Sonnenfinsternis

Einige Hadithe zur Sonnenfinsternis:

  • […] von al-Mughīra ibn Shu‘ba: Als der Prophet noch lebte, verfinsterte sich die Sonne an dem Tag, als sein kleiner Sohn Ibrāhīm verstarb. Die Leute sagten:„Die Sonne hat sich verfinstert, weil Ibrāhīm gestorben ist.“ Der Prophet aber sagte: „Sonne und Mond verfinstern sich nicht, weil jemand gestorben ist oder noch lebt. Wenn ihr eine [Sonnen- oder Mond]finsternis sieht, verrichtet dann das Gebet und ruft Gott an!“
  • […] von ʿAbdallāh ibn ‘Amr: Als sich einmal zu Lebzeiten des Propheten die Sonne verfinsterte, wurde zum gemeinsamen Gebet gerufen.2
  • […] von Djābir ibn ‘Abadallāh: Zu Lebzeiten des Propheten gab es einmal eine Sonnenfinsternis an einem sehr warmen Tag. Der Prophet stimmte ein Gebet an und blieb so lange stehen, dass seine Gefährten umfielen. Dann verrichtete er zwei Verbeugungen und hielt diese lange an; auch seinen Kopf hielt er lange erhoben. Daraufhin warf er sich zweimal zu Boden; dann stand er auf un tat noch mal dasselbe. Er verbeugte sich viermal und warf sich viermal zu Boden. Danach sagte er: „Alle Orte, wohin ihr kommen werdet, sind mir gezeigt worden. Das Paradies wurde mir gezeigt, bis ich so nahe daran war, dass ich eine Traube hätte pflücken können.“ (oder er sagte:„ich langte nach eine Traube, aber konnte sie gerade noch nicht erreichen.“) „Auch die Hölle wurde mir gezeigt und dort sah ich eine Frau von den Israeliten, die wegen einer Katze gefoltert wurde, die sie festgebunden und nicht gefüttert hatte und die sie auch nicht ihre eigene Nahrung unter den Feldtieren hatte suchen lassen. Und ich sah wie Abū Thumāma ‘Amr ibn Mālik seine Eingeweide in der Hölle fortschleppte.“
    Man meinte damals, dass die Sonne und der Mond sich nur wegen des Todes eines wichtigen Mannes verfinsterten. Es sind aber zwei von Gottes Zeichen, die Er euch zeigt. Wenn sie sich verfinstern, verrichtet das Gebet, bis sie wieder sichtbar sind.3

Diese Hadithe rechnen ab mit dem offenbar früher existierenden Glauben, dass eine Sonnenfinsternis mit dem Tod einer wichtigen Person zu tun hätte.4 Als Beispiel hat man das Sterben Ibrāhīms, des (fiktiven) Sohns des Propheten, verwendet.5 Aus islamischer Sicht hat Gott den Lauf der Himmelskörper fest in Händen; deshalb ist eine Sonnenfinsternis nichts Wichtiges oder Beunruhigendes. Andererseits soll freilich die ganze Zeit über gebetet werden. Aber die Texte sagen gerade noch nicht, dass die Sonnenfinsternis wegen der Gebete aufhört. Es betrifft im Prinzip die normalen, alltäglichen rituellen Gebete (salāt). Man kann dieses Beten interpretieren wie man will. Es ist eine Anerkennung der Herrschaft Gottes über die Himmelskörper. Es lenkt von etwaiger Angst oder von Aberglauben ab. Es beugt eventuellen Augenschäden vor, weil man nicht so lange in die Sonne starrt. Im ersten zitierten Hadith ist aber durchaus auch die Rede von Bittgebeten (du‘ā’).

ANMERKUNGEN
1. Bukhārī, Kusūf 1:

حدثنا عبد الله بن محمد قال حدثنا هاشم بن القاسم قال حدثنا شيبان أبو معاوية عن زياد بن علاقة عن المغيرة بن شعبة قال: كسفت الشمس على عهد رسول الله ص يوم مات إبراهيم فقال الناس كسفت الشمس لموت إبراهيم فقال رسول الله ص إن الشمس والقمر لا ينكسفان لموت أحد ولا لحياته فإذا رأيتم فصلوا وادعوا الله.

