Grammatik Modernes Hocharabisch

In einem Lehrbuch werden Morphologie und Syntax einer Sprache bruchstückweise und (hoffentlich) pädagogisch aufbereitet angeboten. In einer Grammatik wird derselbe Stoff, und meistens noch mehr, systematisch behandelt. Beide Buchtypen sollten eigentlich deutlich von einander unterschieden sein, aber weil die Grammatiken des Modernen Hocharabisch (noch) so unzureichend sind, nimmt man manchmal auch Zuflucht zu Lehrbüchern, wenn man eigentlich eine Grammatik haben will.

Eine einfache Anfängergrammatik, die sowohl Morphologie wie Syntax gut behandelt, ist:

  • Eckehard Schulz, Modernes Hocharabisch, Grammatik, Wiesbaden (Reichert), 2004.

Fortgeschrittene können aus den folgenden Lehrbüchern viel über die Grammatik lernen:

  • Blohm/Reuschel/Samarraie, Lehrbuch des modernen Arabisch, Teil II/1 und II/2, Leipzig (VEB Verlag Enzyklopädie), 2. Aufl. 1989,
  • Krahl/Reuschel/Jumaili, Modernes Arabisch. Lehrbuch für Fortgeschrittene, Dolmetscher und Übersetzer. Durchgesehen und überarbeitet von Eckehard Schulz, Wiesbaden (Reichert) 2004.

Das DDR-Buch wird hier noch erwähnt, weil es trotz zahlreicher Druckfehler eine Meisterleistung war und das Nachfolgewerk nicht alles daraus enthält.

Im Englischen gibt es eine gute, aber wenig übersichtliche Syntax:

  • Elsaid Badawi, M.G. Carter & Adrian Gully, Modern Written Arabic. A Comprehensive Grammar, London (Routledge) 2004.

Eine große Syntax des MHA ist im Entstehen begriffen:

  • Hashem El-Ayoubi, Wolfdietrich Fischer und Michael Langer, Syntax der Arabischen Schriftsprache der Gegenwart, Wiesbaden (Reichert) 2001–.

Von den versprochenen vier Teilen sind aber bis dato erst zwei erschienen; zusammen 1770 Seiten. Dieses Werk ist das Beste, das je publiziert wurde. Nach seiner Vollendung wird es bestimmt Grundlage einer kleineren Syntax für Unterrichtszwecke.

Das ältere Werk:

  • Vicente Cantarino, Syntax of Modern Arabic Prose, 3 Bde., Bloomington/London 1974–5.

ist ziemlich mangelhaft und sollte vielleicht besser im Regal bleiben.

Angesichts der Notlage bei der Beschreibung des klassischen Arabisch kann die neue Syntax gelegentlich auch dort hilfreich sein. Wenn sie andererseits bei der Lektüre moderner Texte (noch) nicht alle Fragen beantwortet, flüchtet man wiederum in die Grammatiken des klassischen Arabisch .

Eine Fachzeitschrift ist Zeitschrift für Arabische Linguistik.

Siehe weiter: Arabisch lernen     Grammatikunterricht Arabisch
Lehrbücher: Modernes Hocharabisch, Klassisch-Arabisch, Dialekte
Grammatiken: Modernes Hocharabisch, Klassisch-Arabisch, Dialekte
Wörterbücher: Modernes Hocharabisch, Klassisch-Arabisch, Dialekte

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4 Kommentare zu “Grammatik Modernes Hocharabisch

  1. Guten Tag!

    Ich hab hier mal ein paar Kommentare durchgelesen und stellte fest, dass Sie alles andere als Sympathie für die Ohlig-Truppe hegen (genau wie ich).

    Von Marw oder ähnlichem wollen Sie sicherlich nichts hören, was ich absolut verstehe, doch in diesem Fall ist es was anderes: http://inarah.de/sammelbaende-und-artikel/inarah-band-6/gross-die-erfundenen-arabischen-relativpronomen-ein-beitrag-zur-entstehungsgeschichte-des-klassisch-arabischen/

    Alle Dialekte deklinieren diesen Relativpronomen nicht mehr, es gibt angeblich viele andere Seltsamkeiten usw.. Nun bin ich aber bloß ein Außenstehender, Sie hingegen ein erfahrener Arabist, was denken Sie über diese These?

