Das Sperma der Frau

Nicht nur der Mann hat Sperma, auch die Frau. Zumindest diesem Hadith des Propheten zufolge:

  • Anas ibn Malik erzählte, dass Umm Sulaim Gottes Propheten nach einer Frau fragte, ob eine Frau einen nassen Traum haben kann wie ein Mann. Der Prophet sagte: „Wenn eine Frau so einen Traum hat, soll sie die große Waschung verrichten.“
    Umm Sulaim sagte: „Ich schämte mich dafür und fragte: Gibt es das denn wirklich?“
    „Oh doch,“ antwortete der Prophet, „denn wie würde sonst ein Kind der Mutter ähnlich sehen können? Die Flüssigkeit des Mannes ist dick und weiß, die Flüssigkeit der Frau ist dünn und gelb. Welche der beiden dominiert oder die erste ist, ist entscheidend für die Ähnlichkeit.“ 1

Aber hat der Prophet dies wirklich gesagt? Das hängt von Ihrem Glauben ab. Die einfache islamische Antwort ist: „Ja, denn der Hadith ist mit einer zuverlässigen Überlieferkette (isnad) überliefert worden und in eine hoch gelobte Hadithsammlung aufgenommen.“ Gründlicher gebildete Leute werden aber wissen, dass diese Ideen auf das Corpus Hippocraticum zurückgehen, eine Schriftensammlung, die dem griechischen „Vater der Medizin“ Hippocrates (± 460–375 v. Chr.) zugeschrieben wird, und deren Bearbeitungen durch Galen (129–199). Die wird der Prophet nicht gekannt haben; deshalb muss der Text einen anderen Autor haben.
In Περὶ γονῆς (Über den Samen des „Hippokrates“ lesen wir zum Beispiel:

  • 4. Auch die Frau ejakuliert aus dem Körper […]
    7. Diese Erwägung will besagen, dass sowohl der Mann wie die Frau weibliche wie männliche Nachkommenschaft besitzen. […].
    8. Der Samen selbst, des Mannes und der der Frau, kommt aus dem ganzen Körper, schwächer aus den schwächeren (Körpern und stärker aus den starken. In entsprechender Weise muss er dem Kind sich mitteilen. Im Körperteil, in dem mehr aus dem Samen des Mannes ist, sieht das Kind mehr dem Vater ähnlich. Am Körperteil dagegen, von dem mehr aus dem Körper der Frau (in den Samen übergeht), ähnelt es mehr der Mutter.[…]2

Die Übereinstimmung in den Auffassungen zu diesem Thema zeigt abermals, dass der Aufstieg der Araber nicht bedeutete, dass die Antike jetzt vorbei war. Im Nahen Osten ging die einfach weiter. Den Einbruch des Mittelalters, der in Westeuropa ziemlich plötzlich war, gab es im Nahen Osten nicht; von Galen ging es ununterbrochen weiter bis zur Hochblüte der Medizin, mit Kapazitäten wie Rhazes und Avicenna.
.

Heutzutage sind die obigen altgriechischen Einsichten veraltet. Moderne Kenner des menschlichen Körpers wissen, dass das Vaginalsekret kein Sperma ist. (Ich sage es sicherheitshalber noch mal; man weiß ja nie, wer hier liest.)

ANMERKUNGEN
1. Muslim, Ṣaḥīḥ, Ḥaiḍ 30: ‎

حدثنا عباس بن الوليد حدثنا يزيد بن زريع حدثنا سعيد عن قتادة أن أنس بن مالك حدثهم أن أم سليم حدثت أنها سألت نبي الله ص عن المرأة ترى في منامها ما يرى الرجل فقال رسول الله ص إذا رأت ذلك المرأة فلتغتسل فقالت أم سليم واستحييت من ذلك قالت وهل يكون هذا فقال نبي الله ص نعم فمن أين يكون الشبه إن ماء الرجل غليظ أبيض وماء المرأة رقيق أصفر فمن أيهما علا أو سبق يكون منه الشبه.

2. Hippocrate, Tome xi, De la génération etc. Texte établi et traduit par Robert Loly, Paris 1970, 4: Μεθίει δὲ καὶ ἡ γυνὴ ἀπὸ τοῦ σώματος […].
Hippocrates, ibid. 7: Συμβάλλεσθαι δὲ παρέχει ὅτι καὶ ἐν τῇ γυναικὶ καὶ ἐν τῷ ἀνδρὶ ἔστι γόνος καὶ θήλυς καὶ ἄρσην τοῖσιν ἐμφανέσι γινομένοισι […].
Hippocrates, ibid. 8: Καὶ ἐν αὐτῇφι τῇ γονῇ ἐξέρχεται καὶ τῆς γυναικὸς καὶ τοῦ ἀνδρὸς ἀπὸ παντὸς τοῦ σώματος, καὶ ἀπὸ τῶν ἀσθενέων ἀσθενὴς καὶ ἀπὸ τῶν ἰσχυρῶν ἰσχυρή· καὶ τῷ τέκνῳ οὕτως ἐστὶν ἀνάγκη ἀποδίδοσθαι. Καὶ ὁκόθεν ἂν τοῦ σώματος τοῦ ἀνδρὸς πλέον ἔλθῃ ἐς τὴν γονὴν ἢ τῆς γυναικὸς, κεῖνο κάλλιον ἔοικε τῷ πατρί· ὁκόθεν ἂν δὲ πλέον ἔλθῃ ἀπὸ τῆς γυναικὸς τοῦ σώματος, κεῖνο κάλλιον ἔοικε τῇ μητρί. Leicht überarbeitete Übersetzung aus: Die Welt des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlunmg in deutscher Übersetzung, hg. Richard Kapferer u.a., Stuttgart/Leipzig 1936. Teil 16: Der Samen – Das Werden des Kindes, 24–25.

