Mohammed und Aischa (Kurzfassung)

(Wer ausführlicher zu diesem Thema lesen möchte, kann das hier tun)

Dass der Prophet Mohammed seine Lieblingsfrau Aischa als sechsjähriges Mädchen geheiratet und die Ehe mit ihr vollzogen haben soll, als sie neun war, ist immer wieder ein Stein des Anstoßes. Islamkritiker und -hasser nehmen es zum Anlass, den Propheten als Pädophilen zu beschimpfen. Viele Muslime fühlen sich dabei unbehaglich, sie finden Kinderehen genau so scheußlich wie Nichtmuslime und wissen oft nicht, wie sie auf die Kritik reagieren sollen.
Die Geschichte beruht auf nur einer Überlieferung, die auf den berühmten Überlieferer ʿUrwa ibn az-Zubair zurückgeführt wird, den Neffen Aischas. Sie lautet: „Es erzählte Aischa, dass der Prophet sie heiratete, als sie sechs Jahre alt war; sie wurde in sein Haus gebracht, als sie neun Jahre alt war, und dann blieb sie neun Jahre bei ihm.“
Von diesem Hadith gibt es einige Ausarbeitungen, etwa die, in der erzählt wird, wie das Mädchen mit Freundinnen auf der Schaukel spielte, dort von seiner Mutter abgeholt, zurechtgemacht und dem Propheten übergeben wurde. Dieser Text ist um die wenigen Informationen der Überlieferung herum gebaut: Heirat mit sechs, Ehevollzug mit neun. Anderen Texten zufolge spielte Aischa nach ihrer Heirat noch mit Puppen; ihre kleinen Freundinnen durften spielen kommen. Auch diese Texte bieten human interest zum kargen Basis-Hadith.
Aber war Aischa wirklich so jung? Das weiß kein Mensch. Nichtmuslimische Arabisten und Historiker gehen zunehmend davon aus, dass die „biografischen“ Texte über Mohammed als historische Quellen nicht verwertbar sind. Über den Propheten ist ihnen zufolge sehr wenig bekannt und über Einzelheiten aus seinem Privatleben schon gar nichts.
Aber warum ist dann der oben zitierte Hadith zustande gekommen? Auffällig ist, dass der Text nichts erzählt, sondern sich nur für die Daten und das Heiratsalter der Aischa interessiert. Hadithe sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Juristen zugeschnitten, sie enthalten entweder eine Aussage des Propheten oder einen Bericht über eine (normative) Handlungsweise von ihm. Daneben gibt es in den kanonischen Sammlungen auch rein erzählende Hadithe, weil sie, vielleicht nebenbei, eine vorbildliche Handlungsweise des Propheten beschreiben oder zeigen. Oder eine Erzählung war so beliebt, dass man sie einfach nicht entbehren mochte. Aber rein chronologische Mitteilungen wie die obige sind in der Hadith-Literatur eine Rarität.
Um den Hintergrund dieses Hadithes zu verstehen, muss man „die ganze Aischa“ einbeziehen: ihre Herkunft aus dem frühislamischen „Verdienstadel“, ihren Konflikt mit ʿAlī und die Verleumdungskampagne gegen sie seitens der entstehenden Schia. Und auch den Erzähler sollte man im Auge behalten: ʿUrwa ibn az-Zubair, den Historiker der besagten Elite, der er auch selbst entstammte.

Aischas Herkunft
Aischas Vater war Abu Bakr, einer der ersten Anhänger Muhammads und der erste Kalif. Er war ein prominentes Mitglied des „Verdienstadels“, in dem große und frühe Taten für die neue Bewegung zählten. Neben Abu Bakr gehörten die anderen drei „rechtgeleiteten“ Kalifen ʿUmar, ʿUṯmān und ʿAlī dazu, weiterhin Personen wie az-Zubair – der Vater des Überlieferers ʿUrwa ibn al-Zubair. Im Laufe des 7. Jahrhunderts spalteten sich aber eine Gruppe ab, die sich aus der Sicht dieser Elite irgendwie danebenbenahm: ʿAlī, seine Nachkommen und die seiner Partei (Schia). Die Sippe der Umaiyaden übernahm nach ʿAlīs Tod die Macht; was vom ursprünglichen Verdienstadel Elite übrigblieb, war zum baldigen Aussterben verurteilt.

Die Verleumdung
Trotz – oder wegen – ihrer Stellung als Lieblingsfrau des Propheten war Aischa nicht überall beliebt. Eine bekannte Skandalgeschichte erzählt, wie sie, als frisch Verheiratete, auf einer Reise versehentlich kurz alleine in der Wüste zurückgelassen worden sei; später habe ein Mann sie gefunden und zurückgebracht. Hatte dieser sich an ihr vergangen? Es gab eine Faktion, die eifrig dieses Gerücht verbreitete. Auch Muhammads Vetter und Schwiegersohn ʿAlī soll unter den Verleumdern gewesen sein und dem Propheten sogar vorgeschlagen haben, Aischa gegen eine andere Frau einzutauschen. Wegen dieses Gerüchts mied der Prophet Aischa einige Zeit. Die Erzählung, in der diese Verleumdung sogar mit Hilfe von Koranversen entkräftet wird, stammt von demselben ʿUrwa, der auch den Hadith zu ihrem Heiratsalter in die Welt gesetzt hat. (Siehe auch hier.)

Der Konflikt
Woher kam diese Gehässigkeit Aischa gegenüber? Nach dem Tod des Propheten war sie politisch aktiv geworden und hatte sich (unter anderem zusammen mit az-Zubair) gegen ʿAlī, seit 656 Kalif, gestellt. Sie hatte sogar an einer Schlacht gegen ihn teilgenommen, der „Kamelschlacht“, benannt nach dem Kamel, auf dem sie die Kriegshandlungen beobachtete. Worum ging es dabei? ʿAli war wohl aus der Reihe getanzt. Er regierte im irakischen Kufa statt in Medina; er kümmerte sich wenig um die Bestrafung der Mörder seines Vorgängers Uthman; seine Popularität bei den Soldaten, die von ihm Zuwendungen empfingen, konnte den „Adel“ nicht beeindrucken, im Gegenteil. Kurzum, er benahm sich nicht, wie es von einem Mitglied der frühen Elite erwartet wurde.
Die Kamelschlacht gewann ʿAlī. Es ist verständlich, dass Aischa danach bei ihm und seinen („schiitischen“) Anhängern besonders unbeliebt war. Nach ʿAlīs Tod 661 verschärfte der Konflikt sich noch, weil die Schia das Kalifat für seine Söhne beanspruchte und generell eine Erbfolge im „Haus des Propheten“ befürwortete. Mit diesem Standpunkt konnte Aischa sich unmöglich anfreunden, da ihre Ehe mit dem Propheten kinderlos geblieben war.
Oft hört man: Kein Wunder, dass Aischa später so bitter auf Kriegsfuß mit ʿAlī stand. Sie hat ihm seine feindselige Haltung bei dem Skandal nie vergeben können. Das Umgekehrte ist wahrscheinlicher: Die Schia hasste Aischa aus politischen Gründen und beschmutzte rückwirkend ihre Ehre, indem sie ihre Keuschheit als noch junge Ehefrau anzweifelte. Es ist denkbar, dass die Verleumdungskampagne erst spät in ihrem Leben oder sogar erst nach ihrem Tod 678 stattgefunden hat.

Was aber soll das junge Alter? Schon ʿUrwas Bericht in der Verleumdungsaffäre hatte Aischas Ehrbarkeit (allzu) energisch verteidigt. Die Überlieferung zum Heiratsalter will diese sogar noch steigern, in ebenfalls übertriebener Manier. So wird Aischa jünger und damit keuscher denn je. Dass sie als Neunjährige ins Ehebett gestiegen sein soll, dient allein der Feststellung, dass sie in jenem Augenblick auf jeden Fall noch Jungfrau war. Danach wurde ihre Keuschheit von dem Propheten, ihrem Mann, garantiert. Das Ganze ist eine Reaktion auf die außerordentliche Gemeinheit der Verleumdung und passt zu ʿUrwas Bestreben, die Familie Abu Bakrs zu verherrlichen.

Soweit die Betrachtungen eines nichtmuslimischen Orientalisten. Viele Muslime werden das anders sehen. Ihnen zufolge ist durchaus viel zum Propheten bekannt und Hadith-Texte halten sie oft für historische Quellen. Aber das frühe Heiratsalter der Aischa ist auch für sie oft unverdaulich.

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Wie ich oben beschrieben habe, gibt es zur Ehe Mohammeds mit dem Kind Aischa nur einen Kerntext mit einigen Varianten und Ergänzungen. Muss man wirklich glauben, dass dieser von Tatsachen berichtet und als Quellen für Geschichtsschreibung verwendet werden kann? Ein moderner Nichtmuslim muss das natürlich nicht. Konservative Muslime dagegen, die nicht mit moderner Literaturwissenschaft vertraut sind, hegen nicht den geringsten Zweifel an der Geschichtlichkeit dieses Hadiths. Islamhasser tun das ebenfalls nicht: nach ihrer Meinung war Aischa neun, als sie entjungfert wurde und somit war Mohammed ein Pädophiler und ein perverser Kinderschänder. Je schwärzer der Islam, desto angenehmer ist ja das Kämpfen gegen ihn.

Im Prinzip glaubt aber nicht nur die konservative Minderheit, sondern die Mehrzahl der Muslime an die Zuverlässigkeit von korrekt überlieferten Hadithen als Geschichtsquelle. Moderne Muslime, die wie die meisten anderen Menschen der Meinung sind, dass ein so junges Mädchen in einem Ehebett nichts verloren hat, müssen also Wege finden um den Peinlichen Hadith zu entkräften oder ganz loszuwerden.

Eine Möglichkeit ist: ignorieren und verdrängen. Es gibt in der Tat Muslime, die nicht mit dem Thema belästigt werden wollen. Ohne Zweifel hatte der Prophet das Beste mit der kleinen Aischa vor; zu etwas Anderem war er ja nicht fähig, und für das Mädchen war es eine Gnade, bereits als Kind die Nähe und den Segen des Propheten zu erfahren; Amen! Solche Gläubige mögen sich nicht vorstellen, wie der etwas beleibte Fünfziger mit einem so kleinen Mädchen Geschlechtsverkehr hatte. Den müssten sie aber gehabt haben, denn eine Ehe besteht erst durch ihren Vollzug. Das Ignorieren des Problems wird durch die eindringlichen Fragen der Außenwelt immer schwieriger.

Andere Muslime und verständnisvolle Andersgläubige wollen das Problem nicht vertuschen, sondern versuchen den Hadith mit Argumenten zu retten. Ihre Argumente sind meist lässig und vage, wie zum Beispiel: „Zu der Zeit fing die Pubertät ja viel früher an,“ oder: „Aischa war bestimmt frühreif; das kommt in warmen Ländern öfters vor,“ oder: „Damals wusste niemand, wie alt er genau war.“ Das letzte Argument ist sicherlich zutreffend, aber eine Ehe mit einem viel zu jungen Mädchen fällt auch ohne Einwohnermeldeamt auf. Die ersten beiden Aussagen sind völlig spekulativ und frei von Sachverstand. Ärzte versichern mir sogar, dass die Pubertät in der Antike durch die schlechtere Ernährung erheblich später eintrat als heutzutage.

Islamische Argumente wider Aischas junges Heiratsalter
Muslime, die glauben, dass Hadithe von wahren Begebenheiten berichten, müssen sich also Mühe geben, um den speziellen Text über Aischas Heiratsalter für unglaubwürdig zu erklären. Habib-ur-Rahman Siddiqui Kandhalvi hat 1997 in seinem »Tahqiq-e ‘omr-e ‘A’isha« (englisch »Age of Aisha«, Karatschi 1998) vierundzwanzig Argumente beigebracht, die Muslimen helfen sollen, den anstößigen Hadith nicht für wahr zu halten. Manche dieser Argumente sind kompliziert, andere naiv, andere sind gar keine, aber auf jeden Fall führen sie zum Ziel. Einen Teil der komplizierten Argumente versuche ich hier zusammenzufassen. Dabei verwende ich die bei uns gängigen Jahreszahlen. 622 war die Hidschra von Mekka nach Medina, Aischa soll 614 geboren sein und 623 soll ihre Ehe vollzogen worden sein.