    Ich hab mich mal schlau gemacht und u.a. die sogenannten „Qurra“ Papyri im Internet gefunden, aus dem frühen 8.Jahrhundert. Dort fand ich sowohl alladhi als auch alladhina, was Groß‘ These zumindest hier abschwächen sollte

    Vielleicht haben Sie gewiss besseres zu tun, und hier würde ich mich persönlich entschuldigen, sollte ich Sie damit gestört haben. Doch leider gibt es kaum Forscher, die sich mit diesen Thesen auseinandersetzten. Es hat ja nichts mit Marw oder ähnlichem zu tun, es ist hier was rein sprachliches.

    Schönen Tag noch und danke im voraus.

  2. Ich bin zwar Arabist, aber wie die meisten klassisch ausgebildeten Arabisten nicht vertraut mit „Sprachwissenschaft des Arabischen und seiner Dialekte“ (vgl. Groß, Fußnote 117). Leider kann ich deshalb Ihre Frage nicht beantworten.

  3. Vielen Dank für die schnelle Antwort!

    Zugegeben, diesmal hat die Inarah-Truppe mal ausnahmsweise was interessantes angesprochen. Generell denke ich auch, dass Markus Groß (zusammen mit dem Puin-Duo) viel seriöser ist und wissenschaftlicher arbeitet. (zumindest was das sprachliche angeht)

    Ohlig, Luxenberg, J.Thomas, R. Kerr oder Dequin übersehen zahlreiche Funde wie Papyri oder Inschriften. So wird einfach behauptet, die arabische Schrift sei direkt(!) vom syrischen entstanden, obwohl jeder weiß, dass es seinen Ursprung im nabatäischen hat. Man könnte wenigstens drauf eingehen, warum es nicht vom nabatäischen stammt, was leider nicht der Fall ist.

    Namen wie Ali, Abdullah oder Muhammad waren schon im 7. Jahrhundert gang und gebe, und es gab sie teilweise sogar schon in vorislamischen Inschriften!

    Auch Kunyas (Abu xy) sind so gut wie gar nicht in nordarabischen Inschriften belegt, dafür im heutigen Jemen, was ebenfalls dafür spricht, dass diese Araber mit dem archaischen Dialekt und flektierendem Relativpronomen eher aus dem südlichen Hedschaz stammten, nicht aus Merw!

    Dass das thamudische allati konvergent entstanden sei, halte ich eher für unwahrscheinlich.

    Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag.

  4. Nochmals guten Tag!

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmals was schreiben würde. Doch ich hatte das große Glück, mit Ahmad al-Jallad von der Universität Harvard darüber zu reden, welcher vor kurzem ein Buch über die Grammatik des Safaitischen schrieb. Ich schreibe mal sinngemäß auf, was er dazu meinte, im Fall dass es Sie interessieren sollte:

    Höchstwahrscheinlich ist alladhi verwandt mit dem hebräischen Demonstrativpronomen hallaze (und vielleicht auch mit dem ugaritischen hnd). Es wurde zu einem Relativpronomen weiterentwickelt, und es wurden folglich Deklinationen für Mask./Fem. und Dual/Plural eingeführt. Sowas nennt man eher morphologische Erneuerung als eine Erfindung, so al-Jallad. Die diversen Formen der fem. Plural Formen deuten darauf hin, dass Varianten des Arabischen unabhängig voneinander versuchten, die Deklinationen zu erweitern.

    Übrigens ist das allati aus der vorisl. Inschrift nicht thamudisch, sondern dadanitisch (früher aber thamudsich A genannt). Das „originale“ arab. Relativpronomen sei ḏū (vermutlich auch mit Deklinationen), fem. Formen wie ḏʾt und ḏt sind auch im safaitischen belegt. Sogar der Plural sei belegt als ḏw, vielleicht ausgesprochen wie ḏawū.

    Was die dialektale Formen illi/addi angeht, so sei es zweifelhaft, ob sie überhaupt mit alladhi verwandt seien. Es kann sein, dass sie mit dem hebr. Dem-Pro. elle verwandt sein könnten, dass iddi könnt durch al+ḏi (aḏḏi->iddi) entstanden sein.

    Ob dieses alladhi vs.illi nicht auf ein Koiné vs. Vulgärsprache hinweist (ähnlich wie klass. Latein vs. Vulgärlatein)? Laut al-Jallad könne man noch nicht viel dazu sagen, ob die Sprache des Koran auf den Koreischitischen Dialekt oder auf ein Koiné hinweist. Die grammatischen Werke aus 8./9. Jahrhundert würden nicht weiter helfen, sie stammen aus späterer Zeit.

    Nun, soviel dazu, ich finde die Erklärung sehr gut, ich hoffe aber das ich das richtig wiedergegeben habe. Soviel von mir.

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