Mosul Eye in Marburg

Morgen, am 20. Juni, hält Omar Muhammed aka Mosul Eye einen Vortrag in Marburg. Titel: „Mosul between two caliphates 1918-2018“.
Er war es, der während der ISIS-Besatzung in Mosul die Außenwelt durch ein Blog informierte über was dort geschah: die Verfolgungen, die Zerstörungen. Jetzt setzt er sich ein für den Wiederaufbau, z.B. der einst sehr reichen Universitätsbibliothek.

Lesen Sie zur Info zum Beispiel seine Tweets: https://twitter.com/MosulEye

Ort: CNMS, Deutschhausstraße 12, 18.15 Uhr. Sie sind herzlich eingeladen.

Orientalismus im Orient

🇳🇱 Orientalismus war eine Richtung in der Kunst, die vor allem im 19. Jahrhundert geblüht hat und als Inspirationsquelle den Orient“ hatte: ein Gebiet, das an der türkischen Grenze anfing und irgendwo in Ostasien aufhörte: das geheimnisvolle Morgenland voller Schönheit, Farbenpracht, Reichtum, mit aller Grausamkeit und Sinnlichkeit, die man dort zu erkennen meinte oder sich wenigstens vorstellte.
Orientalistik ist das wissenschaftliche Studium von dem, was früher der „Orient“ hieß.
Verwirrung entstand, als 1978 das berühmt-berüchtigte Buch Orientalism von Edward Said erschien. Dieser Autor brachte die beiden Begriffe durcheinander. Das tat er absichtlich, denn er wollte das betonen, was beide Tätigkeiten seiner Meinung nach gemeinsam hatten, nämlich ein verzerrtes Bild des „Orients“ zu kreieren, mit der Absicht diesen zu unterwerfen und zu beherrschen. Dabei wollte Er vor allem die Orientalistik diskreditieren.
Das Bild, das der Westen sich vom Orient bildete wurde in der Kolonialzeit drüben oft übernommen. Der Westen bestimmte ja, wie der Orient auszusehen und sich zu verhalten hatte. Dies schafft böses Blut seit der Erscheinung von Saids Buch, in dem das Phänomen zum ersten Mal angeprangert wurde. In Saudi-Arabien und dem Irak wurden Lehrstühle „Orientalistik“ gegründet, die durch Hass oder Abneigung gegen die Orientalistik angetrieben wurden. Aber von ca. 1800 bis 1980 wurden die westlichen Orientbilder von den Untertanen im Orient noch untertänigst geschluckt und übernommen; es blieb ihnen wohl nichts anderes übrig. Sogar in religiösen Sachen ließ man sich einen Bären aufbinden: Die Gestaltung des heutigen Islams hat dem Westen einiges zu „verdanken“ (siehe z.B. hier und hier.)

Hier folgen einige Beispiele von Orient made in Europe:
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Am Ende des 19. Jahrhunderts diktierten europäische Handelsunternehmen (Ziegler, Hotz) wie Perserteppiche auszusehen hatten. Nicht zu wild und dezent koloriert nach europäischem Geschmack; mit Merinowolle aus Manchester und mit künstlichen Farbstoffen. Natürlich gehorchten die Teppichweber; das Weben war ja ihr Broterwerb.
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Zwang gab es auch in Niederländisch-Indien. Die malaiische Sprache, zum Beispiel, kannten die Holländer natürlich besser als die Indonesier. Diese konnten sie aber noch lernen, etwa mit Hilfe der Bücher des Kantoor voor Volkslectuur (Büro für Volkslektüre; später Balai Poestaka/Pustaka; 1908–1942), das ab 1920 Indonesische Literatur herausbrachte, die für Eingeborenen als angemessen beurteilt wurde.1
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Die Sheikh Zayed Moschee in Abu Dhabi ist riesig: eine 75 Meter hohe Kuppel, Minaretten von 107 Meter, Platz für 40.000 Gläubige und von allem viel zu viel. Das Gebäude verbreitet einerseits die Langeweile computergenerierter, steriler Massenware, andererseits erinnert es an eine orientalische Fantasie aus Tausendundeine Nacht.  Diese Moschee ist unverhüllt orientalistisch: ein orientalischer Traum. Die Perlenfischer am Golf hatten selbst kaum eine Tradition großer Bauten. Sie heuerten also Architekten aus dem Ausland an,2 die für sie diesen Märchenpalast entwarfen, aus dem jeden Augenblick ein fliegender Teppich aufsteigen kann. Stilelemente von verschiedenen existierenden Bauten von Marokko bis Indien sind zu einem orientalischen Ganzen hoch zwei zusammengefügt worden. Offensichtlich hat der Bauherr es zufrieden abgenommen, obwohl neuerdings in den arabischen Ländern heftig auf Orientalismus geschimpft wird.