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Der Penis als Gottesbeweis

Wieder mal ein Fragment aus dem arabischen, überwiegend christlichen Text Kitāb al-i‘tibār fī al-malakūt,1 eine Sammlung von ungefähr hundert teleologischen Gottesbeweisen (arguments from design), wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert. Ich hatte hier schon mal etwas zu diesem Text erzählt und ein Fragment zum Rüssel des Elefanten präsentiert. Ein Fragment zur Dummheit von Babys steht hier.

Heute ein Text zum Penis des Mannes:

  • Verflucht seien Epikur und seinesgleichen, denn ihre Herzen sind so blind für diese wunderbare Schöpfung, dass sie deren Entwurf und Zweckmäßigkeit verneinen.
    Wenn das Geschlechtsteil eines Mannes immer schlaff wäre, wie könnte es je den Boden der Gebärmutter erreichen um den Samentropf dort ansässig zu machen? Andererseits, wenn es immer erigiert wäre, wie könnte ein Mann sich dann im Bett umdrehen, oder unter den Menschen herumgehen mit so einem steifen Ding vor sich? Abgesehen davon, dass es hässlich aussähe, es würde ständig Lust wecken unter sowohl Männern als auch Frauen. Das triebe sie dazu ständig miteinander zu schlafen, was auf Dauer zu ihrem Untergang führen würde. Deshalb ist es so vorgesehen, dass es meist schlaff herunterhängt, so dass es nicht ständig ins Auge fällt und lästig wird für den Mann. Aber dem Penis ist auch das Vermögen gegeben, bei Bedarf steif aufrecht zu stehen, nämlich für den Akt, der ständige Fortpflanzung und sein Fortleben gewährleistet.

Wie Sie sehen, fallen diese Gottesbeweise manchmal ziemlich komisch aus. Dieses Fragment kommt nicht in allen Handschriften vor. Ich frage mich manchmal, ob nicht ein herumalbernder Abschreiber es erdacht und hereingeschmuggelt hat. Wenn man nämlich zwanzig Gottesbeweise aus dieser Sammlung nacheinander liest, kann man selbst mit Leichtigkeit noch einige dazu erfinden. Aber es ist auch denkbar, dass es doch ursprünglich ist, und dass vielmehr andere Abschreiber es gestrichen haben, weil es ihnen nicht erbaulich genug war. Für die Ursprünglichkeit spricht die Erwähnung des fluchwürdigen Epikurs: ein Kopist in alberner Stimmung würde vielleicht nicht so viel Allgemeinbildung und Empörung an den Tag legen.

ANMERKUNG
1. Auch bekannt als Dalā’il al-i‘tibār. Das kleine Werk wird zu Unrecht oft al-Ǧāḥiẓ (gest. 868) zugeschrieben. Die erste (unkritische) Ausgabe erschien 1928 in Aleppo.

فتبّاًلافيقورس وأشباهه حين‏ عميت قلوبهم عن هذه الخلقة العجيبة حتّى أنكروا التدبير والعمد فيها‏. لو كان فرج‏ الرجل مسترخيًا أبدًا كيف كان يصل الى قعر الرحم حتى تقرّ النطفة فيه؟‏ ولو كان منعظًا أبدًا كيف كان الرجل يتقلب في الفراش ويمشي بين الناس وشيء شاخص أمامه؟ ثم كان في ذلك مع قبح‏ المنظر تحريك الشهوة في كلّ وقت من الرجال والنساء جميعًا فيدعوهم تحريكهما الى المباضعة، وهذا على الأوان يؤدّيهم الى الهلاك. فقُدّر أن‏ يكون في‏ أكثر ذلك مسترخيًا  لكيلا‏ يبدو للبصر في كلّ وقت ولا يكون على الرجل منه مؤنة وجعلت فيه قوّة‏ علي الانتصاب عند الحاجة الى ذلك لما فيه من دوام النسل وبقاؤه‏.

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Die Dummheit von Babys als Gottesbeweis

Noch ein Fragment aus dem arabischen Text Kitāb al-i‘tibār fī al-malakūt,1 eine Sammlung von ungefähr hundert teleologischen Gottesbeweise  (arguments from design) christlicher Herkunft, wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert. Ich hatte hier schon mal etwas zu diesem Text erzählt und ein Fragment zum Rüssel des Elefanten als Gottesbeweis gebracht.

