Wie sah Mohammed aus?

Mohammed und Gabriel, Iran, 14. Jahrhundert

🇳🇱 Wie Mohammed aussah, weiß niemand; es gibt ja keine zeitgenössischen Abbildungen von ihm (s. dazu hier.) Es gibt aber zahlreiche Beschreibungen von seinem Aussehen. Die frühesten datieren von ca. dreiviertel Jahrhundert nach dem Tod des Propheten; die meisten sind jünger.
Die Anzahl alter Texte zu diesem Thema  ist viel zu groß für einen kurzen Artikel. Deshalb werde ich hier nur die Hadithe in den Ṭabaqāt von Ibn Sa‘d (784–845) und die im Ṣaḥīḥ des Muslim ibn Hadjdjādj (gest. 875) auswerten, mit noch einigen losen anderen Texten aus Sīra und Hadith
 dazu. Die wichtigsten Quellen dürften damit berücksichtigt sein.
Mir geht es nicht darum, die „korrekte“ Überlieferung ausfindig zu machen oder die endgültige Beschreibung des Propheten zu erstellen; das wäre ja ohnehin unmöglich. Ich versuche nur zu verstehen, was die Verfasser dazu gebracht hat, ihn so zu beschreiben, wie sie es tun, und ich sehe in ihren Texten einige Tendenzen. In anderen Fällen bleibt unklar, was sie mit ihren Beschreibungen vorhatten.

1. Mohammed sah beeindruckend und schön aus
Weil Mohammed für seine Anhänger der wichtigste Mensch überhaupt war, dem das höchste Lob gebührte, liegt es nahe, dass man ihn als sehr gut aussehend, gar schön beschrieben hat. Sein Aussehen war einzigartig; verschiedene Gefährten bezeugen, dass sie weder vor ihm noch nach ihm jemanden wie ihn gesehen haben.1 Er war eine stattliche, ehrwürdige Erscheinung.2 Die ihm zugeschriebenen körperlichen Eigenschaften liegen zum Teil im übernatürlichen Bereich. Der Prophet soll strahlend, leuchtend ausgesehen haben. Er wird auch „weiß“, abyaḍ genannt. Das kann einfach die Hautfarbe bezeichnen, auf die ich weiter unten noch eingehen werde, aber an manchen Stellen ist durchaus das strahlende Weiß einer ganz besonderen Erscheinung gemeint. Man muss es aber nicht unbedingt wörtlich nehmen; solche Adjektive können auch stehen für „nobel, fehlerlos, untadelig“.3 Er war noch glänzender als ein Schwert, vielmehr wie die Sonne oder der Mond;4 sein Gesicht glänzte wie der Mond in einer Vollmondnacht.5 Er hatte eine weiße Blesse auf der Stirn, wie auch sein Vater eine hatte, als er zu Āmina ging um ihn zu zeugen; hier darf man an das präexistente „Licht Mohammeds“ (nūr Muḥammad) denken.6 Sein Nacken war wie eine silberne Kanne, bzw. wie der Nacken eines silbernen Standbildes.7
Sein Körpergeruch war äußerst angenehm. Wie einer sagte: „Ich habe keinen Moschus oder Amber gerochen, der wohlriechender war als er.“8 Auch sein Schweiß soll wohlriechend und segensreich gewesen sein; die Prophetengattin Umm Sulaim fing ihn auf und mischte ihn in ihr Parfüm.9 Der Schweiß auf seinem Gesicht war wie Perlen.10

Andere, oder oft genug auch dieselben Hadithe beschreiben körperliche Eigenschaften des Propheten, die zwar sehr lobenswert, aber auch bei anderen Menschen nicht selten sind. Ich gehe davon aus, dass die folgenden Beschreibungen Lob beabsichtigten:
Er war breitschultrig,11 hatte eine breite Brust,12 dicke Knochengelenke, starke Schultern,13 lange bzw. große Arme und Beine,14 große bzw. kräftige Füße, schlanke Fersen,15 große bzw. kräftige Hände und Finger,16 aber: „Ich habe nie etwas berührt, sei es Brokat oder Seide oder was auch immer, das sanfter war als die Handfläche des Propheten“17—was vielleicht darauf hinweist, dass er nicht körperlich arbeiten musste.
Sein Kopf war groß,18 sein Gesicht sehr schön.19 Er hatte einen breiten bzw. einen schönen Mund;20 die Wangen waren glatt.21 Seine Augen werden als groß und als schwarz bezeichnet;22 das Weiße im Auge hatte etwas Rötliches;23 die Augenbrauen waren zusammengewachsen;24 die Wimpern waren lang.25 Er hatte vollkommene Ohren.26
Das Kopfhaar soll tiefschwarz bzw. dicht gewesen sein;27 der Bart schön, dicht, sehr schwarz.28
Er lief energisch. „Ich habe nie jemanden gesehen,“ sagte ein Gefährte, „der schneller lief als der Prophet, als würde die Erde für ihn zusammengefaltet. Wir mussten uns anstrengen [um mitzuhalten], aber das war ihm egal.“ Und: „Wenn er mit Anderen lief, war er ihnen weit voraus.“29

Es drängt sich ein Bild von einem stark gebauten, bulligen Mann auf; so hatte man ihn wohl gern. Jemand könnte meinen, die Schlankheit der Fersen passt nicht so gut zu den großen Füßen, der schnelle Gang nicht zu dem schweren Körperbau. Aber alle diese Hadithe sind Ansammlungen von kleinen Elementen, die untereinander leicht auswechselbar sind und nie zu einem zusammenhängenden Bild führen. Unten wird das noch deutlicher werden.
Dass ein Hadith berichtet, Mohammed habe mal einen Ringkampf gegen den stärksten Mann seines Stammes gewonnen, sagt nichts aus. Das ist eine Wundergeschichte; sie will sagen: Ohne Gottes Hilfe hätte er den Gegener nie besiegen können.

2. Nicht dies und nicht das: ein Mann der Mitte
Er war von mittlerer Körperlänge,30 nicht lang und nicht kurz,31 nicht dick und nicht mager,32 nicht mattweiß und nicht rötlich (ādam),33 weder kraushaarig noch glatthaarig.34 Hier kommt ein alter arabisch Lehrsatz zur Anwendung: Die Mitte oder der Mittlere ist immer das Beste.35

3. Er sah besser aus als die anderen Propheten
Der Prophet wird zitiert mit Beschreibungen der früheren Propheten, die er während seiner Himmelfahrt gesehen haveb soll. In einer der Varianten des Hadiths heißt es: „Ich sah ‘Īsā, Mūsā und Ibrāhīm. ʿĪsā ist kraushaarig, rötlich (aḥmar) und hat eine breite Brust. Mūsā ist rotbräunlich (ādam), beleibt und hat glattes Haar, als gehörte er zum Zuṭṭ-Volk.“„Und Ibrāḥīm?“ fragten sie. Er sagte: „Schaut auf euren Gefährten, den Gesandten Gottes, [dann wisst ihr es].“36. Einer anderen Fassung zufolge war Mūsā jedoch rotbräunlich, hochgewachsen, mit einer Hakennase, als gehörte er zum Stamm Shanū’a.37 Oder ähnlich, aber mit den Ergänzungen: „dürr, mit gekräuselten Haaren“.38 An derselben Stelle heißt es, dass ‘Īsā „rötlich war, weder kurz noch lang, dass er Sommersprossen und glattes Haar hatte und aussah, als wäre er gerade aus dem Bad gekommen; man würde meinen, sein Haar tropfe vor Wasser, was aber nicht so war.“
Das vermeintliche Aussehen Mohammeds wird theologisch instrumentalisiert. Moses und Jesus waren mit ihren markanten Merkmalen im Aussehen keine „Männer der Mitte” wie Mohammed. Wie Sommersprossen und Hakennasen bewertet wurden, weiß ich nicht; ich vermute, dass sie als weniger schön galten. Auf jeden Fall sah Mohammed besser aus als die Propheten der Juden und Christen. Aber von Abraham sagt er: „Nie habe ich einen Mann gesehen, der mir ähnlicher war.“
Übrigens gibt es auch Beschreibungen von der Schönheit gewisser Propheten, die nicht mit Mohammed in Konkurrenz standen. Namentlich Hārūn soll besonders gut ausgesehen haben, und natürlich Yūsuf, in den Zulaika vernarrt war.37

4. Mohammed sah ganz normal aus
Er war ja ein Mensch wie alle anderen, wie auch der Koran betont. Hier folgen Beschreibungen von körperlichen Eigenschaften des Propheten, die offensichtlich nicht als Lob gemeint waren. Es kann aber auch sein, dass ich nicht verstanden habe, wie man diese Eigenschaften damals angesehen hat. Zusammengewachsene Augenbrauen oder ein Bauch werden in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten sehr verschieden bewertet und das dürfte auch bei anderen Eigenschaften der Fall sein.
Wie oben schon erläutert steht Mohammeds Hautfarbe „weiß“, abyaḍ, oft für „strahlend, nobel, fehlerlos, untadelig“. Aber oft genug wird das Wort auch für die eigentliche Hautfarbe benutzt, die dann meistens eine rötliche Beimischung hat.39 Die Hautfarbe des Propheten wird auch braun, asmar, genannt, oder braun, zu weiß tendierend.40 Oder er war weder hellhäutig noch dunkel; s. oben unter 2.
Seine Hüften und Achseln, sichtbar beim Gebet, werden weiß genannt. Man wollte wohl auf die ursprüngliche, natürliche Hautfarbe hinweisen.41 Gesicht, Arme und Beine werden ja durch die Sonne gebräunt gewesen sein.