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Aber die ganze Tausenundeine Nacht ist eine überwiegend westliche Konstruktion, die nach einer Erfolgsgeschichte von zwei Jahrhunderten in Europa von dort heraus ihren Weg in de Nahen Osten gefunden hat. Die Erzählungen wurden anfangs von gebildeten Arabern selten gelesen und nicht geschätzt. Nicht etwa, weil darin freimütig über Sex geredet wird, aber weil sie in einfacher („kindischer“ Sprache abgefasst worden seien und auch anderen literarischen Maßstaben nicht genügen. Sie gehörten zur Domäne der mündlichen Erzähler, die sie in Heftchen aufbewahrten, sie auswendig lernten und durch das Land zogen um sie in Kaffeehäusern und auf Plätzen zu erzählen. Aber andere Erzählungen waren bei den Erzählern und ihren Zuhörern viel beliebter. Aus dem 19. Jahrhundert sind einige Theaterbearbeitungen von Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht bekannt, aber Theater galt ebenfalls als etwas für die niederen Stände. Erst ab ca. 1900 begannen arabische Bildungsbürger diese Erzählungen zu schätzen, nachdem sie in Europa für gut befunden waren. Ab dann standen Schriftsteller auf, die erklärten, dass Tausendundeine Nacht eine wichtiger Einfluss war: ‘Abd al-Qādir al-Māzinī, Mahmūd Taimūr, Taufīq al-Hakīm, Ṭāhā Husain und Nagib Mahfus, um nur einige zu nennen. Sie und noch etliche andere Schriftsteller reagierten auch auf die Erzählungen, indem sie eine bearbeiteten oder damit spielten, oder Bücher schrieben wie Die Träume Shahrazads oder Die tausendzweite Nacht. Die erste arabische Dissertation über die Erzählungen erschien 1943: ein Beweis der Akzeptanz.
Dass moderne arabische Autoren auf ihr eigenes Erbe zurückgreifen scheint jetzt ganz natürlich, aber es geschah nachdem es jahrhundertelang untergestaubt gewesen war und nachdem Europa es an sich genommen, begutachtet, durch die Mangel gedreht und neu zubereitet hatte.
Später gab es noch mehr orientalistischen Einfluss auf die Rezeption der Tausendundeine Nacht, wenn auch indirekt. Eine neue arabische Ausgabe wurde 1985 in Ägypten verboten, weil sie sittenwidrig sei, und man versucht es immer wieder. Die Erzählungen wurden sittenwidrig genannt; sie verstoßen nämlich gegen die Sitten der fundamentalistischen Muslime, die sich inzwischen breit gemacht hatten und die ihre Prüderie für zumindest die Hälfte dem orientalistischem Europa und der Königin Viktoria verdanken; siehe hier.
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Ein ähnlicher Fall ist meiner Meinung nach die Rezeption von Ibn Khaldūn: ein der berühmtesten alten Araber überhaupt, der jedoch von Europa aus in den Nahen Osten gelangt ist. Dazu hoffentlich demnächst mehr.