Ist der Gottesbeweis nicht längst veraltet? Ja, aber in den USA ist er wieder quicklebendig. Unter Christen, die die Evolutionstheorie ablehnen, läuft er unter Intelligent Design. Und in der islamischen Welt passt er den Konservativen ebenfalls sehr gut, so dass das Al-i‘tibār neu aufgelegt wird und auch im Internet bruchstückweise verbreitet wird. Der Koran ist voller Hinweise auf die Zeichen Gottes in der Schöpfung, so dass der „Markt“ für ausgearbeitete Gottesbeweise noch sehr lange gegeben sein wird. Obwohl die Gattung eigentlich völlig sinnlos ist, denn Gläubige brauchen die Beweise nicht und Ungläubige lassen sich dadurch nicht beeindrucken. Überdies würde der Beweis der Existenz eines Gottes nicht reichen. Man müsste auch noch beweisen, dass der so nachgewiesene Gott etwas mit der Bibel, dem Koran oder anderen verehrten alten Texten zu tun hätte, was völlig unmöglich ist, es sei denn, man glaubt es schon im Voraus.

Hier folgt eine Kostprobe über die Dummheit von Säuglingen. Welche Handschriften ich benutzt habe verrate ich später im Buch.

  • Überdenke mal einen anderen Aspekt der Beschaffenheit des Menschen, und zwar dass er dumm und ohne Vernunft geboren wird. Würde er mit Vernunft und Verständnis geboren, so fände er die Welt bei seiner Geburt derart merkwürdig, wenn er seine neue Umgebung betrachtete und mit Sachen konfrontiert würde, die er noch nie gesehen, dass er vollkommen in Verwirrung geraten und den Kopf verlieren würde. Denke zum Beispiel an einen erwachsenen, welterfahrenen Mann, der als Gefangener vom einen Land ins Andere überführt wird. Er wird dort wie ein verwirrter Idiot sein und nicht so schnell die Sprache lernen und die Manieren aufschnappen wie jemand, der bereits im jugendlichen Alter gefangen genommen wird. Dazu kommt noch Folgendes: Ein intelligent geborener Säugling würde darunter leiden herumgeschleppt, gestillt, in alten Lappen eingepackt und in der Wiege zugedeckt zu werden, obwohl er das alles schon braucht, weil sein Körper bei seiner Geburt so weich und zart ist. Des Weiteren wäre er dann gar nicht mehr so süß und er würde nicht mehr diesen besonderen Platz in den Herzen einnehmen. Aber sowie es jetzt ist, kommt ein Kind dumm auf die Welt, ohne Ahnung von der Sachlage mit allen diesen Verwandten rund um ihn, und er tritt allem mit schwacher Intelligenz und mangelhafter Kenntnis entgegen. Dann nimmt seine Kenntnis ganz allmählich zu, bis er mit den Dingen vertraut wird und Erfahrungen sammelt; dann verlässt er die Phase des verwirrten Sinnierens und fängt an seine eigenen Sachen zu regeln und aktiv seinen Lebensunterhalt zu verdienen.Es gibt noch andere Gesichtpunkte. Wenn ein Mensch mit ausgewachsener Intelligenz und selbständig geboren würde, so würde sowohl der Anlass zur Kindererziehung wie auch das für die Eltern an dieser Tätigkeit vorgesehene Interesse entfallen, weil das Großziehen durch die Eltern nämlich ein Anspruch auf Sorge und Zuneigung von ihren Kindern einbringt, im Augenblick, da sie diese ihrerseits brauchen. Überdies würden dann Kinder und Eltern keine gegenseitigen Bande mehr knüpfen, weil die Kleinen die Erziehung und Fürsorge ihrer Eltern nicht brauchten. Sie stünden schon gleich bei der Geburt auf eigenen Füßen, so dass niemand seine Eltern kennen lernen würde. So würde ein Junge auch nicht davon abgehalten werden Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter und Schwester zu haben, weil er diese nicht kennte. Wenn ein Kind den Bauch seiner Mutter vernunftbegabt verließe, wäre das geringste Übel noch, dass er Unerlaubtes von ihr zu sehen bekäme, das er besser nicht gesehen hätte.

Meist steht bei solchen Beispielen noch die rhetorische Frage: Kann ein derart wunderbarer Entwurf wirklich auf Zufall zurückgehen, oder steckt doch ein intelligenter Entwerfer dahinten? Hier fehlt diese Frage, aber Sie können sie hinzudenken und wenigstens anerkennen, dass es schön geregelt ist, so wie es ist.

ANMERKUNG
1. Auch bekannt als Dalā’il al-i‘tibār. Das kleine Werk wird zu Unrecht oft al-Djāhiz (gest. 868) zugeschrieben. Die erste (nicht-kritische) Ausgabe erschien 1928 in Aleppo.

