا) كأنما ينرل/ينحط من صبب  IS 411:1, 3; 412:2; 422.
52. إذا مشى تقلّع كأنما ينحدر من صبب  IH 266; IS  411:2. تقلّع Kazmirski: être déraciné. Ibn Hishām: لم يثبت قدمه; لم يثبت قدمه إذا قام كأنما ينقلع من صخر IS 410:2.
53. إذا التفت التفت معا/جميعا IH 266; IS 410:2, 3; 411:3; 415:5; 417:3; 420:2, 3; 422.
54. يقبل جميعا/معا ويدبر جميعا/معا  IS 412:2; 414:5, 6; 415:2, 3.
55. كان يفترش قدمه اليسرى حتى يرى ظاهرها أسود IS 419:5.
56. ونهض رسول الله الى صخرة من الجبل ليعلوه وقد كان بدن رسول الله وظاهر بين درعين فلما ذهب لينهض لم يستطع فجلس تحته طلحة بن عبيد الله فنهض به حتى استوى عليها. IH 576–7.
57. فأخدت بطرف ردائه فتكشّف عن بطنه كأنه قبطية مطوية IH 267.
58. ما رأيت بطن رسول الله قط الا ذكرت القراطيس المثنية بعضها على بعض IS 419:2.
59. IH 266; IS 411:3; 415:4.
60. بيضة الحمامة Muslim 110; مثل بيضة تشبه جسم IS 425:1, 2, 3;  427:1, 3.@@@
61. Muslim 111.
62. بعرة البعير IS 427:1.
63. مثل التفاحة IS 427:2.
64. شعر مجتمع عند كتفيه IS 425:4.
65. مثل الجمع … حوله خيلان كأنها الثآليل Muslim 112; IS 426:2.
66. Muslim 110–112; ورأيت خاتمه عند كتفيه مثل بيضة تشبه جسمه ؛ ثم أذخلت يدي في جيب قميصه الخ IS 425:1–4;  426:2, 3; 427:1–3.
67. يا رسول الله إني كأطبّ الرجال ألا أعالجها؟ فقال: لا طبيبها الذي خلقها IS 426:3; 427:1–3.
68. إني بدنت فلا تبادروني بالقيام في الصلاة والركوع والسجود IS 420:5.

BIBLIOGRAFIE
– Ibn Hishām: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, ed. F. Wüstenfeld, Göttingen, 2 dln., 1858–60 [editio princeps des arabischen Texts]. Auch online vorhanden.
– Ibn Sa‘d, aṭ-Ṭabaqāt al-kubrā, hg. Iḥsān ‘Abbās, 9 Bde., Beirut (Dār Ṣādir), o.J.
– Muslim ibn Ḥaǧǧaǧ, Ṣaḥīḥ, Hg. Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, 5 Bde., Kairo 1955.
– Wolfdietrich Fischer, Farb- und Formbezeichnugen in der Sprache der altarabischen Dichtung, Wiesbaden 1965.
– G.H.A. Juynboll, „Dyeing the Hair and Beard in Early Islam. A Ḥadīth-analytical Study,“ Arabica 33 (1986), 49–75.

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