ANMERKUNGEN
1. Dazu dieses (Engl.).
2. Als Architekt wird Yousef Abdelky erwähnt, aber auch Mohammad Ali Al-Ameri; des Weiteren Firmen wie Spatium, Halcrow und Speirs und Major Associates.

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Wikipedia — Bamberger Islam-Enzyklopädie

Die Wikipedia ist im Allgemeinen nicht als wissenschaftliches Nachschlagewerk zu betrachten. Bei islamischen Themen gibt es große Qualitätsunterschiede. Manche Artikel sind hervorragend, andere sind unwissenschaftlich, sektiererisch oder missionierend.

Nun hat Prof. Patrick Franke in Bamberg eine Initiative namens Bamberger Islam-Enzyklopädie gestartet. Es geht ihm darum „ein neues umfassendes islambezogenes Nachschlagewerk in deutscher Sprache aufzubauen, das einerseits die Qualitätskriterien einer Fachenzyklopädie erfüllt, andererseits aber in die populäre Online-Enzyklopädie Wikipedia integriert ist und die einzigartigen technischen Möglichkeiten dieses Mediums nutzt.“

Zun Auftakt hat er seine eigenen Wikipedia-Artikel darin untergebracht, zweihundert an der Zahl. Er hofft, dass viele Fachkollegen ihm in dieser Initiative folgen werden.

Diese Islam-Enzyklopädie empfehle ich Ihnen sehr gerne. Sie finden dort also Wikipedia-Artikel, deren wissenschaftlicher Standard garantiert ist.

Dem neuen Projekt wünsche ich ein gutes Gelingen.

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Der Westen

OccidentalismWo liegt er doch, „der Westen,“ an dem die bösen Jungs so gerne ihre Wut auslassen? Vergessen Sie lieber gleich die Himmelsrichtung. Nach meinem Telefonabo zu urteilen besteht er aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Westeuropa und Australien. Mit Personen in diesen Gebieten kann ich nämlich nach einer monatlichen Zahlung von € 3,90 unbeschränkt telefonieren. Es gibt mehr Länder, die zum Westen gehören, aber welche? Neuseeland auf jeden Fall, aber Japan, Singapur, Israel, Mauritius, die Türkei und Argentinien auch? Den Westen irgendwo zu suchen scheint genau so vergeblich wie die Suche nach dem Orient. Auch der Westen ist nichts Geographisches, sondern ein Gedankending—und er war nicht immer gleich. Und was ist sein Gegensatz? Man kann den schwerlich Orient nennen. Zweite oder dritte Welt geht auch nicht, also sagen wir einfach: der Nichtwesten.

– Für Voltaire war ca. 1750 England der Westen: individuelle Freiheit und die Börse, frei fließendes Geld, im Gegensatz zu der rigiden Staatskontrolle in Frankreich. „Der Handel, der die Bürger Englands reich gemacht hat, hat dazu beigetragen, sie frei zu machen, und diese Freiheit hat ihrerseits den Handel gefördert; von daher hat sich die Größe des Staats gebildet.“
– Für die Deutschen um 1800 waren Frankreich und England der Westen; auch noch für Richard Wagner, der das kosmopolitische, ultramoderne Paris in Kontrast sah mit der anheimelnden Zurückgebliebenheitseiner Heimat. (Er bestellte aber gerne feine Damenwäsche aus Paris — ja, die trug er gerne auf seiner empfindlichen Haut. Westpakete waren daher willkommen.)
– Fontane sah in London auch den freien Geldverkehr, beurteilte ihn aber nicht so positiv wie noch Voltaire: „das gelbe Fieber des Goldes, […] das Verfallensein aller Seelen an den Mammonsteufel“.
– Für Russland im neunzehnten Jahrhundert war der Westen an erster Stelle Deutschland: das Land, in dem alles sachlich und ordentlich ablief, wo die Menschen aber keine „Seele“ hatten. Für Tolstoi war das aber auch Japan! Er beschreibt den japanischen Sieg über Russland im Jahr 1905 als einen Triumph des westlichen Materialismus über die asiatische Seele Russlands.
– Für Japan war der Westen vor dem und während des Zweiten Weltkrieg(s) alles was modern war, insbesondere Amerika. Japanische Intellektuelle versuchten „die Moderne zu überwinden,“ wie Deutschland unter den Nazis und Iran unter Khomeini. Heutzutage gehören Japan und Deutschland selbst zum Westen
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– Für Hitler war der Westen Amerika + die Juden.
– Für die Sowjet-Union war der Westen vor allem die NATO: Amerika und West-Europa.