Argumente aus Hadithen
Eine alte islamische Manier um einen Hadith loszuwerden ist nachzuweisen, dass er schwach überliefert ist; anders gesagt, das der isnad (Überlieferkette) untauglich ist. Bei Kandhalvi lesen wir über den Aischa-Hadith, dass Hischam Ibn Urwa ein schwaches Glied in der Überlieferkette bildet. In den nahezu kanonisch gewordenen Hadithsammlungen des Bukhari und Muslim stehen aber viele Hadithe dieses Hisham; sind die denn alle untauglich? Kandhalvi zufolge, der sich auf einigen biografischen Lexika stützt, war Hisham zuverlässig, so lange er in Medina wohnte, aber als er mit 71 in den Irak umgezogen war, hat er nur noch Unsinn geredet, vielleicht weil er schon alt und verwirrt war und sein Gedächtnis nachgelassen hatte. Ein etwas wackliges Argument, wie er mir scheint.
Einem anderen Hadith zufolge, so Kandhalvi, erzählte Aischa, sie sei „ein Mädchen das spielte“ gewesen, als die Sura 54 des Korans offenbart wurde. Dies, so weiß man, geschah im Jahr 614. Wenn Aischa damals schon groß genug war, um sich die Sura zu merken und mit anderen Mädchen zu spielen, muss sie zumindest sieben Jahre alt gewesen und folglich um 608 geboren sein, was sie im Jahr 623 alt genug machte für den Ehevollzug.
„So lange ich denken konnte“ soll Aischa gesagt haben, „waren meine Eltern bereits Anhänger der Religion und der Prophet kam jeden Tag zu unserem Haus.“ Und noch andere frühislamische Ereignisse hat sie bewusst erlebt und sich an sie erinnert. Das weist ebenfalls auf ein Geburtsjahr lange vor 614 hin.

Aus der Geschichtsschreibung
So weit einige Argumente auf Grund von Hadithen. Kandhalvi führt aber auch Argumente auf Basis der profanen Geschichtsschreibung an, die für Muslime weniger religiöse Autorität besitzt, Nichtmuslimen dagegen etwas glaubwürdiger vorkommt. Eines davon lautet: Aischas Halbschwester Asmāʾ war zehn Jahre älter als sie. Asmāʾstarb hundertjährig im Jahr 695. Bei der Hidschra 622 war sie 28 Jahre alt und Aischa 18. Als Aischa ein Jahr nach der Hidschra heiratete, hätte sie also das heiratsfähige Alter mehr als erreicht gehabt. Ein weiteres Argument in diesem Stil lautet: Aischas Vater Abu Bakr hatte vier Kinder von zwei Frauen, alle geboren in vorislamischer Zeit. Diese endete mit Mohammeds Berufung zum Propheten im Jahr 610. Sogar wenn Aischa nur ein Jahr davor geboren war, wäre sie bei ihrem Ehevollzug schon alt genug gewesen. Des Weiteren wird berichtet, dass Aischa „als sie noch ganz jung war“ als eine der ersten zum Islam übertrat, noch bevor Umar sich ca. 610 bekehrte. Dazu muss sie schon etwas älter gewesen sein.

Aus dem islamischen Recht
Kandhalvi entnimmt aber auch dem islamischen Recht Argumente, obwohl sich das erst später entwickelt hat. Einmal weist er darauf hin, dass nach dem Konsens (idjmāʿ) der Rechtsgelehrten Ehen erst erlaubt sind, wenn die Pubertät erreicht ist. Auch darf eine Frau nicht ohne ihre Zustimmung verheiratet werden. Um diese zu geben, muss Aischa also volljährig gewesen sein. Und schließlich: Aischa soll bei den Schlachten von Badr (624) und Uhud (625) anwesend gewesen sein. Das Mindestalter für die Teilnahme an Schlachten war aber fünfzehn Jahre. Aischa muss also 609 oder früher geboren worden sein.

Die meisten dieser Argumente Kandhalvis dürften Nichtmuslimen kaum überzeugen. Aber das muss gläubige Muslime nicht kümmern; für viele von ihnen sind sie akzeptabel. Und es ist durchaus interessant, zu beobachten, wie es Muslimen gelingt, einen unerwünschten Hadith mit Hilfe nichtwestlicher, nichtwissenschaftlicher Argumente erfolgreich zu entkräften. So werden sie einen peinlichen Text los, während niemand sie zwingt, ihr Glaubenssystem aufzugeben.

Wenn das mit einem Thema möglich ist, müsste es auch mit anderen gehen. So könnte man endlich vollführen, was schon der ägyptische „Reformator“ Muhammad Abduh (1849–1905) tun wollte, nämlich die meisten Hadithe (und die darauf basierenden Regeln) für obsolet erklären. Polygamie, Weinverbot, Zinsverbot, die Bedeckung der Frau—mit einer etwas altmodischen, innerislamischen Philologie können sie alle abgebaut werden. So viel Arbeit ist es nicht mal. Es bliebe die Frage: Welche Hadithe sind noch unerwünscht? Für Abduh waren das alle Hadithe, die nicht unmittelbar mit Kultus und Glaubenslehre zu tun haben. Zu erwarten ist freilich, dass Muslime in unserer Zeit einige mehr behalten möchten, aus Furcht vor Identitätsverlust und vor allzu unabhängigen Frauen.

Der unerschütterliche Glauben an Aischas Entjungferung als Kind bleibt somit nur strammen Salafisten und Islamhassern vorbehalten. Die, aber nur die, wissen es genau: das Mädchen war neun!

Auch veröffenlticht in zenith, 04/2016, S. 126–7, und @@@

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Dürfen Frauen in die Moschee gehen?

🇳🇱 Jemand wies daraufhin, dass der Prophet Mohammed Frauen zwar erlaubte in die Moschee zu gehen, aber doch lieber sah, dass sie zu Hause blieben. Das untermauerte er mit dem Verweis auf nur einen Hadith (unten Nr. 7).
Ich habe geantwortet, dass es auch andere Hadithe gibt und dass man nie nur einen Hadith zitieren soll. Erst wenn man alle Hadithe zu einem gewissen Thema zusammengestellt hat, sieht man, worum es sich in den Texten handelt. Das wird aber oft ein unerreichbares Ideal bleiben, denn ein Thema wie dieses gründlich zu erforschen würde einen erfahrenen Forscher — und wo gibt es die noch?— zwei Monate kosten und andere noch viel mehr. Ich kann das jetzt nicht machen, deshalb bleibe ich an der Oberfläche. Auf die Schnelle habe ich in den wichtigsten Sammlungen, den sog. Neun Büchern, 22 Hadithe zu dieser Frage gesammelt. Es gibt ohne Zweifel viele mehr, aber diese 22 geben doch einen Eindruck—der sich wieder ändern könnte, wenn etwa Texte aus den älteren „nicht-kanonischen“ Sammlungen herangezogen würden, wie z.B. die des ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī. Die Texte brauchen noch nähere Analyse; manche sind richtig raffiniert! Es wäre mal an der Zeit, dass die Hadithliteratur, die jeder angeblich so wichtig findet, gründlich analysiert wird, anstatt dass man immer wieder mit einem willkürlichen Zitat kommt. Aber wer wird dieses Studium unternehmen?

Ein Nichtmuslim muss nicht glauben, dass alle diese 22 Hadithe wirklich auf Mohammed zurückgehen. Zum Glück, denn sonst hätte der Prophet schon ganz viele Meinungen zum Thema gehabt. Was solche Texte zeigen ist, dass der Besuch der Frauen in der Moschee offensichtlich irgendwo, irgendwann ein Diskussionsthema war. Klar ist auch, dass in diesen Texten der Prophet als Befürworter dargestellt wird und dass der Widerstand vor allem vom Kalifen ‘Umar und dessen Nachkommen ausging (Hadith 4–6, 13). Das ist oft der Fall in dieser Literatur. Aber auch (Ibn) ‘Umars Widerstand ist nicht historisch belegt. „‘Umar“ steht für die Rechtsschule von Medina, die erheblich strenger war als die Schulen im Irak, woher die meisten Hadithe stammen. Siehe dazu ‘Umar und der Prophet.

Ich gehe vorläufig davon aus, dass diese Diskussion ca. 720–750 stattgefunden hat, obwohl ich das nicht beweisen kann (s. Hadithe datieren).

Der Hadith, in dem der Prophet Frauen erlaubte in die Moschee zu gehen, war offensichtlich überall fest etabliert. Gegner konnten den Text nicht wegschaffen, aber sie versuchten ihren Standpunkt durchzusetzen indem sie an den Texten herumbastelten und einschränkende Phrasen hinzufügten. Auch das passiert oft in der Welt des Hadith; ein gründliches Studium würde das ans Tageslicht bringen.

Was würde gegen die Anwesenheit von Frauen in der Moschee sprechen? Sie könnten störend oder verführend wirken oder Männer in einer unwürdigen Position sehen. Die Frauen beten ja hinter den Männern—wenn sie aufblicken haben sie die Aussicht auf eine ganze Reihe Männergesäße. Dies könnte unerwünschte Situationen mit sich bringen (Hadith 20). Deshalb sollten sie das Gebet etwas früher verlassen—oder etwas später aufblicken.

Verwandte Themen, die man dazu noch untersuchen könnte: Der abendliche Toilettengang der Frauen. Die Frau als Ablenkung vom Gebet.

In den 22 Hadithen erkenne ich die folgenden Motive:
– Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen (Variante: wenn ihr Mann einverstanden ist).
– Sie dürfen, aber es ist besser, dass sie zu Hause bleiben.
– Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht oder nur bedingt.
– Sie dürfen, aber ohne Schmuck und vornehme Kleidung.
– Sie dürfen, aber nur abends/nachts. [Im Dunkel stören oder verführen sie ja niemand.]
– Selbstverständlich dürfen Frauen in die Moschee; sie sind einfach da.
– Frauen sind in der Moschee, aber sie sollen sich nach dem Gebet früher zurückziehen [um Begegnungen mit Männern vorzubeugen].

Hier folgen die Hadithtexte erst in Übersetzung, danach im ursprünglichen Arabisch.

Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen
1. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”
2. Der Prophet hat gesagt: “Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten in die Moscheen zu gehen, gebt ihnen die!”
3. Der Prophet hat gesagt: “Wenn die Frau von einem von euch um Erlaubnis bittet [in die Moschee zu gehen], verbietet es ihr nicht!”

4. ‘Abdallāh ibn ‘Umar: Ich habe den Propheten sagen hören: “Verbietet euren Frauen nicht, in die Moschee zu gehen, wenn sie euch um Erlaubnis bitten!”
‘Abdallāh [ibn ‘Umar]s Sohn Bilāl sagte: Bei Gott, aber sicher verbieten wir ihnen das! Darauf lief sein Vater zu ihm hin und schimpfte ihn so furchtbar aus, wie ich es von ihm noch nie gehört hatte, und er sagte: Ich überliefere dir etwas vom Propheten und dann sagst du: Bei Gott, wir verbieten ihnen das!
5=13. Ibn ʿUmar: Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie zum Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
6. Eine der Frauen ‘Umars beteiligte sich am Morgengebet und am Abendgebet in der Gemeinde in der Moschee. Jemand fragte sie: Warum gehst du aus? Du weißt doch, dass ‘Umar das nicht gern hat und dass er eifersüchtig ist?
– Und was würde ihn daran hindern es mir zu verbieten?
– Was ihn daran hindert, ist der Hadith des Propheten: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”

Sie dürfen in die Moschee gehen, aber zu Hause bleiben ist besser.
7. Der Prophet hat gesagt: „Verbietet euren Frauen nicht in die Moscheen zu gehen, aber zu Hause bleiben ist besser für sie.“

Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht.
8. Der Prophet befahl uns [an Feiertagen] heiratsfähige Mädchen, die in Absonderung leben, [in  die Moschee] gehen zu lassen. Und er befahl menstruierende Frauen von dem Gebetsplatz der Muslime fernzuhalten.
9. Uns  wurde befohlen an Feiertagen [in die Moschee] zu gehen: die Frauen, die in Absonderung gehalten werden, und die Jungfrauen. Menstruierende Frauen gehen nach den anderen Menschen und sprechen den takbīr zusammen mit den anderen Menschen.

