Die Dummheit von Babys als Gottesbeweis

Noch ein Fragment aus dem arabischen Text Kitāb al-i‘tibār fī al-malakūt,1 eine Sammlung von ungefähr hundert teleologischen Gottesbeweise  (arguments from design) christlicher Herkunft, wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert. Ich hatte hier schon mal etwas zu diesem Text erzählt und ein Fragment zum Rüssel des Elefanten als Gottesbeweis gebracht.

Ist der Gottesbeweis nicht längst veraltet? Ja, aber in den USA ist er wieder quicklebendig. Unter Christen, die die Evolutionstheorie ablehnen, läuft er unter Intelligent Design. Und in der islamischen Welt passt er den Konservativen ebenfalls sehr gut, so dass das Al-i‘tibār neu aufgelegt wird und auch im Internet bruchstückweise verbreitet wird. Der Koran ist voller Hinweise auf die Zeichen Gottes in der Schöpfung, so dass der „Markt“ für ausgearbeitete Gottesbeweise noch sehr lange gegeben sein wird. Obwohl die Gattung eigentlich völlig sinnlos ist, denn Gläubige brauchen die Beweise nicht und Ungläubige lassen sich dadurch nicht beeindrucken. Überdies würde der Beweis der Existenz eines Gottes nicht reichen. Man müsste auch noch beweisen, dass der so nachgewiesene Gott etwas mit der Bibel, dem Koran oder anderen verehrten alten Texten zu tun hätte, was völlig unmöglich ist, es sei denn, man glaubt es schon im Voraus.

Hier folgt eine Kostprobe über die Dummheit von Säuglingen. Welche Handschriften ich benutzt habe verrate ich später im Buch.

  • Überdenke mal einen anderen Aspekt der Beschaffenheit des Menschen, und zwar dass er dumm und ohne Vernunft geboren wird. Würde er mit Vernunft und Verständnis geboren, so fände er die Welt bei seiner Geburt derart merkwürdig, wenn er seine neue Umgebung betrachtete und mit Sachen konfrontiert würde, die er noch nie gesehen, dass er vollkommen in Verwirrung geraten und den Kopf verlieren würde. Denke zum Beispiel an einen erwachsenen, welterfahrenen Mann, der als Gefangener vom einen Land ins Andere überführt wird. Er wird dort wie ein verwirrter Idiot sein und nicht so schnell die Sprache lernen und die Manieren aufschnappen wie jemand, der bereits im jugendlichen Alter gefangen genommen wird. Dazu kommt noch Folgendes: Ein intelligent geborener Säugling würde darunter leiden herumgeschleppt, gestillt, in alten Lappen eingepackt und in der Wiege zugedeckt zu werden, obwohl er das alles schon braucht, weil sein Körper bei seiner Geburt so weich und zart ist. Des Weiteren wäre er dann gar nicht mehr so süß und er würde nicht mehr diesen besonderen Platz in den Herzen einnehmen. Aber sowie es jetzt ist, kommt ein Kind dumm auf die Welt, ohne Ahnung von der Sachlage mit allen diesen Verwandten rund um ihn, und er tritt allem mit schwacher Intelligenz und mangelhafter Kenntnis entgegen. Dann nimmt seine Kenntnis ganz allmählich zu, bis er mit den Dingen vertraut wird und Erfahrungen sammelt; dann verlässt er die Phase des verwirrten Sinnierens und fängt an seine eigenen Sachen zu regeln und aktiv seinen Lebensunterhalt zu verdienen.Es gibt noch andere Gesichtpunkte. Wenn ein Mensch mit ausgewachsener Intelligenz und selbständig geboren würde, so würde sowohl der Anlass zur Kindererziehung wie auch das für die Eltern an dieser Tätigkeit vorgesehene Interesse entfallen, weil das Großziehen durch die Eltern nämlich ein Anspruch auf Sorge und Zuneigung von ihren Kindern einbringt, im Augenblick, da sie diese ihrerseits brauchen. Überdies würden dann Kinder und Eltern keine gegenseitigen Bande mehr knüpfen, weil die Kleinen die Erziehung und Fürsorge ihrer Eltern nicht brauchten. Sie stünden schon gleich bei der Geburt auf eigenen Füßen, so dass niemand seine Eltern kennen lernen würde. So würde ein Junge auch nicht davon abgehalten werden Geschlechtsverkehr mit seiner Mutter und Schwester zu haben, weil er diese nicht kennte. Wenn ein Kind den Bauch seiner Mutter vernunftbegabt verließe, wäre das geringste Übel noch, dass er Unerlaubtes von ihr zu sehen bekäme, das er besser nicht gesehen hätte.