Dass der Prophet tiefschwarzes, dichtes Kopfhaar hatte, habe ich als Lob aufgefasst. Die Haarlänge und der Scheitel sind aber schwierig zu beurteilen; überdies können sie variabel gewesen sein. Einem Text zufolge war er glatthaarig,42 aber viel mehr Texte betonen, dass er als „Mann der Mitte“ weder kraushaarig noch glatthaarig war. s. oben. Sein Haar reichte bis zur Hälfte der Ohren oder bis zu seinen Ohrläppchen, oder es endete halbwegs zwischen den Ohren und Schultern oder es reichte bis zu seinen Schultern.43 Er ließ seine Stirnlocken herabhängen und scheitelte den Rest (?).44 Die Fragen, ob der Prophet beim Altern grau- oder weißhaarig wurde, und ob er seine Kopfhaare und Barthaare färbte, hat eine Flut von Texten generiert, die ich hier nicht berücksichtige, weil sie bereits erforscht worden sind (→ Juynboll).
Am Körper soll der Prophet kaum behaart gewesen sein.45 Oder doch: Die Unterarme und die Brust waren behaart, bzw. auch seine Schultern.46 Er hatte eine Haarlinie von der Brust bis an den Nabel (masruba). Diese Behaarung war fein bzw. lang.47

Mohammeds schnellen Gang habe ich schon erwähnt, weil ich den als eine positive Eigenschaft deute. Seine Gangart war das nicht; die war vielmehr etwas merkwürdig. Die Überlieferung schwankt stark: Wenn er lief, beugte er sich vornüber.48 Wenn er lief beugte er sich vornüber, als liefe er bergauf.49 Wenn er lief, war es, als ginge er bergab.50 Wenn er lief beugte er sich (Var.: ein wenig) vornüber, als liefe er bergab.51 Wenn er lief (oder: Wenn er aufstand), war sein Schritt unfest, als liefe er bergab.52 Wenn er sich umdrehte, drehte er sich ganz um.53 Er wandte sich ganz nach vorn und ganz nach hinten.54  Keine klare Vorstellung habe ich bei diesem Text: „Der Prophet setzte seinen linken Fuß so auf, dass man sehen konnte, dass die Außenseite schwarz war (?).55

War Mohammed dick? In der Erzählung von der Schlacht bei Uḥud muss jemand dem Propheten beim Besteigen eines Felsen behilflich sein, von dem aus er die Schlacht beobachten will, „weil er beleibt war und überdies zwei Panzerhemden übereinander trug; als er versuchte hochzukommen, gelang ihm das nicht.“56 Umm Hāni’, die Tante des Propheten, bei der er zur Zeit seiner Himmelfahrt nächtigte, beobachtete Falten an seinem Bauch: „Ich packte einen Teil seines Oberkleides, so dass sein Bauch sichtbar wurde: [wie] ein gefaltetes koptisches Tuch.“57 War das ein Zeichen für Korpulenz oder betraf es vielleicht die Narben der „Spaltung des Bauchs“ (shaqq al-baṭn) durch zwei Engel, die kurz vor der Himmelfahrt stattgefunden haben soll? Falten will auch eine gewisse Umm Hilāl gesehen haben: „Immer wenn ich den Bauch des Propheten sah, musste ich an übereinandergefaltete Blätter denken.“58
Die Aussage in einem Hadith, in dem der Prophet von sich selbst sagt „Ich bin dick“, kann man vernachhlässigen, weil er als Basis einer Schariaregel dienen soll; s. unten.
Wie auch immer: Die etwaige Korpulenz des Propheten sollte man nicht nach modernen Maßstäben bewerten. Der Bauch konnte ein Statussymbol gewesen sein, ein Nachweis, dass man reichlich zu essen hatte. Einen Sixpack hatte ja jeder.

5. Ein besonderes Merkmal
Ein merkwürdiges Merkmal am Körper des Propheten war das Siegel oder der Stempel des Prophetentums (ḫātam an-nubuwwa oder an-nabīyīn).59 Das war eine Geschwulst auf seinem Rücken oder zwischen seinen Schultern, so groß wie ein Taubenei, dem Rest seines Körpers ähnlich60—farblich oder in der Konsistenz?—oder alternativ: wie der Knopf eines Brautzeltes,61 oder wie ein Stück Kamelkot,62 wie ein Apfel63 oder wie ein Haarbüschel,64 oder faustgroß mit Muttermalen wie Warzen oben darauf65—die Texte variieren. Mehrere Gefährten des Propheten sollen das Siegel gesehen oder betastet haben.66 Der Vorschlag einiger Gefährten—alle angeblich medizinisch bewandert— die Geschwulst zu behandeln bzw. auszuschneiden, wird vom Propheten abgelehnt: Der beste Arzt sei Gott, der sie erschaffen hat.67
Wie kam man auf den Ausdruck ḫātam an-nubuwwa? Es ist unmöglich nicht an Koran 33:40 zu denken, wo die Rede ist von ḫātam an-nabiyīn, „das Siegel der Propheten“. Man hat sich natürlich gefragt was das bedeuten sollte; dabei dürfte das Wort ḫātam nicht allen Hörern vertraut gewesen sein. Ein Teil der Exegeten hat dabei offensichtlich an etwas Körperliches gedacht, und siehe da: Das Siegel nahm Gestalt an.

6. Vorlagen für Schariaregeln
Gewisse Beschreibungen von Mohammeds Körper dienten (auch) als Vorlage für Verhaltensregeln.
– Was ist zu tun wenn ein Imam dick ist und seine Bewegungen beim Gebet langsam sind? Die Gläubigen möchten das Ritual vielleicht schneller zu Ende bringen als er. Ein Hadith, in dem man den Propheten sagen lässt: „Ich bin dick“ (baṭuntu) war jedoch Vorlage für eine Shariaregel: Wenn der Imam langsam ist, sollen die Gläubigen bei den Bewegungen im Gebet seinem Tempo folgen und nicht schneller sein als er.68
– Träger gewisser Frisuren können sich die Haarlänge des Propheten vorgestellt haben um die eigene zu empfehlen.
– Soll oder darf man sich die Haare oder den Bart färben? Es gibt Hadithe, denen zufolge der Prophet sie färbte, mit Henna, Safran und Indischgelb (wars) und somit eine sunna etablierte (→ Juynboll).
– Was macht man mit einer Geschwulst; etwa auf- oder ausschneiden? Nein, unbehandelt lassen; der Prophet war selbst Vorbild. Man kann die Texte, in denen der Prophet seine Geschwulst nicht verarzten lassen wollte, auch als „prophetische Heilkunde“ (ṭibb an-nabī) lesen.

Es ist manchmal schwierig festzustellen, wann eine Eigenschaft normal, gewöhnlich, oder lobenswert war. Ein glänzendes Gesicht und breite Schultern kann man ohne Weiteres als positiv auffassen, aber eine merkwürdige Gangart? Und was bedeutet es z.B., dass er sich nur ganz umwandte? Hatte er einen steifen Nacken oder ein Rückenleiden, so dass er seinen Kopf nicht drehen konnte? Oder ist es ein Lob, weil er sich seinen Gesprächspartnern voll und ganz zuwandte? Oder hat es noch einen anderen Hintergrund?

Bei vielleicht der Hälfte der Texte ist hinter der Beschreibung eine Absicht verborgen, die die reine Beschreibung übersteigt; bei der anderen Hälfte ist nicht festzustellen, welchem Zweck sie gedient haben könnten. Man könnte fast meinen, er lägen Erinnerungen an reale körperliche Eigenschaften des Propheten vor. Das kann aber auch nicht sein, dafür sind die beschriebenen Eigenschaften untereinander zu widersprüchlich. Lief er nun schnell oder unsicher? Quasi nach oben oder nach unten? Läuft ein bulliger Mann überhaupt schnell? Passen schlanke Fersen zu großen Füßen? Und angenommen, der Prophet hatte wirklich eine Geschwulst auf seinem Rücken, hätte man sich das jahrzehntelang weitererzählt?

Wissenschaft?
Jemand sagte zu mir: Das ist Wissenschaft, was du hier machst, warum schickst du es nicht an eine Fachzeitschrift?
Nein, es ist keine Wissenschaft, sondern ein Aufsatz, eine Sondierung, eine Vorübung. Wissenschaft wäre: „alle“ relevanten Hadithe—in Anführungszeichen, weil man sie nie alle findet—zu sammeln, lexikalisch zu studieren, Isnadanalysen und Datierungsversuche anzustellen und wo möglich die Entwicklung und den „Sitz im Leben“ der Thematik zu untersuchen. Das würde mindestens drei Monate dauern.
Solche Wissenschaft wird aber in diesem Fachgebiet nicht länger betrieben. Die Zeit ist nicht danach. Hadithe, obwohl nach der Meinung aller eine sehr wichtige Literaturgattung, werden weiterhin nicht studiert.

