Fatwa (Kurzdefinition)

Eine Fatwa (fatwā, Pl. fatāwā فتوى، فتاوى) ist im sunnitischen Islam ein nicht verbindliches, gelehrtes Gutachten auf dem Gebiet der Scharia. Eine Fatwa wird von einem Mufti (muftī) abgegeben auf Verlangen von Richtern, Privatpersonen und manchmal auch von Behörden. Scharia ist islamisches Recht, aber auch mehr als Recht: das verlangte Gutachten kann deshalb auch auf dem Gebiet der Ethik, der guten Sitten und der Glaubenslehre liegen.

Wer sich nicht persönlich an einen Mufti (der jeweils erwünschten Rechtsschule) wenden mag, kann auch Fatwa-Sammlungen von bekannten Schariagelehrten aus früher oder neuerer Zeit lesen, oder sich eine Fatwa über Internet einholen, siehe z.B. das Portal www.cyberfatwa.de.

Seit der Rushdie-Affäre (1989) ist das Wort Fatwa auch in Deutschland verbreitet, wird aber oft falsch verstanden. In der Phrase: „eine Fatwa über jemanden verhängen“ hört es sich fast an wie ein Todesurteil. Aber ein Gerichtsurteil ist es nicht, geschweige denn ein Todesurteil. Eine Fatwa, in der jemands Blut für erlaubt erklärt wird, kann einen Scharia-Richter dazu bringen ein Todesurteil zu verhängen. Aber er kann die Fatwa auch ignorieren oder ergänzend andere einholen. Und wo gibt es überhaupt Scharia-Richter? Sunnitisches Strafrecht mitsamt Todesstrafe kommt nur in einigen wenigen Ländern vor, von denen Saudi-Arabien das wichtigste ist.

Kurzdefinitionen: Anlässe der Offenbarung, Dhimmi, Hadith, Isnad, Isra’iliyat, Kalif, Koranauslegung, Muslim, Naskh, Prophetenerzählungen, Sabab an-nuzul, Scharia, Sira, Sunna, Tafsir, Taqiya,

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