Meist steht bei solchen Beispielen noch die rhetorische Frage: Kann ein derart wunderbarer Entwurf wirklich auf Zufall zurückgehen, oder steckt doch ein intelligenter Entwerfer dahinten? Hier fehlt diese Frage, aber Sie können sie hinzudenken und wenigstens anerkennen, dass es schön geregelt ist, so wie es ist.

ANMERKUNG
1. Auch bekannt als Dalā’il al-i‘tibār. Das kleine Werk wird zu Unrecht oft al-Djāhiz (gest. 868) zugeschrieben. Die erste (nicht-kritische) Ausgabe erschien 1928 in Aleppo.

فكر‏ في‏ أمر الانسان‏ في‏ باب‏ آخر وهو‏ ولاده‏‏ حين‏ يولد‏ غبيّاً‏ غير ذي‏ عقل وفهم‏. فانّه لو كان‏ يولد‏ عاقلاً‏ فاهمًا‏‏ لأنكر العالَم عند ولاده‏ حتّى‏ يبقى حيرانًا تائه العقل اذا رأى ما‏‏‏ لم‏ يعرف وورد عليه‏ ما لم‏ ير مثله‏. واعتبر‏‏ ذلك بأن من سبي‏ من بلد الى بلد وهو‏ محتنك يكون كالواله الحيران ولا يسرع‏ في‏ تعلم‏ الكلام‏ وقبول الأدب كما يسرع‏ الذي‏ سبي صغيرًا. ثم كان لو ولد‏ عاقلًا وجد‏ غضاضة أن‏ يرى نفسه محمولاً‏ ومرضعًا معصّبًا بالخرق ومسجىً في المهد،‏ على أنّه كان لا‏ يستغني‏ عن هذا كلّه لرقّة بدنه ورطوبته حين‏ يولد‏. ثم كان لا‏ يوجد له من الحلاوة والموقع في‏ القلوب‏ ما‏ يوجد للطفل.‏ فصار يدخل‏ العالم‏ غبيّاً غافلاً‏ عمّا فيه أهله فيلقي‏ الأشياء بذهن ضعيف ومعرفة ناقصة‏. ثم لا‏ يزال‏ يتزيّد في‏ المعرفة قليلاً‏ قليلاً‏ وشيئًا بعد شيء حتى‏ يألف الأشياء ويتمرّن‏ عليها فيخرج من حد التأمّل لها والحيرة‏ فيها‏ الى التصرّف في‏ الأمور‏ والاضطراب في‏ المعاش‏.

‏وفي هذا أيضًا‏ وجوه أخر،‏ فأنّه لو كان‏ يولد‏ تام العقل مستقلاً‏ بنفسه لذهب موضع تربية الأولاد وما دبّر‏ أن‏ يكون للوالدين في‏ الاشتغال به من المصلحة وما توجب التربية للآباء على البنين‏ من المكافأبة بالبرّ‏ والعطف عند حاجتهم الى ذلك منهم‏. ثم كان الأولاد لا‏ يألفون آباءهم ولا الآباء‏ يألفون‏ أبناءهم لأنّه كان‏ الأولاد‏ يستغنون عن تربية الأباء وحياطتهم فيتفرّقون عنهم حين‏ يولدون‏ حتّى لا‏ يعرف الرجل أباه وأمّه. ولا‏ يمتنع من نكاح أمّه وأخته إذ كان لا‏ يعرفها‏. وأقلّ‏ ما كان‏ يكون في‏ ذلك أن يخرج‏‏ من بطن أمّه‏ وهو يعقل فيرى منها ما‏ لا‏ يحلّ‏ له‏ ولا‏ يحسن به أن‏ يراه‏.

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