Sie dürfen, aber nicht aufgedonnert
10. Hätte der Prophet gewusst, wie die Frauen heutzutage herumlaufen, so hätte er ihnen verboten in die Moschee zu gehen, wie dies auch den Frauen der Israeliten verboten war. (Ich fragte ‘Amra: War es denen denn verboten? Ja, sagte sie.)
11. “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen, aber lasst sie unparfümiert gehen!” Aisha sagte: Hätte der Prophet gesehen, wie sie heutzutage sind, hätte er es ihnen verboten.
12. Der Prophet saß einmal in der Moschee, als eine Frau aus Muzaina in einem Prachtgewand hereinparadierte. Da sagte der Prophet: “Menschen, verbietet euren Frauen Prachtgewänder zu tragen und damit in der Moschee zu prunken!  Denn die Israeliten wurden erst verflucht, als ihre Frauen anfingen Prachtgewänder zu tragen und damit in den Moscheen zu prunken.”

Sie dürfen abends/nachts
13=5. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie als Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
14. Der Prophet hat gesagt: „Erlaubt den Frauen nachts in die Moscheen zu gehen.“
15. Der Prophet hat gesagt: „Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten nachts in die Moschee zu gehen, gebt ihnen die!“
16. Wenn der Prophet das Morgengebet verrichtete, gingen die Frauen weg, in ihre Wollgewänder gehüllt, unkenntlich im Dunkeln.
17. Der Prophet wartete im ersten Drittel der Nacht, als ‘Umar ihm zurief: Die Frauen und Kinder sind schlafen gegangen. Da kam der Prophet heraus und sagte: “Niemand in der Welt wartet darauf außer euch.” (Zu der Zeit wurde nur in Medina das Gebet verrichtet und man tat das im ersten Drittel der Nacht, zwischen dem Augenblick, als das Abendrot verschwand, bis zu einem Drittel der Nacht.)
18. Der Prophet verrichtete das frühe Morgengebet als es noch dunkel war; dann gingen die Frauen der Gläubigen weg, unkenntlich im Dunkeln (Variante: ohne einander zu erkennen).

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee
19. Der Prophet hat gesagt: Wenn ich das Gebet lang machen will, aber dann das Weinen eines kleinen Kindes höre, dann leiere ich es schnell herunter, weil ich die Mutter ungern stören möchte.
20. Ich habe Männer gesehen, die sich ihr Lendentuch um den Hals geknüpft hatten wie kleine Jungen, weil ihr Lendentuch zu knapp war, und so hinter dem Propheten das Gebet verrichteten. Jemand sagte: „Frauen! Ihr sollt eure Köpfe nicht heben, bevor die Männer es tun!“

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee, aber sie sollen früher weggehen
21. Der Prophet war gewohnt, wenn er den taslīm sprach, ein wenig zu zögern. Man war der Meinung, das geschehe um die Frauen vor den Männern weggehen zu lassen.
22. Als der Prophet den taslīm sprach, standen die Frauen auf, wenn er diesen beendete, während er noch ein wenig an seinem Platz, blieb bevor er selber aufstand. Wir meinen, aber Gott weiß es am Besten, dass das geschah, damit die Frauen weggingen, bevor die Männer sie überholen würden.
23. Zur Zeit des Propheten standen die Frauen auf, wenn sie mit dem festgelegten taslīm fertig waren, während der Prophet und diejenigen, die mit ihm das Gebet verrichteten, noch ein wenig blieben. Und wenn der Prophet aufstand, standen auch die anderen Männer auf.

TEXTE UND BELEGSTELLEN DER HADITHE

1.  حدثنا محمد بن عبد الله بن نمير حدثنا أبي وابن إدريس قالا حدثنا عبيد الله عن نافع عن ابن عمر أن رسول الله ص قال لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Muslim, Salāt 136
2. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا ابن نمير ثنا حنظلة سمعت سالما يقول سمعت ابن عمر يقول سمعت رسول الله ص يقول: إذا استأذنكم نساؤكم الى المساجد فأذنوا لهن. Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
3. حدثنا مسدد حدثنا يزيد بن زريع عن معمر عن الزهري عن سالم بن عبد الله عن أبيه عن النبي ص إذا استأذنت امرأة أحدكم فلا يمنعها. Bukhārī, Ādhān 166 = ± Muslim, Salāt 134
4. حدثني حرملة بن يحيى أخبرنا ابن وهب أخبرني يونس عن ابن شهاب قال أخبرني سالم بن عبد الله أن عبد الله بن عمر قال سمعت رسول الله ص يقول لا تمنعوا نساءكم المساجد إذا استأذنكم إليها قال فقال بلال بن عبد الله والله لنمنعهن قال فأقبل عليه عبد الله فسبه سبا سيئا ما سمعته سبه مثله قط وقال أخبرك عن رسول الله ص وتقول والله لنمنعهن. Muslim, Salāt 135
5. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن.  Muslim, Salāt 138, = ± 139; ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
6. حدثنا يوسف بن موسى حدثنا أبو أسامة حدثنا عبيد الله بن عمر عن نافع عن ابن عمر قال كانت امرأة لعمر تشهد صلاة الصبح والعشاء في الجماعة في المسجد فقيل لها لم تخرجين وقد تعلمين أن عمر يكره ذلك ويغار قالت وما يمنعه أن ينهاني قال يمنعه قول رسول الله ص لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Bukhārī, Djum‘a 13 
7.  حدثنا عثمان بن أبي شيبة حدثنا يزيد بن هارون أخبرنا العوام بن حوشب حدثني حبيب بن أبي ثابت عن ابن عمر قال: قال رسول الله ص لا تمنعوا نساءكم المساجد وبيوتهن خير لهن. Abū Dāwūd, Salāt 52
8.  حدثني إبو الربيع الزهراني حدثنا حماد حدثنا أيوب عن محمد عن أم عطية قالت: أُمرنا (تعني النبي ص) أن نخرج في العيدين العواتق وذوات الخدور وإمرالحيض أن يعتزلن مصلى المسلمين. , Muslim, ‘Īdain 10
9. حدثنا يحيى بن يحيى أخبرنا أبو خيثمة عن عاصم الأحول عن حفصة بنت سيرين عن أم عطية قالت كنا نؤمر بالخروج في العيدين والمخبأة والبكر قالت الحيض يخرجن فيكن خلف الناس يكبرن مع الناس. Muslim, ‘Īdayn 11
10.  حدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة عن عائشة ر قالت لو أدرك رسول الله ص ما أحدث النساء لمنعهن كما منعت نساء بني إسرائيل قلت لعمرة أومنعن قالت نعم. Bukhārī, Ādhān 163d = Muslim, Salāt 144
11. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا الحكم ثنا عبد الرحمن بن أبي الرجال فقال أبي يذكره عن أمه عن عائشة عن النبي ص قال: لا تمنعوا إماء الله مساجد الله وليخرجن تفلات. قالت: عائشة: ولو رأى حالهن اليوم منعهن.  Ahmad ibn Hanbal, Musnad vi, 69–70
12. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة وعلي بن محمد قالا حدثنا عبيد الله بن موسى عن موسى بن عبيدة عن داود بن مدرك عن عروة بن الزبير عن عائشة قالت بينما رسول الله ص جالس في المسجد إذ دخلت امرأة من مزينة ترفل في زينة لها في المسجد فقال النبي ص يا أيها الناس انهوا نساءكم عن لبس الزينة والتبختر في المسجد فإن بني إسرائيل لم يلعنوا حتى لبس نساؤهم الزينة وتبخترن في المساجد. Ibn Mādja, Fitan 19
13. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن. Muslim, Salāt 138, ± 139; = ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
14. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا شبابة حدثنا ورقاء عن عمرو بن دينار عن مجاهد عن ابن عمر عن النبي ص قال ائذنوا للنساء بالليل إلى المساجد. Bukhārī, Djum‘a 13
15.  حدثنا عبيد الله بن موسى عن حنظلة عن سالم بن عبد الله عن ابن عمر ر عن النبي ص قال إذا استأذنكم نساؤكم بالليل إلى المسجد فأذنوا لهن. Bukhārī, Ādhān 162b, Muslim, Ṣalāt 137
16. حدثنا عبد الله بن مسلمة عن مالك ح وحدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة بنت عبد الرحمن عن عائشة قالت: إن كان رسول الله ص ليصلي الصبح فينصرف النساء متلفعات بمروطهن ما يعرفن من الغلس. Bukhārī, Ādhān 163b
17.  حدثنا أبو اليمان قال أخبرنا شعيب عن الزهري قال أخبرني عروة بن الزبير عن عائشة رضي الله عنها قالت أعتم رسول الله ص بالعتمة حتى ناداه عمر نام النساء والصبيان فخرج النبي صلى الله عليه وسلم فقال ما ينتظرها أحد غيركم من أهل الأرض ولا يصلى يومئذ إلا بالمدينة وكانوا يصلون العتمة فيما بين أن يغيب الشفق إلى ثلث الليل الأول. Bukhārī, Ādhān 162a
18.  حدثنا يحيى بن موسى حدثنا سعيد بن منصور حدثنا فليح عن عبد الرحمن بن القاسم عن أبيه عن عائشة ر أن رسول الله ص كان يصلي الصبح بغلس فينصرفن نساء المؤمنين لا يعرفن من الغلس أو لا يعرف بعضهن بعضا. Bukhārī, Ādhān 165
19. حدثنا محمد بن مسكين قال حدثنا بشر بن بكر أخبرنا الأوزاعي حدثني يحيى بن أبي كثير عن عبد الله بن أبي قتادة الأنصاري عن أبيه قال قال رسول الله ص إني لأقوم إلى الصلاة وأنا أريد أن أطول فيها فأسمع بكاء الصبي فأتجوز في صلاتي كراهية أن أشق على أمه. Bukhārī, Ādhān 163c
20. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة حدثنا وكيع عن سفيان عن أبي حازم عن سهل بن سعد قال لقد رأيت الرجال عاقدي أزرهم في أعناقهم مثل الصبيان من ضيق الأزر خلف النبي ص فقال قائل يا معشر النساء لا ترفعن رءوسكن حتى يرفع الرجال. Muslim, Salāt 133
21.  حدثنا محمد بن يحيى ومحمد بن رافع قالا حدثنا عبد الرزاق أخبرنا معمر عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة قالت كان رسول الله ص إذا سلم مكث قليلا وكانوا يرون أن ذلك كيما ينفذ النساء قبل الرجال. Abū Dāwūd, Salāt 196
22.  حدثنا يحيى بن قزعة قال حدثنا إبراهيم بن سعد عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة ر قالت كان رسول الله ص إذا سلم قام النساء حين يقضي تسليمه ويمكث هو في مقامه يسيرا قبل أن يقوم قال نرى والله أعلم أن ذلك كان لكي ينصرف النساء قبل أن يدركهن أحد من الرجال. Bukhārī, Ādhān 164a, 166b
23. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا عثمان بن عمر أخبرنا يونس عن الزهري قال حدثتني هند بنت الحارث أن أم سلمة زوج النبي ص أخبرتها أن النساء في عهد رسول الله ص كن إذا سلمن من المكتوبة قمن وثبت رسول الله ص ومن صلى من الرجال ما شاء الله فإذا قام رسول الله ص قام الرجال. Bukhārī, Ādhān 163a

