Al-Kisa’i

Muḥammad ibn ‘Abdallāh al-Kisāʾī ist ein in Vergessenheit geratener arabischer Autor, von dem nicht genau bekannt ist, wer er war und wann er lebte. War es im 10. Jahrhundert? Wir haben ein Buch von ihm mit dem Titel Qisas al-anbiyā’ (Prophetenerzählungen), das herausgegeben und ins Englische übersetzt worden ist. In der islamischen Welt ist es kaum bekannt, aber das muss früher anders gewesen sein, denn es ist in etlichen Handschriften erhalten.
Seine Sammlung Prophetenerzählungen ist einerseits viel dünner als die bekanntere Sammlung des ath-Thaʿlabī, hat aber andererseits alte „Erzähler“-Materialien bewahrt, die von woanders her nicht bekannt sind. Wie immer in solchen Erzählungen wimmelt es in den Texten von Koranversen; die aber sind des Öfteren erst nachträglich in die jeweilige Erzählung eingefügt worden, die ursprünglich ohne exegetische Absicht vorgetragen wurde. Die Propheten sind bei al-Kisāʾī ausdrücklich Wundertäter. Die Wichtigkeit Mohammeds und der Stadt Mekka wird ständig betont, wenn auch beide nicht zum eigentlichen Erzählstoff gehören. Die „Magerkeit“ der Erzählungen hat zu der Annahme geführt, dass al-Kisāʾī’s Buch ursprünglich eine Art Handbuch für Erzähler war, die das Material beliebig ergänzen und ihm ihre eigene Gestaltung mitgeben konnten. In den Handschriften weist der Text große Unterschiede auf, was darauf hindeutet, dass eine Anzahl von Überarbeitungen stattgefunden hat.

Al-Kisāʾī über die Hölle

BIBLIOGRAPHIE
Primär: Al-Kisāʾī, Vita prophetarum, hg. Isaac Eisenberg, Leiden 1922. Englische Übersetzung: Tales of the Prophets (Qiṣaṣ al-anbiyāʾ), translated by Wheeler M. Thackston Jr., Chicago 1997.
Sekundär: Roberto Tottoli, Biblical Prophets in the Qurʾān and Muslim Literature, London/New York (Routledge) 2002, 151–155; dort auch weitere bibliographische Hinweise. Etwas älter: T. Nagel, „al-Kisāʾī,“ in EI2.

Diakritische Zeichen: Muḥammad, Qiṣaṣ al-anbiyāʾ, aṯ-Ṯaʿlabī

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