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Der Antichrist auf der Insel (übersetzter Hadith) „Ich bin der Messias (masīh); mir wird alsbald erlaubt, auszubrechen und durch das Land zu reisen. Es wird keine Stadt geben, in der ich nicht vierzig Tage verweile, außer Mekka und Taiba, denn diese beiden sind mir verboten.“

Der schreiende Hirsch als Gottesbeweis „Es wird gesagt, dass ein Hirsch, wenn es Schlangen frisst, danach sehr durstig wird, aber trotzdem kein Wasser trinkt, aus Angst, dass das Gift in seinen Körper kriechen und es töten würde.“

Al-Hakim: ein Verrückter auf dem Thron? – 1

In jedem politischen System landet schon mal ein Verrückter auf dem Thron. Nebukadnesar, Nero, Caligula und etliche andere, wie man weiß passiert es auch heute noch. Aus dem arabischen Kulturkreis kann ich Ihnen den Kalifen al-Ḥākim (geb. 985, reg. 996-1021) anbieten, der aus seiner Hauptstadt Kairo heraus über ein Reich herrschte, das sich von Tunis bis in den Norden des heutigen Syriens erstreckte. Er gehörte zur Dynastie der Fāṭimiden, die schiitisch war nach ismailitischem Bekenntnis (die „Siebener-Schiiten”). Für sie hatte ein Kalif—oder ein Imam, wie sie ihn lieber nannten—absolute Macht und war so etwas wie ein Demiurg oder Messias.
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Dass al-Ḥākim geisteskrank war, meinte bereits Yaḥyā al-Anṭākī, ein christlicher Arzt und Historiker, der in Ägypten lebte, bis er das Land 1014  entfloh. Er attestierte dem Kalifen Gehirnkrämpfe und Melancholie. Wie machte sich al-Ḥākims Geistesstörung bemerkbar? Er folgte seinem Vater auf dem Thron als er elf Jahre alt war. Mit fünfzehn wollte er nicht länger von seinem Vormund, dem Eunuchen Barǧawān, gegängelt werden; er ließ ihn während eines gemeinsamen Spaziergangs ermorden. Das war die erste Äußerung seiner blutrünstigen Neigungen. Ein schönes Kind soll er eigenhändig getötet und ausgeweidet haben; einen Diener soll er persönlich mit einem Hackebeil umgebracht haben, aber meistens überlies er dass Töten seinen Sklaven.
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Al-Ḥākim versuchte sein Reich in Ordnung zu bringen indem er Korruption und Machtmissbrauch am Hof und in den Verwaltungsorganen bekämpfte. Was anfangs vielleicht als eine gutgemeinte Säuberungsaktion erschien, erwies sich bald als ein Terrorregime. Der Kalif mochte Schnellverfahren und das Strafmaß war oft die Todesstrafe; dabei wurden Minister und hohe Beamte nicht verschont. Er hatte ja die absolute Macht, und jemand umbringen zu lassen war kinderleicht, wie er früh gelernt hatte. Während seiner Regierung sind unzählige Menschen, gerne auch aus der Elite, standrechtlich verurteilt und hingerichtet worden. Beim „Volk“ war er aber beliebt, und er war sogar bekannt für seine Zugänglichkeit und Gerechtigkeit.
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Mehr als die Hälfte der Einwohner Ägyptens zu jener Zeit waren Christen; Juden gab es ebenfalls. Die meisten Muslime waren Sunniten, während der Herrscher Schiit war. Weil viele Verwaltungsfunktionen in christlichen Händen waren, fielen seinen „Säuberungen“ viele Christen zum Opfer. Der Kalif ließ auch Kirchen, Klöster und gelegentlich eine Synagoge zerstören. Er enteignete die Besitztümer seiner Mutter und Schwester und ließ seinen Onkel Arsenios im Jahr 1010 sogar meucheln; der war der griechisch-orthodoxee Patriarch von Alexandrien und Jerusalem. Seine Mutter war nämlich eine Christin, und zwar eine griechisch-orthodoxe: orientiert an Konstantinopel — dem Feind! Es fanden erzwungene Bekehrungen zum Islam statt — obwohl der Koran das verbietet. Christen und Juden sollte erniedrigende, sie von den Muslimen absetzende Kleidung tragen, und sogar luacherlich große Unterscheidungsmerkmale im Badehaus. Spektakulär war die Zerstörung der Grabkirche in Jerusalem 1009, die in Europa noch Jahrzehnte nachhallte und mit zum ersten Kreuzzug führte. Einige Jahre später war alles wieder anders: Zerstörte Kirchen durften wiederaufgebaut werden, manche sogar auf Staatskosten. Zwangsbekehrte Christen und Juden durften, falls sie das wünschten, zu ihrer alten Religion zurückkehren.
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Ab 1003 regnete es Dekrete (siǧillāt), die die Sittlichkeit in Ägypten verbessern sollten. Als junger Mann hatte der Kalif sich noch gerne an den Volksfesten in Fusṭāṭ (Alt-Kairo) beteiligt. Die Christen, die dort wohnten, tranken gerne Wein und oft kam es zu Ausschreitungen. Es hatte ihm gefallen zuzuschauen, wenn Männer in der Straße aneinander gerieten, sogar wenn es in eine blutige Schlacht zwischen Gruppen ausartete. Aber eines Tages meinte al-Ḥākim, dass es die Unordnung und die Gewaltaus dem Ruder lief. Per Dekret verbot er den Ausschank von Wein und die Teilnahme von Frauen am Nachtleben; sie sollten abends lieber zu Hause bleiben. Laut einem späteren Dekret sollten sie das auch tagsüber, es sei denn mit einer Sondergenehmigung, wenn es wirklich nötig war. Spazierfahrten auf dem Nil wurden verboten; später durften auch Männer nicht mehr abends auf die Straße: das ganze Nachtleben kam zum Erliegen. Wein und alles, was damit zu tun hatte, wie Kruge usw. wurden öffentlich vernichtet, Kneipen wurden zugemacht, Reben entwurzelt; sogar die Honigproduktion wurde gedrosselt damit die Leute nicht in Honigwein Zuflucht suchen konnten. Musik, Schach und Ausritte in die Wüste wurden verboten, wie auch Erker an der Straße und sogar mulūḫīya, ein Gemüse, das Mu‘awiya, der bei den Schiiten so verhasste Rivale ʿAlīs, gerne gegessen hatte.
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Aber auch sunnitische Muslime wurden nicht verschont. Man machte ihnen klar, dass sie immer einer Irrlehre angehangen hatten, und sie wurden aufgefordert sich zu bekehren. Es wurden Kurse zum schiitischen Glauben gegeben, bald waren die Hörsäle zu klein, so viele Sunniten wollten dorthin, um ihren Job oder ihr Leben zu behalten. Mit allerlei Dekreten über Speisen und Details des Kultus wurden sie weiter belästigt. Erst in al-Hakims letzten Regierungsjahren, als der Kalif eher zur Mystik neigte, wurde aber der sunnitische Glaube wieder anerkannt, und fast sah es nun so aus, als wäre die Schia gar nicht mehr so wichtig.
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Wenn ein Dekret des Kalifen nicht befolgt wurde oder unausführbar war, wie etwa das Alkoholverbot, zog er es zurück und versuchte es später noch mal. Oft genug aber wurden Dekrete auch „einfach so“ zurückgezogen, weil der Kalif auf andere Gedanken gekommen war. Er war tatsächlich bekannt für seine Launenhaftigkeit. Manch Untertan entschloss sich, wenn eine neue Anordnung in der Luft lang, eine Zeitlang aufs Land zu ziehen, wenn möglich in Besitz eines Schutzbriefs (amān).
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In seinen letzten Jahren wurde al-Ḥākim Asket. Er fühlte sich den Mystikern verwandt, trug vor lauter Bescheidenheit ein schlichtes, selten gewaschenes Gewand und machte oft nächtliche Ausritte auf einem Esel. Beim Volk wurde er noch beliebter, weil er viele Staatseigentümer verschenkte. Der stark verkleinerte Hof fragte sich inzwischen, ob der Kalif überhaupt noch zurechnungsfähig sei. Der stark verkleinerte Hof fragte sich inzwischen, ob der Kalif überhaupt noch zurechnungsfähig sei. Der ließ unterdessen einen Propagandisten in seinem Palast wohnen, der dort an einem Buch arbeitete, in dem er die Göttlichkeit des Kalifen nachwies. Dieser hinderte ihn nicht daran.
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Im Februar 1021 unternahm al-Ḥākim eines Abends wieder einen einsamen Ausritt auf seinem Esel, auf einem Hügel etwas außerhalb von Kairo. Diesmal kam er nicht zurück. Nach einigen Tagen wurden seine blutige Kleidung und den Esel gefunden. Anzunehmen ist, dass er ermordet worden war. Ein verschwundener Imam: eine in schiitischen Augen vertraute und schöne Vorstellung.
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Bis hierher habe ich das traditionelle Bild von al-Ḥākim wiedergegeben, wie es beispielsweise Marius Canard in einem Artikel, der 1971 in der Encyclopaedia of Islam erschien, zusammengefasst hat. Aber entspricht es die Fakten? Ist das alles wirklich so geschehen? Das Fāṭimidenreich war damals stark und reich; wie kann es von einem unberechenbaren Verrückten regiert und in dessen Herrschaftszeit sogar noch sein Territorium ausgedehnt haben? Wie so oft sind Gelehrte auf den Plan getreten, die das Bild nuanciert, neue Fakten entdeckt und alte als fake news entlarvt haben. Es gibt aber auch parteiische Autoren, die al-Hakim nicht nur weniger verrückt machen wollen, sondern ihn regelrecht in den Himmel loben. Er soll einer der besten Kalifen überhaupt gewesen sein. Und als wäre das noch nicht genug, hat auch die Volkserzählkunst sich seiner bemächtigt. Dazu mehr in der nächsten Lieferung.

