Die Giraffe als Gottesbeweis

Ein weiteres Fragment aus dem arabischen, überwiegend christlichen Werk Kitāb al-iʿtibār fī al-malakūt von Djibrīl ibn Nūḥ, eine Sammlung von ungefähr hundert teleologischen Gottesbeweisen (arguments from design), wahrscheinlich aus dem neunten Jahrhundert. Hier hatte ich schon mal etwas zu diesem Text erzählt und ein Fragment zum Rüssel des Elefanten präsentiert. Aus demselben Text hatte ich bereits Fragmente zur Dummheit von Babys, den Penis des Mannes, die menschliche Stimme und den schreienden Hirsch veröffentlicht. Jetzt ist die Giraffe an der Reihe.

„„Denke mal darüber nach, wie die Giraffe (zarāfa) erschaffen ist und wie sich ihre Körperteile unter einander unterscheiden aber denen anderer Arten ihnen ähneln. Sein Kopf ist der Kopf eines Pferdes, sein Hals ist der eines Kamels, seine Hufe sind die einer Kuh und seine Haut die eines Leoparden. Man hat sogar behauptet, dass sie von mehreren Männchen verschiedener Arten stammen. Das liegt daran, dass, wie man sagt, bestimmte Arten von Wildtieren, wenn sie an eine Tränke gehen, mit frei weidenden Rindern kopulieren, was zu einem solchen Einzeltier führt, das sozusagen eine Mischung aus verschiedenen Arten ist. Aber das ist eine falsche Schlussfolgerung, denn nicht jede Art kann jede [andere] Art befruchten. Ein Pferd kann ein Kamel nicht schwängern, und ein Kamel kann eine Kuh nicht schwängern. Bei einigen Tierarten, die sich ähneln und auf die gleiche Weise gestaltet sind, kommt es allerdings schon vor. Ein Pferd macht es mit einem Esel, und das Ergebnis ist ein Maultier; ein Wolf macht es mit einer Hyäne, und das Ergebnis ist ein Lykaon (sim‘), aber das Ergebnis solcher Verbindungen ist nicht, dass es, wie bei der Giraffe, einen Körperteil eines Pferdes und einen Körperteil eines Kamels gäbe. Nein, [so eine Kreuzung] ist eine Mischung aus beidem, wie man an einem Maultier sehen kann, denn dort sieht man, dass sein Kopf, seine Ohren, seine Kruppe, sein Schwanz und seine Hufe Zwischendingen zwischen den Körperteilen eines Pferdes und eines Esels sind. Selbst die Stimme eines Maultiers ist wie eine Mischung aus dem Wiehern eines Pferdes und dem Iahen eines Esels. Dies beweist, dass die Giraffe nicht das Ergebnis von Befruchtung durch verschiedene Arten ist, wie einige behaupten. Nein, es ist eines der wunderbaren Geschöpfe Gottes, um auf seine Allmacht hinzuweisen, für die nichts unmöglich ist, und Kund zu tun, dass er der Schöpfer aller Tiere ist und kombiniert und trennt, was er will und in welcher Art er es will.
Was die Länge des Halses einer Giraffe und seine Nutzen betrifft: das ist, dass sie nach Meinung von Experten in Wäldchen mit hochragenden Bäumen aufwächst und dort grast, so dass sie einen langen Hals braucht, um die Wipfel dieser Bäume zu erreichen und deren Früchte zu fressen.““1
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Unser Autor wendet sich gegen die Idee, dass ein weibliches Tier von Männchen verschiedener Arten geschwängert werden könnte, so dass diese alle ein bestimmtes körperliches Merkmal in dem neuen Tier zurücklassen würden. Eine Kreuzung ist die Giraffe ebenfalls nicht; nein, der Schöpfer hat sie in einem Stück geschaffen, schön und mit einem sehr praktischen langen Hals.
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Der berühmte arabische Prosaschriftsteller al-Djāḥiẓ (776–868), der u.a. ein großes Tierbuch verfasst hat, fand die Idee einer Mehrfachbesamung ebenfalls unsinnig: „Manche Leute sagen, die Giraffe sei ein Wesen, das aus einem wilden Kamel, einer wilden Kuh und einem dhīkh, also dem Männchen einer Hyäne, besteht. Sie sagen dies, weil das Wort für Giraffe im Persischen اشتر گاو پلنگ ushtur gāw palang, ,Kamel+Kuh+Leopard’ ist. […] Sie haben eine Menge Unsinn erzählt um den Namen Giraffe zu erklären […] und es gibt sogar Menschen, die es für völlig unmöglich halten, dass eine Giraffenkuh jemals von einem Männchen gedeckt wird! […] Wenn sie mit Beweisen für diesen Unsinn aufwarten würden und etwas mehr Aufmerksamkeit aufbringen könnten, wären die Bücher von einer Menge Fehlern befreit.“2
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Der Name des Tieres ist auch in griechischer Sprache ein Kompositum. Dort heißt es καμηλοπάρδαλις, camelopardalis, „Kamel+Leopard“. Wenn die Bibliotheken wieder geöffnet werden, will ich noch herausfinden, wie die alten Griechen diesen Namen erklärten. Aristoteles kannte die Giraffe noch nicht; anscheinend wurde das Tier erst spät aus Afrika in die griechisch-römische Welt importiert.