All dies entnehme ich dem vorzüglichen Buch von Buruma und Margalit, dessen Umschlag hier oben abgebildet ist.1

Für viele Muslime, sogar für Muslime, die „im Westen“ leben, ist der Westen die Koalition aus den Vereinigten Staaten, dem Weltkapitalismus, Juden und Kreuzfahrern, deren Hauptabsicht es ist „den Islam“ zu schädigen – wer war das noch mal?

Ganz abgesehen von der Geographie: im Westen scheint immer großer Reichtum, viel Freiheit und viel Modernität vorhanden zu sein.

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Eine kurze, unverbindliche Liste:

Der Westen
– ist demokratisch oder wird zumindest nicht links-diktatorial“ regiert.
– ist international, kosmopolitisch, globalisiert.
– hat eine überwiegend liberale, nicht staatlich geführte Wirtschaft.
– häuft Geld an, nicht zuletzt durch Ausbeutung des Nichtwestens erworben.
– hat keine zu verherrlichende Stammesstruktur, keinen Totalitarismus.
– ist die anonyme Stadt, in der man alles kaufen kann — inklusive der Hure Babylon. Der Nichtwesten ist das gemütliche Dorf mit seiner traditionellen Kultur. Und einem Blockwart, der darüber wacht.
– ist kalt, gefühlsarm, hat keine (russische) Seele, bzw. kein soul.
– gibt sich etwas schlicht (Obama, Juncker), im Gegensatz zu dem Glanz und Gloria von Stalin, Hitler, Ceauşescu, Bokassa, Putin, Erdoğan, Kim Eins bis Drei undsoweiter.
– ist unheroisch, feige: ein Westmensch stirbt ungern für Kaiser, Gott oder Vaterland.
– wird oft bekämpft, aber zugleich auch beneidet. Der Nichtwestler würde (heimlich) gerne dazu gehören, aber es gelingt ihm nicht.
– mischt sich überall ein und das ist ein Skandal! Aber bei Naturkatastrophen, Völkermord oder blutigen Kriegen heißt es auf einmal: Warum unternimmt der Westen nichts?

Der Westen ist an allem Schuld, aber wie gerne wären wir mitschuldig! Wer nicht zum Westen gehören kann oder darf, hegt oft einen Groll gegen ihn.

Viele Weltbewohner dürfen tatsächlich nicht zum Westen gehören, weil ihnen die Freiheit und ein Anteil an dem Wohlstand —und somit Zugang zur Bildung — vorenthalten bleibt. Die Bösewichte sind längst nicht immer fiese Diktatoren in Asien oder Afrika. Oft genug hat der Westen selbst demokratische oder wirtschaftliche Entwicklungen in den Kontinenten verhindert und tut das noch. Bodenschätze und sonstige wertvolle Güter empfängt man ja gern aus einer gehorsamen Hand.