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Wird fortgesetzt

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Fünfzehn populäre Irrtümer zum Islam

In der Anti-Islamhetze, die immer heftiger wird, werden enorme Mengen Desinformation verbreitet. Am Vorabend der faschistischen Machtergreifung schadet es vielleicht nicht Ihnen einige Korrekturen für die dunklen Jahren mitzugeben.
Wer hier öfter liest, weiß, dass einige Themen schon ausführlicher behandelt wurden. Ich verweise mit Links auf die jeweiligen Webseiten.

„Der Islam sagt ….“
Der Islam ist weder eine Person noch eine Rechtsperson. Er kann nicht reden, er kann nicht tun. Sätze wie: Der Islam ist kriegslüstern, der Islam ist Frieden, der Islam unterdrückt Frauen, der Islam ist ganz lieb für Frauen, der Islam sagt … sind unsinnig.
Der Islam will/kann/verbietet/befiehlt nichts, ist weder Frieden noch Krieg; es sind immer Muslime die etwas tun oder sein lassen. Von Ihnen gibt es mehr als eine Milliarde, die nicht alle dasselbe wollen oder tun.

„Der Islam ist keine Religion, sondern eine Ideologie.“
Wenn man den Islam zur Ideologie erklärt, könnte er vielleicht in manchen Umgebungen bekämpft oder gar verboten werden. Eine Religion verbieten ist schwieriger; die meisten Verfassungen enthalten ja einen Artikel über Religionsfreiheit.
Aber im Islam wird die Hauptrolle gespielt von einem Gott, der die Welt erschaffen hat und sie erhält, der von Ewigkeit an eine heilige Schrift bei sich hatte, die er seinen Propheten offenbart hat, und der am Ende der Zeiten die Menschheit richten wird.
Solch eine Weltanschauung nennt man generell Religion. Wenn der Islam keine Religion ist, sind Judentum und Christentum es ebenfalls nicht. Diejenige, die rufen „Der-Islam-ist-(nur)-eine-Ideologie!” wollen meist Religionsfreiheit predigen für die beiden letzten und Ideologieverbot für den Islam.

„Aber der Koran sagt doch …?“
Was steht im Koran? Wie alle heiligen Schriften „sagt“ der Koran ungefähr alles, aber auch sein Gegenteil. Er enthält Botschaften von Liebe und Hass, von Krieg und Frieden, von Unbarmherzigkeit und Erbarmen. Es hat also keinen Sinn nach der Art von Jehovas Zeugen allerlei Debatten zu führen auf Basis von einigen einseitig gewählten Koranversen.
Überdies steht ganz viel gar nicht im Koran. Das Buch enthält nur einen Teil der islamischen Glaubensüberzeugungen und des islamischen Rechts (Scharia).
Nicht im Koran stehen unter anderen: Scharia, Kalifat, die Bestrafung im Grab, Märtyrer gehen direkt ins Paradies, 72 Jungfrauen, Hunde und Katzen, das Bilderverbot, fünf mal am Tag beten, Steinigung. Interpretationsabhängig sind: die Bedeckung der Frau, das Alkoholverbot und vieles mehr.
Achtung: wenn etwas nicht im Koran steht, ist es deshalb nicht umislamisch.

„Mohammed war …“
Tausende Textseiten berichten vom Handeln des Propheten Mohammeds, aber eine Wert als Quelle für wissenschaftliche Geschichtsschreibung haben die nicht. Mit Hilfe dieser Texte kann sich jeder den Prophet basteln, den ihm oder ihr gefällt: ein strenger Richter, ein milder Richter, kriegslüstern, friedfertig, frauenfeindlich oder eben nicht, väterlich, gnadenlos, sittlich hochstehend oder vielmehr egozentrisch, ein Held, ein Kinderschänder, menschlich-allzu-menschlich, immer kompromissbereit oder vielmehr unbiegsam: die Wahl ist Ihnen!
Zum historischen Mohammed ist nur ganz wenig bekannt. Einige frühe Texte über ihn datieren auf sechzig (!) Jahre nach seinem Tod; die meisten sind erheblich jünger. So wissen wir überhaupt nicht, ob er ein kleines Mädchen heiratete. Dazu gibt es nur einen kurzen Text mit einigen Varianten, der nicht so heilig ist, das Muslime ihn unbedingt für wahr halten müssen, und Nichtmuslime ohnehin nicht. Ein anderes Beispiel: die Erzählungen über die Ausrottung jüdischer Stämme durch Mohammed sind schon 2008 als Fiktion entlarvt worden. 

„Der Koran ist das Werk Mohammeds.“
Keineswegs. Dass der Koran von Gott in Lieferungen während zwölf, dreizehn Jahren dem Propheten Mohammed offenbart wurde, ist nicht nachgewiesen. Aber dass er von Mohammed geschrieben wurde, wie in Europa lange angenommen wurde, ebenfalls nicht. Ganz früher hieß es in Europa: der Koran könne nicht von Gott stammen, denn er ist der Gott der Bibel; Mohammed habe das Buch mit bösen Absichten selbst erfunden. Spätere Orientalisten meinten, dass Gott nicht existiere und dass also Mohammed der Verfasser sein müsse, weil er am nächsten an der Entstehung des Textes heran war. Er habe den Koran selbst geschrieben, allerdings in Anlehnung an die jüdische und christliche Tradition.
Mit einer göttlichen Offenbarung können moderne Forscher nichts anfangen, aber mit der Autorschaft Mohammeds auch immer weniger. Die meisten von ihnen betrachten den Koran als einen anonymen Text, oder vielmehr als eine Sammlung unterschiedlicher Textgattungen, die möglicherweise aus verschiedenen Quellen stammen.
Die Sammlung dieser Texte in ein Buch fand statt zwischen ca. 650 en 700. Ohne Zweifel waren davor schon Teile in Umlauf. Diese spielten bestimmt eine wichtige Rolle bei der schnellen gesellschaftlichen Wandlung in Arabien, bei der Vereinigung der arabischen Stämme und den enormen arabischen Eroberungen ab 632. Wie genau ist nicht bekannt.

„Der Islam ist im Mittelalter hängen geblieben.“
Der Nahe Osten hat nie ein Mittelalter gekannt. Als in Europa das frühe, angeblich „dunkle“ Mittelalter anfing, ging drüben die Antike einfach weiter. Es brach eine Blütezeit an, in der die islamische Welt Europa bei weitem voraus war: in Industrie, Handel, Wirtschaft, Bankwesen, Wissenschaft, Medizin, Recht, Philosophie und sogar Theologie. Allerdings geriet die islamische Welt in späteren Jahrhunderten allmählich in Verfall, durch neue Handelsrouten (Amerika; Kap der Guten Hoffnung), durch veraltete Bewaffnung und Schiffbau und durch koloniale Machtausübung aus Europa. Aber diese oder irgendeine frühere Zeit mittelalterlich zu nennen wäre nicht richtig; der Begriff passt nur zur europäischen Geschichte, und vielleicht sogar dazu nicht.

„Der Islam ist eine Wüstenreligion.“
Das Ursprungsgebiet und die Westhälfte des Verbreitungsgebiet des Islams ist ein arider bzw. halb-arider Gürtel, in dem es tatsächlich viele Wüsten gibt. Aber dort wohnt niemand permanent; wohlweislich wohnt man in den fruchtbaren Gebieten, die es durchaus gibt: in den Flusstälern und –deltas, und natürlich in Städten. Die nomadischen Wüstenbewohner, die Beduinen, waren von alters her meist wenig zu Religion geneigt; das wird schon im Koran beklagt.
Der Islam stammt zum Teil aus der Stadt Mekka, zum Teil aus der Oase Medina, hat um 700 in Syrien erst richtig Form bekommen und wurde ein Jahrhundert später noch mal richtig umgearbeitet im Irak. Später bekam jede Periode und jede Gegend seine eigene Gestaltung des Islams.

„Steinigen ist eine mittelalterliche Bestrafung“
Nein, Steinigen aufgrund eines Urteils nach einem Rechtsgang wird erst seit dem zwanzigsten Jahrhundert, vor allem seit 1979, in einigen Staaten ausgeübt. Momentan ist es wieder rückläufig, wahrscheinlich weil es sich als eine recht unpraktische Methode der Hinrichtung entpuppt hat. Vor dem zwanzigsten Jahrhundert wurde nicht aufgrund eines Urteils gesteinigt. Zwar wird die Steinigung im Fall der Unzucht in einigen alten Rechtsquellen unzweideutig empfohlen, aber die Rechtsgelehrten wussten sie zu umgehen mit Hilfe anderer Rechtsquellen und schlauer Rechtskniffe: Leben und leben lassen war immer das Hauptziel der Scharia. Forschung hat nur einen Steinigungsfall im Osmanischen Reich ans Licht gebracht, ca. 1670. Der verantwortliche Richter wurde sofort abgesetzt; der Chronist, der davon berichtete, war empört. 

„Der Islam braucht eine Aufklärung.“
Manchmal wird behauptet, dass es mit „dem Islam“ ohne einen Prozess der Aufklärung nie mehr etwas wird. Aber im neunzehnten Jahrhundert war die Aufklärung im Nahen Osten schon bekannt geworden. Die Einwohner des Osmanenreichs spürten, dass sie im Vergleich schwach waren, sowohl militärisch wie auch kulturell. Um aufzuholen fingen sie an Europa nachzueifern. Aber auf Dauer stellte sich heraus, dass eben die Gradlinigkeit der Aufklärung, mit ihrer Unzweideutigkeit, ihrer klaren Sprache und ihren kodifizierten Gesetzen (Code Napoléon), die Muslime dazu gebracht hat, den flexiblen Umgang mit ihren alten Texten über Bord zu werfen und sie fortan alle wortwörtlich nehmen zu wollen, ohne ein Auge zu haben für alternative Interpretationen. Die Ambiguitätstoleranz, die von alters her ein Merkmal der islamischen Kultur war, ist in den vergangen zwei Jahrhunderten zum Großteil verloren gegangen. Der Nahe Osten wurde ein flaches und zweitrangiges Europa-Imitat.
Muslime haben die Aufklärung durchaus kennen gelernt, aber sie ist ihnen schlecht bekommen.

