Die Ridda-Kriege

Die Ridda-kriege sind die Feldzüge, die 632–634 geführt wurden, um die ganze Arabische Halbinsel dem neugebildeten Staat in Medina einzuverleiben.
Dazu gibt es eine traditionell-islamische Überlieferung und eine moderne historiographische Betrachtung. Wie bei vielen Themen aus der frühislamischen Geschichte klaffen diese weit auseinander.

Die islamischen Quellen betrachten die Sache religiös. Nach ihnen hatte Mohammed ganz Arabien unter sich vereint, aber sofort nach seinem Tod verleugneten etliche Stämme den Islam wieder. Oder in den Worten des Prophetenbiographen Ibn Ishāqs:

  • Als der Prophet verstorben war, wurden die Araber abtrünnig, lebten Christentum und Judentum wieder auf und trat die Halbherzigkeit (nifāq) ans Tageslicht. Die Muslime waren wie Schafe im Regen in einer Winternacht, nun da sie den Propheten verloren hatten, bis Gott sie unter Abū Bakr wieder vereinte.1

Während des zweijährigen Kalifats des Abū Bakr wurden in einer Reihe von Feldzügen, viele unter Führung des berühmten Generals Khālid ibn al-Walīd, die Abtrünnigen unter dem Banner des Islam zurückgebracht. Auch wurde mit einigen „falschen Propheten“ abgerechnet, unter ihnen Musailima.
Ridda bedeutet ‘Glaubensabfall’ und in der Tat: In dieser Überlieferung wird die Vergangenheit religiös gestaltet und interpretiert .

Moderne Historiker beschreiben Ereignisse aus der Vergangenheit nicht religiös. Nach ihnen nahm der neue Staat im Jahr 632 nur einen kleinen Teil der Halbinsel ein. In den Jahren danach wurde Arabien nicht wiedervereint, sondern zum ersten Mal vereint. Die Stämme, die sich Medina anschlossen, taten das nicht aus Religiosität, sondern aus politischem Kalkül. Sie sahen die Vorteile eines größeren Bündnisses und hatten dafür eine gewisse Unterordnung unter die zentrale Gewalt und einiges an Steuern übrig. Und wenn sie nicht einsichtig waren, wurde ihnen während der Ridda-Feldzüge mit Drohung und Gewalt auf die Sprünge geholfen. Es gab auch noch nicht etwas wie einen fertigen Islam, zu dem man hätte beitreten können oder dem man gegebenenfalls wieder hätte abschwören können.

ANMERKUNG:
1. [Ibn Ishāq, Sīra:] Das Leben Muhammed’s nach Muhammed Ibn Ishâk bearbeitet von Abd el-Malik Ibn Hischâm, uitg.. F. Wüstenfeld, Göttingen 1858–60, 1021. لما توفي رسول الله ص ارتدت العرب، واشرأبت اليهودية والنصرانية، ونجم النفاق، وصار المسلمين كالغنم المطيرة في الليلة الشاتية، لفقد نبيهم ص حتى جمعهم الله على أبي بكر.

Literatur
M. Lecker, ‘Ridda,’ in EI2 Suppl. [große Bibliographie!].
E. S. Shoufani, AlRiddah and the Muslim Conquest of Arabia, Toronto/Beirut 1973.
M. J. Kister, ‘The struggle against Musaylima and the conquest of Yamāma,’ in Jerusalem Studies of Arabic and Islam 27 (2002), 1–56. Auch online.

Diakritische Zeichen: Ibn Isḥāq, Ḫālid

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