فكر‏ في‏ أمر الانسان‏ في‏ باب‏ آخر وهو‏ ولاده‏‏ حين‏ يولد‏ غبيّاً‏ غير ذي‏ عقل وفهم‏. فانّه لو كان‏ يولد‏ عاقلاً‏ فاهمًا‏‏ لأنكر العالَم عند ولاده‏ حتّى‏ يبقى حيرانًا تائه العقل اذا رأى ما‏‏‏ لم‏ يعرف وورد عليه‏ ما لم‏ ير مثله‏. واعتبر‏‏ ذلك بأن من سبي‏ من بلد الى بلد وهو‏ محتنك يكون كالواله الحيران ولا يسرع‏ في‏ تعلم‏ الكلام‏ وقبول الأدب كما يسرع‏ الذي‏ سبي صغيرًا. ثم كان لو ولد‏ عاقلًا وجد‏ غضاضة أن‏ يرى نفسه محمولاً‏ ومرضعًا معصّبًا بالخرق ومسجىً في المهد،‏ على أنّه كان لا‏ يستغني‏ عن هذا كلّه لرقّة بدنه ورطوبته حين‏ يولد‏. ثم كان لا‏ يوجد له من الحلاوة والموقع في‏ القلوب‏ ما‏ يوجد للطفل.‏ فصار يدخل‏ العالم‏ غبيّاً غافلاً‏ عمّا فيه أهله فيلقي‏ الأشياء بذهن ضعيف ومعرفة ناقصة‏. ثم لا‏ يزال‏ يتزيّد في‏ المعرفة قليلاً‏ قليلاً‏ وشيئًا بعد شيء حتى‏ يألف الأشياء ويتمرّن‏ عليها فيخرج من حد التأمّل لها والحيرة‏ فيها‏ الى التصرّف في‏ الأمور‏ والاضطراب في‏ المعاش‏.

‏وفي هذا أيضًا‏ وجوه أخر،‏ فأنّه لو كان‏ يولد‏ تام العقل مستقلاً‏ بنفسه لذهب موضع تربية الأولاد وما دبّر‏ أن‏ يكون للوالدين في‏ الاشتغال به من المصلحة وما توجب التربية للآباء على البنين‏ من المكافأبة بالبرّ‏ والعطف عند حاجتهم الى ذلك منهم‏. ثم كان الأولاد لا‏ يألفون آباءهم ولا الآباء‏ يألفون‏ أبناءهم لأنّه كان‏ الأولاد‏ يستغنون عن تربية الأباء وحياطتهم فيتفرّقون عنهم حين‏ يولدون‏ حتّى لا‏ يعرف الرجل أباه وأمّه. ولا‏ يمتنع من نكاح أمّه وأخته إذ كان لا‏ يعرفها‏. وأقلّ‏ ما كان‏ يكون في‏ ذلك أن يخرج‏‏ من بطن أمّه‏ وهو يعقل فيرى منها ما‏ لا‏ يحلّ‏ له‏ ولا‏ يحسن به أن‏ يراه‏.

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Ibn Dawud: Verliebtheit als Krankheit

(Übersetzter Text, 10. Jahrhundert)

“Ein Mediziner hat gesagt: Leidenschaftliche Liebe ist eine Begierde die im Herzen entsteht, in das sich die Substanzen des Verlangens sammeln. Je nachdem sie stärker wird, wird der Verliebte aufgeregter und hartnäckiger und seine Unruhe und Schlaflosigkeit nehmen zu. Dabei wird sein Blut verbrannt und in schwarze Galle umgesetzt, und seine gelbe Galle entzündet sich und geht ebenfalls in schwarze Galle über. Dieses Übermaß an schwarzer Galle verdirbt das Denkvermögen, was mit Stottern, Abnahme der Vernunft, unrealistischen Erwartungen und unerfüllbaren Wünschen einhergeht, bis es letztendlich zum Wahnsinn führt. Ein Verliebter tötet dann häufig sich selbst, oder er stirbt vor Kummer, oder er schaut die ganze Zeit auf den Gegenstand seiner Leidenschaft und stirbt dann vor Freude oder Gram. Oder er gibt einen Seufzer von sich, infolge dessen sein Geist vierundzwanzig Stunden lang verschwindet, so dass man denkt, er wäre gestorben, und ihn bei lebendigem Leibe begräbt. Oder er seufzt so tief dass sein Atem in seinem Herzbeutel stecken bleibt; das Herz umschließt ihn und lässt ihn nicht mehr los bis er stirbt. Oder er ist ruhig und starrt die ganze Zeit auf seine Geliebte, oder er sieht diese plötzlich, und dann ist seine Seele auf einmal weg, ganz unerwartet.
Bei einem leidenschaftlich Verliebten lässt sich beobachten, dass das Blut bei bloßer Nennung seines Geliebten aus seinem Gesicht wegzieht; in diesem Fall kann der Ablauf sein wie erwähnt. Wenn jemand in diesem Zustand verkehrt, kann Eingreifen von Menschenhand ihm nicht helfen, sondern er kann nur noch durch eine Gnade, die ihm seitens des Allerhöchsten widerfährt, geheilt werden. Das ist, weil eine zeitweilige Erkrankung, die aus einer unabhängig bestehenden Ursache hervorgeht, zwar beendet werden kann, indem man ihre Ursache wegnimmt, aber wenn zwei Ursachen gleichzeitig auftreten und die eine ist die Ursache der jeweiligen anderen, dann gibt es keine Manier eine von der beiden zu beenden. Wenn die schwarze Galle die Ursache stetigen Grübelns ist, und dies ist wiederum die Ursache des Verbrennens und Umsetzens von Blut und gelber Galle, so dass die Melancholie noch verstärkt wird, dann nimmt das Grübeln mit der schwarzen Galle zu, und die schwarze Galle mit dem Grübeln. Dies ist eine unheilbare Krankheit, die Ärzte nicht behandeln können.”