„Der Islam ist das Werk von Mohammed.“
Glauben Sie das selbst? Der arme Mann wäre fassungslos gewesen, wenn er hätte sehen können, was Muslime nach seinem Tod daraus gemacht hatten. Der Islam ist natürlich nicht fix und fertig aus dem Himmel gefallen, sondern hat sich entwickelt. Mohammed hat nicht mehr erlebt, wie Araber sofort nach seinem Tod die halbe Welt eroberten und demzufolge schon bald die koranische Furcht vor dem Jungsten Gericht vergaßen. Wie unterschiedliche Gruppen sich in Bürgerkriegen bekämpften eben so wenig. Und wie der Kalif ‘Abd al-Malik ca. 695 seinen eigenen Islamentwurf in die Welt setzte, indem er sich vom Christentum verabschiedete und die frühislamische Geschichte niederschreiben ließ. Und wie noch hundert Jahre später die Schriftgelehrten (‘ulamā’) ihren Platz im Staat erkämpft hatten, auf Kosten der Autorität des Kalifen. Auch von Schiiten und vom Aufstieg der Sufi-Mystik, die immerhin mehr als tausend Jahre das Bild des Islams prägte, hatte der Prophet nicht die leiseste Ahnung.

„Die Scharia ist das Gesetz des Islams.“
Nein, die Scharia ist islamisches Recht; das ist etwas anderes. Sie regelt alle Beziehungen zwischen Gott und Mensch und zwischen den Menschen unter einander; somit ist sie umfassender als europäisches Recht. Auch Glaubenslehre, Ethik und gute Manieren sind darunter begriffen.
Die Scharia ist kein Gesetz, nicht kodifiziert und sicherlich kein Buch, das jemand für die Ewigkeit niedergeschrieben hätte. Fragen wie: „Was sagt die Scharia zu …? Was steht in der Scharia? Wer hat die Scharia geschrieben?“ sind also sinnlos. Die Scharia sagt nichts, sondern muss in den Rechtsquellen gefunden werden, d.h. in Koran, Hadith und Jurisprudenz. Sie ist also dem Wandel unterworfen, wenn auch Rechtsgelehrte sich nur allzu oft mit dem begnügen, was ihre Kollegen vor Jahrhunderten schon gefunden hatten. Das muss aber nicht so sein. Der Umfang, die große Verschiedenheit der Rechtsquellen und ihre Empfänglichkeit für unterschiedliche Interpretationen machen Erneuerung möglich.
Die Frage, inwieweit man den Alten folgen muss oder die früher bereits gelösten Rechtsfragen noch mal aufs Neue aufrollen kann, ist seit mehr als einem Jahrhundert das wichtigste Diskussionsthema in der ganzen islamischen Welt. Die Diskussion wird aber abgebremst durch 1. das Auftreten von Salafisten, Wahhabiten, ISIS, u. dgl.; 2. die fortwährende Hetze durch ihre Verbündeten: die Islamhasser und Islamophoben.
Die Scharia war übrigens nie irgendwo das einzig geltende Recht. Dazu wäre sie auch ungeeignet.

„Eine Fatwa ist ein Todesurteil.“
Nö. Eine Fatwa ist im sunnitischen Islam ein nicht verbindliches, gelehrtes Gutachten auf dem Gebiet der Scharia. Eine Fatwa wird von einem Mufti abgegeben auf Verlangen von Richtern, Privatpersonen und manchmal von Behörden. Der Empfänger kann die Fatwa außer Acht lassen, wenn er das wünscht. Scharia ist islamisches Recht, aber auch mehr als Recht: das verlangte Gutachten kann deshalb auch auf dem Gebiet der Ethik, der guten Sitten und der Glaubenslehre liegen.
Wer sich nicht persönlich an einen Mufti wenden mag, kann Fatwa-Sammlungen von bekannten Schariagelehrten aus früher oder neuerer Zeit lesen, oder sich eine Fatwa über das Internet einholen, siehe z.B. dieses Portal.
Seit der Rushdie-Affäre (1989) ist das Wort Fatwa auch in Deutschland verbreitet, wird aber oft falsch verstanden. In der Phrase: „eine Fatwa über jemanden verhängen“ hört es sich fast an wie ein Todesurteil. Aber ein Gerichtsurteil ist es eben nicht, geschweige denn ein Todesurteil.

„Der Islam kennt keine Trennung von Kirche und Staat.“
Bei Mohammed selbst war der Staat noch wenig entwickelt, aber wahrscheinlich gab es solch eine Trennung tatsächlich nicht, und bei den ersten gewählten Kalifen (632-661) ebenfalls nicht.
Bei den Umaiyadenkaliefen (661-750) gab es sie offensichtlich noch immer nicht. Ihre Sunna (=Verhalten, Brauch, gewohnte Handlungsweise) sollte man unbedingt befolgen; davon hing ja das Seelenheil ab. Über sie sangen die Dichter, dass sie Regen brachten, die Ernte gelingen ließen, Recht und Gerechtigkeit etablierten— alles in der besten altorientalischen Tradition des Gott-Königs.
Widerstand gegen die Umaiyadenkalifen kam ab c. 700 u.a. von den „Menschen der Sunna und der Gemeinde, die die eigenmächtigen Sunnas der verhassten Kalifen mit der des Propheten ersetzen wollten. Anfangs wusste niemand, wie dessen Sunna aussah, aber daran wurde gearbeitet: im Lauf des Jahrhunderts wurden die Schriftgelehrten (‘ulamā’) immer mehr, und die Anzahl der Überlieferungen „des Propheten“ (Hadithe) wuchs noch schneller, bis es eine prophetische Alternative gab für die Sunnas der Kalifen. Nach 750 spielten die ersten Abbasidenkalifen noch einige Zeit weiter Gott-König, aber ca. 850 mussten sie sich ergeben. Gegen die Sunna des Propheten, wie fiktiv auch immer, konnten sie nicht ankämpfen; die inzwischen überall vordringenden Schriftgelehrten übernahmen die geistliche Macht. Seitdem gibt es durchaus eine Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht.
Außer bei den Schiiten, aber die hatten meistens gar keinen Staat, so dass man es nicht so merkte.

„Märtyrer bekommen im Paradies zweiundsiebzig Jungfrauen.“
Ach! Es gibt nur einen seltenen Hadith, in dem das beiläufig erwähnt wird. Etwas fester in der islamischen Tradition verankert ist dieser Hadith:
„Das Erdreich ist noch nicht trocken vom Blut eines Märtyrers, da kommen schon seine beide Gattinnen herbeigeeilt, wie Kamelstuten, die ihre Jungen in einem weiten Land verloren haben…“
Hier werden nur zwei Frauen erwähnt, deren Verlangen nach den Märtyrern mit dem Mutterinstinkt (!) von Kamelstuten verglichen wird. Noch häufiger sind Texte wie diese:
Der Prophet hat gesagt: „Als eure Brüder in Uhud gefallen waren, tat Gott ihre Seelen in das Innere grüner Vögel, die aus den Flüssen des Paradieses trinken, von seinen Früchten essen und nisten in goldenen Lampen im Schatten von Gottes Thron…“
Diesem Text zufolge ist ihr Aufenthaltsort also sehr nahe bei Gott, aber Jungfrauen gibt es an dem Ort wohl nicht. In ihrem Zustand würden sie mit ihnen auch nichts anzufangen wissen.

„Der Islam ist gegen Schwule.“
Wer der Islam ist, weiß ich noch immer nicht. In Bücher islamischer Rechtsgelehrter werden auf jeden Fall homosexuelle Handlungen scharf verurteilt. Handlungen, wohlgemerkt. Homosexualität als Krankheit bzw. Orientierung sind europäische Einfälle aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert.
Im wirklichen Leben dagegen gab es in der islamischen Welt eine für Europäer unglaubliche Toleranz. Bis in den höchsten Kreisen, bis am Hof des Kalifen; können Sie sich das in einem europäischen Fürstenhaus vorstellen? Die strengen Bücher ließ man einfach geschlossen. Die umfangreiche arabische Liebespoesie handelte überwiegend über Männerliebe. Frauen gab es für die Ehe und die Fortpflanzung, tiefe Gefühle hatte man für Männer, Sex auch mit Jungen.
Im neunzehnten Jahrhundert änderte sich das, als man anfing den Westen zu imitieren. Das viktorianische England lehnte Homosexualität rigoros ab. Wo möglich setzten britische Behörden strenge Gesetze in Kraft; auch wo das nicht geschah schlug die Haltung um in Ablehnung. Noch etwas später fing man an die eigenen alten juristischen Texte wortwörtlich zu nehmen und sogar anzuwenden; Unzweideutigkeit war ja modern. Das führte zu harten Strafen für Verhaltensweisen, die früher jeder hingenommen hätte.
Es war einfach Pech für die islamische Welt, wie auch für Indien, China und Afrika, dass ausgerechnet das sexuell ungeschickte England und Europa den Ton angaben. Es hat tiefe Spuren hinterlassen.