ANMERKUNGEN
IS = Ibn Sa‘d, Ṭabaqāt, Band i, 410–36. Ich erwähne die Seite und die Nummer des Hadith, die allerdings im Text nicht angezeigt wird.
Muslim = Muslim, Ṣaḥīḥ, Buch Faḍāʾil.
IH = Ibn Hišām, Sīra.
1. لم أر (قبله ولا) بعده مثله HI 266; Muslim 91, 92; IS 410:2; 411:1–3; 412:1–2; 414:2, 4, 6; 415:1–4; 418:6.
2. فخم مفخم IS 422.
3. أبلج IS 411:2; أبيض Muslim 98, 99; IS 417:4; 418:1, 5; 419:7; أزهر IS 410:3; 413:2; 419:7; 422; أبيض شديد الوضح IS 411:2; له نور تعلوه IS 422;  أنور المتجرَّد IS 422.
4. أوجهه مثل السيف؟ فقال جابر: مثل الشمس والقمر مستدير IS 416:2, 5; 419:3.
5. يتلؤلأ وجهه تلألؤ القمر ليلة البدر IS 422.
6 أغرّ IS 411:2. Zu Mohammeds Vater IH 101.
7. كأن عرقه إبريق فضة IS 410:2; كأن عنقه جيد دمية في صفاء الفضة IS 422.
8. ولا شممت مسكة ولا عنبرة ما أطيب من ريحه IS 413:2, 3; 414:3; ريح عرقه أطيب من المسك الأذفر IS 410:2.
9. Muslim 83, 84.
10. كأن عرقه في وجهه اللؤلؤ IS 410:2; 411:2; 412:1.
11. بعيد ما بين المنكبين Muslim 91, 92; IS 412:2; 414:5; 415:2; 416:3–4; 422; جليل الكتد IH 266; IS 411:3.
12. رحب الصدر IS 415:2; عريض الصدر IS 422.
13. ضخم الكراديس IS 411:1; 422; عظيم الكراديس IS 412:2; جليل المُشاش IH 266; IS 411:3; عظيم المناكب IS 412:1; ضخم المنكبين IS 415:2; 415:5.
14. سبج الساعدين IS 414:5; عظيم الساعدين IS 415:2; ضحم السافين IS 415:2 .
15. صخم القدمين IS 414:2, 4; IH 266; IS 410:2, 3; 411:1–3; 412:1, 2; 415:2; 422; شثن الأطراف IS 415:5; منهوس العقبين Muslim 97; IS 416:1.
16. ضخم الكفين IS 414:4; شثن الكف، الكفين IH 266; IS 410:2, 3; 411:1–3; 412:1, 2; 415:2; 422; شثن الأطراف IS 415:5; شثن الأصابع IS 418:3, 6.
17. وما مسست ديباجة ولا حريرة ولا شيئا قط ألين من كف رسول الله IS 413:2, 3.
18. ضحم الرأس IS 411:1; ضخم الهامة ;412:2 IS 410:3; 411:2.
19. حسن الوجه IS 414:4; 418:5; 420:4, أحسن الرجال وجها; Muslim 93, 98; مليح الوجه IS 417:4; 418:1; جميل دوائر الوجه IS 417:1.
20. ضليع الفم Muslim 97; IS 415:2; 416:1; حسن الفم IS 412:2; 415:2; حسن المضحك IS 417:1
21. سهل الخد IS 410:2.
22. عظيم العينين  IS 410:3; أدعج العينين IH 266; IS 410:2; 411:3; 415:5; أكحل العينين IS 417:1; أسود الحدقة IS 412:1.
23. أشكل العين Muslim 97; dem Herausgeber Fuʾād ʿAbd al-Bāqī zufolge ist diese Eigenschaft lobenswert; مشرب العينين حمرة IS 410:3;  في عينيه حمرة  IS 412:2.
24. مقرون الحاجبين IS 412:2; dies wurde wohl positiv bewertet.
25. أهدب الأشفار IH 266; IS 410:3; 411:2–3; 412:1–2; 414:5–6; 415:2, 3, 5.
26. تام الأذنين Muslim 97; IS 412:2; 415:2.
27. أسوده IS 412:2;  شديد سواد الشعر IS 418:3; فما أنسى شدة … سواد شعره IS 419:1; عظيمة الجمة Muslim 91; ذا وفرة IS 410:2; 422.
28. حسن اللحية IS 412:2; 415:2; 418:3; كث اللحية IS 410:2, 3; 422; شديد سواد الرأس واللحية IS 418:3; قد ملأت لحيته ما لدن هذه الى هذه، وأشار الى صدغيه ختى كادت ملأت نحره IS 417:1.
29. إذا مشى مشى مجتمعا ليس فيه كسل IS 417:3; وما رأيت أحدا أسرع في مشيه من رسول الله كأنما الأرض تطوى له إنه تجهد أنقسنا وإنه لغير مكترث IS 415:1, 4; إذا جاء مع القوم غمرهم IS 411:2; إذا مشى هرول الناس وراءه IS 418:6; يمشي ويمشون IS 419:1.
30. مقصَّد Muslim 99; IS 417:4;  في الرجال أطول منه وفي الرجال أقصر منه IS 413:1: 415:4; 419:1; مربوع ، رَبعة IH 266; IS 411:3; 413:1; 415:2; 416:3; 418:5.
31. ليس بالطويل ولا بالقصير، لا طويل ولا قصير IS 410:2; 411:1, 3; 412:1–2; 413:1; 414:3, 415:2; 416:4, 418:3, 6.
32. FEHLT NOCH@
33. ليس بالأبيض الأمهق ولا بالآدم IS 413:1; 418:3.
34. ليس بالجعد القَطط ولا بالسبط، ليس بالجعد ولا السبط Muslim 94; IH 266; IS 411:3; 412:2; 413:1; 418:3, 6.
35. خيرهم أوسطهم، خير الأمور أوسطها , so z.B. in Kommentaren zu Koran 68:28 und in Hadithen, z.B Buḫārī, Manāqib 24, und Buḫārī, Faḍāʾil al-Aṣḥāb 5 أوسط العرب.
36. IS 417:2. Die Zuṭṭ sind ein Roma-Volk in Oman.
37. IH 270.
38. IH 266.
39. أبيض مشرب حمرة IH 266; IS 410:2; 411:1,3; 412:1, 2; IS 415:5; IS 418:3, 6;
40. أسمر IS 414:1; أسمر الى البياض IS 417:1.
41. بياض إبطيه IS 420:7; 421:1–4,6; أبيض الكشحين IS 414:6; 415:3; 421:6.470. سبط الشعر IS 410:2.
42. سبط الشعر IS 410:2.
43. الى أنصاف أذنيه Muslim 96 ; يبلغ شعره شحمة أذنيه Muslim 91; IS 416:3; بين أذنبه وعاتقه Muslim 94; يجاوز شعره شحمة أذنيه IS 422; كان يضرب شعره منكبيه Muslim 92, 95.
44. سدل  ناصيته ثم فرق بعد Muslim 90.
45. أحرد IH 266; IS 411:3; ليس في بطنه ولا صرده شعر غير [المسربة] ه IS 410:2.
46. أشعر الذراعين والصدر IS 415:5. EINE STELLE FEHLT NOCH@
47. ذا مسربة IS 411:3; 415:5; في صدره مسربة  IS 412:1; له شعر من لبته الى سرته يجري كالخط/كالقضيب IS 410:2; 422; دقيق المسربة IH 266; IS 410:2; طويل المسربة IS 411:1; 412:2.
48. إذا مشى تكفّأ IS 413:2; فيه جنأ IS 412:2
49. إذا مشى تكفّأ كأنما يمشي في صعد IS 410:3; 412:1; 415:5.
50. إذا مشى كأنما ينحدر من صبب  IS 410:2; 411:2, 3.
51. إذا مشى تكفّأ (تكفّؤًا) كأنما ينرل/ينحط من صبب  IS 411:1, 3; 412:2; 422.
52. إذا مشى تقلّع كأنما ينحدر من صبب  IH 266; IS  411:2. تقلّع Kazmirski: être déraciné. Ibn Hishām: لم يثبت قدمه; لم يثبت قدمه إذا قام كأنما ينقلع من صخر IS 410:2.
53. إذا التفت التفت معا/جميعا IH 266; IS 410:2, 3; 411:3; 415:5; 417:3; 420:2, 3; 422.
54. يقبل جميعا/معا ويدبر جميعا/معا  IS 412:2; 414:5, 6; 415:2, 3.
55. كان يفترش قدمه اليسرى حتى يرى ظاهرها أسود IS 419:5.
56. ونهض رسول الله الى صخرة من الجبل ليعلوه وقد كان بدن رسول الله وظاهر بين درعين فلما ذهب لينهض لم يستطع فجلس تحته طلحة بن عبيد الله فنهض به حتى استوى عليها. IH 576–7.
57. فأخدت بطرف ردائه فتكشّف عن بطنه كأنه قبطية مطوية IH 267.
58. ما رأيت بطن رسول الله قط الا ذكرت القراطيس المثنية بعضها على بعض IS 419:2.
59. IH 266; IS 411:3; 415:4.
60. بيضة الحمامة Muslim 110; مثل بيضة تشبه جسم IS 425:1, 2, 3;  427:1, 3.@@@
61. Muslim 111.
62. بعرة البعير IS 427:1.
63. مثل التفاحة IS 427:2.
64. شعر مجتمع عند كتفيه IS 425:4.
65. مثل الجمع … حوله خيلان كأنها الثآليل Muslim 112; IS 426:2.
66. Muslim 110–112; ورأيت خاتمه عند كتفيه مثل بيضة تشبه جسمه ؛ ثم أذخلت يدي في جيب قميصه الخ IS 425:1–4;  426:2, 3; 427:1–3.
67. يا رسول الله إني كأطبّ الرجال ألا أعالجها؟ فقال: لا طبيبها الذي خلقها IS 426:3; 427:1–3.
68. إني بدنت فلا تبادروني بالقيام في الصلاة والركوع والسجود IS 420:5.

BIBLIOGRAFIE
– Ibn Hishām: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, ed. F. Wüstenfeld, Göttingen, 2 dln., 1858–60 [editio princeps des arabischen Texts]. Auch online vorhanden.
– Ibn Sa‘d, aṭ-Ṭabaqāt al-kubrā, hg. Iḥsān ‘Abbās, 9 Bde., Beirut (Dār Ṣādir), o.J.
– Muslim ibn Ḥaǧǧaǧ, Ṣaḥīḥ, Hg. Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, 5 Bde., Kairo 1955.
– Wolfdietrich Fischer, Farb- und Formbezeichnugen in der Sprache der altarabischen Dichtung, Wiesbaden 1965.
– G.H.A. Juynboll, „Dyeing the Hair and Beard in Early Islam. A Ḥadīth-analytical Study,“ Arabica 33 (1986), 49–75.

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Mohammed und Aischa (Kurzfassung)

(Wer ausführlicher zu diesem Thema lesen möchte, kann das hier tun)

Dass der Prophet Mohammed seine Lieblingsfrau Aischa als sechsjähriges Mädchen geheiratet und die Ehe mit ihr vollzogen haben soll, als sie neun war, ist immer wieder ein Stein des Anstoßes. Islamkritiker und -hasser nehmen es zum Anlass, den Propheten als Pädophilen zu beschimpfen. Viele Muslime fühlen sich dabei unbehaglich, sie finden Kinderehen genau so scheußlich wie Nichtmuslime und wissen oft nicht, wie sie auf die Kritik reagieren sollen.
Die Geschichte beruht auf nur einer Überlieferung, die auf den berühmten Überlieferer ʿUrwa ibn az-Zubair zurückgeführt wird, den Neffen Aischas. Sie lautet: „Es erzählte Aischa, dass der Prophet sie heiratete, als sie sechs Jahre alt war; sie wurde in sein Haus gebracht, als sie neun Jahre alt war, und dann blieb sie neun Jahre bei ihm.“
Von diesem Hadith gibt es einige Ausarbeitungen, etwa die, in der erzählt wird, wie das Mädchen mit Freundinnen auf der Schaukel spielte, dort von seiner Mutter abgeholt, zurechtgemacht und dem Propheten übergeben wurde. Dieser Text ist um die wenigen Informationen der Überlieferung herum gebaut: Heirat mit sechs, Ehevollzug mit neun. Anderen Texten zufolge spielte Aischa nach ihrer Heirat noch mit Puppen; ihre kleinen Freundinnen durften spielen kommen. Auch diese Texte bieten human interest zum kargen Basis-Hadith.
Aber war Aischa wirklich so jung? Das weiß kein Mensch. Nichtmuslimische Arabisten und Historiker gehen zunehmend davon aus, dass die „biografischen“ Texte über Mohammed als historische Quellen nicht verwertbar sind. Über den Propheten ist ihnen zufolge sehr wenig bekannt und über Einzelheiten aus seinem Privatleben schon gar nichts.
Aber warum ist dann der oben zitierte Hadith zustande gekommen? Auffällig ist, dass der Text nichts erzählt, sondern sich nur für die Daten und das Heiratsalter der Aischa interessiert. Hadithe sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Juristen zugeschnitten, sie enthalten entweder eine Aussage des Propheten oder einen Bericht über eine (normative) Handlungsweise von ihm. Daneben gibt es in den kanonischen Sammlungen auch rein erzählende Hadithe, weil sie, vielleicht nebenbei, eine vorbildliche Handlungsweise des Propheten beschreiben oder zeigen. Oder eine Erzählung war so beliebt, dass man sie einfach nicht entbehren mochte. Aber rein chronologische Mitteilungen wie die obige sind in der Hadith-Literatur eine Rarität.
Um den Hintergrund dieses Hadithes zu verstehen, muss man „die ganze Aischa“ einbeziehen: ihre Herkunft aus dem frühislamischen „Verdienstadel“, ihren Konflikt mit ʿAlī und die Verleumdungskampagne gegen sie seitens der entstehenden Schia. Und auch den Erzähler sollte man im Auge behalten: ʿUrwa ibn az-Zubair, den Historiker der besagten Elite, der er auch selbst entstammte.

