Grammatik Klassisch-Arabisch 2.1

đŸ‡łđŸ‡± Leser meines Beitrags zur klassisch-arabischen Grammatik werden es gesehen haben: die neueste umfassende Syntax des klassischen Arabisch datiert auf 1921. Alter Kram also, mit dem man sich nicht mehr beschĂ€ftigen muss? Sogar die Arbeit an einer Syntax des modernen Hocharabisch scheint zum Erliegen gekommen zu sein; um so mehr natĂŒrlich die an der klassischen Sprache.

Aber den Wunsch alte arabische Texte zu lesen gibt es in kleinem Kreis noch immer, wenn auch die meisten Leser sich auf religiöse Texte beschrÀnken. Ob Sie es mir glauben oder nicht: TextverstÀndnis erfordert Kenntnis der Grammatik.

Zum GlĂŒck haben jetzt einige Arabisten die Initiative ergriffen mit modernen Mitteln die Syntax der Ă€lteren Sprache wieder besser zugĂ€nglich zu machen. Eine vorlĂ€ufige Webseite finden Sie hier. DemnĂ€chst wird daraus eine Online-Zeitschrift entstehen. Der GrĂŒnder, Frank Weigelt, sagt dazu: „Die Seite soll spĂ€ter als Online-Zeitschrift aufgebaut sein, so dass die einzelnen BeitrĂ€ge als Zeitschriftenartikel zĂ€hlen und ordentlich zitiert werden können. Die Zeitschrift wird lanciert, wenn der methodische Rahmen feststeht.“

Derselbe Frank Weigelt hat jetzt ein Buch geschrieben: „EinfĂŒhrung in die arabische Grammatiktradition“. Hier gibt es einen kleinen Auszug: https://uib.academia.edu/FrankWeigelt. Dazu noch Folgendes von seiner Hand:
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„Ein wichtiges Thema, wie man meinen sollte, aber die meisten Arabisten, Studierende wie Kollegen  werden sagen: „Was interessiert mich die Grammatik? Außerdem lerne ich nicht nach der arabischen Methode.“ Dem muß man entgegnen: Die traditionelle arabische Sprachideologie hat die Art, wie wir an der Uni arabisch lernen stark beeinflußt, ohne daß es jemand wirklich weiß. Es geht dabei nicht nur um die Art, die Grammatik zu beschreiben, sondern um die ganze Herangehensweise an die Sprache. Die meisten denken: Die arabischen  Grammatiker und Lexikographen haben so viel ĂŒber ihre Sprach geforscht, da werden sie schon das Wichtigste herausgefunden haben, falls ich mal etwas wissen muß, schlage ich bei ihnen nach. Die Spezialisten unter uns wissen natĂŒrlich, daß das so einfach nicht geht – und ich denke, das Wissen um die Methodik der arabischen Gelehrten sollte in der Arabistik Gemeingut werden. Damit man deren Werke mit Gewinn und kritischem Abstand nutzen kann. Und weil die Grammatiktradition ein ganz wesentlicher Teil der arabischen Kultur ist: Alle arabischen Schulkinder verbringen Jahre ihres Lebens damit, sich die Regeln der alten Grammatiker einzupauken.
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Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und erklĂ€rt die Entwicklung und Bedeutung der arabischen Grammatiktradition in ihrem historischen Zusammenhang. Ihr VerstĂ€ndnis ist auch heute noch der SchlĂŒssel, wenn man mit einem einheimischen arabischen Gelehrten ĂŒber sprachliche Fragen sprechen will. Sie bestimmt bis zum heutigen Tag die Einstellung der Araber zu ihrer Muttersprache.
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Das Einleitungskapitel gibt einen Überblick ĂŒber die arabische Sprachgeschichte und erörtert die Frage, was eigentlich klassisches Arabisch (und was fusha und was Hocharabisch) ist. Dann werden die grundlegenden Funktionsprinzipien der traditionellen arabischen Grammatiktheorie erklĂ€rt und die grammatische Wissenschaft ihn ihren gesellschaftlichen und religiösen Zusammenhang eingebettet. Ein eigenes Kapitel nimmt die „westliche“ Herangehensweise unter die Lupe und stellt die entscheidenden Unterschiede zu den arabischen Grammatikern heraus. Es versucht einen Einblick in den derzeitigen Stand der arabischen Sprachwissenschaft in Deutschland zu geben, LĂŒcken aufzuzeigen und Hinweise fĂŒr weitere Studien zu geben. In allen Kapiteln werden ausfĂŒhrliche Hinweise auf grundlegende und weiterfĂŒhrende Literatur gegeben, so daß das Buch besonders von Studierenden mit Gewinn benutzt werden kann.
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Es schließt mit der Forderung nach einer Modernisierung von Terminologie und Methodik und nach grĂŒndlicher sprachwissenschaftlicher Ausbildung der Studierenden. Nur so kann unsere Kenntnis des klassischen Arabisch, die immer noch lĂŒckenhaft ist, Fortschritte machen.“

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