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Mohammed und Aischa (Kurzfassung)

(Wer ausführlicher zu diesem Thema lesen möchte, kann das hier tun)

Dass der Prophet Mohammed seine Lieblingsfrau Aischa als sechsjähriges Mädchen geheiratet und die Ehe mit ihr vollzogen haben soll, als sie neun war, ist immer wieder ein Stein des Anstoßes. Islamkritiker und -hasser nehmen es zum Anlass, den Propheten als Pädophilen zu beschimpfen. Viele Muslime fühlen sich dabei unbehaglich, si efinden Kinderehen genau so scheußlich wie Nichtmuslime und wissen oft nicht, wie sie auf die Kritik reagieren sollen.
Die Geschichte beruht auf nur einer Überlieferung, die auf den berühmten Überlieferer ʿUrwa ibn az-Zubair zurückgeführt wird, den Neffen Aischas. Sie lautet: „Es erzählte Aischa, dass der Prophet sie heiratete, als sie sechs Jahre alt war; sie wurde in sein Haus gebracht, als sie neun Jahre alt war, und dann blieb sie neun Jahre bei ihm.“
Von diesem Hadith gibt es einige Ausarbeitungen, etwa die, in der erzählt wird, wie das Mädchen mit Freundinnen auf der Schaukel spielte, dort von seiner Mutter abgeholt, zurechtgemacht und dem Propheten übergeben wurde. Dieser Text ist um die wenigen Informationen der Überlieferung herum gebaut: Heirat mit sechs, Ehevollzug mit neun. Anderen Texten zufolge spielte Aischa nach ihrer Heirat noch mit Puppen; ihre kleinen Freundinnen durften spielen kommen. Auch diese Texte bieten human interest zum kargen Basis-Hadith.
Aber war Aischa wirklich so jung? Das weiß kein Mensch. Nichtmuslimische Arabisten und Historiker gehen zunehmend davon aus, dass die „biografischen“ Texte über Mohammed als historische Quellen nicht verwertbar sind. Über den Propheten ist ihnen zufolge sehr wenig bekannt und über Einzelheiten aus seinem Privatleben schon gar nichts.
Aber warum ist dann der oben zitierte Hadith zustande gekommen? Auffällig ist, dass der Text nichts erzählt, sondern sich nur für die Daten und das Heiratsalter der Aischa interessiert. Hadithe sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Juristen zugeschnitten, sie enthalten entweder eine Aussage des Propheten oder einen Bericht über eine (normative) Handlungsweise von ihm. Daneben gibt es in den kanonischen Sammlungen auch rein erzählende Hadithe, weil sie, vielleicht nebenbei, eine vorbildliche Handlungsweise des Propheten beschreiben oder zeigen. Oder eine Erzählung war so beliebt, dass man sie einfach nicht entbehren mochte. Aber rein chronologische Mitteilungen wie die obige sind in der Hadith-Literatur eine Rarität.
Um den Hintergrund dieses Hadithes zu verstehen, muss man „die ganze Aischa“ einbeziehen: ihre Herkunft aus dem frühislamischen „Verdienstadel“, ihren Konflikt mit ʿAlī und die Verleumdungskampagne gegen sie seitens der entstehenden Schia. Und auch den Erzähler sollte man im Auge behalten: ʿUrwa ibn az-Zubair, den Historiker der besagten Elite, der er auch selbst entstammte.

Aischas Herkunft
Aischas Vater war Abu Bakr, einer der ersten Anhänger Muhammads und der erste Kalif. Er war ein prominentes Mitglied des „Verdienstadels“, in dem große und frühe Taten für die neue Bewegung zählten. Neben Abu Bakr gehörten die anderen drei „rechtgeleiteten“ Kalifen ʿUmar, ʿUṯmān und ʿAlī dazu, weiterhin Personen wie az-Zubair – der Vater des Überlieferers ʿUrwa ibn al-Zubair. Im Laufe des 7. Jahrhunderts spalteten sich aber eine Gruppe ab, die sich aus der Sicht dieser Elite irgendwie danebenbenahm: ʿAlī, seine Nachkommen und die seiner Partei (Schia). Die Sippe der Umaiyaden übernahm nach ʿAlīs Tod die Macht; was vom ursprünglichen Verdienstadel Elite übrigblieb, war zum baldigen Aussterben verurteilt.

Die Verleumdung
Trotz – oder wegen – ihrer Stellung als Lieblingsfrau des Propheten war Aischa nicht überall beliebt. Eine bekannte Skandalgeschichte erzählt, wie sie, als frisch Verheiratete, auf einer Reise versehentlich kurz alleine in der Wüste zurückgelassen worden sei; später habe ein Mann sie gefunden und zurückgebracht. Hatte dieser sich an ihr vergangen? Es gab eine Faktion, die eifrig dieses Gerücht verbreitete. Auch Muhammads Vetter und Schwiegersohn ʿAlī soll unter den Verleumdern gewesen sein und dem Propheten sogar vorgeschlagen haben, Aischa gegen eine andere Frau einzutauschen. Wegen dieses Gerüchts mied der Prophet Aischa einige Zeit. Die Erzählung, in der diese Verleumdung sogar mit Hilfe von Koranversen entkräftet wird, stammt von demselben ʿUrwa, der auch den Hadith zu ihrem Heiratsalter in die Welt gesetzt hat. (Siehe auch hier.)

Der Konflikt
Woher kam diese Gehässigkeit Aischa gegenüber? Nach dem Tod des Propheten war sie politisch aktiv geworden und hatte sich (unter anderem zusammen mit az-Zubair) gegen ʿAlī, seit 656 Kalif, gestellt. Sie hatte sogar an einer Schlacht gegen ihn teilgenommen, der „Kamelschlacht“, benannt nach dem Kamel, auf dem sie die Kriegshandlungen beobachtete. Worum ging es dabei? ʿAli war wohl aus der Reihe getanzt. Er regierte im irakischen Kufa statt in Medina; er kümmerte sich wenig um die Bestrafung der Mörder seines Vorgängers Uthman; seine Popularität bei den Soldaten, die von ihm Zuwendungen empfingen, konnte den „Adel“ nicht beeindrucken, im Gegenteil. Kurzum, er benahm sich nicht, wie es von einem Mitglied der frühen Elite erwartet wurde.
Die Kamelschlacht gewann ʿAlī. Es ist verständlich, dass Aischa danach bei ihm und seinen („schiitischen“) Anhängern besonders unbeliebt war. Nach ʿAlīs Tod 661 verschärfte der Konflikt sich noch, weil die Schia das Kalifat für seine Söhne beanspruchte und generell eine Erbfolge im „Haus des Propheten“ befürwortete. Mit diesem Standpunkt konnte Aischa sich unmöglich anfreunden, da ihre Ehe mit dem Propheten kinderlos geblieben war.
Oft hört man: Kein Wunder, dass Aischa später so bitter auf Kriegsfuß mit ʿAlī stand. Sie hat ihm seine feindselige Haltung bei dem Skandal nie vergeben können. Das Umgekehrte ist wahrscheinlicher: Die Schia hasste Aischa aus politischen Gründen und beschmutzte rückwirkend ihre Ehre, indem sie ihre Keuschheit als noch junge Ehefrau anzweifelte. Es ist denkbar, dass die Verleumdungskampagne erst spät in ihrem Leben oder sogar erst nach ihrem Tod 678 stattgefunden hat.

Was aber soll das junge Alter? Schon ʿUrwas Bericht in der Verleumdungsaffäre hatte Aischas Ehrbarkeit (allzu) energisch verteidigt. Die Überlieferung zum Heiratsalter will diese sogar noch steigern, in ebenfalls übertriebener Manier. So wird Aischa jünger und damit keuscher denn je. Dass sie als Neunjährige ins Ehebett gestiegen sein soll, dient allein der Feststellung, dass sie in jenem Augenblick auf jeden Fall noch Jungfrau war. Danach wurde ihre Keuschheit von dem Propheten, ihrem Mann, garantiert. Das Ganze ist eine Reaktion auf die außerordentliche Gemeinheit der Verleumdung und passt zu ʿUrwas Bestreben, die Familie Abu Bakrs zu verherrlichen.

Soweit die Betrachtungen eines nichtmuslimischen Orientalisten. Viele Muslime werden das anders sehen. Ihnen zufolge ist durchaus viel zum Propheten bekannt und Hadith-Texte halten sie oft für historische Quellen. Aber das frühe Heiratsalter der Aischa ist auch für sie oft unverdaulich.

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Wie ich oben beschrieben habe, gibt es zur Ehe Mohammeds mit dem Kind Aischa nur einen Kerntext mit einigen Varianten und Ergänzungen. Muss man wirklich glauben, dass dieser von Tatsachen berichtet und als Quellen für Geschichtsschreibung verwendet werden kann? Ein moderner Nichtmuslim muss das natürlich nicht. Konservative Muslime dagegen, die nicht mit moderner Literaturwissenschaft vertraut sind, hegen nicht den geringsten Zweifel an der Geschichtlichkeit dieses Hadiths. Islamhasser tun das ebenfalls nicht: nach ihrer Meinung war Aischa neun, als sie entjungfert wurde und somit war Mohammed ein Pädophiler und ein perverser Kinderschänder. Je schwärzer der Islam, desto angenehmer ist ja das Kämpfen gegen ihn.

Im Prinzip glaubt aber nicht nur die konservative Minderheit, sondern die Mehrzahl der Muslime an die Zuverlässigkeit von korrekt überlieferten Hadithen als Geschichtsquelle. Moderne Muslime, die wie die meisten anderen Menschen der Meinung sind, dass ein so junges Mädchen in einem Ehebett nichts verloren hat, müssen also Wege finden um den Peinlichen Hadith zu entkräften oder ganz loszuwerden.

Eine Möglichkeit ist: ignorieren und verdrängen. Es gibt in der Tat Muslime, die nicht mit dem Thema belästigt werden wollen. Ohne Zweifel hatte der Prophet das Beste mit der kleinen Aischa vor; zu etwas Anderem war er ja nicht fähig, und für das Mädchen war es eine Gnade, bereits als Kind die Nähe und den Segen des Propheten zu erfahren; Amen! Solche Gläubige mögen sich nicht vorstellen, wie der etwas beleibte Fünfziger mit einem so kleinen Mädchen Geschlechtsverkehr hatte. Den müssten sie aber gehabt haben, denn eine Ehe besteht erst durch ihren Vollzug. Das Ignorieren des Problems wird durch die eindringlichen Fragen der Außenwelt immer schwieriger.