Viele Andere können nicht zum Westen gehören. Frei sein, immer wählen, oft allein sein, die eigene Verantwortung tragen und ständig Energie entfalten um mit dem modern Leben Schritt zu halten ist Schwerstarbeit. Ich finde es persönlich auch oft schwierig, ein Westmensch zu sein, und für den durchschnittlichen Zwanzigjährigen „mit Migrationshintergrund“ wird das noch mehr der Fall sein. Stellen wir uns mal einen vor: er hat einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung; das ist immerhin gelungen und das ist nicht wenig. Aber spätestens bei der Jobsuche oder einer Weiterbildung bekommt er endgültig zu spüren, dass seine Sorte nicht gefragt ist— was er eigentlich schon viel früher gemerkt hatte. Er bekommt wenig Förderung und seine Kommilitonen oder Kollegen sind nicht nett zu ihm, aber er hat auch selbst nicht die Energie und den Mut um sich dagegen zu stemmen und seinen Platz in „dem Westen“ zu erobern. Dann liegt die Flucht in den Nichtwesten nahe, wie künstlich das in vielen Fällen bei hier Geborenen auch ist.

Die Freiheit kann so beängstigend sein. Ich denke an die Briefe von Saiyid Qutb (Kairo 1906–1969). Bevor er Muslimbruder wurde und einflussreiche fundamentalistische Bücher schrieb, besuchte er die Vereinigten Staaten und machte sich vor Angst fast in die Hose. Freizügige Frauen, die manchmal ein Glas über den Durst tranken; große, grobe, sogar tätowierte Mannsbilder; ein Tanzabend im Pfarrhaus der Provinzstadt, in der er sich aufhielt: das waren Sachen, die diesen kühnen Held, der auf Fotos eher wie ein kleines Männchen wirkt, sehr beängstigten und seine Flucht in die Gottesfurcht förderten. Er konnte nicht dazu gehören.

Ich denke auch an den kleinen Roman von Yahya Haqqi, Die Lampe der Umm Haschim (1940). Ein ägyptischer Junge darf in England Medizin studieren und tut das mit Erfolg. Das Beängstigende ist für ihn eine Freundin, eine Ärztin, die sich selbständig, ja souverän verhält. Nicht mal herrisch oder unsympathisch, aber ihr gegenüber fühlt er sich sehr minderwertig. Hier spielt Sexualangst ebenfalls eine Rolle.

Und Putin, der hat es auch nicht gekonnt. Vielleicht hätte er sein Land durchaus gerne modernisieren und öffnen wollen, wer weiß; aber es erwies sich als zu schwierig. Sein persönlicher Werdegang war nicht hilfreich und der Zustand Russlands war auch ein immenses Problem. Die leichtere Alternative ist dann eine antiwestliche Haltung.

Wer mit dem Westen nicht mitmachen kann oder darf, hegt oft einen Groll und wird antiwestlich, selbstverständlich aus der vollen, gegebenenfalls religiös untermauerten Überzeugung heraus, dass der Westen minderwertig, widerwärtig oder sündig ist. Dann sind die Trauben sauer. Diese Haltung schließt übrigens die Nachahmung desselben Westens nicht aus: Namentlich die Araber sind richtige Amerika-Fans, viel mehr als wir Europäer. Auch Salafisten sind oft viel westlicher als sie selbst erkennen.
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Es gibt keine Garantie, dass der Westen immer existieren wird. Freiheit und Reichtum nehmen im Westen ab oder beschränken sich auf so kleine Kreise, dass man fast wieder an vormoderne Herrschaftsformen erinnert wird. Dagegen nimmt die Modernität im unfreien Nichtwesten zu; denken Sie z. B. an China und Iran. An die sogenannten „westlichen Werte“ glaubt die Welt immer weniger, der Westen selbst nicht ausgenommen.

Dies waren nur so ein paar Gedanken. Sie sollten mal ausgearbeitet werden; das Thema ist wichtig, in unserer Zeit.

Nachschrift: Vor 1200 Jahren war Bagdad der Westen!

ANMERKUNG:
1. Ian Buruma und Avishai Margalit, Occidentalism: The West in the Eyes of Its Enemies, New York 2004; dt. Übersetzung Andreas Wirthensohn: Okzidentalismus: der Westen in den Augen seiner Feinde, München 2005.

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