[Braucht unbedingt noch Überarbeitung!@]

Ausgabe und Übersetzung eines Textes von Muḥammad ibn Dāwūd al-Iṣbahāni (Bagdad, 869–910), Kitāb al-Zahra, hg. A.R. Nykl, Chicago 1932, S. 17. Auf Grund der Handschriften und Textzeugen habe ich einige Textänderungen durchgeführt.

وقال بعض المتطبّبين: العشق طمع يتولّد في القلب وتجتمع اليه موادّ من الحرص. فكلّما قوِي ازداد صاحبه في الاهتباج واللَجاج وشدّة القلَق وكثرة السهر، وعند ذلك يكون احتراق الدم واستحالته الى السوداء والتهابُ الصفراء وانقلابُها الى السوداء. ومن طُغيان السوداء فساد الفكر، ومع فساد الفكر تكون الفدامة ونُقصان العقل ورجاء ما لا يكون وتمنِّي ما لا يتمّ حتّى يؤدّي ذلك الى الجنون. فحينئد رُبّما قتل العاشقُ نفسَه ورُبّما مات غَمّاً ورُبّما نظر الى معشوقه فيموت فرحًا أو أسفًا، ورُبّما شهَق شهقةً فتختفي منها رُوحُه أربعًا وعشرين ساعةً، فيظنّون أنّه قد مات فيقبِرونه وهو حيّ. ورُبّما تنفّس الصُعداءَ فتختنق نفسُه في تأمور قلبه، وينضمّ عليه القلبُ فلا ينفرج حتّى يموت. ورُبّما ارتاح وتشوّف للنَظَر أو رأى من يُحبّ فجأةً، فتخرج نفسُه فجأةً دفعةً واحدة. وأنت ترى العاشق إذا سمع بذكر من يُحبّ كيف يهرُب ويستحيل لونُه وإن كان الأمر يجري على ما ذُكر. فإنّ زوال المكروه عمّن هذه حاله لا سبيل إليه بتدبير الآدميين ولا شفاءَ له الّا بلطفٍ يقع له من ربّ العالمين، و ذلك أن المكروه العارض من سبب قائمٍ منفردٍ بنفسه يتهيّأ التلطّف في إزالته بإزالة سببِه، فإذا وقع السببان وكلّ واحد منهما علّه لصاحبه لم يكن الى زوال واحد منهما سبيل. فإذا كانت السوداء سببًا لاتّصال الفكر وكان اتّصالُ الفكر سببًا لاحتراق الدم والصفراءِ وقلبِها الى تقوية السوداء فالسوداءُ كلّما قويت قوّت الفكرَ، والفكرُ كلّما قوِي قوّى السوداءَ. وهذا هو الداءُ العياء الذي يعجَز عن معالَجته الأطِبّاءُ.

Weiterführende Literatur: H.H. Biesterfeldt und D. Gutas, „The Malady of Love,“ JAOS 104 (1984), 21–55.

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Der Rüssel als Gottesbeweis

Manchmal arbeite ich an der Herausgabe eines arabischen Textes, Kitāb al-i‘tibār fī al-malakūt,1 wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert, der ungefähr hundert teleologische Gottesbeweise enthält (arguments from design).
Die Gottesbeweise laufen meist wie folgt. Erst kommt die Beschreibung von etwas in der Schöpfung, was besonders kompliziert oder zweckmäßig oder schön ist. Darauf wird gesagt, dass etwas so Kompliziertes usw. doch unmöglich durch Zufall zu Stande gekommen sein könne, und dass also ein intelligenter Entwerfer dahinter stecken müsse. In diesem Text wird dieser nicht Gott genannt, sondern der Schöpfer, der Entwerfer u.Ä..
Ist der Gottesbeweis nicht längst veraltet? Ja, aber in den USA ist er wieder quicklebendig. Unter Christen, die die Evolutionstheorie ablehnen, läuft er unter Intelligent Design. Und in der islamischen Welt passt er den Konservativen auch sehr gut, so dass das Kitāb al-i‘tibār neu aufgelegt wird und auch im Internet bruchstückweise verbreitet wird. Der Koran ist voller Hinweise auf die Zeichen Gottes in der Schöpfung, so dass der „Markt“ für ausgearbeitete Gottesbeweise noch sehr lange gegeben sein wird.