Andere Muslime und verständnisvolle Andersgläubige wollen das Problem nicht vertuschen, sondern versuchen den Hadith mit Argumenten zu retten. Ihre Argumente sind meist lässig und vage, wie zum Beispiel: „Zu der Zeit fing die Pubertät ja viel früher an,“ oder: „Aischa war bestimmt frühreif; das kommt in warmen Ländern öfters vor,“ oder: „Damals wusste niemand, wie alt er genau war.“ Das letzte Argument ist sicherlich zutreffend, aber eine Ehe mit einem viel zu jungen Mädchen fällt auch ohne Einwohnermeldeamt auf. Die ersten beiden Aussagen sind völlig spekulativ und frei von Sachverstand. Ärzte versichern mir sogar, dass die Pubertät in der Antike durch die schlechtere Ernährung erheblich später eintrat als heutzutage.

Islamische Argumente wider Aischas junges Heiratsalter
Muslime, die glauben, dass Hadithe von wahren Begebenheiten berichten, müssen sich also Mühe geben, um den speziellen Text über Aischas Heiratsalter für unglaubwürdig zu erklären. Habib-ur-Rahman Siddiqui Kandhalvi hat 1997 in seinem »Tahqiq-e ‘omr-e ‘A’isha« (englisch »Age of Aisha«, Karatschi 1998) vierundzwanzig Argumente beigebracht, die Muslimen helfen sollen, den anstößigen Hadith nicht für wahr zu halten. Manche dieser Argumente sind kompliziert, andere naiv, andere sind gar keine, aber auf jeden Fall führen sie zum Ziel. Einen Teil der komplizierten Argumente versuche ich hier zusammenzufassen. Dabei verwende ich die bei uns gängigen Jahreszahlen. 622 war die Hidschra von Mekka nach Medina, Aischa soll 614 geboren sein und 623 soll ihre Ehe vollzogen worden sein.

Argumente aus Hadithen
Eine alte islamische Manier um einen Hadith loszuwerden ist nachzuweisen, dass er schwach überliefert ist; anders gesagt, das der isnad (Überlieferkette) untauglich ist. Bei Kandhalvi lesen wir über den Aischa-Hadith, dass Hischam Ibn Urwa ein schwaches Glied in der Überlieferkette bildet. In den nahezu kanonisch gewordenen Hadithsammlungen des Bukhari und Muslim stehen aber viele Hadithe dieses Hisham; sind die denn alle untauglich? Kandhalvi zufolge, der sich auf einigen biografischen Lexika stützt, war Hisham zuverlässig, so lange er in Medina wohnte, aber als er mit 71 in den Irak umgezogen war, hat er nur noch Unsinn geredet, vielleicht weil er schon alt und verwirrt war und sein Gedächtnis nachgelassen hatte. Ein etwas wackliges Argument, wie er mir scheint.
Einem anderen Hadith zufolge, so Kandhalvi, erzählte Aischa, sie sei „ein Mädchen das spielte“ gewesen, als die Sura 54 des Korans offenbart wurde. Dies, so weiß man, geschah im Jahr 614. Wenn Aischa damals schon groß genug war, um sich die Sura zu merken und mit anderen Mädchen zu spielen, muss sie zumindest sieben Jahre alt gewesen und folglich um 608 geboren sein, was sie im Jahr 623 alt genug machte für den Ehevollzug.
„So lange ich denken konnte“ soll Aischa gesagt haben, „waren meine Eltern bereits Anhänger der Religion und der Prophet kam jeden Tag zu unserem Haus.“ Und noch andere frühislamische Ereignisse hat sie bewusst erlebt und sich an sie erinnert. Das weist ebenfalls auf ein Geburtsjahr lange vor 614 hin.

Aus der Geschichtsschreibung
So weit einige Argumente auf Grund von Hadithen. Kandhalvi führt aber auch Argumente auf Basis der profanen Geschichtsschreibung an, die für Muslime weniger religiöse Autorität besitzt, Nichtmuslimen dagegen etwas glaubwürdiger vorkommt. Eines davon lautet: Aischas Halbschwester Asmāʾ war zehn Jahre älter als sie. Asmāʾstarb hundertjährig im Jahr 695. Bei der Hidschra 622 war sie 28 Jahre alt und Aischa 18. Als Aischa ein Jahr nach der Hidschra heiratete, hätte sie also das heiratsfähige Alter mehr als erreicht gehabt. Ein weiteres Argument in diesem Stil lautet: Aischas Vater Abu Bakr hatte vier Kinder von zwei Frauen, alle geboren in vorislamischer Zeit. Diese endete mit Mohammeds Berufung zum Propheten im Jahr 610. Sogar wenn Aischa nur ein Jahr davor geboren war, wäre sie bei ihrem Ehevollzug schon alt genug gewesen. Des Weiteren wird berichtet, dass Aischa „als sie noch ganz jung war“ als eine der ersten zum Islam übertrat, noch bevor Umar sich ca. 610 bekehrte. Dazu muss sie schon etwas älter gewesen sein.

Aus dem islamischen Recht
Kandhalvi entnimmt aber auch dem islamischen Recht Argumente, obwohl sich das erst später entwickelt hat. Einmal weist er darauf hin, dass nach dem Konsens (idjmāʿ) der Rechtsgelehrten Ehen erst erlaubt sind, wenn die Pubertät erreicht ist. Auch darf eine Frau nicht ohne ihre Zustimmung verheiratet werden. Um diese zu geben, muss Aischa also volljährig gewesen sein. Und schließlich: Aischa soll bei den Schlachten von Badr (624) und Uhud (625) anwesend gewesen sein. Das Mindestalter für die Teilnahme an Schlachten war aber fünfzehn Jahre. Aischa muss also 609 oder früher geboren worden sein.

Die meisten dieser Argumente Kandhalvis dürften Nichtmuslimen kaum überzeugen. Aber das muss gläubige Muslime nicht kümmern; für viele von ihnen sind sie akzeptabel. Und es ist durchaus interessant, zu beobachten, wie es Muslimen gelingt, einen unerwünschten Hadith mit Hilfe nichtwestlicher, nichtwissenschaftlicher Argumente erfolgreich zu entkräften. So werden sie einen peinlichen Text los, während niemand sie zwingt, ihr Glaubenssystem aufzugeben.

Wenn das mit einem Thema möglich ist, müsste es auch mit anderen gehen. So könnte man endlich vollführen, was schon der ägyptische „Reformator“ Muhammad Abduh (1849–1905) tun wollte, nämlich die meisten Hadithe (und die darauf basierenden Regeln) für obsolet erklären. Polygamie, Weinverbot, Zinsverbot, die Bedeckung der Frau—mit einer etwas altmodischen, innerislamischen Philologie können sie alle abgebaut werden. So viel Arbeit ist es nicht mal. Es bliebe die Frage: Welche Hadithe sind noch unerwünscht? Für Abduh waren das alle Hadithe, die nicht unmittelbar mit Kultus und Glaubenslehre zu tun haben. Zu erwarten ist freilich, dass Muslime in unserer Zeit einige mehr behalten möchten, aus Furcht vor Identitätsverlust und vor allzu unabhängigen Frauen.

Der unerschütterliche Glauben an Aischas Entjungferung als Kind bleibt somit nur strammen Salafisten und Islamhassern vorbehalten. Die, aber nur die, wissen es genau: das Mädchen war neun!

Auch veröffenlticht in zenith, 04/2016, S. 126–7, und @@@

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Die erste arabische Kriegsmarine

640 eroberten die Araber die römische Provinz Ägypten, aber 646 wurde Alexandrien schon wieder zurückerobert durch eine römische Flotte. Die blieb nicht so lange, aber Mu‘āwiya, der kompetente Gouverneur von Syrien, der später Kalif wurde, erkannte plötzlich, wie leicht das neue arabische Reich von dem Meer aus angreifbar war. Er überzeugte seinen etwas passiven Großonkel, den Kalifen ‘Uthmān, von der Notwendigkeit eine Flotte aufzubauen. Er bekam die Erlaubnis und zwang unzählige Schiffbauer in Syrien und Ägypten sich an die Arbeit zu setzen. Nach drei Jahren lag eine Flotte von nicht weniger als 1700 Kriegsschiffen vor der syrischen Küste: „Man sah vor lauter Masten das Meer nicht mehr.“
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Jetzt sollte die Flotte natürlich ausprobiert werden. Im Frühling 649 brachte man 12.000 Soldaten an Bord und ein Teil der Flotte fuhr aus für einen Überfall auf die noch römische Insel Zypern. Die dortigen Bewohner ließen die Soldaten unbehindert von Bord gehen, weil sie meinten, es seien Römer. Man konnte sich offensichtlich nicht vorstellen, dass es so etwas wie eine arabische Flotte geben konnte. Die Truppen konnten einfach die Hauptstadt Constantia (griechisch Σαλαμίνα, Salamina; unweit vom heutigen Famagusta) einmarschieren, die sie besetzten und plünderten. Sehr große Mengen Gold und Silber und Unmengen Sklaven und Sklavinnen wurden erbeutet. So wurden die Kosten des Flottenbaus weitgehend wettgemacht.
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Ein Hadith erzählt, dass eine Frau namens Umm Haram gerne als Soldat mit ihrem Mann mitgehen wollte auf dieser Expedition gegen Zypern. Man ließ sie mitgehen, aber sie fiel nach Zurückkehr in Syrien von ihrem Reittier, starb und wurde somit Märtyrerin. Zu ihrem Gedächtnis baute man 1816 eine Moschee bei ihrem Grab auf Zypern. Vor Ort meinte man wohl, sie wäre auf Zypern umgekommen.