ANMERKUNGEN
1. Eigene Textausgabe aufgrund dreier Handschriften. Über die Ausgabe werde ich später wo anders berichten.

فكر في خلق الزرافة واختلاف أعضائها وشبهها بأعضاء أصناف من الحيوان. فرأسها رأس فرس وعنقها عنق جمل وأظلافها أظلاف بقر وجلدها جلد نمر، حتّى أنّ ناسًا زعموا أنّ نتاجها من فحول شتّى. وسبب ذلك فيما ذكروا أنّ أصنافًا من حيوان البرّ اذا وردت الماء تنزو على بعض السائمة فتنتج مثل هذا الشخص الذي هو كالملتقط من أصناف شتّى. وهذا مما لا يصحّ في القياس لأنه ليس كل صنف من الحيوان يلقح كل صنف. فلا الفرس يلقح الجمل ولا الجمل يلقح البقرة وانّما يكون هذا من بعض الحيوان فيما يشاكله ويقرب من خلقه كما يلقح الفرس الحمار فيخرج من بينهما البغل، ويلقح الذئب الضبع فيخرج من بينهما السِمْع، على أنّه ليس يكون الذي يخرج من بينهما عضوا من كل واحد منهما كما يكون في الزرافة عضو من الفرس وعضو من الجمل. بل يكون كالمتوسط بينهما الممتزج منهما كالذي تراه في البغل، فانّك ترى رأسه وأذنيه وكفله وذنبه وحوافره وسطًا بين هذه الأعضاء من الفرس والحمار حتّى أن شحيجه أيضًا كالممتزج من صهيل الفرس ونهيق الحمار. فهذا دليل على أنّه ليست الزرافة من لقاح أصناف شتّى من الحيوان كما زعم زاعمون، بل هي خلق عجيب من خلق الله للدلالة على قدرته التي لا يعجزها شيء، وليعلم أنه خالق أصناف الحيوان كلّها فيجمع ما شاء منها في أيّها شاء ويفرق بين ما شاء منها في أيّها شاء. فأمّا طول عنقها والمنفعة لها في ذلك فلأنّ منشأها ومرعاها كما يذكر أهل الخبرة بها في غياطل ذوات اشجار سامقة ذاهبة طولاً فهي تحتاج الى طول العنق لتتناول أطراف تلك الأشجار فتقمّ من ثمارها.

2. Al-Djāḥiẓ, Kitāb al-Ḥayawān, Hrsg. und Kommt. ‘Abd as-Salām Muḥammad Hārūn, 7 Bde., Kairo 1938–47; i, 142–44.

زعم في الزرافة زعموا أنَّ الزرافة خلقٌ مركب من بين الناقة الوحشية وبين البقرة الوحشية وبين الذِّيخ وهو ذكر الضباع وذلك أنّهم لَّما رأََوا أنَّ اسمها بالفارسية أشتر كاو بلنك […]
فمنهم من حجر البتََّة أن تكون الزرافة الأنثى تلقَح من الزرافة الذكر […]
ولو أُعطُوا مع هذا الاستهتار نصيبًا من التثبُّتِ وحظًّا من التوقي لسَلِمت الكتبُ من كثير من الفساد.

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