Grüße aus Islamistan

DjizyaIm „Islamischen Staat“ wird djizya erhoben, die Kopfsteuer für tolerierte Nicht-Muslime (dhimmis), die bereits im Koran erwähnt wird und die vor langer Zeit tatsächlich in islamischen Ländern gängig war. Der Armenier in der Quittung hat ungefähr 125 Euro bezahlen müssen, das ist in etwa ein Monatsgehalt. Reicht das als Beitrag für ein Jahr?
Man sieht, dass in [halbwegs] realem Geld bezahlt worden ist; nicht in der im Vorjahr angekündigten Währung des Kalifats.

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[ÜBERSETZUNG]
Der Islamische Staat
Justizministerium
Das islamische Gericht zu: Raqqa
Aktennummer:

Montag, der 16.2.1436, das ist der 8.12.2014

QUITTUNG Nr. 1391
Empfänger: Faruq
Empfangen von: Sarkis Nuri Aralkian
Summe: 27.200 Syrische Pfund
Wegen: Djizyazahlung

Unterschrift Empfänger: [Unterschrift]
Unterschrift Zahlender: [Unterschrift]

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Paradies: Wein

Während, oder gerade weil, der Koran nach der gängig gewordenen Interpretation das Weintrinken verbietet, ist dieser im Paradies reichlich vorhanden. Es gibt dort Flüsse von Wasser, Wein, Milch und Honig.1
Flüsse von Wein: einen Augenblick kommen vielleicht Zweifel an der Qualität auf? Aber nein, die Frommen bekommen aus verschlossenen Krügen einen hervorragenden Wein gereicht: „Sie erhalten versiegelten edlen Wein zu trinken, dessen Siegel aus Moschus besteht, […] und dessen Mischwasser von Tasnīm kommt, von einer Quelle, an der diejenigen trinken, die [Gott] nahestehen.“2 Ob ausgerechnet sie dieses Tröpfchen zu schätzen wissen? In einem anderen Vers ist die Rede von einem [Getränk,] „von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden.“3
Der Wein wird von „ewig jungen Knaben“ herumgereicht; wer sie sieht, meint, „sie seien ausgestreute Perlen.“4
Wie kann Wein auf Erden verboten und im Paradies erlaubt sein? Auf diese Frage hat unter anderen der Rechtsgelehrte Ibn Dāwūd al-Iṣbahānī eine Antwort: Der Wein im Paradies hat offensichtlich andere Eigenschaften und ist deshalb anderer Natur als der Wein auf Erden.
Braucht man dazu einen Juristen? Der Gegensatz zwischen unserer Welt und dem Paradies ist ohnehin offensichtlich, wie in der Bibel auch. Aber während die Bibel auflistet, welches Elend dort nicht ist: „keinen Hunger und keinen Durst, keine Hitze, keine Tränen; keinen Tod, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz,“ 5 ist der Koran positiver und konzentriert sich auf das, was im Paradies vorhanden ist: Wasser, Milch, Wein, Honig, *Houris, Obst, Geflügel und kostbar eingerichtete Wohnungen. Im alten Arabien waren die meisten dieser Sachen nicht oder nur mit viel Mühe erhältlich. Der Wein war notorisch schlecht und sogar an Milch und Wasser mangelte es manchmal. Die Paradiesbewohner dagegen können darüber reichlich und mühelos verfügen.

ANMERKUNGEN
1. Koran 47:15.
2. Koran 83:25–28.
3. Koran 56:18–19.
4. Koran 56:17; 76:19.
5. Bibel, Offenbarung 7:16–17; 21:4.

Mehr lesen:
– Kathryn Kueny, „Wine,“ in EQ.
– J.D. MacAuliffe, „The Wines of Earth and Paradise. Qurʾānic proscriptions and promises,“ in: R.M. Savory und D.A. Agius (hg.), Logos islamikos. Studia islamica in honorem Georgii Michaelis Wickens, Toronto 1984, 159–74.

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Ibn Dawud als Rechtsgelehrter: Wein

(Übersetzter Text)

Ein gewisser Kalif,1 dessen Vernunft durch die Betrunkenheit der Lüste benebelt ist, wird vielleicht sagen: „Wie kann [Wein] verboten und tadelnswert sein und zur gleichen Zeit lobenswert, obwohl doch seine Substanz (ʿayn) ein und dieselbe ist und die Scharia ihn nicht für verboten erklärt?“ Man könnte ihm entgegen halten: „Der Wein, der in dieser Welt tadelnswert ist, ist nicht derselbe wie der Wein, der im Jenseits lobenswert ist, denn diejenigen, die ihn dort trinken, bekommen weder Kopfweh noch werden sie betrunken.2 Jener Wein führt nicht zu Aggression oder Hass, und wird niemanden davon abhalten, Gott zu gedenken oder von seinen Ordnungen ablenken. Aber der Wein hier tut das alles schon, und deshalb ist der Wein in dieser Welt tadelnswert und der im Jenseits lobenswert.“ 3

ANMERKUNGEN:
1. Baʿḍ al-ḫulafāʾ: gemeint ist vielleicht Ibn al-Muʿtazz, ein Zeitgenosse des Autors, der einen Tag lang Kalif war und eine freizügige Abhandlung zum Weintrinken geschrieben hat: (Fuṣūl al-tamāṯīl, Cairo 1925). Oder soll man statt al-ḫulafāʾ vielmehr al-ḫulaʿāʾ lesen, „ausschweifend, liederlich“? Aber das Wort hatte meines Wissens zu der Zeit noch nicht diese moderne Bedeutung.
2. Koran 56:19.
3. Muḥammad ibn Dāwūd al-Iṣbahānī, Kitāb al-Zahra, Kap. 81.

فلعل بعض الخلفاء أن يغلب على عقله سكرة الأهواء فيقول: كيف تكون محرمة مذمومة وممدوحة، وعينها واحدة، ولم تأت الشريعة بتحريمها؟ فيقال له: الخمر المذمومة في هذه الدار غير الخمر المدوحة في تلك الدار، لأن أصحاب تلك الدار لا يصدعون عنها ولا ينزفون منها، وتلك لا توقع العداوة والبغضاء، ولا تصد عن ذكراه وعن فرضه. وهذه الخمر تفعل جميع ذلك، فلهذه العلل صارت الخمر في الدنيا مذمومة وفي الآخرة ممدوحة.

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