[…] von Anas ibn Mālik, von seiner Tante Umm Harām bint Milhān: Der Prophet schlief eines Tages in meiner Nähe und als er aufwachte lächelte er.. Ich fragte ihn, warum er lachte. Er antwortete: [Im Traum] sind mir Menschen aus meiner Gemeinde gezeigt worden, reitend auf dem grünen Meer  wie Könige auf ihren Thronen. Sie sagte: Bete zu Gott, dass er mich eine von ihnen macht! Darauf bat der Prophet für sie und schlief wieder ein; dasselbe geschah noch einmal. Er sagte: Du bist eine der Ersten.
[Und in der Tat,] sie ging mit ihrem Gatten ‘Ubāda ibn as-Sāmit mit auf dem Raubzug, als die Muslime mit Mu‘āwiya zum ersten Mal das Meer befuhren. Als sie heimkehrten von dem Raubzug und in Syrien wieder an Land gingen, wurde ihr ein Tier zum reiten gebracht, aber es warf sie ab und daran starb sie.1

Das Fahren und Plündern verlief sehr angenehm. Mu‘āwiya nahm darauf Kurs auf Konstantinopel, aber seine Flotte wurde von den Römern vertrieben. Dann lieber nach Arwad, eine kleine Insel vor der syrischen Küste, die er aber nicht einnehmen konnte wegen ihrer sehr starken Befestigungsanlagen. Inzwischen wurde es Winter und die Flotte kehrte nach Syrien zurück, aber im Frühling 650 eroberte Mu‘āwiyas Flotte Arwad und schleifte die Festungen. Dann wurde Zypern noch mal herangenommen, wo diesmal römische Soldaten lagerten. Diese spornten die Bewohner an durchzuhalten, aber beim Anblick der arabischen Flotte ergriffen sie die Flucht und versuchten sich überall zu verstecken. Vergebens: Die Araber „zupften sie aus den Rissen im Boden wie Eier, die in einem Nest zurückgelassen waren.“ Abermals wurden große Mengen Edelmetall erbeutet und nicht weniger als 50.000 Sklaven—wenn diese Zahl nicht übertrieben ist. Constantia hat sich nie erholt.
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Die Schiffbauer und die Seeleute waren alle christliche Kopten und Syrier; die Soldaten waren Araber. Sowohl die Syrer wie auch die Ägypter waren seit Jahrhunderten mit dem Meer vertraut. Obwohl die Schifffahrt im Koran ein nicht unwichtiges Thema ist, scheuten sich aber die Muslime in Syrien vor dem Meer. Dass die Matrosen und Ruderer Christen waren, erwies sich noch 716 als ein Nachteil. Als die Flotte Konstantinopel angreifen wollte, aber beim heutigen Rumeli Hisarı am Bosporus überwintern mussten, liefen viele von ihnen zu den Römern über, weil ihnen jetzt einfiel, dass sie Christen waren und deshalb vielmehr zum Römerreich gehörten.

AUSBAUFÄHIG

BIBLIOGRAFIE
– Robert G. Hoyland, In God’s Path: The Arab Conquests and the Creation of an Islamic Empire, Oxford 2015, S. 90–3.
– Hugh Kennedy, The Great Arab Conquests. How the Spread of Islam Changed the World We Live In, London 2007, Kap.. 10.

ANMERKUNG
1. Bukhārī, Djihād 8, var. Djihād 3, 17:

حَدَّثَنَا عَبْدُ اللَّهِ بْنُ يُوسُفَ قَالَ حَدَّثَنِي اللَّيْثُ حَدَّثَنَا يَحْيَى عَنْ مُحَمَّدِ بْنِ يَحْيَى بْنِ حَبَّانَ عَنْ أَنَسِ بْنِ مَالِكٍ عَنْ خَالَتِهِ أُمِّ حَرَامٍ بِنْتِ مِلْحَانَ قَالَتْ نَامَ النَّبِيُّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ يَوْمًا قَرِيبًا مِنِّي ثُمَّ اسْتَيْقَظَ يَتَبَسَّمُ فَقُلْتُ مَا أَضْحَكَكَ قَالَ أُنَاسٌ مِنْ أُمَّتِي عُرِضُوا عَلَيَّ يَرْكَبُونَ هَذَا الْبَحْرَ الْأَخْضَرَ كَالْمُلُوكِ عَلَى الْأَسِرَّةِ قَالَتْ فَادْعُ اللَّهَ أَنْ يَجْعَلَنِي مِنْهُمْ فَدَعَا لَهَا ثُمَّ نَامَ الثَّانِيَةَ فَفَعَلَ مِثْلَهَا فَقَالَتْ مِثْلَ قَوْلِهَا فَأَجَابَهَا مِثْلَهَا فَقَالَتْ ادْعُ اللَّهَ أَنْ يَجْعَلَنِي مِنْهُمْ فَقَالَ أَنْتِ مِنْ الْأَوَّلِينَ فَخَرَجَتْ مَعَ زَوْجِهَا عُبَادَةَ بْنِ الصَّامِتِ غَازِيًا أَوَّلَ مَا رَكِبَ الْمُسْلِمُونَ الْبَحْرَ مَعَ مُعَاوِيَةَ فَلَمَّا انْصَرَفُوا مِنْ غَزْوِهِمْ قَافِلِينَ فَنَزَلُوا الشَّأْمَ فَقُرِّبَتْ إِلَيْهَا دَابَّةٌ لِتَرْكَبَهَا فَصَرَعَتْهَا فَمَاتَتْ.

Diakritische Zeichen: Muʿawiya, ʿUṯmān, Umm Ḥarām bint Milḥān, ʿUbāda ibn aṣ-Ṣāmit, al-Buḫārī

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Wie leicht wird man Scharia-Regeln los?

In islamischen Umgebungen gab es von alters her relativ wenige Abbildungen von Menschen oder Tieren, und Standbilder noch weniger. Es gibt nämlich eine Anzahl Hadithe, in denen das anfertigen solcher verboten oder zumindest stark entmutigt wird. Seit dem Vordringen der Fotografie im Nahen Osten, also ab ca. 1860, wollte jeder fotografiert werden und kippte das Verbot. Fotos seien ja nichts Anderes als Spiegelbilder, kopfüber projiziert auf der Rückseite eines Kästchens, so bedachte man auf einmal, und auch Standbilder können nicht schaden, so lange sie nur nicht angebetet werden. Und welcher Zeitgenosse würde das wollen, außer den komischen Christen mit ihren Ikonen und Heiligenbildern?
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Nur noch Reste des Verbots sind übrig geblieben: keine Abbildungen des Propheten oder dessen Gefährten, keine Fotos an Orten, in denen das Gebet verrichtet wird.
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Heutzutage gibt es im Nahen Osten eine Kunstszene genau wie bei uns mit allem was dazu gehört: Maler und Bildhauer, Grafiker, Fotografen, Museen, Galerien, Ausstellungen, Auktionen und kunsthistorische Ausbildungen, Graffiti und Installationen. Anfangs war diese Kunst nicht viel Besonderes, aber neuerdings hat sie gehörig an Qualität aufgeholt.
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Die Verführungen von Film und Fernsehen waren natürlich auch unwiderstehlich. Muftis erklärten das alles bei näherer Betrachtung für erlaubt und schon konnte der Schüssel aufs Dach. Die ersten Kinos datieren bereits auf ca. 1900.
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Nur in ganz strengen Umgebungen, wie bei den Wahhabiten und ihrem bewaffneten Arm Daesh („Islamischer Staat“), bei den Taliban und in traurigen Gebieten in Ost-Afrika werden die vermeintlichen(?) Gebote noch zum Großteil befolgt. Obwohl man natürlich nie weiß, ob dort vielleicht nach dem Abendgebet blonde Mädels auf westlichen Pornoseiten angeschaut werden. Auch diese Verführung ist für viele unwiderstehlich.
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Aber auch in Saudi-Arabien kippen manchmal die Regeln. Es war im Königreich zum Beispiel verboten in der Öffentlichkeit Fotos zu machen. Als die Regierung 2006 beschloss, den Tourismus zu fördern, verschwand auch dieser Verbot ohne viel Aufhebens ( → Naef, Bilder 121–2).
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In Saudi-Arabien müssen reisende Frauen von männlichen Verwandten begleitet werden. Aber Flugbegleiterinnen müssen das nicht, wohl aus praktischen Gründen. Ein ganz frommer Mann, der das anstößig fand und lauthals protestierte, wurde aus einem Flugzeug entfernt und abgeführt. Ein königsnaher Mufti erklärte danach, dass die Begleiterinnen im Flugzeug nicht begleitet werden mussten, aber durchaus am Flughafen von männlichen Verwandten abgeholt werden sollten. Dazu hier.
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Iran produzierte von alters her beträchtliche Mengen Kaviar, die dem Land Millionen einbrachte. Der schiitischen Jurisprudenz zufolge war der Stör aber ḥarām, weil er keine Schuppen hat. Der Handel damit war demzufolge auch verboten, aber es wurden immer Wege gefunden. Im zweiten Jahr nach der islamischen Revolution wurden die Regeln verschärft und kam der Handel mit diesem im dekadenten Westen so begehrten Produkt zum Erliegen. Das führte aber zu finanziellen Schäden. Schriftgelehrten und Biologen wurden konsultiert und siehe da: man entdeckte doch etwas Schuppenähnliches am Unterleib des Störs, der deshalb bei näherer Betrachtung durchaus erlaubt schien. Im vierten Jahr nach der Revolution, 1983, fand Khomeini persönlich die Zeit eine Fatwa abzufassen, die den Stör und seinen Kaviar für erlaubt erklärte. Wenn Sie Lust haben auf eine komplizierte, talmudisch anmutende Diskussion über die Erlaubtheit von Fischen mit oder ohne Schuppen, lesen Sie → Chihabi. Aber wir verstehen auch so, dass es vor allem die viele zu verdienenden Dollars waren, die den Stör ḥalāl machten.
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Kurzum: Wenn Muslimen danach ist, eine Scharia-Regel abzuschaffen, gelingt ihnen das schon; oft sogar in ziemlich unkomplizierter Weise.

BIBLIOGRAFIE:
– H.E. Chihabi, „How Caviar Turned Out to Be Halal,“ in Gastronomica, The Journal of Critical Food Studies, 7:2. Online hier.
– Sylvia Naef, Bilder und Bilderverbot im Islam, München 2007, oder das französische Original: Y a-t-il une «question de l’image» en Islam?, Paris 2004.

