Taqiya (Kurzdefinition)

Taqiya (Arab. taqīya  تقية : „Furcht, Vorsicht“) ist nach islamischer Lehre: das erlaubte Verheimlichen des eigenen Glaubens und das Unterlassen ritueller Pflichten bei Zwang oder wenn Gefahr droht. In den ersten drei Jahrhunderten des Islams gab es manchmal Umstände, in denen dies für Schiiten zu empfehlen war. Deshalb ist der Begriff vor allem bei den Schiiten hängen geblieben. Die meisten sunnitischen Muslime haben dieses Wort wahrscheinlich nie in dieser speziellen Bedeutung gehört. Momentan werden außer in Myanmar nirgendwo Muslime ob ihres Glaubens verfolgt, so dass dieser verstaubte Begriff besser im Archiv hätte bleiben können.
Aber bei Islamhassern im heutigen Europa hat dieses Wort (auch geschrieben als taqiyya, taqqiya, takiyyah, takkiya usw.) ein neues Leben und eine uneigentliche Bedeutung erhalten. Für sie bedeutet es: Heuchelei, Notlügen, frommer Betrug, mit doppelter Zunge sprechen u.dgl., und dies alles speziell von Muslimen betrieben und religiös begründet. Die Verfasserin Bat Ye’or verwendet es in diesem Sinne in ihrem virulenten Anti-Islamdiskurs, der in Kreisen hasserfüllter Islam-Gegner gerne übernommen wird. Khomeini hat das Wort taqiya auch schon mal in diesem Sinne aufgefasst, aber in der sunnitischen Welt ist es nicht gängig geworden.

Muslime lügen und heucheln natürlich wie jeder andere auch. Aber dafür gibt es im Arabischen moderne, alltägliche Wörter und Ausdrücke wie kidhb, nifāqriyā’ und kidhba baydā’, und nicht-arabischsprachige Muslime benennen es in ihren eigenen Sprachen. Sie sehen keinen Grund das alte Wort taqīya zu verwenden oder religiöse Argumente für ein solches Benehmen anzuführen.

Kurzdefinitionen: Anlässe der Offenbarung, DhimmiFatwa, Hadith, Isnad, Isra’iliyatKalif, Koranauslegung, Muslim, Naskh, ProphetenerzählungenSabab an-nuzul, Scharia, Sira, SunnaTafsir

Diakritische Zeichen: kiḏb, nifāq, riyāʾ, kiḏba bayḍāʾ

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