Diakritische Zeichen: aṣ-Ṣanʿānī, ṣalāt, Aḥmad ibn Ḥanbal, al-Buḫārī, Āḏān, Ǧumʿa, Ibn Māǧa

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Sonnenfinsternis

Einige Hadithe zur Sonnenfinsternis:

  • […] von al-Mughīra ibn Shu‘ba: Als der Prophet noch lebte, verfinsterte sich die Sonne an dem Tag, als sein kleiner Sohn Ibrāhīm verstarb. Die Leute sagten:„Die Sonne hat sich verfinstert, weil Ibrāhīm gestorben ist.“ Der Prophet aber sagte: „Sonne und Mond verfinstern sich nicht, weil jemand gestorben ist oder noch lebt. Wenn ihr eine [Sonnen- oder Mond]finsternis sieht, verrichtet dann das Gebet und ruft Gott an!“
  • […] von ʿAbdallāh ibn ‘Amr: Als sich einmal zu Lebzeiten des Propheten die Sonne verfinsterte, wurde zum gemeinsamen Gebet gerufen.2
  • […] von Djābir ibn ‘Abadallāh: Zu Lebzeiten des Propheten gab es einmal eine Sonnenfinsternis an einem sehr warmen Tag. Der Prophet stimmte ein Gebet an und blieb so lange stehen, dass seine Gefährten umfielen. Dann verrichtete er zwei Verbeugungen und hielt diese lange an; auch seinen Kopf hielt er lange erhoben. Daraufhin warf er sich zweimal zu Boden; dann stand er auf un tat noch mal dasselbe. Er verbeugte sich viermal und warf sich viermal zu Boden. Danach sagte er: „Alle Orte, wohin ihr kommen werdet, sind mir gezeigt worden. Das Paradies wurde mir gezeigt, bis ich so nahe daran war, dass ich eine Traube hätte pflücken können.“ (oder er sagte:„ich langte nach eine Traube, aber konnte sie gerade noch nicht erreichen.“) „Auch die Hölle wurde mir gezeigt und dort sah ich eine Frau von den Israeliten, die wegen einer Katze gefoltert wurde, die sie festgebunden und nicht gefüttert hatte und die sie auch nicht ihre eigene Nahrung unter den Feldtieren hatte suchen lassen. Und ich sah wie Abū Thumāma ‘Amr ibn Mālik seine Eingeweide in der Hölle fortschleppte.“
    Man meinte damals, dass die Sonne und der Mond sich nur wegen des Todes eines wichtigen Mannes verfinsterten. Es sind aber zwei von Gottes Zeichen, die Er euch zeigt. Wenn sie sich verfinstern, verrichtet das Gebet, bis sie wieder sichtbar sind.3

Diese Hadithe rechnen ab mit dem offenbar früher existierenden Glauben, dass eine Sonnenfinsternis mit dem Tod einer wichtigen Person zu tun hätte.4 Als Beispiel hat man das Sterben Ibrāhīms, des (fiktiven) Sohns des Propheten, verwendet.5 Aus islamischer Sicht hat Gott den Lauf der Himmelskörper fest in Händen; deshalb ist eine Sonnenfinsternis nichts Wichtiges oder Beunruhigendes. Andererseits soll freilich die ganze Zeit über gebetet werden. Aber die Texte sagen gerade noch nicht, dass die Sonnenfinsternis wegen der Gebete aufhört. Es betrifft im Prinzip die normalen, alltäglichen rituellen Gebete (salāt). Man kann dieses Beten interpretieren wie man will. Es ist eine Anerkennung der Herrschaft Gottes über die Himmelskörper. Es lenkt von etwaiger Angst oder von Aberglauben ab. Es beugt eventuellen Augenschäden vor, weil man nicht so lange in die Sonne starrt. Im ersten zitierten Hadith ist aber durchaus auch die Rede von Bittgebeten (du‘ā’).

ANMERKUNGEN
1. Bukhārī, Kusūf 1:

حدثنا عبد الله بن محمد قال حدثنا هاشم بن القاسم قال حدثنا شيبان أبو معاوية عن زياد بن علاقة عن المغيرة بن شعبة قال: كسفت الشمس على عهد رسول الله ص يوم مات إبراهيم فقال الناس كسفت الشمس لموت إبراهيم فقال رسول الله ص إن الشمس والقمر لا ينكسفان لموت أحد ولا لحياته فإذا رأيتم فصلوا وادعوا الله.

2. Bukhārī, Kusūf 3:

حدثنا إسحاق قال أخبرنا يحيى بن صالح قال حدثنا معاوية بن سلام بن أبي سلام الحبشي الدمشقي قال حدثنا يحيى بن أبي كثير قال أخبرني أبو سلمة بن عبد الرحمن بن عوف الزهري عن عبد الله بن عمرو ر قال: لما كسفت الشمس على عهد رسول الله ص نودي إن الصلاة جامعة.

3. Muslim, Kusūf 9:

وحدثني يعقوب بن إبراهيم الدورقي حدثنا إسمعيل ابن علية عن هشام الدستوائي قال حدثنا أبو الزبير عن جابر بن عبد الله قال: كسفت الشمس على عهد رسول الله ص في يوم شديد الحر فصلى رسول الله ص بأصحابه فأطال القيام حتى جعلوا يخرون ثم ركع فأطال ثم رفع فأطال ثم ركع ثم رفع فأطال ثم سجد سجدتين ثم قام فصنع نحوا من ذاك فكانت أربع ركعات وأربع سجدات ثم قال إنه عرض علي كل شيء تولجونه فعرضت علي الجنة حتى لو تناولت منها قطفا أخذته أو قال تناولت منها قطفا فقصرت يدي عنه وعرضت علي النار فرأيت فيها امرأة من بني إسرائيل تعذب في هرة لها ربطتها فلم تطعمها ولم تدعها تأكل من خشاش الأرض ورأيت أبا ثمامة عمرو بن مالك يجر قصبه في النار وإنهم كانوا يقولون إن الشمس والقمر لا يخسفان إلا لموت عظيم وإنهما آيتان من آيات الله يريكموهما فإذا خسفا فصلوا حتى تنجلي.

4. Vom alten Glauben, dass bei der Geburt einer wichtigen Person ein besonderer Stern erstrahlt (z.B. bei Jesus: Bibel, Matthäus 2:2) ist in der sīra schon einiges hängen geblieben: zu Mohammed z.B. Ibn Isḥāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, uitg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 102, حدثني من شئت من رجال قومي عن حسان بن ثابت ، قال : والله إني لغلام يفعة ، ابن سبع سنين أو ثمان ، أعقل كل ما سمعت ، إذ سمعت يهوديا يصرخ بأعلى صوته على أطمة بيثرب : يا معشر يهود ، حتى إذا اجتمعوا إليه ، قالوا له : ويلك ما لك ؟ قال : طلع الليلة نجم أحمد الذي ولد به.; meine Übersetzung: […] dass Ḥassān ibn Thābit gesagt hat: Ich war schon ein großer Junge, sieben oder acht Jahre alt, der alles verstand, was er hörte. Ich hörte, wie ein Jude von oben auf einer Festung in Yahtrib rief, so laut wie er konnte: „Alle Juden hierher!“ Sie versammelten sich um ihm und riefen: „Hey, was ist los?“ Er antwortete: „Heute Nacht ist der Stern aufgegangen, unter dem Aḥmad geboren ist.“
5. Über ihn habe ich hier einen separaten Beitrag geschrieben.

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Hadithe datieren

For the happy few 1

Die Mehrzahl der nichtislamischen Gelehrten geht davon aus, dass wenige oder gar keine Hadithe wirklich auf den Propheten Mohammed zurückgehen. Aber wenn das so ist, von wann datieren sie dann? Als Leser von Hadithen habe ich das Gefühl, dass sie in der Mehrzahl zwischen  700 und 750 entstanden sind und dass bis ca. 900 noch viele hinzukamen.
Die ahl al-djamā‘a was-sunna begannen nämlich nach ca. 715 die verhasste Sunna der Umayyadenkalifen durch die des Propheten zu ersetzen. Und um ein konkretes Beispiel zu nennen: Könnten die Texte zum Bilderverbot nicht entstanden sein, als man 695 in Konstantinopel einen Christuskopf auf die Münzen gesetzt hatte und der Umayyadenkalif ‘Abd al-Malik demzufolge fortan auf jede Abbildung eines Kopfes verzichtete? Oder als die seit langem schwelende Debatte über die Ikonen in der griechischen Kirche in den Jahren nach 730 zum Ausbruch kam, während der Kirchenvater Johannes von Damaskus mitten im Umayyadenreich seine Abhandlung für die Ikonen schrieb?
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Ein „Gefühl“ reicht für die Wissenschaft natürlich nicht aus. Für jeden Hadith sollte es idealerweise eine harte Datierung geben. Aber datieren auf Grundlage der Inhalte gelingt nicht. Deshalb hat man versucht über die Analyse der Überliefererketten (Isnade) mit Hilfe der sog. common link-Theorie oder besser gesagt: der common link-Methode zu datieren. Diese wurde zum ersten Mal 1950 von Joseph Schacht vorgestellt, 1983 von Gauthier Juynboll ausgearbeitet und später unter dem hässlichen Namen Isnad-cum-matn-Analyse von Harald Motzki und seiner Schule fortentwickelt.
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Um diese Methode anzuwenden braucht man einen Hadith, der wenigstens fünfmal, aber besser zehn- oder zwanzigmal in den Hadithsammlungen und eventuellen anderen Quellen vorkommt.
Es muss immer derselbe Text sein, das heißt: ein Großteil des Wortlauts muss übereinstimmen.2 Offensichtlich beabsichtigte Textänderungen, Extra-Phrasen oder gar eingeschmuggelte Verneinungen sollen genau beachtet werden. Diese bieten nämlich einen Einblick in die Entwicklung des Hadiths. Mit etwas Glück laufen sie parallel mit einer Entwicklung im Isnad, so dass wir vielleicht erfahren, wer für welche Variante verantwortlich war.
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Viele Hadithe erfüllen die Basisvoraussetzung nicht. Aber sobald wir einen gefunden haben, schreiben wir alle Isnade auf ein großes Blatt Papier (Erfahrene können es abkürzen.) Der Prophet steht immer unten auf der Seite, darüber steht der Prophetengefährte (sāhib), der den Hadith von ihm überliefert haben soll; darüber jemand aus der nächsten Generation (tābi‘) und so weiter. Es werden jeweils fünf bis sieben Namen zusammenkommen; ganz oben stehen meist die Autoren der Hadithsammlungen: Muslim, Bukhārī, Ahmad ibn Hanbal u.ä. So werden zwei oder drei Jahrhunderte (angeblicher) mündlicher Überlieferung abgedeckt. Jetzt stehen fünf oder zehn oder noch mehr Namenreihen nebeneinander. Den Namen des Propheten, ganz unten, haben sie alle gemeinsam.
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Die nächste Aufgabe ist festzustellen, wer alle diese Überlieferer waren. Man kann sie in einem biographischen Lexikon nachschlagen, zum Beispiel in Tahdhīb at-tahdhīb von Ibn Hadjar al-‘Asqalānī (1372–1449) und ihnen eine Identität geben, z. B. indem man die „Personennummer“ aus Ibn Hadjars Lexikon zu ihren Namen schreibt. Oft ist die Identifizierung ein kleines Puzzle, manchmal sogar ein großes, weil die Isnade nur Teile des Eigennamens erwähnen. „‘Abd ar-Rahman hat überliefert …“ — ja, welcher denn? Bei der Identifizierung kann man z.B. feststellen, dass Ibn Shihāb in dem einen Isnad identisch ist mit az-Zuhrī in einem anderen, Abū Fulān mit Hasan ibn Muhammad usw.