Aischas Herkunft
Aischas Vater war Abu Bakr, einer der ersten Anhänger Muhammads und der erste Kalif. Er war ein prominentes Mitglied des „Verdienstadels“, in dem große und frühe Taten für die neue Bewegung zählten. Neben Abu Bakr gehörten die anderen drei „rechtgeleiteten“ Kalifen ʿUmar, ʿUṯmān und ʿAlī dazu, weiterhin Personen wie az-Zubair – der Vater des Überlieferers ʿUrwa ibn al-Zubair. Im Laufe des 7. Jahrhunderts spalteten sich aber eine Gruppe ab, die sich aus der Sicht dieser Elite irgendwie danebenbenahm: ʿAlī, seine Nachkommen und die seiner Partei (Schia). Die Sippe der Umaiyaden übernahm nach ʿAlīs Tod die Macht; was vom ursprünglichen Verdienstadel Elite übrigblieb, war zum baldigen Aussterben verurteilt.

Die Verleumdung
Trotz – oder wegen – ihrer Stellung als Lieblingsfrau des Propheten war Aischa nicht überall beliebt. Eine bekannte Skandalgeschichte erzählt, wie sie, als frisch Verheiratete, auf einer Reise versehentlich kurz alleine in der Wüste zurückgelassen worden sei; später habe ein Mann sie gefunden und zurückgebracht. Hatte dieser sich an ihr vergangen? Es gab eine Faktion, die eifrig dieses Gerücht verbreitete. Auch Muhammads Vetter und Schwiegersohn ʿAlī soll unter den Verleumdern gewesen sein und dem Propheten sogar vorgeschlagen haben, Aischa gegen eine andere Frau einzutauschen. Wegen dieses Gerüchts mied der Prophet Aischa einige Zeit. Die Erzählung, in der diese Verleumdung sogar mit Hilfe von Koranversen entkräftet wird, stammt von demselben ʿUrwa, der auch den Hadith zu ihrem Heiratsalter in die Welt gesetzt hat. (Siehe auch hier.)

Der Konflikt
Woher kam diese Gehässigkeit Aischa gegenüber? Nach dem Tod des Propheten war sie politisch aktiv geworden und hatte sich (unter anderem zusammen mit az-Zubair) gegen ʿAlī, seit 656 Kalif, gestellt. Sie hatte sogar an einer Schlacht gegen ihn teilgenommen, der „Kamelschlacht“, benannt nach dem Kamel, auf dem sie die Kriegshandlungen beobachtete. Worum ging es dabei? ʿAli war wohl aus der Reihe getanzt. Er regierte im irakischen Kufa statt in Medina; er kümmerte sich wenig um die Bestrafung der Mörder seines Vorgängers Uthman; seine Popularität bei den Soldaten, die von ihm Zuwendungen empfingen, konnte den „Adel“ nicht beeindrucken, im Gegenteil. Kurzum, er benahm sich nicht, wie es von einem Mitglied der frühen Elite erwartet wurde.
Die Kamelschlacht gewann ʿAlī. Es ist verständlich, dass Aischa danach bei ihm und seinen („schiitischen“) Anhängern besonders unbeliebt war. Nach ʿAlīs Tod 661 verschärfte der Konflikt sich noch, weil die Schia das Kalifat für seine Söhne beanspruchte und generell eine Erbfolge im „Haus des Propheten“ befürwortete. Mit diesem Standpunkt konnte Aischa sich unmöglich anfreunden, da ihre Ehe mit dem Propheten kinderlos geblieben war.
Oft hört man: Kein Wunder, dass Aischa später so bitter auf Kriegsfuß mit ʿAlī stand. Sie hat ihm seine feindselige Haltung bei dem Skandal nie vergeben können. Das Umgekehrte ist wahrscheinlicher: Die Schia hasste Aischa aus politischen Gründen und beschmutzte rückwirkend ihre Ehre, indem sie ihre Keuschheit als noch junge Ehefrau anzweifelte. Es ist denkbar, dass die Verleumdungskampagne erst spät in ihrem Leben oder sogar erst nach ihrem Tod 678 stattgefunden hat.

Was aber soll das junge Alter? Schon ʿUrwas Bericht in der Verleumdungsaffäre hatte Aischas Ehrbarkeit (allzu) energisch verteidigt. Die Überlieferung zum Heiratsalter will diese sogar noch steigern, in ebenfalls übertriebener Manier. So wird Aischa jünger und damit keuscher denn je. Dass sie als Neunjährige ins Ehebett gestiegen sein soll, dient allein der Feststellung, dass sie in jenem Augenblick auf jeden Fall noch Jungfrau war. Danach wurde ihre Keuschheit von dem Propheten, ihrem Mann, garantiert. Das Ganze ist eine Reaktion auf die außerordentliche Gemeinheit der Verleumdung und passt zu ʿUrwas Bestreben, die Familie Abu Bakrs zu verherrlichen.

Soweit die Betrachtungen eines nichtmuslimischen Orientalisten. Viele Muslime werden das anders sehen. Ihnen zufolge ist durchaus viel zum Propheten bekannt und Hadith-Texte halten sie oft für historische Quellen. Aber das frühe Heiratsalter der Aischa ist auch für sie oft unverdaulich.

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Wie ich oben beschrieben habe, gibt es zur Ehe Mohammeds mit dem Kind Aischa nur einen Kerntext mit einigen Varianten und Ergänzungen. Muss man wirklich glauben, dass dieser von Tatsachen berichtet und als Quellen für Geschichtsschreibung verwendet werden kann? Ein moderner Nichtmuslim muss das natürlich nicht. Konservative Muslime dagegen, die nicht mit moderner Literaturwissenschaft vertraut sind, hegen nicht den geringsten Zweifel an der Geschichtlichkeit dieses Hadiths. Islamhasser tun das ebenfalls nicht: nach ihrer Meinung war Aischa neun, als sie entjungfert wurde und somit war Mohammed ein Pädophiler und ein perverser Kinderschänder. Je schwärzer der Islam, desto angenehmer ist ja das Kämpfen gegen ihn.

Im Prinzip glaubt aber nicht nur die konservative Minderheit, sondern die Mehrzahl der Muslime an die Zuverlässigkeit von korrekt überlieferten Hadithen als Geschichtsquelle. Moderne Muslime, die wie die meisten anderen Menschen der Meinung sind, dass ein so junges Mädchen in einem Ehebett nichts verloren hat, müssen also Wege finden um den Peinlichen Hadith zu entkräften oder ganz loszuwerden.

Eine Möglichkeit ist: ignorieren und verdrängen. Es gibt in der Tat Muslime, die nicht mit dem Thema belästigt werden wollen. Ohne Zweifel hatte der Prophet das Beste mit der kleinen Aischa vor; zu etwas Anderem war er ja nicht fähig, und für das Mädchen war es eine Gnade, bereits als Kind die Nähe und den Segen des Propheten zu erfahren; Amen! Solche Gläubige mögen sich nicht vorstellen, wie der etwas beleibte Fünfziger mit einem so kleinen Mädchen Geschlechtsverkehr hatte. Den müssten sie aber gehabt haben, denn eine Ehe besteht erst durch ihren Vollzug. Das Ignorieren des Problems wird durch die eindringlichen Fragen der Außenwelt immer schwieriger.

Andere Muslime und verständnisvolle Andersgläubige wollen das Problem nicht vertuschen, sondern versuchen den Hadith mit Argumenten zu retten. Ihre Argumente sind meist lässig und vage, wie zum Beispiel: „Zu der Zeit fing die Pubertät ja viel früher an,“ oder: „Aischa war bestimmt frühreif; das kommt in warmen Ländern öfters vor,“ oder: „Damals wusste niemand, wie alt er genau war.“ Das letzte Argument ist sicherlich zutreffend, aber eine Ehe mit einem viel zu jungen Mädchen fällt auch ohne Einwohnermeldeamt auf. Die ersten beiden Aussagen sind völlig spekulativ und frei von Sachverstand. Ärzte versichern mir sogar, dass die Pubertät in der Antike durch die schlechtere Ernährung erheblich später eintrat als heutzutage.

Islamische Argumente wider Aischas junges Heiratsalter
Muslime, die glauben, dass Hadithe von wahren Begebenheiten berichten, müssen sich also Mühe geben, um den speziellen Text über Aischas Heiratsalter für unglaubwürdig zu erklären. Habib-ur-Rahman Siddiqui Kandhalvi hat 1997 in seinem »Tahqiq-e ‘omr-e ‘A’isha« (englisch »Age of Aisha«, Karatschi 1998) vierundzwanzig Argumente beigebracht, die Muslimen helfen sollen, den anstößigen Hadith nicht für wahr zu halten. Manche dieser Argumente sind kompliziert, andere naiv, andere sind gar keine, aber auf jeden Fall führen sie zum Ziel. Einen Teil der komplizierten Argumente versuche ich hier zusammenzufassen. Dabei verwende ich die bei uns gängigen Jahreszahlen. 622 war die Hidschra von Mekka nach Medina, Aischa soll 614 geboren sein und 623 soll ihre Ehe vollzogen worden sein.