Warum sitze ich an einem Text mit solch altem Kram? Nicht um etwa doch noch die Existenz Gottes zu beweisen, sondern weil es interessant ist zu sehen, wie Texte seit der Antike zirkulierten und ständig wiederholt und neu überarbeitet wurden. Mein Text ist nämlich gar nicht islamisch, sondern vielmehr christlich, mit einem gehörigen Schuss Antike. Spuren von Xenophon und Cicero findet man darin, aber auch Gedankengut aus De providentia vom Kirchenvater Theodoret (393–±460). Das Kompendium ist irgendwann ins Syrische übertragen worden, und ins Mittelpersische, und von dort ins Arabische. Es muss Leser gegeben haben, die das Büchlein in seiner ältesten Fassung nicht islamisch genug fanden, denn eine etwas mehr islamisierte Überarbeitung ist auch bewahrt geblieben.
Die Sammlung ist also interessant weil sie die Möglichkeit bietet, die Überlieferung alter griechischen Texte in arabischer Übersetzung zu verfolgen. Manchmal kann mit Hilfe des Arabischen ein mangelhaft überlieferter griechischer Text besser verstanden, oder ein im griechischen Original nicht mehr existierender Text sichergestellt werden. Und auf jeden Fall wird mal wieder ersichtlich, wie die westliche Kultur im Laufe der Jahrhunderte einen großen Kreis beschrieben hat: von Griechenland und Rom über Syrien und Irak nach Spanien und Sizilien. In Europa tat man daraufhin, als hätte man alles direkt von den Griechen übernommen oder selbst erfunden; ein Übel, von dem wir immer noch nicht ganz frei sind.

Hier folgt eine Kostprobe aus der ältesten Fassung, und zwar zum Rüssel des Elefanten. Welche Handschriften ich benutzt habe verrate ich später mal.

  • Schau doch mal auf den Rüssel des Elefanten, wie subtil der entworfen worden ist. Diesem Tier ersetzt er eine Hand um Futter und Wasser aufzunehmen und zu seinem Magen zu bringen. Ohne ihn hätte er nichts vom Boden aufnehmen können, denn er hat keinen Hals, den er hätte ausstrecken können, wie die anderen Pflanzenfresser. Aber weil ihm kein Hals gegeben worden war, wurde ihm stattdessen der lange Rüssel beschert, den er herunterhängen lassen kann um hochzuheben was er braucht. Dieser ist hohl gemacht, so dass dadurch Futter und Wasser zu seinem Magen gebracht werden können. Überdies ist er seine Waffe, mit dem er geben und nehmen, sich verteidigen und angreifen kann.
    Und wer ist derjenige, der ihm etwas als Ersatz für das fehlende Körperteil gegeben hat, wenn nicht der gütige Schöpfer? Wie hätte so etwas durch Zufall zu Stande kommen können, wie die Sünder behaupten?
    Wenn du jetzt fragst: Warum hat er ihn nicht mit einem Hals erschaffen, wie die anderen Pflanzenfresser auch? so antworten wir nach dem Maße unserer Kenntnis und sagen: Der Kopf und die Ohren eines Elefanten sind enorm groß und sehr schwer. Wenn diese auf einem Hals ruhen würden, würde er sie nicht tragen können und zerbrechen. Um das zu verhindern, ist der Kopf unmittelbar am Körper befestigt, und anstatt eines Halses ist für ihn also der Rüssel erschaffen worden, mit dem er sein Futter aufnehmen und auch ohne Hals alle seine Bedürfnisse erfüllen kann.

Der Penis als Gottesbeweis, Die Dummheit von Babys als Gottesbeweis

ANMERKUNG
1. Auch bekannt als Dalā’il al-i‘tibār. Das kleine Werk wird oft al-Ǧāḥiẓ (gest. 868) zugeschrieben. Die erste (nicht-kritische) Ausgabe erschien 1928 in Aleppo.

أنظر الى مشفر الفيل وما فيه من لطف التدبير فانّه صار يقوم له مقام اليد في تناول العلف والماء وايرادهما جوفه. فلولا ذلك لما استطاع أن يتناول شيئًا من الأرض، فانّه ليست له عنق يمدّها كسائر الأنعام. فلمّا عدم العنق أخلف عليه مكان العنق ذلك الخرطوم الطويل ليسدله ويتناول به حاجته. وجُعل أجوف لأنّه وعاء لما يحمل الى صدره من طعامه وشرابه وأيضًا فهو سلاحه وبه يعطي ويتناول ويقابل ويصول . فمن الذي عوّضه مكان العضو الذي عدمه ما يقوم له مقامه الاّ الرؤوف بخلقه؟ وكيف يأتي مثل هذا بالاهمال كما قال الظلمة؟ فان قلت: ما باله لم يخلق ذا عنق كسائر الأنعام؟ أجبنا بمبلغ علمنا فقلنا: انّ رأس الفيل وأذنيه أمر عظيم وثقل ثقيل، فلو كان ذلك على عنق لهدّها وأوهنها. فجعل رأسه ملصقًا بجسمه لكيلا يناله منه شيء مما وصفنا وخلق له مكان العنق هذا المشفر يتناول به غذاءه فصار مع عدمه العنق مستوفيًا ما فيه بلوغ حاجته.