  • Beim Nachschlagen der Personen können wir zugleich ihre Herkunft kurz festhalten. Die ältesten Glieder der Kette, der Prophet und der Gefährte, stammen natürlich aus Arabien. Aber wenn der Gefährte z.B. nach Basra gezogen ist und die späteren Überlieferer auch alle dort heimisch waren, dann ist klar, dass der Hadith in Basra in Umlauf gebracht worden ist.

Beim Vergleich der Kolumnen stellt sich vielleicht heraus, dass sie außer dem Propheten kaum Namen gemeinsam haben. Das ist Pech: so ein Hadith ist für die common link-Methode unbrauchbar. Bei Ahmad ibn Hanbal (780–855) kommt das vor; Ahmad hat nämlich oft fiktive Isnade angeführt. Wenn wir aber Glück haben, sehen alle Listen an der Unterseite ähnlich aus, zum Beispiel so:

Hishām ibn ‘Urwa (± 667–± 772)
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‘Urwa ibn az-Zubair (± 643–712)
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Aischa (gest. 678)
|
Der Prophet

Und wenn dann die Namen der Personen über Hishām unterschiedlich sind und die Isnade also „ausfächern“, dann ist Hishām der sog. common link, das gemeinsame Glied: der älteste Überlieferer, den alle Versionen noch gemeinsam haben. Dieser common link wird derjenige sein, der den betreffende Hadith in Umlauf gebracht bzw. kreiert hat und eventuell die ältesten Glieder der Kette hinzuerfunden hat. (Joseph Schacht: „Isnāds tend to grow backward.“)
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Alle Isnade, die wir nebeneinander ausgeschrieben hatten, können wir auch in einem „Baum“ unterbringen, wobei die Äste manchmal gehörig durcheinander laufen:

BoompjeIsnadNun kann es vorkommen, dass es mit dem common link doch nicht so schön klappt. Wann und warum das so ist, wird zu kompliziert für diese Seite; siehe dazu die Ausführungen von → Juynboll und →Motzki. Lieber weise ich hier noch kurz  auf die Existenz des partial common link hin. Das ist, wenn wir beim Baum bleiben, ein Überlieferer, der irgendwo halbwegs oder oben im Baum sitzt (wie Mālik und Hammād ibn Zaid auf dem Bild) und von dem selbst auch wieder Überlieferer ausfächern. Es kann sein, dass alle, die von solch einer Person überliefert haben, in ihrer Textversion eine gewisse Variante oder einen Zusatz gemeinsam haben; die hat dann der partial common link in die Welt gesetzt.
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Juynboll und Motzki sind sich über Datierungen heftig in die Haare geraten (→Juynboll 1993, Motzki 1996). In großen Zügen datiert Motzki oft eine oder zwei Generationen früher als Juynboll. Dass so etwas überhaupt möglich ist, vergrößert das Vertrauen in die Methode natürlich nicht.
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Die Fachwelt (vielleicht 50 Personen weltweit?) reagierte spät und konservativ auf die common link-Theorie. Schachts Buch wurde erst dreißig Jahre nach seinem Erscheinen gehörig rezipiert; die Autoritäten schüttelten den Kopf und fanden es Unsinn. In den Achtzigern wurde heftig über die Datierung von Hadithen diskutiert. Es war ein Thema für junge, progressive Gelehrte. Später wurde die Methode aber auch von denjenigen angewendet, die anfangs dagegen waren, und jetzt ist sie ganz salonfähig geworden — wenigstens in dem kleinen Kreis, der durch Alter, Tod und bröckelnde Gelehrsamkeit noch beträchtlich kleiner geworden ist.
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Wie auch immer, die Methode ist nur auf eine beschränkte Anzahl Hadithe anwendbar. Es müssen ja verschiedene Isnade miteinander verglichen werden und wenn es die nicht ausreichend gibt, gelingt es eben nicht. Selbst habe ich mal über das Zahnholz des Propheten gearbeitet, ein Komplex von ca. achtzig Hadithen. Darunter waren nur vier geeignet um die common link-Methode darauf anzuwenden. Das habe ich gemacht — leider mit einem Fehler darin— und danach war ich auch nicht viel klüger. Hilfreicher war der Vergleich der Hadithsammlung des ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī (744–827) mit den „kanonischen“ Sammlungen, die ein halbes Jahrhundert jünger sind. So bekam ich einen schönen Einblick in das, was die Muslime anfangs beschäftigt hatte—der Gebrauch des Zahnholzes beim Fasten—und in das, was später dann wichtig war. Auch wurde ersichtlich, wie ein Streitpunkt, der nicht mehr aktuell ist, noch sehr lange Aufmerksamkeit bekommen kann, einfach weil es die alten Texte nun mal gibt. Eine Datierung von Hadithen untereinander schien möglich. Die bleibt aber immer heikel, denn sie ist abermals das Ergebnis eines unwissenschaftlichen „Gefühls“. Ich vermute aber, dass mehr Klarheit entstehen würde, wenn man zehn oder zwanzig solche Hadithkomplexe behandeln würde, so dass man die ganze Welt des Hadiths quasi in Stereo sehen könnte. Jedoch das wird nicht geschehen. Personalmangel, veränderte Zeiten, booko harām: das Interesse am Thema Hadith ist verlorengegangen.

ANMERKUNGEN
1. Wer die Begriffe Hadith und Isnad nicht kennt, sei hingewiesen auf die Hadith – Startseite und die dort erwähnte weiterführende Lektüre.
2. Hundert Prozent ist nicht nötig. Alte Texte wurden ja von Hand abgeschrieben, was immer zu der Entstehung von Textvarianten führt.

BIBLIOGRAFIE
– Joseph Schacht, The origins of Muhammadan Jursiprudence, Oxford 1950.
– G.H.A. Juynboll, Muslim Tradition, Studies in chronology, provenance and authorship of early ḥadīth, Cambridge 1983.
– G.H.A. Juynboll, ‘Some Isnād-Analytical Methods Illustrated on the Basis of Several Women-Demeaning Sayings from Ḥadīth Literature,’ Al-Qanṭara 10 (1989), 345–84. [Juynboll hat etliche Veröffentlichungen zur Common link-Methode; diese ist eine der verständlichsten.]
– G.H.A. Juynboll, ‘Nāfiʿ the Mawlā of Ibn ʿUmar, and his Position in Muslim Ḥadīth Literature,’ Der Islam 70 (1993), 207–244.
– G.H.A. Juynboll, Encyclopedia of Canonical Ḥadīth, Leiden/Boston 2007.
– Harald Motzki, “Quo vadis Ḥadīṯ-Forschung? Eine kritische Untersuchung von G.H.A. Juynboll, ‘Nāfiʿ the mawlā of Ibn ʿUmar, and his position in Muslim ḥadīth literature’,” Der Islam 73 (1996), 40–80, 193–231.
– Harald Motzki, ‘Dating Muslim Traditions: a Survey,’ Arabica 52 (2005), 204–253.
– Harald Motzki et al., Analysing Muslim Traditions. Studies in Legal, Exegetical and Maghāzī Ḥadīth, Leiden 2013.
– Wim Raven, ‘The Chewstick of the Prophet in Sīra and ḥadīth,’ in: Islamic Thought in the Middle Ages. Studies in Text, Transmission and Translation, in Honour of Hans Daiber, Edited by Anna Akasoy and Wim Raven, Leiden/Boston 2008, 593–611. Hier online.

Diakritische Zeichen: ahl al-ǧamāʿa, ṣāḥib, tābiʿ, Buḫārī, Aḥmad ibn Tahḏīb at-tahḏīb, Ibn Ḥadjar, ‘Abd ar-Raḥman, Ibn Šihāb, Ḥasan ibn Muḥammad, Hišām ibn ‘Urwa, ʿĀʾiša, Ḥammād, aṣ-Ṣanʿānī, ḥarām

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Hadiththeorie und –kritik, islamisch

(Dies ist eine Skizze.1 Etwas mit mehr Gehalt ist in Planung.)

Erst einmal die islamische Sichtweise auf die Entstehung der Hadithe. Nach dem Tod des Propheten Mohammed gab es ein fortwährendes Interesse an seinen Aussagen und Handlungen. Man redete über ihn; dieses Reden heißt hadīth. Dasselbe Wort wird verwendet für eine bestimmte Textart: Eine mit Überliefererkette versehene Aussage des Propheten oder ein Bericht über dessen Handeln; siehe weiter hier.
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Nach einer Generation kamen manchmal Zweifel auf, ob solch ein Hadith tatsächlich vom Propheten stamme. Aber wenn jemand ihn aus dem Mund eines zuverlässigen Prophetengefährten gehört hatte, konnte man sicher sein, dass die Überlieferung in Ordnung war. Eine Generation später musste man sagen: „Ich habe von XY gehört, der es von Aischa gehört hatte, dass der Prophet …” und so ging es weiter. So wurde die Überliefererkette, der isnād, geboren. Als die Hadithe im 9. Jahrhundert einmal in maßgebenden Werken niedergelegt waren, verzichtete man darauf, den Ketten noch neue Glieder hinzuzufügen. Diese wären sonst ja zu lang geworden.
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Im Fortschreiten der Zeit vermehrten sich die Möglichkeiten mit den Isnaden und den Inhalten der Hadithe zu mogeln. Das wird nicht immer böse gemeint gewesen sein. Wir sagen doch alle manchmal: „Ich habe von XY gehört …,“ während wir ehrlich gesagt nur mit dessen Mitarbeiter oder Sekretärin gesprochen haben. 
Wie auch immer, im achten Jahrhundert entwickelte sich eine Isnadkritik. Man erforschte, wer die späteren Überlieferer waren und welche Qualifikationen sie hatten. Sie bekamen Prädikate: zuverlässig, glaubwürdig, schwach u.v.a.m. Auch prüfte man , ob Überlieferer X und Überlieferer Y einander überhaupt gekannt haben konnten: War Y nicht schon längst gestorben oder hatte er nicht in einer ganz anderen Stadt gewohnt? War er ein anständiger Mensch gewesen? Eine kritische biografische Literatur wuchs heran, deren Regale noch heute eine ganze Wand füllen. Das ist die sogenannte Männerkunde (‘ilm al-ridjāl). Denn Frauen, die überlieferten, gab es nicht, außer in den frühesten Generationen die Frauen des Propheten, die natürlich alle Einzelheiten seines häuslichen Lebens kannten.
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Auch die einzelnen Hadithe wurden nach der Qualität ihres Isnads klassifiziert. Sie bekamen Prädikate, wie zum Beispiel:

sahīh : ganz korrekt.
• 
mursal: der älteste Überlieferer, der Prophetengefährte fehlt in der Kette.
da‘īf: schwach; usw.

Sachverständige Hadithkritiker waren selbstverständlich die Verfasser der Sammlungen im neunten Jahrhundert. Al-Bukhārī (810–870) und Muslim ibn al-Hadjdjādj (± 821–875) nannten ihr ganzes Werk Sahīh, weil sie nur Hadithe mit einem korrekten Isnad aufnehmen wollten. Muslim hat eine Einführung zu seiner Sammlung geschrieben, in der er seine Prinzipien darlegt. At-Tirmidhī (825–892) erwähnt oft unter einem Hadith, ob der korrekt, schwach oder noch etwas anderes ist. Siehe zu diesen Sammlern Hadithsammlungen.