Argumente aus Hadithen
Eine alte islamische Manier um einen Hadith loszuwerden ist nachzuweisen, dass er schwach überliefert ist; anders gesagt, das der isnad (Überlieferkette) untauglich ist. Bei Kandhalvi lesen wir über den Aischa-Hadith, dass Hischam Ibn Urwa ein schwaches Glied in der Überlieferkette bildet. In den nahezu kanonisch gewordenen Hadithsammlungen des Bukhari und Muslim stehen aber viele Hadithe dieses Hisham; sind die denn alle untauglich? Kandhalvi zufolge, der sich auf einigen biografischen Lexika stützt, war Hisham zuverlässig, so lange er in Medina wohnte, aber als er mit 71 in den Irak umgezogen war, hat er nur noch Unsinn geredet, vielleicht weil er schon alt und verwirrt war und sein Gedächtnis nachgelassen hatte. Ein etwas wackliges Argument, wie er mir scheint.
Einem anderen Hadith zufolge, so Kandhalvi, erzählte Aischa, sie sei „ein Mädchen das spielte“ gewesen, als die Sura 54 des Korans offenbart wurde. Dies, so weiß man, geschah im Jahr 614. Wenn Aischa damals schon groß genug war, um sich die Sura zu merken und mit anderen Mädchen zu spielen, muss sie zumindest sieben Jahre alt gewesen und folglich um 608 geboren sein, was sie im Jahr 623 alt genug machte für den Ehevollzug.
„So lange ich denken konnte“ soll Aischa gesagt haben, „waren meine Eltern bereits Anhänger der Religion und der Prophet kam jeden Tag zu unserem Haus.“ Und noch andere frühislamische Ereignisse hat sie bewusst erlebt und sich an sie erinnert. Das weist ebenfalls auf ein Geburtsjahr lange vor 614 hin.

Aus der Geschichtsschreibung
So weit einige Argumente auf Grund von Hadithen. Kandhalvi führt aber auch Argumente auf Basis der profanen Geschichtsschreibung an, die für Muslime weniger religiöse Autorität besitzt, Nichtmuslimen dagegen etwas glaubwürdiger vorkommt. Eines davon lautet: Aischas Halbschwester Asmāʾ war zehn Jahre älter als sie. Asmāʾstarb hundertjährig im Jahr 695. Bei der Hidschra 622 war sie 28 Jahre alt und Aischa 18. Als Aischa ein Jahr nach der Hidschra heiratete, hätte sie also das heiratsfähige Alter mehr als erreicht gehabt. Ein weiteres Argument in diesem Stil lautet: Aischas Vater Abu Bakr hatte vier Kinder von zwei Frauen, alle geboren in vorislamischer Zeit. Diese endete mit Mohammeds Berufung zum Propheten im Jahr 610. Sogar wenn Aischa nur ein Jahr davor geboren war, wäre sie bei ihrem Ehevollzug schon alt genug gewesen. Des Weiteren wird berichtet, dass Aischa „als sie noch ganz jung war“ als eine der ersten zum Islam übertrat, noch bevor Umar sich ca. 610 bekehrte. Dazu muss sie schon etwas älter gewesen sein.

Aus dem islamischen Recht
Kandhalvi entnimmt aber auch dem islamischen Recht Argumente, obwohl sich das erst später entwickelt hat. Einmal weist er darauf hin, dass nach dem Konsens (idjmāʿ) der Rechtsgelehrten Ehen erst erlaubt sind, wenn die Pubertät erreicht ist. Auch darf eine Frau nicht ohne ihre Zustimmung verheiratet werden. Um diese zu geben, muss Aischa also volljährig gewesen sein. Und schließlich: Aischa soll bei den Schlachten von Badr (624) und Uhud (625) anwesend gewesen sein. Das Mindestalter für die Teilnahme an Schlachten war aber fünfzehn Jahre. Aischa muss also 609 oder früher geboren worden sein.

Die meisten dieser Argumente Kandhalvis dürften Nichtmuslimen kaum überzeugen. Aber das muss gläubige Muslime nicht kümmern; für viele von ihnen sind sie akzeptabel. Und es ist durchaus interessant, zu beobachten, wie es Muslimen gelingt, einen unerwünschten Hadith mit Hilfe nichtwestlicher, nichtwissenschaftlicher Argumente erfolgreich zu entkräften. So werden sie einen peinlichen Text los, während niemand sie zwingt, ihr Glaubenssystem aufzugeben.

Wenn das mit einem Thema möglich ist, müsste es auch mit anderen gehen. So könnte man endlich vollführen, was schon der ägyptische „Reformator“ Muhammad Abduh (1849–1905) tun wollte, nämlich die meisten Hadithe (und die darauf basierenden Regeln) für obsolet erklären. Polygamie, Weinverbot, Zinsverbot, die Bedeckung der Frau—mit einer etwas altmodischen, innerislamischen Philologie können sie alle abgebaut werden. So viel Arbeit ist es nicht mal. Es bliebe die Frage: Welche Hadithe sind noch unerwünscht? Für Abduh waren das alle Hadithe, die nicht unmittelbar mit Kultus und Glaubenslehre zu tun haben. Zu erwarten ist freilich, dass Muslime in unserer Zeit einige mehr behalten möchten, aus Furcht vor Identitätsverlust und vor allzu unabhängigen Frauen.

Der unerschütterliche Glauben an Aischas Entjungferung als Kind bleibt somit nur strammen Salafisten und Islamhassern vorbehalten. Die, aber nur die, wissen es genau: das Mädchen war neun!

Auch veröffenlticht in zenith, 04/2016, S. 126–7, und @@@

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Dürfen Frauen in die Moschee gehen?

🇳🇱 Jemand wies daraufhin, dass der Prophet Mohammed Frauen zwar erlaubte in die Moschee zu gehen, aber doch lieber sah, dass sie zu Hause blieben. Das untermauerte er mit dem Verweis auf nur einen Hadith (unten Nr. 7).
Ich habe geantwortet, dass es auch andere Hadithe gibt und dass man nie nur einen Hadith zitieren soll. Erst wenn man alle Hadithe zu einem gewissen Thema zusammengestellt hat, sieht man, worum es sich in den Texten handelt. Das wird aber oft ein unerreichbares Ideal bleiben, denn ein Thema wie dieses gründlich zu erforschen würde einen erfahrenen Forscher — und wo gibt es die noch?— zwei Monate kosten und andere noch viel mehr. Ich kann das jetzt nicht machen, deshalb bleibe ich an der Oberfläche. Auf die Schnelle habe ich in den wichtigsten Sammlungen, den sog. Neun Büchern, 22 Hadithe zu dieser Frage gesammelt. Es gibt ohne Zweifel viele mehr, aber diese 22 geben doch einen Eindruck—der sich wieder ändern könnte, wenn etwa Texte aus den älteren „nicht-kanonischen“ Sammlungen herangezogen würden, wie z.B. die des ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī. Die Texte brauchen noch nähere Analyse; manche sind richtig raffiniert! Es wäre mal an der Zeit, dass die Hadithliteratur, die jeder angeblich so wichtig findet, gründlich analysiert wird, anstatt dass man immer wieder mit einem willkürlichen Zitat kommt. Aber wer wird dieses Studium unternehmen?

Ein Nichtmuslim muss nicht glauben, dass alle diese 22 Hadithe wirklich auf Mohammed zurückgehen. Zum Glück, denn sonst hätte der Prophet schon ganz viele Meinungen zum Thema gehabt. Was solche Texte zeigen ist, dass der Besuch der Frauen in der Moschee offensichtlich irgendwo, irgendwann ein Diskussionsthema war. Klar ist auch, dass in diesen Texten der Prophet als Befürworter dargestellt wird und dass der Widerstand vor allem vom Kalifen ‘Umar und dessen Nachkommen ausging (Hadith 4–6, 13). Das ist oft der Fall in dieser Literatur. Aber auch (Ibn) ‘Umars Widerstand ist nicht historisch belegt. „‘Umar“ steht für die Rechtsschule von Medina, die erheblich strenger war als die Schulen im Irak, woher die meisten Hadithe stammen. Siehe dazu ‘Umar und der Prophet.

Ich gehe vorläufig davon aus, dass diese Diskussion ca. 720–750 stattgefunden hat, obwohl ich das nicht beweisen kann (s. Hadithe datieren).

Der Hadith, in dem der Prophet Frauen erlaubte in die Moschee zu gehen, war offensichtlich überall fest etabliert. Gegner konnten den Text nicht wegschaffen, aber sie versuchten ihren Standpunkt durchzusetzen indem sie an den Texten herumbastelten und einschränkende Phrasen hinzufügten. Auch das passiert oft in der Welt des Hadith; ein gründliches Studium würde das ans Tageslicht bringen.

Was würde gegen die Anwesenheit von Frauen in der Moschee sprechen? Sie könnten störend oder verführend wirken oder Männer in einer unwürdigen Position sehen. Die Frauen beten ja hinter den Männern—wenn sie aufblicken haben sie die Aussicht auf eine ganze Reihe Männergesäße. Dies könnte unerwünschte Situationen mit sich bringen (Hadith 20). Deshalb sollten sie das Gebet etwas früher verlassen—oder etwas später aufblicken.

Verwandte Themen, die man dazu noch untersuchen könnte: Der abendliche Toilettengang der Frauen. Die Frau als Ablenkung vom Gebet.

In den 22 Hadithen erkenne ich die folgenden Motive:
– Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen (Variante: wenn ihr Mann einverstanden ist).
– Sie dürfen, aber es ist besser, dass sie zu Hause bleiben.
– Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht oder nur bedingt.
– Sie dürfen, aber ohne Schmuck und vornehme Kleidung.
– Sie dürfen, aber nur abends/nachts. [Im Dunkel stören oder verführen sie ja niemand.]
– Selbstverständlich dürfen Frauen in die Moschee; sie sind einfach da.
– Frauen sind in der Moschee, aber sie sollen sich nach dem Gebet früher zurückziehen [um Begegnungen mit Männern vorzubeugen].

Hier folgen die Hadithtexte erst in Übersetzung, danach im ursprünglichen Arabisch.

Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen
1. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”
2. Der Prophet hat gesagt: “Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten in die Moscheen zu gehen, gebt ihnen die!”
3. Der Prophet hat gesagt: “Wenn die Frau von einem von euch um Erlaubnis bittet [in die Moschee zu gehen], verbietet es ihr nicht!”

