Marxistisches Kalifat

Robert Hoyland zur Inspirationsquelle des „Kalifats“:

  • The founding fathers of this revolutionary thinking, Karl Marx (Communist Manifesto, 1848) and Friedrich Engels (On Authority, 1874), had been very clear: the aims of revolutionaries could only be achieved “by the forcible overthrow of all existing social conditions”, and the rule brought about by revolution could only be preserved “by means of the terror which its arms inspire.” Such radical thinking has no parallel in the message of Muhammad and the first caliphs, who simply preached a return to the original monotheism that all mankind had once followed. (Lesen Sie den ganzen Artikel!).

Ich habe früher beim Marxismusunterricht nie gut aufgepasst, aber die erstaunlichen Zitate stimmen tatsächlich. Von dem renommierten Oxfordhistoriker wäre auch nichts anderes zu erwarten. Die Militärführer des „Islamischen Staats“ haben während ihrer Ausbildung und Karriere unter Saddam Hussein mit Sicherheit mehr von Marx, Lenin, Stalin und Hitler als vom Propheten Mohammed und den ersten Kalifen gelernt. Erst nach dem 2. Golfkrieg wurden sie so etwas wie Muslime, dazu von Saddam gezwungen, der mal eine neue Strategie ausprobierte.
Die Bibel des „Islamischen Staats“ ist Abū Bakr Nādjī, Idārat al-tawahhush, ins Englische übersetzt als The Management of Savagery. Es ist ein ziemlich mühsames, halbintellektuelles Buch. Was für ein Schund ist das! Ich möchte hier keine Werbung machen; wenn Sie es unbedingt sehen wollen, suchen Sie bitte selbst im Internet.
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Wenn das Buch auch voller verzerrter Geschichtsschreibung über das erste islamische Jahrhundert ist, die Idee, dass nur Terror zu einer neuen Ordnung führt, wird auch hier verbreitet. Und das hat der Autor wirklich nicht aus dem Koran oder von den ersten Muslimen übernommen. Bei den frühesten arabischen Eroberungen (632-661) wurde schon mal eine Stadt in Brand geschossen oder ein Blutbad angerichtet, je nach der politischen Lage und der Stimmung in der Truppe. Aber meist herrschte Pragmatismus und lief es wie immer in der Antike: Es wurden weiße Fahnen geschwenkt und verhandelt, es wurden Abstandssummen bezahlt und so weiter. Es war ja für die Eroberer interessanter, intakte, funktionierende Städte und Landgüter zu bekommen als kaputte, während die Leidtragenden gerne noch ihr Leben und wo möglich ihre Besitztümer behielten. Sie wurden auch gebraucht, denn die Araber konnten nicht auf Anhieb ein Reich regieren.
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Von einem „neuen Menschen“ war damals auch nicht die Rede: Die Besiegten konnten anfangs weder Araber noch Muslime werden. Den Islam gab es noch nicht sofort und als er Gestalt annahm, wollten die Araber von den Besiegten lieber Kopfsteuer erheben als allerlei fremde Leute in ihre Reihen aufnehmen.
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Ich denke schon, dass Hoyland recht hat mit seiner Parallele zum Marxismus. Als religiöse Soße zur IS-Doktrin dient eine Auswahl aus Koranversen und alten islamischen Texten. Und auch noch etwas von den Wahhabiten; die kommen in Hoylands Artikel nicht vor. Einfache Gemüter werden sicher auch durch blutige Computerspiele, apokalyptische Filme und Gewaltfilme u.a. beeinflusst worden sein.

Diakritische Zeichen: Abū Bakr Nāǧī, Idārat al-tawaḥḥuš

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