Die Männerkunde hat noch Jahrhunderte lang geblüht und erreichte in der Mamlukenperiode sogar neue Höhepunkte in den Werken von Experten wie al-Mizzī (1256–1341) und Ibn Hadjar al-‘Asqalānī (1372–1449).
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Nach meinem Eindruck flaute in den Jahrhunderten danach das Interesse an Isnads ab. Aber mein Eindruck ist nicht viel wert; wie fast alle Arabisten weiß ich wenig von der Periode von 1500–1800.
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Im späten zwanzigsten Jahrhundert kam mit der neuen Frömmigkeit auch das Interesse an korrekten Isnads wieder auf und man knüpfte bei den alten Werken an. Im Nahen Osten wurden und werden viele unbekannte Hadithsammlungen (wieder)entdeckt und herausgegeben. Des Weiteren wird abermals von jedem einzelnen Hadith kontrolliert, wie „korrekt“ er ist und ob er in den Sechs Büchern oder in anderen gut angesehenen Sammelwerken auch vorkommt. Dank solchen Fußnoten sehen diese Bücher wissenschaftlich aus; das sind sie aber nicht. Ihr Zweck ist religiös, nämlich den Wert der jeweiligen Texte für Scharia und Glauben festzustellen. Überdies ist auch die jahrhundertealte islamische Hadithwissenschaft ein bisschen heilig geworden, so dass man sich nicht traut damit noch mal ganz aufs Neue anzufangen.

ANMERKUNG
1. Diese „Skizzen“ sind das Gerüst, auf dem sich vielleicht auf Dauer ein Artikel zum Hadithstudium entwickeln wird.

Diakritische Zeichen: ḥadīṯ, Ǧābir, ṣaḥīḥ, ḍaʿīf, riǧāl, al-Buḫārī, al-Ḥaǧǧāǧ, at-Tirmiḏī, Ibn Ḥaǧar

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Wovon handeln Hadithe?

Muslime, die über das richtige islamische Handeln Rat suchen, fangen mit einer Frage an: Wie habe ich zu beten, zu fasten, zu pilgern? Oder: Ist dies oder das erlaubt? Oder: Was soll ich in einem bestimmten Fall tun? Der Schariagelehrte oder Mufti schaut in die Jurisprudenz oder findet darüber hinaus noch Korantexte oder Hadithtexte nach seiner Wahl, mit Hilfe derer er die Frage meist befriedigend beantworten kann. Systematische Hadithforschung wird zu diesem Zweck nicht betrieben.
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Wer Hadithwissenschaft betreiben will, fängt am anderen Ende an: Es liegen Hadithtexte vor und der Forscher fragt sich, wovon diese handeln, was sie wollen und was sie über den historischen Zusammenhang, in dem
 sie entstanden sind, mitteilen. Es gibt ganz klare Hadithe, aber auch solche, deren Anliegen erst deutlich wird, wenn man alle Paralleltexte und Varianten hinzuzieht. Dann bekommt man einen Eindruck davon, was die alten Hadithgelehrten beschäftigt hat und wie ein Thema sich entwickelt hat. Hier werde ich zeigen, dass sich nicht immer leicht feststellen lässt, wovon ein Hadith handelt.
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Weil es hier nur um die Inhalte (mutūn) geht, habe ich die Überliefererketten (Isnade) weggelassen.1 Muslime können trotzdem sicher sein, dass hier keine obskuren Texte zitiert werden: Die Beispieltexte entstammen alle gediegenen Hadithsammlungen.

Wo findet man etwas zu den Inhalten?
Die gängigsten Hadithsammlungen sind nach den Bedürfnissen der Schariagelehrten eingerichtet. Die Inhalte sind im weitesten Sinne „juristischer“ Natur: Sie handeln vom richtigen Handeln, von dem, was nach dem Schariarecht erlaubt und verboten (halāl und harām) oder sittlich empfehlenswert ist.
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Die Inhaltsangaben solcher Sammlungen sehen in großen Zügen ungefähr so aus wie bei
al-Bukhārī: Glauben; die ‘ibādāt (kultische Pflichten): Reinheit, Gebet, Armensteuer, Pilgern, Fasten; die mu‘āmalāt (alles Zwischenmenschliche): Handel, Erbrecht, Prozessrecht, Sklavenrecht, Fremdenrecht, Dschihad, Prophetengenossen, der Prophet, Koranauslegung, Eheschließung, Verstoßung, Getränke, Medizin, Kleidung, gute Manieren, Gelübde, Strafrecht, Blutgeld, Traumauslegung, die Endzeit und noch etliches mehr.
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Die Themen der Hadithe sind in allerlei arabischsprachigen Werken, aber auch in zwei englischsprachigen Büchern aufgelistet:
→ Juynboll, Encyclopaedia of Hadith konzentriert sich auf die Überlieferer, aber mittels der Inhaltsangabe findet man auch alle Themen der Hadithe und sogar deren Texte in Übersetzung.
→ Wensinck, Handbook. Ausführliche Probeseiten stehen online.
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Das Handbook enthält auf den ersten Seiten vollständige Inhaltsangaben der gängigsten Sammlungen in transkribiertem Arabisch. Des Weiteren sind alle oder nahezu alle Hadithe mit ihren Fundstellen unter Überschriften eingeordnet, wie z.B. „Prayer in case of danger” oder „Muhammad sees Paradise and Hell during an eclipse“. Diese Überschriften sind oft oberflächlich, manchmal falsch. Sie sind aber dienlich, um die Mehrzahl der Fundstellen zu einem bestimmten Thema erst mal zusammenzusuchen.

Einige Kostproben und Leseversuche
In den Sammlungen findet man einerseits nüchterne, sachliche Hadithe, die eindeutig sagen, woran man sich zu halten hat. Einige Beispiele:

  • TEXT 1: Wenn der Prophet die große Waschung verrichtete, verwendete er dazu zwischen einem ṣā‘ und fünf mudd Wasser. Für die kleine Waschung genügte ihm ein mudd Wasser.2 
  • TEXT 2: Eine Magd von Ka‘b ibn Malik weidete Schafe, die ihm gehörten, am (Berg) Sal‘. Da verunglückte eins der Schafe. Sie lief zu ihm hin und schächtete es mit einem Stein. Der Prophet wurde danach gefragt. Er sagte: „Ihr dürft es essen.” 3
  • TEXT 3: Khansā’ bint Khidhām al-Ansārīya erzählte: Mein Vater verheiratete mich als ältere Frau gegen meinen Willen. Da ging ich zum Propheten und er erklärte die Ehe für ungültig.4
  • TEXT 4: Der Prophet verrichtete nach der Beerdigung das Gebet am Grabe und er sprach dabei vier Mal das Allāhu akbar („Gott ist groß“).5 

Andererseits findet man viele Hadithe, die eigentlich Erzählungen sind und von Erzählern oder aus der Sira stammen und die manchmal nachträglich mit einem Isnad versehen wurden, um ihnen mehr religiöses Prestige zu verleihen. Ein Beispiel für solch eine Erzählung, der wohl kaum eine Richtlinie für das richtige Verhalten zu entnehmen wäre, die man aber einfach nicht entbehren wollte, ist:

  • TEXT 5: Aischa erzählte: An jenem Tag, da der Prophet in die Moschee gegangen war, kam er zu mir zurück und legte seinen Kopf in meinen Schoß. Da trat ein Mann aus der Familie Abū Bakrs ein, mit einem grünen Zahnholz in der Hand. Der Prophet schaute darauf, auf eine Weise, dass ich verstand, dass er es gerne haben wollte. Ich fragte ihn: „Prophet, soll ich dir dieses Zahnholz geben?“ „Ja,“ sagte er. Ich nahm es, kaute es vor, bis es weich war, und gab es ihm. Er rieb sich damit so energisch die Zähne, wie ich es noch nie bei ihm gesehen hatte; dann legte er es beiseite. Ich bemerkte, wie er auf meinem Schoße auf einmal schwer wurde, und als ich ihm ins Gesicht sah, waren seine Augen starr. Er sprach noch: „Nein, lieber die höchste Freundesschar im Paradies.“ Ich sagte: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit gesandt hat! Du wurdest vor die Wahl gestellt und hast gewählt!“ Dann verschied er.6

Viele andere Texte sind zwar erzählend, aber man kann darin schon ein prophetisches Vorbild entdecken:

  • TEXT 6: … von Anas ibn Mālik: Der Prophet sagte: „Mir ist heute Nacht ein Sohn geboren worden; ich benenne ihn nach meinem Vater Ibrāhīm.“ Er übergab ihn [der Amme] Umm Saif, der Frau eines Schmiedes namens Abū Saif. Eines Tages besuchte er ihn ; ich kam mit und wir kamen zu Abū Saif, der mit dem Blasebalg ins Schmiedefeuer blies; das ganze Haus war voller Rauch. Ich eilte voraus und sagte: Hör auf, Abū Saif, der Prophet ist da! Er hörte auf und der Prophet rief nach Ibrāhīm, drückte ihn an sich und sprach allerlei zu ihm.
    Anas sagte noch: Ich habe ihn auch gesehen, als [das Kind] vor seinen Augen im Sterben lag. Er weinte und sagte: „Das Auge weint und das Herz ist traurig, aber wir sagen nur, was Gott zufrieden stellt. Bei Gott, Ibrāhīm, wir trauern schon um dich.“ 7

Dieser Text mag auf den ersten Blick rein biographisch erscheinen, aber er enthält durchaus eine Richtlinie: Trauer ist gut, aber man soll sie nicht übertreiben. Mehr dazu hier.

Ansatz zu einer Fallstudie: die Ansteckung
Als Beispiel mögen einige Hadithtexte dienen, die in → Wensincks Rubrik „Sickness“, Handbook S. 215, untergebracht sind:

  • – [There is] no contagious sickness: 56 Fundstellen
    – Sick camels are not to be brought into contact with sound ones: 10 Stellen
    – Shun him who suffers from elephantiasis: 9 Stellen
    – The country where there is an epidemic disease must neither be sought nor fled from: 57 Stellen
    – ‘Umar and the epidemics in Syria: 10 Stellen

Die Anzahl der Fundstellen sagt nicht viel aus: einerseits sind wohl nicht alle Stellen erfasst worden, andererseits gibt es ohne Zweifel in den unterschiedlichen Sammlungen etliche Dubletten. Die gemeinsame Thematik ist offensichtlich Ansteckung. Gibt es Ansteckung oder nicht, wie hat man sich zu ansteckenden Krankheiten und daran leidenden Kranken zu verhalten? Schon bei Wensinck wird ersichtlich, dass manche Hadithe behaupten, es gebe keine Ansteckung, andere aber davon ausgehen, dass es sie gibt („Shun him who suffers…“). Wer wissen möchte, was die Hadithe zu diesem Thema sagen, muss schon die ca. 140 Stellen nachschlagen; nach Aussortierung der Dubletten bleiben vielleicht 50 aussagekräftige Stellen übrig. Ein Mufti kann sich vielleicht auf ein, zwei Hadithe beschränken, aber ein Wissenschaftler kommt nicht darum herum, alle Hadithe zu seinem Thema zusammenzusuchen und zu vergleichen.8

Hier möchte ich Sie kurz schnuppern lassen:

  • TEXT 7: Der Prophet nahm bei einem Essen die Hand eines Aussätzigen und tauchte die mit der seinigen in die Schüssel. Er sagte: „Sag: Im Namen Gottes und in Vertrauen auf ihn!“ 9

Diesen Hadith führt Wensinck unter „No contagious sickness“ auf. Wenn man nur diesen Hadith lesen würde, könnte man vielleicht meinen, dass der Prophet zu Rücksicht oder Solidarität Aussätzigen gegenüber anspornen wollte. Aber nein, wenn man die anderen Hadithe zum Thema liest, wird klar, dass Wensinck mit seiner Überschrift schon richtig liegt. Dieser Text will sagen: Es gibt keine Ansteckung, man kann ruhig die Hand eines Aussätzigen anfassen und mit ihm essen — eine Verhaltensweise, die man damals gemeinhin schaudernd vermied. Es gibt keine Ansteckung, denn es ist Gott, der entscheidet, ob man krank wird oder nicht. Der Hadith führt uns aus der Rubrik Sickness heraus in die Theologie: Der göttliche Ratschluss (qadā’), die Vorherbestimmung, ist das eigentliche Thema. Bei Wensinck hätte der Text zumindest auch unter einer zweiten Überschrift stehen sollen.
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Nun gab es aber auch Realisten, die z. B. im Alltag bei der Viehzucht Ansteckung kennen gelernt hatten. Nicht ohne Grund legte jemand dem Propheten in den Mund:

  • TEXT 8: Der Prophet hat gesagt: „Ein krankes Tier soll man nicht zusammen mit einem gesunden Tier trinken lassen.” 10

In einem anderen Hadith scheint es, als könne die Ansteckung sogar durch das Böse Auge erfolgen:

  • TEXT 9: Der Prophet hat gesagt: „Schaut nicht lange auf Aussätzige!“ 11

Und auch für Panik wird manchmal Raum gelassen:

  • TEXT 10: Ich habe den Propheten sagen hören: „Fliehe vor einem Aussätzigen, wie du vor einem Löwen fliehst!“ 12 

Es gab offensichtlich heftige Diskussionen zwischen Realisten, die wussten, dass es Ansteckung gibt, und Theologen, die das aus doktrinären Gründen verneinen wollten. Wie immer versuchte jeder seine Auffassung dem Propheten in den Mund zu legen, denn der war die höchste Autorität.
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Es gab auch noch einen Zwischenstandpunkt, dessen Vertreter sich der Ansteckung bewusst zeigen, aber statt Panik doch lieber Gottvertrauen empfahlen bzw. einer weiteren Verbreitung der Seuche vorbeugen wollten (Wensinck: „The country where there is …“, „‘Umar and the epidemics…“):

  • TEXT 11: Als ‘Umar nach Syrien reisen wollte, hörte er in Sargh, dass in Syrien die Pest ausgebrochen sei. ‘Abd ar-Rahmān ibn ‘Auf erzählte ihm, dass der Prophet gesagt hat: „Wenn ihr hört, dass in einem Gebiet die Pest herrscht, geht dann nicht dorthin. Aber wenn sie in einem Gebiet ausbricht, in dem ihr schon seid, flieht dann nicht davor.” Darauf kehrte ‘Umar zurück aus Sargh.13

 

Streithadithe
Was soll man von diesem Hadith denken:

  • TEXT 12: Der Prophet hat gesagt: „Es gibt keine Ansteckung, es gibt kein Vogelorakel, es gibt keinen Wüstendämon (ghūl).“ 14

Was will dieser Text aussagen? „No contagious sickness“ plus noch zwei andere Themen. Auf den ersten Blick ist es ein Sammelhadith, in dem man mehrere Aussagen des Propheten in einem Text kombiniert hat um sie besser memorieren zu können. Solche Texte kommen oft vor. Aber der Schein trügt: Dieser Hadith ist ein Trick der Theologen. Zwei vorislamische, später „abgeschaffte“ Themen des Aberglaubens werden genannt: Vogelorakel und Wüstendämon. Indem „Ansteckung“ ebenfalls erwähnt wird, soll der Eindruck entstehen, dass der Glaube an Ansteckung ebenfalls ein vorislamischer Aberglaube war: alter Kram, der somit obsolet und verächtlich wäre. Mitnichten: Die Diskussion über die Ansteckung ist nachweisbar islamisch. Sie ist ein Subthema der Diskussion über den freien Willen vs. die göttliche Vorherbestimmung am Anfang des 8. Jahrhunderts. Ganz raffiniert, dieser Versuch den Gegenstandpunkt zu entkräften!

Aber die Gegner kamen mit der Retourkutsche und wussten mittels einer ergänzenden Aussage des Propheten—in der wieder andere vorislamischen Themen vorkommen— den Tenor des Hadith umzukehren:

  • TEXT 13: Der Prophet hat gesagt: „Es gibt keine Ansteckung, es gibt kein Vogelorakel, es gibt keinen Seelenvogel und keinen Wurm im Bauch. Aber fliehe vor einem Aussätzigen wie vor einem Löwen!“ 15 

Also doch Ansteckung, aber etwas weniger Gottvertrauen.

Im folgenden Beispiel findet die Diskussion innerhalb des Hadith statt:

  • TEXT 14: Der Prophet hat gesagt: „Es gibt keine Ansteckung, es gibt kein Vogelorakel, es gibt keinen Wurm im Bauch und keinen Seelenvogel.“ Da stand ein Beduine auf und sagte: „Prophet, warum stehen denn die Kamele im Sand so prächtig da wie Gazellen und werden sie, wenn ein räudiges Tier dazu kommt, alle räudig?“ Der Prophet antwortete: „Aber wer hat denn das erste angesteckt?“ 16

Auch hier bleibt die Ansteckung real, aber sie wird zum Teil von theologischer Seite wieder verneint. Ansteckung ja, wenn es denn sein muss; aber auf jeden Fall ist sie gottgesteuert.
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Ein Spektakelstück ist der folgende Text, in dem die Diskussion auf der Isnad-ebene stattfindet:

  • TEXT 15: Abū at-Tāhir und Harmala haben mir überliefert (mit ungefähr demselben Wortlaut): Uns hat Ibn Wahb berichtet: Yūnus hat mir berichtet auf Gewähr von Ibn Shihāb [az-Zuhrī], dass Abū Salama ibn ‘Abd ar-Rahmān ibn ‘Auf ihm berichtet hat: ‘Der Prophet hat gesagt: „Es gibt keine Ansteckung,“‘ aber er überliefert auch: ‘Der Prophet hat gesagt: „Gesunde und kranke Tiere soll man nicht zusammen trinken lassen.“‘
    Abū Salama sagte: Abū Huraira hat uns beide Hadithe des Propheten überliefert. Später
    hat er uns aber verschwiegen, dass der Prophet gesagt hat: „Es gibt keine Ansteckung,“ und er blieb bei: „Gesunde und kranke Tiere soll man nicht zusammen trinken lassen.“
    Al-Hārith ibn abī Dhubāb—das ist der Vetter Abū Hurairas—sagte: Ich habe dich schon noch einen anderen Hadith überliefern hören, Abū Huraira, aber den verschweigst du jetzt! Du hast auch erzählt, dass der Prophet gesagt hat: „Es gibt keine Ansteckung!“ Aber Abū Huraira weigerte sich das zuzugeben und sagte: „… nicht zusammen trinken lassen!“
    Al-Hārith drängte so lange, bis Abū Huraira sich erboste, Äthiopisch zu brabbeln anfing und sagte: Weißt du, was ich sage! Ich sage: Auf gar keinen Fall!
    Abū Salama sagte: Bei meinem Leben, Abū Huraira hatte uns sehr wohl überliefert: ‘Der Prophet hat gesagt: „Es gibt keine Ansteckung,“‘! Ich weiß nicht, ob Abū Huraira dies vergessen hatte oder ob der eine Hadith den anderen *abgeschafft hat.17

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Das waren erst neun der vielleicht fünfzig Hadithe über Ansteckung und meine Interpretation kann noch nicht die endgültige sein. Aber schon wird klar, 1. dass Hadithe glitschige, veränderliche Texte sein können, deren Themen und Anliegen nicht so leicht festzustellen sind; 2. dass man sie alle lesen muss um einen Einblick in die damalige Gedankenwelt zu erlangen.

Andere Beispiele von Hadithen und Gegenhadithen:
Das Lachen des Propheten
– *Darf eine Frau in die Moschee gehen?   (kommt noch)
Und vielleicht sind auch die Texte 1–4 bei näherer Betrachtung weniger eindeutig als gedacht? Man sollte die Paralleltexte mal dazu suchen.

ANMERKUNGEN
1. Wer diesen Satz nicht versteht, sei auf die Kurzdefinitionen verwiesen.
2. Buḫārī, Wuḍū’ 47: ان النبي ص يغسل أو كان يغتسل بالصاع إلى خمسة أمداد ويتوضأ بالمد Ṣā‘ und mudd sind Inhaltsmaße. Heute kümmern sich vielleicht wenige darum, weil das Wasser ohnehin aus dem Hahn kommt.
3. Buḫārī, Ḏabāʾiḥ 19: أن جارية لكعب بن مالك كانت ترعى غنما بسلع فأصيبت شاة منها فأدركتها فذبحتها بحجر فسئل النبي ص فقال: كلوها
4. Buḫārī, Nikāḥ 42: عن خنساء بنت خذام الأنصارية أن أباها زوجها وهي ثيب فكرهت ذلك فأتت رسول الله ص فرد نكاحه
5. Muslim, Ǧanā’iz 68: أن رسول الله ص صلى على قبر بعد ما دفن فكبر عليه أربعا
6. Ibn Isḥāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, Hg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 1011. Identisch mit Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad vi, 274.
7. Muslim, Faḍā’il 62 (hier zitiert); auch Buḫārī, Ǧanā’iz 44, Ibn Māǧa, Ǧanā’iz 53 u.v.a.

حدثنا هداب بن خالد وشيبان بن فروخ كلاهما عن سليمان واللفظ لشيبان حدثنا سليمان بن المغيرة حدثنا ثابت البناني عن أنس بن مالك قال: قال رسول الله ص ولد لي الليلة غلام فسميته باسم أبي إبراهيم. ثم دفعه إلى أم سيف امرأة قين يقال له أبو سيف. فانطلق يأتيه واتبعته فانتهينا إلى أبي سيف وهو ينفخ بكيره قد امتلأ البيت دخانا. فأسرعت المشي بين يدي رسول الله ص فقلت يا أبا سيف أمسك جاء رسول الله ص. فأمسك فدعا النبي ص بالصبي فضمه إليه وقال ما شاء الله أن يقول. فقال أنس لقد رأيته وهو يَكيد بنفسه بين يدي رسول الله ص فدمعت عينا رسول الله ص فقال تدمع العين ويحزن القلب ولا نقول إلا ما يرضى ربنا والله يا إبراهيم إنا بك لمحزونون.

8. Ich habe das einmal getan über „das Zahnholz des Propheten“; s. hier. Über dieses kleine Thema kamen schon achtzig Hadithe zusammen.
9. Abū Dāwūd, Ṭibb, 24/3925 = Tirmiḏī, Aṭ‘ima 19a e.a.: أن رسول الله ص أخذ بيد مجذوم فوضعها معه في القصعة وقال: كل ثقة بالله وتوكلا عليه
10. Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad ii, 406, 434: قال رسول الله ص: لا يورد الممرض على المصح
11. Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad i, 233: قال رسول الله ص: لا تديموا الى المجذومين النظر 
12. Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad ii, 433: سمعت رسول الله ص يقول: فر من المجذون فرارك من الأسد
13. Muslim, Salām 100: …  أن عمر خرج إلى الشام فلما جاء سرغ بلغه أن الوباء قد وقع بالشام فأخبره عبد الرحمن بن عوف أن رسول الله ص قال: إذا سمعتم به بأرض فلا تقدموا عليه وإذا وقع بأرض وأنتم بها فلا تخرجوا فرارا منه فرجع عمر بن الخطاب من سرغ
14. Muslim, Salām 108: قال رسول الله ص: لا عدوى ولا غول ولا صفر
15. Buḫārī, Ṭibb 19: قال رسول الله ص: لا عدوى ولا طيرة ولا هامة ولا صفر وفر من المجذوم كما تفر من الأسد.
16. Muslim, Salām 101: قال رسول الله ص: لا عدوى ولا صفر ولا هامة فقال أعرابي: يا رسول الله فما بال الإبل تكون في الرمل كأنها الظباء فيجيء البعير الأجرب فيدخل فيها فيجربها كلها؟ قال: فمن أعدى الأول
17. Muslim, Salām 104:

‎وحدثني أبو الطاهر وحرملة وتقاربا في اللفظ قالا أخبرنا ابن وهب أخبرني يونس عن ابن شهاب أن أبا سلمة بن عبد الرحمن بن عوف حدثه أن رسول الله ص قال لا عدوى ويحدث أن رسول الله ص قال لا يورد ممرض على مصح قال أبو سلمة كان أبو هريرة يحدثهما كلتيهما عن رسول الله ص ثم صمت أبو هريرة بعد ذلك عن قوله لا عدوى وأقام على أن لا يورد ممرض على مصح. قال فقال الحارث بن أبي ذباب وهو ابن عم أبي هريرة قد كنت أسمعك يا أبا هريرة تحدثنا مع هذا الحديث حديثا آخر قد سكت عنه كنت تقول قال رسول الله ص لا عدوى فأبى أبو هريرة أن يعرف ذلك وقال لا يورد ممرض على مصح فما رآه الحارث في ذلك حتى غضب أبو هريرة فرطن بالحبشية فقال للحارث أتدري ماذا قلت قال لا قال أبو هريرة قلت أبيت قال أبو سلمة ولعمري لقد كان أبو هريرة يحدثنا أن رسول الله ص قال لا عدوى فلا أدري أنسي أبو هريرة أو نسخ أحد القولين الآخر.