4. ‘Abdallāh ibn ‘Umar: Ich habe den Propheten sagen hören: “Verbietet euren Frauen nicht, in die Moschee zu gehen, wenn sie euch um Erlaubnis bitten!”
‘Abdallāh [ibn ‘Umar]s Sohn Bilāl sagte: Bei Gott, aber sicher verbieten wir ihnen das! Darauf lief sein Vater zu ihm hin und schimpfte ihn so furchtbar aus, wie ich es von ihm noch nie gehört hatte, und er sagte: Ich überliefere dir etwas vom Propheten und dann sagst du: Bei Gott, wir verbieten ihnen das!
5=13. Ibn ʿUmar: Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie zum Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
6. Eine der Frauen ‘Umars beteiligte sich am Morgengebet und am Abendgebet in der Gemeinde in der Moschee. Jemand fragte sie: Warum gehst du aus? Du weißt doch, dass ‘Umar das nicht gern hat und dass er eifersüchtig ist?
– Und was würde ihn daran hindern es mir zu verbieten?
– Was ihn daran hindert, ist der Hadith des Propheten: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”

Sie dürfen in die Moschee gehen, aber zu Hause bleiben ist besser.
7. Der Prophet hat gesagt: „Verbietet euren Frauen nicht in die Moscheen zu gehen, aber zu Hause bleiben ist besser für sie.“

Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende Frauen nicht.
8. Der Prophet befahl uns [an Feiertagen] heiratsfähige Mädchen, die in Absonderung leben, [in  die Moschee] gehen zu lassen. Und er befahl menstruierende Frauen von dem Gebetsplatz der Muslime fernzuhalten.
9. Uns  wurde befohlen an Feiertagen [in die Moschee] zu gehen: die Frauen, die in Absonderung gehalten werden, und die Jungfrauen. Menstruierende Frauen gehen nach den anderen Menschen und sprechen den takbīr zusammen mit den anderen Menschen.

Sie dürfen, aber nicht aufgedonnert
10. Hätte der Prophet gewusst, wie die Frauen heutzutage herumlaufen, so hätte er ihnen verboten in die Moschee zu gehen, wie dies auch den Frauen der Israeliten verboten war. (Ich fragte ‘Amra: War es denen denn verboten? Ja, sagte sie.)
11. “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen, aber lasst sie unparfümiert gehen!” Aisha sagte: Hätte der Prophet gesehen, wie sie heutzutage sind, hätte er es ihnen verboten.
12. Der Prophet saß einmal in der Moschee, als eine Frau aus Muzaina in einem Prachtgewand hereinparadierte. Da sagte der Prophet: “Menschen, verbietet euren Frauen Prachtgewänder zu tragen und damit in der Moschee zu prunken!  Denn die Israeliten wurden erst verflucht, als ihre Frauen anfingen Prachtgewänder zu tragen und damit in den Moscheen zu prunken.”

Sie dürfen abends/nachts
13=5. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht gehen; das würden sie als Anlass der Verdorbenheit nehmen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht gehen … !
14. Der Prophet hat gesagt: „Erlaubt den Frauen nachts in die Moscheen zu gehen.“
15. Der Prophet hat gesagt: „Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten nachts in die Moschee zu gehen, gebt ihnen die!“
16. Wenn der Prophet das Morgengebet verrichtete, gingen die Frauen weg, in ihre Wollgewänder gehüllt, unkenntlich im Dunkeln.
17. Der Prophet wartete im ersten Drittel der Nacht, als ‘Umar ihm zurief: Die Frauen und Kinder sind schlafen gegangen. Da kam der Prophet heraus und sagte: “Niemand in der Welt wartet darauf außer euch.” (Zu der Zeit wurde nur in Medina das Gebet verrichtet und man tat das im ersten Drittel der Nacht, zwischen dem Augenblick, als das Abendrot verschwand, bis zu einem Drittel der Nacht.)
18. Der Prophet verrichtete das frühe Morgengebet als es noch dunkel war; dann gingen die Frauen der Gläubigen weg, unkenntlich im Dunkeln (Variante: ohne einander zu erkennen).

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee
19. Der Prophet hat gesagt: Wenn ich das Gebet lang machen will, aber dann das Weinen eines kleinen Kindes höre, dann leiere ich es schnell herunter, weil ich die Mutter ungern stören möchte.
20. Ich habe Männer gesehen, die sich ihr Lendentuch um den Hals geknüpft hatten wie kleine Jungen, weil ihr Lendentuch zu knapp war, und so hinter dem Propheten das Gebet verrichteten. Jemand sagte: „Frauen! Ihr sollt eure Köpfe nicht heben, bevor die Männer es tun!“

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee, aber sie sollen früher weggehen
21. Der Prophet war gewohnt, wenn er den taslīm sprach, ein wenig zu zögern. Man war der Meinung, das geschehe um die Frauen vor den Männern weggehen zu lassen.
22. Als der Prophet den taslīm sprach, standen die Frauen auf, wenn er diesen beendete, während er noch ein wenig an seinem Platz, blieb bevor er selber aufstand. Wir meinen, aber Gott weiß es am Besten, dass das geschah, damit die Frauen weggingen, bevor die Männer sie überholen würden.
23. Zur Zeit des Propheten standen die Frauen auf, wenn sie mit dem festgelegten taslīm fertig waren, während der Prophet und diejenigen, die mit ihm das Gebet verrichteten, noch ein wenig blieben. Und wenn der Prophet aufstand, standen auch die anderen Männer auf.

TEXTE UND BELEGSTELLEN DER HADITHE

1.  حدثنا محمد بن عبد الله بن نمير حدثنا أبي وابن إدريس قالا حدثنا عبيد الله عن نافع عن ابن عمر أن رسول الله ص قال لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Muslim, Salāt 136
2. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا ابن نمير ثنا حنظلة سمعت سالما يقول سمعت ابن عمر يقول سمعت رسول الله ص يقول: إذا استأذنكم نساؤكم الى المساجد فأذنوا لهن. Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
3. حدثنا مسدد حدثنا يزيد بن زريع عن معمر عن الزهري عن سالم بن عبد الله عن أبيه عن النبي ص إذا استأذنت امرأة أحدكم فلا يمنعها. Bukhārī, Ādhān 166 = ± Muslim, Salāt 134
4. حدثني حرملة بن يحيى أخبرنا ابن وهب أخبرني يونس عن ابن شهاب قال أخبرني سالم بن عبد الله أن عبد الله بن عمر قال سمعت رسول الله ص يقول لا تمنعوا نساءكم المساجد إذا استأذنكم إليها قال فقال بلال بن عبد الله والله لنمنعهن قال فأقبل عليه عبد الله فسبه سبا سيئا ما سمعته سبه مثله قط وقال أخبرك عن رسول الله ص وتقول والله لنمنعهن. Muslim, Salāt 135
5. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن.  Muslim, Salāt 138, = ± 139; ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
6. حدثنا يوسف بن موسى حدثنا أبو أسامة حدثنا عبيد الله بن عمر عن نافع عن ابن عمر قال كانت امرأة لعمر تشهد صلاة الصبح والعشاء في الجماعة في المسجد فقيل لها لم تخرجين وقد تعلمين أن عمر يكره ذلك ويغار قالت وما يمنعه أن ينهاني قال يمنعه قول رسول الله ص لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Bukhārī, Djum‘a 13 
7.  حدثنا عثمان بن أبي شيبة حدثنا يزيد بن هارون أخبرنا العوام بن حوشب حدثني حبيب بن أبي ثابت عن ابن عمر قال: قال رسول الله ص لا تمنعوا نساءكم المساجد وبيوتهن خير لهن. Abū Dāwūd, Salāt 52
8.  حدثني إبو الربيع الزهراني حدثنا حماد حدثنا أيوب عن محمد عن أم عطية قالت: أُمرنا (تعني النبي ص) أن نخرج في العيدين العواتق وذوات الخدور وإمرالحيض أن يعتزلن مصلى المسلمين. , Muslim, ‘Īdain 10
9. حدثنا يحيى بن يحيى أخبرنا أبو خيثمة عن عاصم الأحول عن حفصة بنت سيرين عن أم عطية قالت كنا نؤمر بالخروج في العيدين والمخبأة والبكر قالت الحيض يخرجن فيكن خلف الناس يكبرن مع الناس. Muslim, ‘Īdayn 11
10.  حدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة عن عائشة ر قالت لو أدرك رسول الله ص ما أحدث النساء لمنعهن كما منعت نساء بني إسرائيل قلت لعمرة أومنعن قالت نعم. Bukhārī, Ādhān 163d = Muslim, Salāt 144
11. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا الحكم ثنا عبد الرحمن بن أبي الرجال فقال أبي يذكره عن أمه عن عائشة عن النبي ص قال: لا تمنعوا إماء الله مساجد الله وليخرجن تفلات. قالت: عائشة: ولو رأى حالهن اليوم منعهن.  Ahmad ibn Hanbal, Musnad vi, 69–70
12. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة وعلي بن محمد قالا حدثنا عبيد الله بن موسى عن موسى بن عبيدة عن داود بن مدرك عن عروة بن الزبير عن عائشة قالت بينما رسول الله ص جالس في المسجد إذ دخلت امرأة من مزينة ترفل في زينة لها في المسجد فقال النبي ص يا أيها الناس انهوا نساءكم عن لبس الزينة والتبختر في المسجد فإن بني إسرائيل لم يلعنوا حتى لبس نساؤهم الزينة وتبخترن في المساجد. Ibn Mādja, Fitan 19
13. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن. Muslim, Salāt 138, ± 139; = ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
14. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا شبابة حدثنا ورقاء عن عمرو بن دينار عن مجاهد عن ابن عمر عن النبي ص قال ائذنوا للنساء بالليل إلى المساجد. Bukhārī, Djum‘a 13
15.  حدثنا عبيد الله بن موسى عن حنظلة عن سالم بن عبد الله عن ابن عمر ر عن النبي ص قال إذا استأذنكم نساؤكم بالليل إلى المسجد فأذنوا لهن. Bukhārī, Ādhān 162b, Muslim, Ṣalāt 137
16. حدثنا عبد الله بن مسلمة عن مالك ح وحدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة بنت عبد الرحمن عن عائشة قالت: إن كان رسول الله ص ليصلي الصبح فينصرف النساء متلفعات بمروطهن ما يعرفن من الغلس. Bukhārī, Ādhān 163b
17.  حدثنا أبو اليمان قال أخبرنا شعيب عن الزهري قال أخبرني عروة بن الزبير عن عائشة رضي الله عنها قالت أعتم رسول الله ص بالعتمة حتى ناداه عمر نام النساء والصبيان فخرج النبي صلى الله عليه وسلم فقال ما ينتظرها أحد غيركم من أهل الأرض ولا يصلى يومئذ إلا بالمدينة وكانوا يصلون العتمة فيما بين أن يغيب الشفق إلى ثلث الليل الأول. Bukhārī, Ādhān 162a
18.  حدثنا يحيى بن موسى حدثنا سعيد بن منصور حدثنا فليح عن عبد الرحمن بن القاسم عن أبيه عن عائشة ر أن رسول الله ص كان يصلي الصبح بغلس فينصرفن نساء المؤمنين لا يعرفن من الغلس أو لا يعرف بعضهن بعضا. Bukhārī, Ādhān 165
19. حدثنا محمد بن مسكين قال حدثنا بشر بن بكر أخبرنا الأوزاعي حدثني يحيى بن أبي كثير عن عبد الله بن أبي قتادة الأنصاري عن أبيه قال قال رسول الله ص إني لأقوم إلى الصلاة وأنا أريد أن أطول فيها فأسمع بكاء الصبي فأتجوز في صلاتي كراهية أن أشق على أمه. Bukhārī, Ādhān 163c
20. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة حدثنا وكيع عن سفيان عن أبي حازم عن سهل بن سعد قال لقد رأيت الرجال عاقدي أزرهم في أعناقهم مثل الصبيان من ضيق الأزر خلف النبي ص فقال قائل يا معشر النساء لا ترفعن رءوسكن حتى يرفع الرجال. Muslim, Salāt 133
21.  حدثنا محمد بن يحيى ومحمد بن رافع قالا حدثنا عبد الرزاق أخبرنا معمر عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة قالت كان رسول الله ص إذا سلم مكث قليلا وكانوا يرون أن ذلك كيما ينفذ النساء قبل الرجال. Abū Dāwūd, Salāt 196
22.  حدثنا يحيى بن قزعة قال حدثنا إبراهيم بن سعد عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة ر قالت كان رسول الله ص إذا سلم قام النساء حين يقضي تسليمه ويمكث هو في مقامه يسيرا قبل أن يقوم قال نرى والله أعلم أن ذلك كان لكي ينصرف النساء قبل أن يدركهن أحد من الرجال. Bukhārī, Ādhān 164a, 166b
23. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا عثمان بن عمر أخبرنا يونس عن الزهري قال حدثتني هند بنت الحارث أن أم سلمة زوج النبي ص أخبرتها أن النساء في عهد رسول الله ص كن إذا سلمن من المكتوبة قمن وثبت رسول الله ص ومن صلى من الرجال ما شاء الله فإذا قام رسول الله ص قام الرجال. Bukhārī, Ādhān 163a