2. Bukhārī, Kusūf 3:

حدثنا إسحاق قال أخبرنا يحيى بن صالح قال حدثنا معاوية بن سلام بن أبي سلام الحبشي الدمشقي قال حدثنا يحيى بن أبي كثير قال أخبرني أبو سلمة بن عبد الرحمن بن عوف الزهري عن عبد الله بن عمرو ر قال: لما كسفت الشمس على عهد رسول الله ص نودي إن الصلاة جامعة.

3. Muslim, Kusūf 9:

وحدثني يعقوب بن إبراهيم الدورقي حدثنا إسمعيل ابن علية عن هشام الدستوائي قال حدثنا أبو الزبير عن جابر بن عبد الله قال: كسفت الشمس على عهد رسول الله ص في يوم شديد الحر فصلى رسول الله ص بأصحابه فأطال القيام حتى جعلوا يخرون ثم ركع فأطال ثم رفع فأطال ثم ركع ثم رفع فأطال ثم سجد سجدتين ثم قام فصنع نحوا من ذاك فكانت أربع ركعات وأربع سجدات ثم قال إنه عرض علي كل شيء تولجونه فعرضت علي الجنة حتى لو تناولت منها قطفا أخذته أو قال تناولت منها قطفا فقصرت يدي عنه وعرضت علي النار فرأيت فيها امرأة من بني إسرائيل تعذب في هرة لها ربطتها فلم تطعمها ولم تدعها تأكل من خشاش الأرض ورأيت أبا ثمامة عمرو بن مالك يجر قصبه في النار وإنهم كانوا يقولون إن الشمس والقمر لا يخسفان إلا لموت عظيم وإنهما آيتان من آيات الله يريكموهما فإذا خسفا فصلوا حتى تنجلي.

4. Vom alten Glauben, dass bei der Geburt einer wichtigen Person ein besonderer Stern erstrahlt (z.B. bei Jesus: Bibel, Matthäus 2:2) ist in der sīra schon einiges hängen geblieben: zu Mohammed z.B. Ibn Isḥāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, uitg. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 102, حدثني من شئت من رجال قومي عن حسان بن ثابت ، قال : والله إني لغلام يفعة ، ابن سبع سنين أو ثمان ، أعقل كل ما سمعت ، إذ سمعت يهوديا يصرخ بأعلى صوته على أطمة بيثرب : يا معشر يهود ، حتى إذا اجتمعوا إليه ، قالوا له : ويلك ما لك ؟ قال : طلع الليلة نجم أحمد الذي ولد به.; meine Übersetzung: […] dass Ḥassān ibn Thābit gesagt hat: Ich war schon ein großer Junge, sieben oder acht Jahre alt, der alles verstand, was er hörte. Ich hörte, wie ein Jude von oben auf einer Festung in Yahtrib rief, so laut wie er konnte: „Alle Juden hierher!“ Sie versammelten sich um ihm und riefen: „Hey, was ist los?“ Er antwortete: „Heute Nacht ist der Stern aufgegangen, unter dem Aḥmad geboren ist.“
5. Über ihn habe ich hier einen separaten Beitrag geschrieben.

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Ein Kommentar zu “Sonnenfinsternis

  1. Ihre These zu den zwei Konkubinen als Fiktion ist sehr interessant. Doch es kann durchaus sein, dass womöglich ein Fünkchen Wahrheit dahinter stecken könnte. Soweit ich weiß, gibt es verschiedene Angaben zu seinem Todesdatum. Eine davon gibt ungefähr den Januar des Jahres 632 wieder. Genau hier spielt nämlich die Sonnenfinsternis eine entscheidende Rolle.
    Denn am 27. Januar dieses Jahres war eine Sonnenfinsternis im Hedschaz beobachtbar
    (siehe: http://eclipse.gsfc.nasa.gov/SEsearch/SEsearchmap.php?Ecl=06320127)
    Das ist selbstverständlich kein glasklarer Beweis, aber vielleicht wenigstens ein mögliches Indiz für die Existenz. Man müsste eben diskutieren, ob es kein zu großer Zufall gewesen wäre, dass zu jener Zeit tatsächlich eine Finsternis stattgefunden hat. Vielleicht hat mindestens die Koptin Maria existiert, zumal die Namensübereinstimmung mit der Gattin Chosraus in der Tat ein bloßer Zufall wäre; war Maria unter Christinnen kein begehrter Name? Dann wäre diese Geschichte später (warum auch immer) mit den zwei Ehefrauen Chosraus vermengt worden.

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