BIBLIOGRAFIE
– A.J. Wensinck, Handbook of Early Muhammadan Tradition, Leiden 1927 [der Stoff ist thematisch nach englischen Stichwörtern geordnet].
– G.H.A. Juynboll, Encyclopedia of Canonical Ḥadīth, Leiden/Boston 2007, ist vor allem ein Nachschlagewerk zu den Überlieferern (*Common Links). Aber über den Index findet man auch alle Hadithe in englischer Übersetzung.

Diakritische Zeichen: ḥalāl, ḥarām, al-Buḫārī, Ḫansāʾ bint Ḫiḏām al-Anṣārīya, qaḍāʾ, ʿAbd ar-Raḥmān, Sarġ, ġūl, Abū aṭ-Ṭāhir Ḥarmala, Ibn Šihāb

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Hadithsammlungen

(für Studierende der Arabistik/Islamwissenschaft)

Die Hadithe, d.h. die Aussagen des Propheten und Berichte über sein Handeln, sind ab ca. 800 in Sammelwerken zusammengetragen worden. In den sog. musannaf-Werken wurden die Texte nach den Bedürfnissen der Scharia-Gelehrten thematisch geordnet. Musnad heißen die Sammlungen, in denen alle Hadithe nach Überlieferern geordnet zusammengebracht wurden.

Die islamische Gemeinschaft hat damals die meist kritischen Sammler bevorzugt, unter denen al­-Bukhārī (810–870) aus Bukhārā und Muslim ibn al-Hadjdjādj aus Nīshābūr (± 821–875) als die besten gelten. Ihre musannaf-Werke heißen beide as-Sahīh; sie enthalten grundsätzlich nur Hadithe, deren Isnade nach den Normen der damaligen Isnadkritik „korrekt“ (sahīh) sind.

Muslim schrieb zu seinem Sahīh eine interessante Einleitung, in der er die Prinzipien der Hadithwissenschaft erklärt. (→Juynboll, Muslim’s Introduction)

Neben diesen beiden sehr gut angesehenen musannaf-Sammlungen haben noch vier andere großes religiöses Prestige, alle mit dem Titel Sunan. Diese Werke sind von Abū Dāwūd (817–888), Ibn Mādja (824–886), at-Tirmidhī (825–892) und an-Nasā’ī (830–915). Zusammen mit den beiden Sahīhs bilden sie die „sechs Bücher“, die den Sunniten als besonders wertvoll gelten. In der europäischen wissenschaftlichen Literatur heißen sie manchmal „kanonisch“, nach einem Terminus, der aus dem Christentum stammt. [Alle diese Sammler stammen aus dem Osten Irans oder aus Zentralasien; ist das ein Zufall?]

Des Weiteren gibt es noch andere Sammlungen, die große religiöse Autorität haben; darunter der umfangreiche Musnad des Ahmad ibn Hanbal (780–855), die Sunan des ad-Dārimī (797–868) und, besonders wertvoll für die Malikiten, die frühe Muwatta’ von Malik ibn Anas (± 705–795), die allerdings nicht nur Hadithe enthält.

Das sind zusammen neun Bücher, deren arabische Texte alle in A.J. →Wensinck, Concordance erfasst worden sind. Natürlich kann man arabische Hadithtexte auch im Internet suchen, am besten hier; allerdings bekommt man dann Probleme beim Zitieren. Über diese Problematik siehe hier.

Es gibt aber noch viel mehr Hadithsammlungen. Manche sind erheblich älter als die „kanonischen“ Bücher, haben aber durch die Jahrhunderte weniger Aufmerksamkeit bekommen, weil sie weniger religiöses Prestige hatten oder erst in der Neuzeit entdeckt wurden. Ein Beispiel ist der Musannaf von ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī (744–827), der interessant ist, weil er so groß ist (21033 Hadithe!). Auch Ibn Abī Shaiba (775–849) hat einen großen Musannaf abgefasst.
Des Weiteren gibt es etliche Musnads, die sich auf nur einen Überlieferer konzentrieren, wie auch kleinere Sammlungen, die nur ein Thema hervorheben, z.B. den Dschihad oder das Jenseits.

Die vielen späteren Sammlungen erwähne ich hier nicht; mir geht es immer darum, die ältesten Texte zu finden; sind die in späten Werken wirklich zu finden? Allerdings hat man in der Mamlukenzeit schon wichtige Hadithstudien betrieben; ich nenne als Autoren z.B. al-Mizzī und Ibn Hadjar al-‘Asqalānī. Aber fürs erste geht man am besten so weit möglich in die Vergangenheit zurück.
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Hier folgt noch das Kleingedruckte: die besten oder nicht ganz so schlechten Ausgaben. Darin kommen dann auch die diakritischen Zeichen vor, die ich hier oben eliminiert hatte. Für weitere praktische Angelegenheiten verweise ich auf den Beitrag Hadithe suchen und zitieren. Ohne Zweifel gibt es auch Übersetzungen ins Türkische; damit bin ich aber nicht vertraut.

In drei erschließenden Veröffentlichungen sind die ‘Sechs Bücher’ und noch drei andere berühmte Hadithsammlungen berücksichtigt worden:
– A.J. Wensinck, Handbook of Early Muhammadan Tradition, Leiden 1927 [der Stoff thematisch geordnet, nach englischen Stichwörtern].
– A.J. Wensinck et. al., Concordance et indices de la Tradition musulmane, 8 Bde., Leiden 1936–1988. [Arabische Wortkonkordanz; auch Ortsnamen und Koranverse].
– G.H.A. Juynboll, Encyclopedia of Canonical Ḥadīth, Leiden/Boston, ist vor allem ein Nachschlagewerk zu den Überlieferern. Aber über den Index findet man auch alle Hadithe in englischer Übersetzung.
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Hadīthe in Auswahl, übersetzt (s. auch unter al-Buḫārī)
– So sprach der Prophet. Worte aus der islamischen Überlieferung, ausgew. u. übers. von Adel Theodor Khoury, Gütersloh 1988.
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Al-Buḫārī
– Ṣaḥīh al-Buḫārī, Hrsg. Krehl/Juynboll, Leiden 1862–1908. [Der 4. Band ist gut brauchbar, die anderen mäßig. Etliche andere Ausgaben; alles Schrott.]
– The translation of the meanings of Ṣaḥīh al-Bukhārī, Arabic-English. Translated by Muḥammad Muḥsin Khān, 9 Bde., New Delhi (Kitab Bhavan) 1987. – [jämmerliche englische Übersetzung; auch im Internet. Ich rate vom Gebrauch ab!].
– El Bokhari, Les traditions islamiques, trad. de l’arabe […] O. Houdas und W. Marçais, 4 Bde., Paris 1903–1914 – [Geht so].
– Ṣaḥīh al-Buḫārī. Nachrichten von Taten und Aussprüchen des Propheten Muhammad. Ausgewählt, aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Dieter Ferchl, Stuttgart 1991 – [Auswahl etwas langweilig].
Robson, J., Art. ‘al-Bukhārī’ in EI2.
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Muslim
– Muslim ibn al-Ḥaǧǧāǧ, Ṣaḥīh Muslim, Hrsg. Muḥammad Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, 5 Bde., Kairo 1955. – [gute Ausgabe, gut nummeriert].
– Ṣaḥīh Muslim, being Traditions of the Sayings and Doings of the Prophet Muḥammad etc. … rendered into English by ʿAbdul Ḥamīd Ṣiddīqī, 4 Bde., New Delhi (Kitab Bhavan) 1978. – [Mittelprächtige vollständige englische Übersetzung, aber ohne die Einleitung. Die Nummerierung stimmt wieder mal nicht. Online hier.
– G.H.A. Juynboll, Art. ‘Muslim b. al-Ḥadjdjādj’ in EI2.
– G.H.A. Juynboll,, ‘Muslim’s Introduction to his Ṣaḥīh. Translated and annotated with an excursus on the chronology of fitna and bidʿa,’ JSAI 5 (1984), 263–311.
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Die vier Sunan-Bücher
– Ibn Māǧa, Sunan, Hrsg. Muḥammad Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, 2 Bde., Kairo 1372–3/1952–3 [gute Ausgabe, gut nummeriert].
– Abū Dāwūd as-Siǧistānī, Sunan, Hrsg. Muḥammad Muḥyī ad-Dīn ʿAbd al-Ḥamīd, Beirut o.J., 4 Bde. [mäßige Ausgabe, schlecht nummeriert].
– Abū Dāwūd as-Siǧistānī, Sunan, Teilübersetzung von Ahmad Hasan online: http://www.usc.edu/org/cmje/religious-texts/hadith/abudawud/   ].
– an-Nasāʾī, Sunan [unterschiedliche schlechte Ausgaben, schlecht nummeriert. Es scheint aber in Indien eine gute neue Ausgabe zu geben; die kenne ich noch nicht.]
– at-Tirmiḏī, Sunan [unterschiedliche schlechte Ausgaben, schlecht nummeriert].
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Die wichtigsten „nichtkanonischen Sammlungen“
– Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad, 6 Bde, Kairo 1313 [Erstausgabe; die Seitenzahlen sind maßgeblich geworden].
– Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad, hrsg. Aḥmad Muḥammad Šākir, 19 Bde., Kairo 1365–75/1946–56 [Unvollendet geblieben, weil der Herausgeber verstorben ist. Enthält nur ein Viertel des Textes. Die maßgeblichen Seitenzahlen der Erstausgabe stehen am Rande].
– Aḥmad ibn Ḥanbal, Musnad, Beirut o.J. [neue Ausgabe mit urspr. Seitenzahlen oft, aber nicht immer am Rand gedruckt].
– ad-Dārimī, Sunan, Beirut 1978 [Arabischer Text; schlechte Ausgabe, schlecht nummeriert].
– Mālik ibn Anas, al-Muwaṭṭaʾ, hrsg. Muḥammad Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, 2 Bde., Kairo 1370/1951 [gute Ausgabe, gut nummeriert!].
– Malik ibn Anas, Al-Muwatta‘ of Imam Malik ibn Anas. The first formulation of islamic law, translated by Aisha Abdurrahmaan Bewley, London (Kegan Paul) 1989. [verbesserte Ausgabe auch online; die Übersetzung ist gut.]
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Zwei ältere, „nichtkanonische“ aber sehr wichtige Sammlungen
– ʿAbd ar-Razzāq aṣ­-Ṣanʿānī, Muṣannaf, 11 Bde + Indexband, Beirut 1973.
– Ibn Abī Šaiba, Muṣannaf, 15 Bde., Ḥaidarābād 1966 sqq.

Diakritische Zeichen: muṣannaf, aṣ-­Ṣaḥīḥ, aṣ­-Ṣan‘ānī, Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī

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