Diakritische Zeichen: aṣ-Ṣanʿānī, ṣalāt, Aḥmad ibn Ḥanbal, al-Buḫārī, Āḏān, Ǧumʿa, Ibn Māǧa

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Unfähige Propheten

Einer Erzählung zufolge, die Mohammeds erstes Offenbarungserlebnis  schildert, hatte der Prophet sich auf den Berg Hirā’ zurückgezogen, als der Engel Gibrīl (Gabriel) zu ihm kam:

  • Der Prophet selbst erzählte dazu: Während ich schlief, kam Gibrīl zu mir mit einer Brokatdecke, auf der Schriftzeichen standen. Er sagte: „Lies!“ Ich sagte: „Ich kann nicht lesen (mā aqra’u).“ Darauf drückte er mit der Decke meinen Hals so kräftig zu, dass ich dachte, es wäre der Tod. Dann ließ er mich los [und sagte: „Lies!“ Ich antwortete: „Ich kann nicht lesen.“ Darauf drückte er abermals so kräftig, dass ich dachte, es wäre der Tod. Dann ließ er mich los] und sagte wieder: „Lies!“ Ich sagte: „Was soll ich lesen? (mā dhā aqra’u)“ und das sagte ich nur um ihn los zu werden, aus Angst, dass er es noch mal tun würde. Da sagte er: Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, der erschuf,—erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! denn dein Herr ist der Allgütige, der (den Menschen) lehrte durch die Feder, den Menschen lehrte, was er nicht wusste. [Koran 96:1–5] Dies rezitierte ich; dann ließ er mich los und ging weg. Als ich aufwachte war es, als wäre es in mein Herz geschrieben.
    Nun gab es kein Geschöpf, das mir verhasster war als Dichter und Besessene; ich konnte sie einfach nicht riechen. Und ich dachte: „O wehe, dieser Nichtswürdige“—er meinte sich selbst—„ist ein Dichter oder Besessener. Aber das werden die Quraisch nie von mir sagen! Ich werde hoch auf den Berg steigen und mich herunterstürzen und töten, dann habe ich Ruhe.“ In der Absicht machte ich mich also auf den Weg, aber als ich mitten auf dem Berg war, hörte ich eine Stimme vom Himmel: „Mohammed! Du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gibrīl.“ Ich schaute hoch zum Himmel und siehe da, es war Gibrīl in der Gestalt eines Mannes, der mit seinen Füßen neben einander am Horizont stand. Wieder sagte er: „Mohammed! Du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gibrīl.“ Ich sah ihn weiter an und das brachte mich von meinem Vorhaben ab; ich ging weder vorwärts noch rückwärts. Da wollte ich meinen Blick von ihm abwenden, aber in welche Richtung ich auch schaute, überall sah ich ihn wieder so stehen. Dort blieb ich so lange, ohne einen Schritt vorwärts oder Rückwärts zu tun, dass Khadīdja schon ihre Boten sandte um nach mir zu suchen; sie kamen bis oberhalb von Mekka, während ich noch am selben Ort stand. Dann verließ er mich.1

Diese Erzählung beschreibt das, was christliche Theologen eine Berufungsvision nennen. Von verschiedenen Propheten wird im Alten Testament erzählt, wie sie anfangs meinen der Aufgabe, die Gott ihnen auferlegen will, nicht gewachsen zu sein.
Moses wird beauftragt sein Volk aus Ägypten ins Land Kanaan zu führen. Er hat einige Ausreden und bringt zum Schluss vor: „Ach Herr! Ich bin kein redegewandter Mann […] denn unbeholfen ist mein Mund und unbeholfen meine Zunge.“ (2. Mose 4:10).

Jesaja sieht eine Ehrfurcht gebietende Vision des Herrn, umgeben von zwei Seraphim. Er ruft aus: „Wehe mir, ich bin verloren! Denn ein Mann mit unreinen Lippen bin ich …“ (Jesaja 6:5).
Jeremia sagt bei seiner Berufung: „Ach Herr, Herr, ich verstehe nicht zu reden; denn ich bin zu jung“ (Jeremia 1:6).
Hesechiel erschrickt gewaltig und fällt beim Anblick einer überwältigenden Vision auf sein Angesicht (Hesechiel 1–3).

Die Propheten haben Recht. Natürlich sind sie nicht im Stande ihre Aufgabe ohne Weiteres zu erfüllen. Aber Gott macht sie bereit und stärkt sie dazu, gibt ihnen seine Worte ein, worauf es dann gelingt. Jesajas unreine Lippen werden mit einer glühenden Kohle vom Altar gereinigt; dann ist er bereit zu prophezeihen. Hesechiel wird von Gott „emporgehoben“; er hat schon eine Schriftrolle zu essen bekommen, „süß wie Honig,“ und ihm wird die nötige Härte verliehen; Mohammed bekommt die Schrift buchstäblich fast in seinen Hals gepresst. Sowohl Hesechiel (Hes. 3:14–15) als auch Mohammed sind nach der Berufungsvision schwer angeschlagen.
Nur der biblische Prophet Jona sagt nicht, dass er kein Prophet sein kann; er weigert sich einfach. Sein Auftrag ist es in die große Stadt Ninive im Irak zu gehen, aber er nimmt ein Schiff in eine andere Richtung—das ist ein anderer Fall. Mohammed passt in die Reihe der anderen Propheten, die sich zunächst unfähig fühlen.

Ich musste etwas nachdenken über die Wörter mā aqra’u in der Erzählung über Mohammeds Berufung, oben übersetzt als: „Ich kann nicht lesen“— wobei wohlgemerkt in der alten Zeit lesen immer bedeutete: laut lesen, rezitieren.
mā aqra’u word manchmal aufgefasst als: „Was werde/soll ich lesen?“, aber naheliegender wäre in dem Fall mā dhā aqra’u, was etwas später kommt. Der Kontrast zwischen zweimal mā aqra’u und einmal mā dhā aqra’u ist beabsichtigt.
mā aqra’u ist in allerlei Varianten des modernen(!) gesprochenen Arabisch ein neutrales: „Ich lese nicht/werde nicht lesen“. In der Schriftsprache war und ist das aber lā aqra’u.
+ Imperfekt. Nach W. Fischer, Grammatik des klassischen Arabisch, Wiesbaden 21987, § 321 „bestreitet mit Impf. den Vorgang oder dessen Möglichkeit: [… ] mā yarāka, ‘er sieht dich gar nicht, kann dich nicht sehen’.“ Die anderen Grammatiken des klassischen Arabisch haben zu diesem Punkt nichts mitzuteilen.

Auf Grund dieses Paragraphen bei Fischer und der obigen biblischen Vorbilder habe ich in der Erzählung über das erste Offenbarungserlebnis die Übersetzung: „Ich kann nicht lesen“ gewählt.

ANMERKUNGEN

1. At-Tabarī, [Ta’rīkh al-rusul wal-mulūk] Annales, hrsg. M.J. de Goeje et al., 14 Bde., Leiden 1879–1901, i, 1150:

قال رسول الله ص: فجاءني [جبريل] وأنا نائم بنمط من ديباج فيه كتاب ، فقال: اقرأ، فقلت: ما أقرأ. فغتني حتى ظننت أنه الموت، ثم أرسلني فقال: اقرأ، فقلت: [ما أقرأ ؟ قال : فغتني به حتى ظننت أنه الموت، ثم أرسلني، فقال: اقرأ، قلت:] ماذا أقرأ؟ ما أقول ذلك إلا افتداء منه أن يعود إلي بمثل ما صنع بي، قال:(اقرأ باسم ربك الذي خلق) ألى قوله (علم الإنسان ما لم يعلم.) قال: فقرأته. قال: ثم انتهى ثم انصرف عني وهببت من نومي ، وكأنما كتبت في قلبي كتابا. قال: ولم يكن من خلق الله أحد أبغض إلي من شاعر أو مجنون، كنت لا أطيق أن أنظر إليهما، قال: قلت إن الأبعد – يعني نفسه – لشاعر أو مجنون، لا تحدث بها عني قريش أبدًا. لأعمدنّ إلى حالق من الجبل فلأطرحنّ نفسي منه فلأقتلنّها فلأستريحنّ.) قال: فخرجت أريد ذلك حتى إذا كنت في وسط من الجبل سمعت صوتا من السماء يقول : يا محمد، أنت رسول الله وأنا جبرئيل. قال: فرفعت رأسي إلى السماء ، فإذا جبريل في صورة رجل صاف قدميه في أفق السماء يقول: يا محمد، أنت رسول الله وأنا جبرئيل. قال: فوقفت أنظر إليهِ فما أتقدم وما أتأخر، وجعلت أصرف وجهي عنه في آفاق السماء فلا أنظر في ناحية منها إلا رأيته كذلك ، فما زلت واقفا ما أتقدم أمامي ولا أرجع ورائي حتى بعثت خديجة رسلها في طلبي ، ختى بلغوا أعلى مكة ورجعوا إليها وأنا واقف في مكاني؛ ثم انصرف عني.

