Die Quellen der Prophetenbiographie (sira)

BAUSTELLE!
Weil die sira nicht nur Biografie des Propheten ist, sondern ein ganzer Literaturzweig, ist es wenig sinnvoll immer nur das berühmte Buch von Ibn Isḥāq (gest. 767) in der Rezension des Ibn Hišām (gest. ± 828) zu lesen. Die Schriften des ʿ‘Urwa ibn az-Zubair zum Beispiel sind erheblich älter und mindestens so wichtig. Hier folgt ein Überblick der frühesten Quellen, von denen ungefähr die Hälfte in Übersetzungen studiert werden kann. Meiner Meinung nach sind die späteren sira-Bücher weniger interessant, obwohl man immer wieder darauf hinweist, dass späte Bücher frühe Texte enthalten können. Mag sein; es gibt aber erst noch sehr viel zu lesen, das nachgewiesen alt ist.
Für die späteren sīra Werke →Kister, Sīrah, 366-7 und →Schöller, Exegetisches Denken, 64-70.

– Die Erzähler, Qiṣṣa: hier kurz behandelt
– Wahb ibn Munabbih
– ‘Urwa ibn az-Zubair: hier kurz behandelt
– Mūsā ibn ‘Uqba
– Az-Zuhrī
– Ibn Isḥāq und seine Herausgeber: hier bereits vorhanden
– Maʿmar ibn Rāšid in ʿAbd al-Razzāq al-Ṣanʿānī, Muṣannaf Bd. 5    Arabischer Text als pdf hier
– Al-Wāqidī
Ibn Saʿd
– Hadithsammlungen: folgt gleich hierunter
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Hadithsammlungen.
Verschiedene Sammlungen haben eine maġāzī-Abteilung, d.h. ein Kapitel über die Kriegszüge des Propheten, aber auch über die Biografie generell. So z.B. die Sammlungen von →Ibn Abī Šaiba (Muṣannaf, xiv, 283-601) und →al-Buḫārī (Ṣaḥīḥ, Maġāzī). Maʿmar ibn Rāšid verdient und bekommt ein Extraartikelchen, weil seine Sammlung einen separaten Block Texte mit einer gewissen Grad der Komposition bildet, was bei anderen Sammlungen nicht der Fall ist. Auch sonst kommen sīra Fragmente überall zerstreut in den Hadithsammlungen vor. Viele Erzählungen, die in den frühesten Quellen keine oder nur eine mangelhafte Überliefererkette (isnad) hatten, wurden salonfähig gemacht, indem man sie mit einer Kette versah und in die sog. „kanonischen “ Hadithsammlungen hinüberrettete. Hadith will aber nicht immer gerne erzählen, sondern konzentriert sich vor allem auf das, was erlaubt, unerlaubt oder ethisch empfehlenswert ist. Sira-Elemente können im Hadith deshalb de- oder rekontextualisiert werden. Es ist zum Beispiel interessant zu sehen, wie die Benutzung eines Zahnholzes durch den Propheten auf seinem Todesbett (→Ibn Isḥāq, Sīra, 1011) sich im Hadith von einem kleinen Erzählelement in ein Beispiel für das Alltagsleben verwandelte (→Buḫārī, Ṣaḥīḥ, Maġāzī 83 und Ǧumʿa 9, und →Raven, Chew stick). Es gibt aber auch Hadithe, die aussehen, als enthielten sie Biographisches, aber die in Wirklichkeit von Anfang an als Grundlage einer Rechtsregel gemeint waren. Ich rechne dazu z. B. das Material zu Māriya, einer koptischen Sklavin, die dem Propheten von einem christlichen Herrscher, dem  Muqauqis van Alexandrien, geschenkt sein soll und die Ibrāhīm gebar, der laut Überlieferung das jung verstorbene Söhnchen des Propheten war. Zu Ibrāhīm steht mein Artikel hier, über Māriya hier.

BIBLIOGRAPHIE (wächst!)
Primär:
– Al-Buḫārī: Ṣaḥīh al-Buḫārī, hrsg. Krehl/Juynboll, Leiden 1862–1908 [der 4. Band ist gut brauchbar, die anderen sind mäßig. Etliche andere Ausgaben; die meisten schlampig].
– Ibn Isḥāq: Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd al-Malik Ibn Hischâm, uitg. F. Wüstenfeldt. 2 Bde., Göttingen 1858-60.
– Ibn abī Šaiba, Muṣannaf, 15 Bde., Ḥaydarābād 1966 ff.
– ʿAbd ar-Razzāq aṣ-Ṣanʿānī, Muṣannaf, 11 Bde + Indexband, Beirut 1973.

Sekundär:
– M. J. Kister, „The sīrah literature,“ in: A.F.L. Beeston (hg.), The Cambridge History of Arabic Literature. Arabic literature to the end of the Umayyad period, Cambridge 1983, 352–67. Auch online.
– W. Raven, „The Chew Stick of the Prophet in Sīra and Ḥadīth,“ in: A. Akasoy & W. Raven (hg.), Leiden 2008, 593-612.
– M. Schöller, Exegetisches Denken und Prophetenbiographie. Eine quellenkritische Analyse der Sīra-Überlieferung zu Muḥammads Konflikt mit den Juden, Wiesbaden 1998.

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