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Dürfen Frauen in die Moschee gehen?

Jemand wies darauf hin, dass der Prophet Mohammed Frauen zwar erlaubte in die Moscheen zu gehen, aber doch lieber sah, dass sie zu Hause blieben. Das untermauerte er mit nur einem Hadith (unten Nr. 7).
Ich habe geantwortet, dass es auch andere Hadithe gibt und dass man nie nur einen Hadith zitieren soll. Erst wenn man alle Hadithe zu einem gewissen Thema zusammen hat, sieht man wovon es sich in den Texten handelt. Das wird aber oft ein unerreichbares Ideal bleiben, denn ein Thema wie dieses gründlich zu erforschen würde einen erfahrenen Forscher — und wo gibt es die noch?— zwei Monaten kosten und Anderen noch viel länger. Das kann ich jetzt nicht machen, deshalb bleibe ich an der Oberfläche. Auf die Schnelle habe ich in den wichtigsten Sammlungen, den sog. Neun Bücher, 22 Hadithen zur Frage gesammelt. Es gibt ohne Zweifel viele mehr, aber diese 22 geben doch einen Eindruck—der sich wieder ändern könnte, wenn etwa Texte aus den älteren „nicht-kanonischen“ Sammlungen herangezogen würden, wie z.B. die des ‘Abd ar-Razzāq as-San‘ānī. Die Texte brauchen noch nähere Analyse; manche sind richtig raffiniert! Es wäre mal an der Zeit, dass die Hadithliteratur, die jeder angeblich so wichtig findet, gründlich analysiert wird, anstatt dass man immer wieder mit einem willkürlichen Zitat kommt. Aber wer wird dieses Studium unternehmen?

Ein Nichtmuslim muss nicht glauben, dass alle diese 22 Hadithe wirklich auf Mohammed zurückgehen. Zum Glück, denn sonst hätte der Prophet schon ganz viele Meinungen auf einmal zum Thema gehabt. Was solche Texte zeigen ist, dass das Augehen der Frauen in die Moschee offensichtlich irgendwo, irgendwann ein Diskussionsthema war. Klar ist auch, dass in diesen Texten der Prophet als Befürworter dargestellt wird und dass der Widerstand vor allem beim Kalifen ‘Umar und dessen Nachkommen zu finden war (Hadith 4–6, 13). Das ist oft der Fall in dieser Literatur. Aber auch (Ibn) ‘Umars Widerstand ist nicht historisch. „‘Umar“ steht für die Rechtsschule von Medina, die erheblich strenger war als die Schulen im Irak, woher die meisten Hadithe stammten. Siehe dazu ‘Umar und der Prophet.

Ich gehe vorläufig davon aus, dass diese Diskussion ca. 720–750 stattgefunden hat, obwohl ich es nicht beweisen kann (s. Hadithe datieren).

Der Hadith, in dem der Prophet Frauen erlaubte in die Moschee zu gehen, war offensichtlich überall fest etabliert. Gegner konnten den Text nicht wegschaffen, aber sie versuchten ihren Standpunkt durchzusetzen indem sie an den Texten herumbastelten und einschränkende Phrasen hinzufügten. Auch das passiert oft in der Welt des Hadith; ein gründliches Studium würde das ans Tageslicht bringen.

Was würde gegen die Anwesenheit von Frauen in der Moschee sprechen? Sie könnten störend oder verführend wirken oder Männer in einer unwürdigen Position sehen. Die Frauen beten ja hinter den Männern; wenn sie aufblicken haben sie die Aussicht auf eine ganze Reihe Männergesäße. Dies könnte unerwünschte Situationen mit sich bringen (Hadith 20). Deshalb sollten sie das Gebet etwas früher verlassen, oder etwas später aufblicken.

Verwandte Themen, die man dazu noch studieren könnte: Der abendliche Toilettengang der Frauen. Die Frau als Ablenkung vom Gebet.

In den 22 Hadithen erkenne ich die folgenden Motive:
– Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen (Variante: wenn ihr Mann einverstanden ist).
– Sie dürfen, aber es ist besser, dass sie zu Hause bleiben.
– Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende nicht oder nur bedingt.
– Sie dürfen, aber ohne Schmuck und vornehme Kleidung.
– Sie dürfen, aber nur abends/nachts. [Im Dunkel stören oder verführen sie ja niemand.]
– Selbstverständlich dürfen Frauen in die Moschee; sie sind einfach da.
– Frauen sind in der Moschee, aber sie sollen sich nach dem Gebet früher zurückziehen [um Begegnungen mit Männern vorzubeugen].

Hier folgen die Hadithtexte erst in Übersetzung, danach im ursprünglichen Arabisch.

Der Prophet erlaubt Frauen in die Moschee zu gehen
1. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”
2. Der Prophet hat gesagt: “Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten in die Moscheen zu gehen, gibt ihr die!”
3. Der Prophet hat gesagt: “Wenn die Frau von einem von euch um Erlaubnis bittet [in die Moschee zu gehen], verbietet es ihr nicht!”

4. ‘Abdallāh ibn ‘Umar: Ich habe den Propheten sagen hören: “Verbietet euren Frauen nicht, in die Moschee zu gehen, wenn sie euch um Erlaubnis bitten!”
‘Abdallāh [ibn ‘Umar]s Sohn Bilāl sagte: Bei Gott, aber sicher verbieten wir ihnen das! Darauf lief sein Vater auf ihn zu und schimpfte ihn so furchtbar aus, wie ich es von ihm noch nie gehört hatte, und er sagte: Ich überliefere dir etwas vom Propheten und dann sagst du: Bei Gott, wir verbieten ihnen das!
5=13. Ibn ʿUmar: Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht ausgehen; das würden sie zum Anlass der Verdorbenheit machen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht ausgehen … !
6. Eine der Frauen ‘Umars beteiligte sich am Morgengebet und am Abendgebet in der Gemeinde in der Moschee. Jemand fragte sie: Warum gehst du aus? Du weißt doch, dass ‘Umar das ungerne hat und dass er eifersüchtig ist?
– Und was würde ihn daran hindern es mir zu verbieten?
– Was ihn daran hindert, ist der Hadith des Propheten: “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen!”

Sie dürfen, aber zu Hause bleiben ist besser.
7. Der Prophet hat gesagt: „Verbietet euren Frauen nicht in die Moscheen zu gehen, aber zu Hause bleiben ist besser für sie.“

Sie  dürfen an Feiertagen, sollen sogar, nur menstruierende nicht.
8. Der Prophet befahl uns [an Feiertagen] heiratsfähige Mädchen, die in Absonderung leben, [in  de Moschee] gehen zu lassen. Und er befahl Menstruierende Frauen von dem Gebetsplatz der Muslime fern zu halten.
9. Uns  wurde befohlen an Feiertagen [in die Moschee] zu gehen: de Frauen die in Absonderung gehalten werden und die Jungfrauen. Menstruierende Frauen gehen nach den anderen Menschen und sprechen den takbīr zusammen mit den anderen Menschen.

Sie dürfen, aber nicht aufgedonnert
10. Hätte der Prophet gewusst, wie die Frauen heutzutage herumlaufen, so hätte er ihnen verboten in die Moschee zu gehen, wie des auch den Frauen der Israeliten verboten war. (Ich fragte ‘Amra: War es denen denn verboten? Ja, sagte sie.)
11. “Verbietet Gottes Dienstmägden nicht in Gottes Moscheen zu gehen, aber lasst sie unparfümiert gehen!” Aisha sagte: Hätte der Prophet gesehen, wie sie heutzutage sind, hätte er es ihnen verboten.
12. Der Prophet saß einmal in der Moschee als eine Frau aus Muzaina in einem Prachtgewand herein paradierte. Da sagte der Prophet: “Mensen, verbietet euren Frauen Prachtgewänder zu tragen und damit in der Moschee zu prunken!  Denn die Israeliten wurden erst verflucht, als ihre Frauen anfingen Prachtgewänder zu tragen und damit in den Moscheen zu prunken.”

Sie dürfen abends/nachts
13=5. Der Prophet hat gesagt: “Verbietet den Frauen nicht nachts in die Moscheen zu gehen!”
Ein Sohn von ‘Abdallāh ibn ‘Umar sagte: Wir lassen sie nicht ausgehen; das würden sie zum Anlass der Verdorbenheit machen. Aber sein Vater rügte ihn und sagte: Ich sage: Der Prophet hat gesagt: [Verbietet ihnen nicht …!] und du sagst: Wir lassen sie nicht ausgehen … !
14. Der Prophet hat gesagt: „Erlaubt den Frauen nachts in die Moscheen zu gehen.“
15. Der Prophet hat gesagt: „Wenn eure Frauen euch um Erlaubnis bitten nachts die Moschee zu gehen, gibt ihnen die!“
16. Wenn der Prophet das Morgengebet verrichtete gingen die Frauen weg, in ihren Wollgewändern gehüllt, unkenntlich im Dunkel.
17. Der Prophet blieb im ersten Drittel der Nacht warten, als ‘Umar ihm zurief: Die Frauen und Kindern sind schlafen gegangen. Dann kam der Prophet heraus und sagte: “Niemand in der Welt wartet hierauf außer euch.” (Zu der Zeit wurde nur in Medina das Gebet verrichtet und man tat das im ersten Drittel der Nacht, zwischen dem Augenblick, da das Abendrot verschwand bis einem Drittel der Nacht.)
18. Der Prophet verrichtete das frühe Morgengebet als es noch dunkel war; dann gingen die Frauen der Gläubigen weg, unkenntlich im Dunkel (Variante: ohne einander zu erkennen).