Vgl. Arist. Part an. 658b-659a; Physiologus syr. no. 10; Basil. Hom IX, 85D-86A, Übers. 133

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Muhammad ibn Dawud al-Isbahani

Muḥammad ibn Dāwūd al-Iṣbahānī war ein nicht sehr bekannter Intellektueller aus Bagdad, der von 868–910 lebte. Über ihn habe ich meine Dissertation geschrieben.1 Ein Meisterwerk war das nicht, aber der Stoff ist noch immer interessant. Darum habe ich vor hier die Akte manchmal wieder zu eröffnen.
Der Wikipedia ist Ibn Dawud noch entkommen und den Artikel über ihn in der Encyclopaedia of Islam brauchen Sie nicht nachschlagen. Es gibt den dort zwar, aber er ist ziemlich schlecht und auf jeden Fall veraltet.
Wie alle Intellektuellen seiner Zeit war Ibn Dawud in mehreren Geisteswissenschaften zu Hause. Er war *Rechtsgelehrter, überlieferte *Hadithe und formulierte Meinungen zur *Theologie. Interessanter war er jedoch als *Literaturwissenschaftler und Kritiker. Er schrieb eine *Anthologie der arabischen Poesie in hundert Kapiteln, das *Kitāb az-Zahra,2 was an sich schon eine kritische Tätigkeit war; darüber hinaus gab er in der Zahra kurze *Kommentare zu vielen Gedichtfragmenten; oft ein wenig naiv, aber in einer Weise, die damals neu war. *Dichter war er auch; kein großer Dichter, aber ein eigenartiger. Der Beweis ist noch nicht ganz geliefert, aber es ist wahrscheinlich, dass er seine eigenen Gedichte in seiner Anthologie versteckt hat, unter der Überschrift: „Von einem Zeitgenossen“.
Im Kitāb az-Zahra hat er auch sog. *Graeco-Arabica überliefert: Texte mit einem griechischen wissenschaftlichen und philosophischen Hintergrund, aus dem Griechischen oder Syrischen übersetzt, bearbeitet, noch mal neu geschrieben usw.. Dabei handelt es sich vor allem um populärwissenschaftliche medizinische Literatur. Auch Altphilologen können sich über solche Texte freuen: Sie bieten oft einen Einblick in die Textgestalt womöglich mangelhaft überlieferter griechischer Werke oder in die Anthologien (florilegia) aus byzantinischer Zeit. Ich habe stark den Eindruck, dass Ibn Dawud selbst nicht immer verstand, was er da abschrieb, aber er hielt es wohl für notwendig, seinem Buch einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.
Sehr interessant ist Ibn Dawuds *Liebestheorie, die er anhand der ausgewählten Liebespoesie in den ersten fünfzig Kapiteln entfaltet. Möglicherweise hat seine Theorie sogar Westeuropa beeinflusst. Dass wir uns lieben müssen, wenn wir heiraten, kommt nicht von ungefähr: Irgendjemand hat das erfunden. Das war gewiss nicht Ibn Dawud persönlich, aber die arabische Liebestheorie war sicher von Einfluss.
Interessant ist auch seine Reaktion auf die islamische Mystik (Sufismus), die seinerzeit sehr im Kommen war.
Ansonsten gibt es einige *Anekdoten über sein Leben. Die eine Hälfte handelt von seinen Kontakten mit Juristen und Mystikern; die andere über seine *Liebeskrankheit und seinen Liebestod. Tja, er soll an Liebe gestorben sein; das passierte in der damaligen Literatur öfter. Auch ein lustiges Thema.

ANMERKUNGEN
1. W. Raven, Ibn Dâwûd al–Isbahânî and his Kitâb al–Zahra, (Diss. Leiden), Amsterdam 1989. Wer mag, kann für € 10 ein Exemplar bekommen: einfach Kontakt aufnehmen.
2. – Ibn Dāwūd al-Isbahāni, Kitāb al-Zahra (The Book of the Flower), The first half, Hg. A.R. Nykl und Ibrāhīm Tūqān, Chicago 1933.
– Abū Bakr Muhammad ibn Dāwūd al-Isfahānī, Az-Zahra, Hg. und kommt. Ibrāhīm al-Sāmarrāʾī, az-Zarqāʾ 1406/1985.
– Abū Bakr Muhammad ibn Dāwūd al-Isfahānī, An-niṣf al-ṯānī min Kitāb az-Zahra, Hg. Ibrāhīm al-Sāmarrāʾī und Nūrī al-Qaysī, Baghdād 1975.
– Abū Bakr Muhammad ibn Dāwūd al-Isfahānī az-Zahirī, Kitāb az-Zahra. Parte seconda, Hg. Michele Vallaro, Napoli 1985.

„Alles“ über die Handschriften und Ausgaben hier:
W. Raven, „The manuscripts and editions of Muhammad ibn Dāwūd’s Kitāb al-Zahra,“ in Manucripts of the Middle East 4 (1989), 133–37. Des weiteren:

Diakritische Zeichen: Muḥammad ibn Dāwūd al-Iṣbahānī, Ṭūqān, aẓ-Ẓahirī

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„Platonische“ Liebe

Ibn Dāwūd al-Isbahāni (Bagdad, 868-909) kannte die „platonische Liebe,“ — aber natürlich nicht so, wie der Ausdruck heute verstanden wird. In seinem Kitāb az-Zahra hat er zwei Texte, die etwas mit Plato zu tun haben.
Im kürzesten Text nennt Ibn Dāwūd Plato als Autor:

  • Es wird erzählt, dass Plato gesagt habe: „Ich weiß nicht, was Liebe ist, aber ich weiß, dass sie ein göttlicher Wahnsinn ist, der weder zu loben noch zu tadeln ist.“ 1