Der häufiger gelesene Ibn Hishām hat die Teile zum Selbstmordvorhaben aus der Vorlage von Ibn Ishāq gestrichen; deshalb zitiere ich hier die Fassung von at-Tabarī, die den ursprünglichen Wortlaut erhalten hat. Dafür hat Ibn Hishām dreimal den Auftrag: „Lies!“ Das zweite Mal habe ich hier zwischen Klammern hinzugefügt. Dreimal ein Auftrag und zweimal eine Weigerung ist klassisch; das gibt es z.B. auch in der Erzählung von der Berufung des Mönchs Cædmon bei Beda Venerabilis.

Diakritische Zeichen: Ḥirāʾ, Ǧibrīl, Quraiš, aṭṬabarī, taʾrīḫ, Hišām, Isḥāq

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Gott erpressen

In einer Erzählung der Prophetenbiografie versucht Mohammed Gott zu erpressen. In der Schlacht bei Badr sieht es eine Weile für Mohammed und seine Kämpfer ganz schlecht aus. Gott hatte Hilfe versprochen, aber diese lässt auf sich warten und der Feind droht die Schlacht für sich zu entscheiden. Darauf betet der Prophet zu Gott und sagte unter anderem: „O Gott, wenn dieser Trupp heute verloren geht, wirst du nicht mehr angebetet!“ Sein Gefährte Abū Bakr findet, dass das zu weit geht und sagt: „Prophet, belästige deinen Herrn nicht ständig mit deinem Gebet! Gott wird bestimmt schon erfüllen, was er versprochen hat.“ Und so geschieht es auch, denn „darauf schlief der Prophet kurz ein und als er aufwachte, sagte er: ,Sei frohen Mutes, Abū Bakr, denn Gottes Hilfe ist gekommen! Hier ist Gabriel und er führt ein Pferd am Zügel mit, das Staub auf seinen Vorderzähnen hat.”’ 1
Hat Gott sich von seinem Gesandten erpressen lassen oder war die Hilfe ohnehin schon unterwegs? Wir wissen es nicht.

Im Dies iræ, einer mittelalterlichen Hymne über das Jüngste Gericht, die noch bis 1971 fester Bestandteil der katholischen Requiem-Messe war, wird Jesus unter Druck gesetzt: Recordare Iesu pie quod sum causa tuæ viæ, ne me perdas illa die …: „Denke daran, lieber Jesus, dass ich der Grund Deines Lebens bin; richte mich an dem Tag nicht zu Grunde!“ Mit anderen Worten: vergib mir meine Sünden und schick mich nicht in die Hölle, denn ohne arme Sünder wie mich hätte es Dich nicht einmal gegeben! Und lass die Mühe Deines Kreuzestodes nicht umsonst gewesen sein: tantus labor non sit cassus.

Ich gehe davon aus, dass diese Art von Erpressung in allen drei westlichen Religionen vorkommt. Bestimmt ist Gott auch in den Diskussionsrunden der Talmudrabbiner gehörig herangenommen worden. Ich werde nicht extra suchen, denn dann findet man nichts, aber ich lasse diesen Beitrag offen für Beispiele, auf die ich irgendwann stoße. Wenn Sie, lieber Leser, eines zur Hand haben oder finden, melden Sie sich bitte.

ANMERKUNG
1. Ibn Ishāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, Hrsg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 444; Übersetzung A. Guillaume, The Life of Muhammad, Oxford 1955, 300.

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Mohammeds Hidschra im Koran

Die Hidschra war die Migration des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Das Datum der Hidschra, der 20. September 622 (oder auch ein anderes), wurde nicht mal zwanzig Jahre später zum Anfangspunkt der islamischen Jahreszählung gemacht. Das Ereignis wurde also als äußerst wichtig betrachtet.

Im Koran kommt das Verbalsubstantiv hidjra nicht vor. Des öfteren ist jedoch die Rede von Menschen, die ausgewandert sind (alladhīna hādjarū), oder kurz von Emigranten (muhādjirūn). Diese sind „zu Gott und seinem Gesandten“ ausgewandert, oder „auf dem Weg Gottes“. Letzteres bedeutet meist Krieg führen: Emigration geht dann mit dem Kampf für die gute Sache einher. Nur einmal deutet der Koran an, dass auch der Prophet ein muhādjir war, und das nur indirekt: In Vers 33:50 ist von weiblichen Verwandten die Rede, „die mit dir ausgewandert sind“.

Von den Emigranten wird im Koran einige Male gesagt, dass sie „aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden“ (ukhridjū min diyārihim). An einigen Stellen wird das auch vom Propheten gesagt, z.B. in Koran 9:40; 47:13.  In 17:76 heißt es: „Und sie hätten dich beinahe aus dem Land verscheucht, um dich daraus zu vertreiben“ und in 9:13 dass sie vorhatten ihn zu vertreiben.

Von welcher Art war Mohammeds Emigration, was war ihr Grund? Der niederländische Orientalist Chr. Snouck Hurgronje bekämpfte 1886 die damals gängige Meinung, die Hidschra sei eine Flucht gewesen.1 Das Wort bedeutet ja nicht Flucht, sondern: „die Beziehungen abbrechen, sich lossagen, seine Stadt oder seinen Stamm verlassen um sich woanders niederzulassen, auswandern“. Snouck zufolge war sie Teil eines Plans, einer Strategie: „Die Hidschra wurde also von Mohammed, wegen seiner im Lauf der Zeit veränderten Auffassung von seiner Sendung, lange im Voraus sorgfältig geplant.“ So ist auch die gängige islamische Darstellung, die bereits bei ‘Urwa ibn al-Zubair zu lesen ist, obwohl bei ihm der Plan, die Strategie natürlich ein Heilsplan Gottes ist. Im großen Ganzen wird es bei den Orientalisten so beschrieben wie bei Snouck.1

Die allgemein bekannte Erzählung von der Hidschra steht nicht im Koran, sondern in den biografischen Texten über Mohammed (sīra) und in Hadithen, selbstverständlich in unterschiedlichen Fassungen; z.B. in zwei kurzen von ‘Urwa3 und in einer ausgearbeiteten Version von Ibn Ishāq.4 In groben Zügen läuft es so: Mohammed und seine Anhänger werden in Mekka gemobbt. Manche Gläubigen emigrieren deswegen nach Äthiopien, die meisten kommen nach einiger Zeit wieder. Versuche unter den Beduinen und in Tā’if Unterstützer zu finden verlaufen im Sande. Eine Gruppe Einwohner von Yathrib (Medina), die zum Jahrmarkt nach Mekka kommt, will sich aber doch auf Mohammed einlassen. Nach zwei Jahren der Verhandlungen und Vorbereitungen reisen erst die Gläubigen ab nach Medina und darauf Mohammed selbst.

Das im Koran verwendete Verb akhradja, „hinauswerfen, vertreiben, ausweisen“, bezeichnet tatsächlich nicht eine Flucht, aber auch keine souveräne Entscheidung abzureisen. In der biografischen Erzählung kommt das „Hinauswerfen“ gar nicht vor—oder nur einmal, aber verneint. Ibn Ishāq hat an seine Version eine Vergrößerung von Koran 8:30 hinzugefügt. In der Erzählung berät der Gemeinderat von Mekka über das, was mit Mohammed zu tun sei: soll man ihn töten, ihn rauswerfen oder ihn einsperren? In der Erzählung wird der Beschluss gefasst ihn eben nicht rauszuwerfen: dann würde er ja außerhalb Verbündete suchen. Nein, sie werden ihn in der Nacht in seinem eigenen Bett töten. Gott warnt Mohammed aber und dieser weiß … zu fliehen. Nach einer spannenden Verfolgungsjagd findet er mit Gottes Hilfe Zuflucht in einer Höhle und erreicht von dort aus Medina. Also doch eine Flucht—aber nur in einer Ergänzung der Hidschra-Erzählung.

Offensichtlich vermieden es die Biografen aus Feingefühl, das koranische Motiv des „Hinauswerfens“ mit Mohammeds Hidschra in Verbindung zu bringen, da diese ihnen zufolge nicht von einer erniedrigenden Initiative der Heiden ausgelöst wurde, sondern auf einem Heilsplan Gottes beruhte und aus selbständigem Handeln seines Propheten heraus erfolgte. Das hört sich erheblich positiver an. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass auch in modernen Betrachtungen ignoriert wird, dass die Hidschra de facto ein Rauswurf war – oder zumindest ganz wie einer aussah.

ANMERKUNGEN
1. In seinem Twee populaire dwalingen verbeterd, Nachdruck in Chr. Snouck Hurgronje, Verspreide geschriften, 6 Bde., Bonn/Leiden 1923–27, i, 295–305. (online hier oder hier).
2. Ein bequemer Überblick steht bei W. Montgomery Watt, Muhammad at Mecca, Oxford 1953, 141–51.
3. In ‘Urwas Brief an Kalif ‘Abd al-Malik (al-Tabarī, Ta’rīkh  i, 1180–1, 1224–5, 1234ff) und in seiner Erzählung bei ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ā’ī, Musannaf STELLE@. S. weiter A. Görke und G. Schoeler, Die ältesten Berichte über das Leben Muḥammads. Das Korpus ‘Urwa ibn az-Zubair, Princeton 2008, 39ff.
4. Ibn Ishāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, Hrsg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 217–223.

Diakritische Zeichen: hiǧra, allaḏīna hāǧarū, muhāǧirūn, uḫriǧū, ʿUrwa, Ibn Isḥāq, Ṭāʾif, aḫraǧa, al-Ṭabarī, Taʾrīḥ, ʿAbd ar-Razzāq aṣ-Ṣanʿāʾī, Muṣannaf

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