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee
19. Der Prophet hat gesagt: Wenn ich das Gebet lang machen will, aber dann das Weinen eines kleinen Kindes höre, dann leiere ich es herunter, weil ich die Mutter ungerne stören möchte.
20. Ich habe Männer gesehen, die sich ihr Lendentuch um den Hals geknüpft hatten wie kleine Jungen, weil ihr Lendentuch zu knapp war, und so hinter dem Propheten das Gebet verrichteten. Jemand sagte: „Frauen! Ihr sollt eure Köpfe nicht aufheben bevor die Männer es tun!“

Frauen sind selbstverständlich in der Moschee, aber sie sollen früher weggehen
21. Der Prophet war gewohnt, wenn er den taslīm sprach, ein wenig zu zögern. Man war der Meinung, das wäre um die Frauen vor den Männern weggehen zu lassen.
22. Als der Prophet den taslīm sprach, standen die Frauen auf, wenn er diese beendete, während er noch ein wenig stehen blieb bevor er selber aufstand. Wir meinen, aber Gott weiß es am Besten, dass das war damit die Frauen weggehen bevor die Männer sie überholen würden.
23. Zur Zeit des Propheten standen die Frauen auf, wenn sie fertig waren mit dem festgelegten taslīm, während der Prophet und diejenigen, die mit ihm das Gebet verrichteten, noch ein wenig blieben. Und wenn der Prophet aufstand, standen auch die anderen Männer auf.

TEXTE UND BELEGSTELLEN DER HADITHE

1.  حدثنا محمد بن عبد الله بن نمير حدثنا أبي وابن إدريس قالا حدثنا عبيد الله عن نافع عن ابن عمر أن رسول الله ص قال لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Muslim, Salāt 136
2. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا ابن نمير ثنا حنظلة سمعت سالما يقول سمعت ابن عمر يقول سمعت رسول الله ص يقول: إذا استأذنكم نساؤكم الى المساجد فأذنوا لهن. Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
3. حدثنا مسدد حدثنا يزيد بن زريع عن معمر عن الزهري عن سالم بن عبد الله عن أبيه عن النبي ص إذا استأذنت امرأة أحدكم فلا يمنعها. Bukhārī, Ādhān 166 = ± Muslim, Salāt 134
4. حدثني حرملة بن يحيى أخبرنا ابن وهب أخبرني يونس عن ابن شهاب قال أخبرني سالم بن عبد الله أن عبد الله بن عمر قال سمعت رسول الله ص يقول لا تمنعوا نساءكم المساجد إذا استأذنكم إليها قال فقال بلال بن عبد الله والله لنمنعهن قال فأقبل عليه عبد الله فسبه سبا سيئا ما سمعته سبه مثله قط وقال أخبرك عن رسول الله ص وتقول والله لنمنعهن. Muslim, Salāt 135
5. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن.  Muslim, Salāt 138, = ± 139; ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
6. حدثنا يوسف بن موسى حدثنا أبو أسامة حدثنا عبيد الله بن عمر عن نافع عن ابن عمر قال كانت امرأة لعمر تشهد صلاة الصبح والعشاء في الجماعة في المسجد فقيل لها لم تخرجين وقد تعلمين أن عمر يكره ذلك ويغار قالت وما يمنعه أن ينهاني قال يمنعه قول رسول الله ص لا تمنعوا إماء الله مساجد الله. Bukhārī, Djum‘a 13 
7.  حدثنا عثمان بن أبي شيبة حدثنا يزيد بن هارون أخبرنا العوام بن حوشب حدثني حبيب بن أبي ثابت عن ابن عمر قال: قال رسول الله ص لا تمنعوا نساءكم المساجد وبيوتهن خير لهن. Abū Dāwūd, Salāt 52
8.  حدثني إبو الربيع الزهراني حدثنا حماد حدثنا أيوب عن محمد عن أم عطية قالت: أُمرنا (تعني النبي ص) أن نخرج في العيدين العواتق وذوات الخدور وإمرالحيض أن يعتزلن مصلى المسلمين. , Muslim, ‘Īdain 10
9. حدثنا يحيى بن يحيى أخبرنا أبو خيثمة عن عاصم الأحول عن حفصة بنت سيرين عن أم عطية قالت كنا نؤمر بالخروج في العيدين والمخبأة والبكر قالت الحيض يخرجن فيكن خلف الناس يكبرن مع الناس. Muslim, ‘Īdayn 11
10.  حدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة عن عائشة ر قالت لو أدرك رسول الله ص ما أحدث النساء لمنعهن كما منعت نساء بني إسرائيل قلت لعمرة أومنعن قالت نعم. Bukhārī, Ādhān 163d = Muslim, Salāt 144
11. حدثنا عبد الله حدثني أبي ثنا الحكم ثنا عبد الرحمن بن أبي الرجال فقال أبي يذكره عن أمه عن عائشة عن النبي ص قال: لا تمنعوا إماء الله مساجد الله وليخرجن تفلات. قالت: عائشة: ولو رأى حالهن اليوم منعهن.  Ahmad ibn Hanbal, Musnad vi, 69–70
12. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة وعلي بن محمد قالا حدثنا عبيد الله بن موسى عن موسى بن عبيدة عن داود بن مدرك عن عروة بن الزبير عن عائشة قالت بينما رسول الله ص جالس في المسجد إذ دخلت امرأة من مزينة ترفل في زينة لها في المسجد فقال النبي ص يا أيها الناس انهوا نساءكم عن لبس الزينة والتبختر في المسجد فإن بني إسرائيل لم يلعنوا حتى لبس نساؤهم الزينة وتبخترن في المساجد. Ibn Mādja, Fitan 19
13. حدثنا أبو كريب حدثنا أبو معاوية عن الأعمش عن مجاهد عن ابن عمر قال قال رسول الله ص لا تمنعوا النساء من الخروج إلى المساجد بالليل فقال ابن لعبد الله بن عمر لا ندعهن يخرجن فيتخذنه دغلا قال فزبره ابن عمر وقال أقول قال رسول الله ص وتقول لا ندعهن. Muslim, Salāt 138, ± 139; = ± Ahmad ibn Hanbal, Musnad ii, 143
14. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا شبابة حدثنا ورقاء عن عمرو بن دينار عن مجاهد عن ابن عمر عن النبي ص قال ائذنوا للنساء بالليل إلى المساجد. Bukhārī, Djum‘a 13
15.  حدثنا عبيد الله بن موسى عن حنظلة عن سالم بن عبد الله عن ابن عمر ر عن النبي ص قال إذا استأذنكم نساؤكم بالليل إلى المسجد فأذنوا لهن. Bukhārī, Ādhān 162b, Muslim, Ṣalāt 137
16. حدثنا عبد الله بن مسلمة عن مالك ح وحدثنا عبد الله بن يوسف قال أخبرنا مالك عن يحيى بن سعيد عن عمرة بنت عبد الرحمن عن عائشة قالت: إن كان رسول الله ص ليصلي الصبح فينصرف النساء متلفعات بمروطهن ما يعرفن من الغلس. Bukhārī, Ādhān 163b
17.  حدثنا أبو اليمان قال أخبرنا شعيب عن الزهري قال أخبرني عروة بن الزبير عن عائشة رضي الله عنها قالت أعتم رسول الله ص بالعتمة حتى ناداه عمر نام النساء والصبيان فخرج النبي صلى الله عليه وسلم فقال ما ينتظرها أحد غيركم من أهل الأرض ولا يصلى يومئذ إلا بالمدينة وكانوا يصلون العتمة فيما بين أن يغيب الشفق إلى ثلث الليل الأول. Bukhārī, Ādhān 162a
18.  حدثنا يحيى بن موسى حدثنا سعيد بن منصور حدثنا فليح عن عبد الرحمن بن القاسم عن أبيه عن عائشة ر أن رسول الله ص كان يصلي الصبح بغلس فينصرفن نساء المؤمنين لا يعرفن من الغلس أو لا يعرف بعضهن بعضا. Bukhārī, Ādhān 165
19. حدثنا محمد بن مسكين قال حدثنا بشر بن بكر أخبرنا الأوزاعي حدثني يحيى بن أبي كثير عن عبد الله بن أبي قتادة الأنصاري عن أبيه قال قال رسول الله ص إني لأقوم إلى الصلاة وأنا أريد أن أطول فيها فأسمع بكاء الصبي فأتجوز في صلاتي كراهية أن أشق على أمه. Bukhārī, Ādhān 163c
20. حدثنا أبو بكر بن أبي شيبة حدثنا وكيع عن سفيان عن أبي حازم عن سهل بن سعد قال لقد رأيت الرجال عاقدي أزرهم في أعناقهم مثل الصبيان من ضيق الأزر خلف النبي ص فقال قائل يا معشر النساء لا ترفعن رءوسكن حتى يرفع الرجال. Muslim, Salāt 133
21.  حدثنا محمد بن يحيى ومحمد بن رافع قالا حدثنا عبد الرزاق أخبرنا معمر عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة قالت كان رسول الله ص إذا سلم مكث قليلا وكانوا يرون أن ذلك كيما ينفذ النساء قبل الرجال. Abū Dāwūd, Salāt 196
22.  حدثنا يحيى بن قزعة قال حدثنا إبراهيم بن سعد عن الزهري عن هند بنت الحارث عن أم سلمة ر قالت كان رسول الله ص إذا سلم قام النساء حين يقضي تسليمه ويمكث هو في مقامه يسيرا قبل أن يقوم قال نرى والله أعلم أن ذلك كان لكي ينصرف النساء قبل أن يدركهن أحد من الرجال. Bukhārī, Ādhān 164a, 166b
23. حدثنا عبد الله بن محمد حدثنا عثمان بن عمر أخبرنا يونس عن الزهري قال حدثتني هند بنت الحارث أن أم سلمة زوج النبي ص أخبرتها أن النساء في عهد رسول الله ص كن إذا سلمن من المكتوبة قمن وثبت رسول الله ص ومن صلى من الرجال ما شاء الله فإذا قام رسول الله ص قام الرجال. Bukhārī, Ādhān 163a

Diakritische Zeichen: aṣ-Ṣanʿānī, ṣalāt, Aḥmad ibn Ḥanbal, al-Buḫārī, Āḏān, Ǧumʿa, Ibn Māǧa

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