Im zweiten Text nennt er den griechischen Philosophen nicht, aber wir müssen unweigerlich an dessen halbierte Menschen und ihre Sehnsucht nach ihrem ursprünglichen Gegenstück denken:2

  • Ein Philosoph behauptet, dass Gott jede Seele rund schuf, in der Gestalt einer Kugel, und sie dann in zwei Hälften auseinanderschnitt und jede Hälfte in einen Leib getan hat. [Wenn nun] ein Leib dem Leib begegnet, in dem sich die Hälfte befindet, die von der Hälfte, die er selbst bei sich hat, abgeschnitten war, so entsteht zwischen ihnen leidenschaftliche Liebe, auf Grund ihres früheren Zusammenpassens. Die Anziehungskraft ist bei Menschen stärker oder schwächer, je nach der Subtilität ihrer Natur.3

Bekannt ist die Kritik des Ibn Hazm al-Andalusī (994–1064) an der Theorie der halben Kugeln:

  • Über das Wesen der Liebe gibt es verschiedene Theorien, die von ihren Verfechtern ausführlich dargestellt worden sind. Meine eigene Auffassung ist, daß die Liebe eine Vereinigung von den in dieser Schöpfung getrennten Seelenteilen in ihrem höheren Ursprungselement ist, u.z. nicht so, daß die Seelen in Teile zerlegte Kugeln sind, die Meinung einiger Philosophen, wie sie Muhammad ibn Dawud wiedergibt, sondern in der Weise, daß die beiderseitigen bewegenden Kräfte in der Heimstatt ihrer höheren Welt gleichartig und nach ihrer Bildungsart verwandt sind.4

Aber auch das Kitāb az-Zahra selbst hat in einer der drei Handschriften einen kritischen Kommentar dazu, den Ibn Hazm offensichtlich nicht kannte. Es ist unklar, ob dieser vom Verfasser oder von einem Abschreiber stammt: 

  • Gegen ihn ist einzuwenden: Wenn wir jemanden finden, der eine andere Person leidenschaftlich liebt, und der Liebhaber stirbt dann vor Liebe, aber die andere Person stirbt vor Hass dem Liebhaber gegenüber, wie war seine Hälfte dann abgeschnitten?
    Und wenn wir einen Mann finden, der zwanzig Menschen liebt, wie viele Hälften hat seine Seele dann? 5

 

ANMERKUNGEN
1. Ibn Dāwūd al-Isbahāni, Kitāb al-Zahra (The Book of the Flower), The first half, hg. A.R. Nykl und Ibrāhīm Tūqān, Chicago 1933, S. 15.

وحكي عن افلاطرن أنه قال: ما أدري ما الهوى غير أني أعلم أنه جنون الاهي لا محمود ولا مذموم.

Dieser Satz kommt so bei Plato nicht vor, aber der Inhalt geht zurück auf dessen Phaedrus 244a-245b.
2. Plato, Symposion 189d–193d.
3. Ibn Dāwūd al-Isbahāni, o.c., S. 15.

وزعم بعض المتفلسفين أن الله جل ثناؤه خلق كل روح مدوّرة على هيئة الكرة، ثم قطعها أنصافًا، فجعل في كل جسد نصفًا وكل جسد لقي الجسد الذي فيه النصف الذي قطع من النصف الذي معه كان بينهما عشق للمناسبة القديمة وتتفاوت أحوال الناس في ذلك بين القوة والضعف على حسب رقة طبائعهم.

4. Ibn Hazm, Von der Liebe und den Liebenden, übers. Max Weisweiler, Leiden 1941, S. 19. Im Original: Abû-Muhammed-Alî-Ibn-Hazm al-Andalusî, Tauk-al-Hamâma, hrsg. D.K. Pétrof, St. Petersburg/Leiden 1914, S. 7:

وقد اختلف الناس في مائيته وقالوا وأطالوا والذي أذهب اليه انّه اتّصال بين أجزاء النفوس المقسومة في هذه الخليقة في أصل عنصرها الرفيع، لا على ما حكاه محمد بن داود رحمه الله عن بعض أهل الفلسفة: الأرواح أُكَر مقسومة لكن على سبيل مناسبة قواها في مقرّ عالمها العلوى ومجاورتها في هيئة تركيبها.

Ibn Hazm, Von der Liebe und den Liebenden, übers. Max Weisweiler, Leiden 1941, S. 19.
5. Ibn Dāwūd al-Isbahāni, Kitāb az-Zahra i, Ms. Torino, Bibl. Reale Nr. 68, fol. 11 a/b.

يقال له فهو [إ]ذا [كنا] نجد واحدًا يعشق واحدًا فيموت العاشق من حبّه وذلك الآخر يموت من بغض من يعشقه، فأنّى قَصّة هذا النصف؟ ونجد الرجل أيضًا يعشق عشرين فكم نصف لروح هذا؟

Diakritische Zeichen: Ibn Dāwūd al-Iṣbahāni, Ṭūqān, Ibn Ḥazm al-Andalusī, Ṭauḳ (Ṭauq) al-Ḥamâma

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