Kalif (Kurzdefinition)

Kalif, Arabisch khalīfa, Pl. khulafā’= „Stellvertreter“ oder „Nachfolger“. „Stellvertreter Gottes auf Erden“ nämlich: khalīfat allāh; manchmal auch genannt: „Stellvertreter/Nachfolger des Propheten,“ khalīfat rasūl allāh.

Der Kalif ist idealerweise das Staatsoberhaupt des islamischen Staates. Trotz aller Einheitsideale hat es aber des Öfteren mehrere islamische Staaten nebeneinander gegeben, und auch mehr als einen Kalifen.

Die sunnitischen Kalifen hatten nach 945 hauptsächlich eine zeremonielle Funktion inne, während die wirkliche Macht bei Großweziren (Staatsminister), Sultanen oder Militärführern lag. Danach haben Kalifen niemals mehr zu großer Macht zurückgefunden. Als 1258 die Mongolen Bagdad stürmten, wichen die Abbasidenkalifen nach Kairo aus, wo sie unter den Mamlukenherrschern, die Legitimation brauchten, noch fast drei Jahrhunderte eine rein zeremonielle Funktion ausübten — aber offiziell noch immer als Stellvertreter Gottes auf Erden (nā’ib Allāh fī ardihi). Als 1517 die Osmanen nach Kairo kamen, wurde das Abbasidenkalifat abgeschafft. Fortan war „Kalif“ einer der Titel des osmanischen Sultans in İstanbul. 1924 schaffte Atatürk im Rahmen seiner Modernisierung der Türkei das Kalifat ganz ab.

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Andere Kurzdefinitionen: Anlässe der Offenbarung, DhimmiFatwa, Hadith, Isnad, Isra’iliyat, Koranauslegung, Muslim, Naskh, ProphetenerzählungenSabab an-nuzulSchariaSiraSunnaTafsirTaqiya,

Diakritische Zeichen: ḫalīfa, ḫulafāʾ,ḫalīfat allāh, arḍihi

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